Flossbach von Storch verwaltet rund 70 Milliarden Euro und ist damit deutlich kleiner als die großen Fondshäuser. Bekannt wurde die Kölner Gesellschaft mit einem Mischfonds, der über Jahre zu den erfolgreichsten im deutschen Markt zählte.
Das Profil auf einen Blick
| Sitz | Köln |
| Gegründet | 1998 |
| Gründer | Bert Flossbach und Kurt von Storch |
| Verwaltetes Vermögen | rund 70 Milliarden Euro |
| Eigentümer | die Gründer und Partner |
| Schwerpunkt | aktiv verwaltete Misch- und Aktienfonds |
| Bekanntestes Produkt | ein vermögensverwaltender Mischfonds |
| Besonderheit | inhabergeführt, keine Bankenmutter |
Was das Haus auszeichnet
Anders als die großen Anbieter gehört Flossbach von Storch keiner Bank und keinem Konzern. Die Gründer halten die Anteile selbst – eine Struktur, die im deutschen Fondsmarkt selten ist.
Daraus folgt ein anderer Vertriebsweg. Es gibt kein Filialnetz; die Fonds werden über Banken, freie Berater und Direktbanken verkauft. Gewachsen ist das Haus vor allem über die Wertentwicklung seiner Produkte, nicht über einen Vertriebsapparat.
Der Anlagestil gilt als konservativ: Schwerpunkt auf Qualitätsunternehmen mit stabilen Erträgen, dazu Gold als Absicherung und ein flexibler Anleihenanteil.
Die Entwicklung des Hauses
| Zeitraum | Entwicklung |
|---|---|
| 1998 | Gründung durch zwei ehemalige Vermögensverwalter einer Privatbank |
| 2000er-Jahre | Aufbau des Geschäfts mit vermögenden Privatkunden |
| 2007 | Auflage des bekanntesten Mischfonds |
| 2008 bis 2012 | starker Zulauf nach der Finanzkrise |
| 2010er-Jahre | Wachstum auf zweistellige Milliardenbeträge |
| heute | rund 70 Milliarden Euro verwaltetes Vermögen |
Der Durchbruch kam nach der Finanzkrise. Während viele Fonds schwere Verluste verbuchten, hielten sich die Kölner Produkte vergleichsweise gut – das brachte Aufmerksamkeit und Zuflüsse.
Dieses Muster ist typisch für die Branche: Ruf entsteht in Krisen, nicht in Boomphasen. Wer weniger verliert, gewinnt Kunden – auch wenn er in guten Jahren hinterherläuft.
Die Produkte
| Fondsart | Ausrichtung | Typische Kosten |
|---|---|---|
| Vermögensverwaltende Mischfonds | Aktien, Anleihen, Gold | 1,5 bis 1,8 Prozent |
| Defensive Varianten | niedrigerer Aktienanteil | 1,3 bis 1,6 Prozent |
| Aktienfonds | weltweite Qualitätsunternehmen | 1,5 bis 1,7 Prozent |
| Anleihenfonds | flexible Rentenstrategien | 0,9 bis 1,2 Prozent |
| Dividendenstrategien | ausschüttungsstarke Aktien | 1,5 bis 1,7 Prozent |
Die Kosten liegen im üblichen Rahmen aktiv verwalteter Fonds und damit deutlich über denen von Indexfonds. Bei mehreren Produkten kommt eine erfolgsabhängige Gebühr hinzu.
Der Vergleich mit Indexfonds
Die entscheidende Frage bei jedem aktiv verwalteten Fonds lautet, ob die Mehrkosten durch bessere Ergebnisse gedeckt sind.
| Merkmal | Aktiver Mischfonds | Selbst gebaute Mischung |
|---|---|---|
| Laufende Kosten | 1,3 bis 1,8 Prozent | etwa 0,15 Prozent |
| Aufwand | keiner | einmal jährlich anpassen |
| Steuerung | Management entscheidet | feste Quote nach Plan |
| Ergebnis | abhängig von Entscheidungen | folgt dem Markt |
| Abhängigkeit | von Personen | keine |
Über dreißig Jahre summiert sich ein Kostenunterschied von 1,5 Prozentpunkten zu einem erheblichen Betrag. Ein aktiver Fonds muss diesen Abstand erst einmal erwirtschaften, bevor er besser dasteht.
Das gelingt einzelnen Häusern über lange Zeiträume – welchen, lässt sich aber erst im Rückblick sagen. Die Rechnung dazu zeigt der ETF-Rechner.
Der Anlagestil
Das Haus veröffentlicht seine Grundsätze ausführlich. Vier Punkte kehren regelmäßig wieder.
Qualität vor Wachstum. Gesucht werden Unternehmen mit stabilen Erträgen, geringer Verschuldung und einer Marktstellung, die sich verteidigen lässt.
Gold als Versicherung. Ein Teil des Vermögens liegt in Gold, gedacht als Absicherung gegen Geldentwertung und Systemrisiken – Hintergründe im Beitrag zum Goldpreis.
Liquidität halten. Kasse wird nicht als Versäumnis gesehen, sondern als Möglichkeit, in Rückschlägen zu kaufen.
Wenige Positionen. Die Portfolios sind konzentrierter als bei vielen Wettbewerbern – was höhere Chancen und höhere Abhängigkeit von einzelnen Entscheidungen bedeutet.
Die Grenzen des Modells
Mit wachsendem Volumen wird eine flexible Steuerung schwieriger. Wer zweistellige Milliardenbeträge in einem Fonds verwaltet, kann Positionen nicht mehr schnell auf- oder abbauen, ohne den Kurs zu bewegen.
Hinzu kommt die Abhängigkeit von einzelnen Personen. Die Gründer prägen den Anlagestil seit Jahrzehnten – ein Wechsel an der Spitze wäre ein Einschnitt, der bei Indexfonds nicht existiert.
Einordnung
Flossbach von Storch steht für eine Nische, die es im deutschen Markt weiterhin gibt: ein inhabergeführtes Haus, das mit einer erkennbaren Anlagephilosophie wirbt statt mit Vertriebskraft.
Aus Sicht der Marktteilnehmer bleibt die Kostenfrage entscheidend. Wer 1,6 Prozent jährlich zahlt, braucht eine entsprechend bessere Wertentwicklung, um mit einer günstigen Mischung aus zwei Indexfonds mitzuhalten – nachzurechnen im ETF-Rechner. Eine Einordnung der Produktgattung gibt der Beitrag zu Mischfonds.
Das Forschungsinstitut
Neben dem Fondsgeschäft betreibt das Haus ein eigenes Forschungsinstitut, das zu wirtschaftspolitischen Fragen publiziert – etwa zu Geldpolitik, Staatsverschuldung und Altersvorsorge.
Die Veröffentlichungen sind frei zugänglich und werden in Medien regelmäßig zitiert. Für das Haus ist das Teil der Außendarstellung: Es positioniert sich als Stimme in wirtschaftspolitischen Debatten, nicht nur als Produktanbieter.
Für Anleger ist der Nutzen mittelbar. Die Analysen erklären die Denkweise hinter den Anlageentscheidungen – etwa die Skepsis gegenüber Staatsanleihen hoch verschuldeter Länder, wie sie der Beitrag zu Staatsanleihen beschreibt.
Häufige Fragen
Wo kann man die Fonds kaufen?
Über Banken, freie Berater und alle gängigen Direktbanken. Bei Direktbanken entfällt der Ausgabeaufschlag häufig ganz oder teilweise.
Was kostet ein Fonds im Jahr?
Bei den Mischfonds liegen die laufenden Kosten meist zwischen 1,3 und 1,8 Prozent, teils zuzüglich erfolgsabhängiger Gebühr. Die genauen Werte stehen im Basisinformationsblatt.
Gibt es ETFs des Hauses?
Nein. Das Geschäftsmodell beruht vollständig auf aktiver Verwaltung.
Für wen eignen sich die Fonds?
Für Anleger, die eine Betreuung ihres Vermögens in einem Produkt wünschen und die Kosten dafür akzeptieren. Wer selbst mischt, kommt mit zwei Indexfonds deutlich günstiger zum selben Risikoprofil.
Wie war die Wertentwicklung?
Über lange Zeiträume lag das Haus mehrfach vor vergleichbaren Mischfonds, in einzelnen Jahren auch deutlich dahinter. Vergangene Ergebnisse sagen nichts über künftige aus – eine Binsenweisheit, die hier besonders gilt, weil die Portfolios konzentriert sind.
Die Konkurrenz im Segment
Inhabergeführte Vermögensverwalter mit eigener Fondspalette gibt es in Deutschland mehrere. Sie teilen sich einen Markt, der von den großen Verbundhäusern dominiert wird.
| Gesellschaft | Sitz | Verwaltetes Vermögen | Schwerpunkt |
|---|---|---|---|
| Flossbach von Storch | 🇩🇪 Köln | rund 70 Mrd. € | Mischfonds und Aktienfonds |
| DJE Kapital | 🇩🇪 Pullach | rund 15 Mrd. € | Vermögensverwaltung und Mischfonds |
| Acatis | 🇩🇪 Frankfurt | rund 10 Mrd. € | wertorientierte Aktienfonds |
| Union Investment | 🇩🇪 Frankfurt | rund 570 Mrd. € | Verbundgesellschaft zum Vergleich |
Der Größenunterschied zu den Verbundhäusern ist beträchtlich. Die inhabergeführten Anbieter wachsen nicht über Filialen, sondern über Ergebnisse und Empfehlungen – ein langsamerer, aber stabilerer Weg.
Für Anleger bedeutet das vor allem eines: Diese Fonds muss man selbst suchen. In der Bankfiliale werden sie nicht angeboten.
Quellen
- Flossbach von Storch – Unternehmensangaben und Fondsdaten
- BVI – Marktstatistiken
- Basisinformationsblätter der Fonds – Kostenangaben
Stand: 27. September 2026. Kostenangaben sind Richtwerte je Fonds. Keine Anlageberatung.