Tradegate ist der Handelsplatz, über den ein Großteil der Privatanleger-Orders in Deutschland läuft – oft ohne dass die Anleger es bemerken. Viele Broker leiten Aufträge standardmäßig dorthin.
Was Tradegate ist
Hinter dem Namen stehen zwei Dinge, die häufig verwechselt werden.
| Tradegate Exchange | eine staatlich beaufsichtigte Wertpapierbörse mit Sitz in Berlin |
| Tradegate AG | das Unternehmen dahinter, das als Marktmacher auftritt |
Die Börse ist speziell auf Privatanleger ausgerichtet: lange Handelszeiten, keine Mindestordergröße, Ausführung in Sekunden. Die Deutsche Börse hält eine Beteiligung an der Tradegate AG – siehe das Portrait zur Deutschen Börse.
Handelszeiten
Der entscheidende Vorteil gegenüber Xetra sind die Öffnungszeiten. Tradegate handelt an Werktagen von 8 bis 22 Uhr – Xetra dagegen nur von 9 bis 17.30 Uhr.
Wer abends nach Feierabend handeln will oder auf US-Nachrichten reagieren möchte, die nach deutschem Börsenschluss eintreffen, kann das über Tradegate tun. Genau darin liegt für Berufstätige der praktische Nutzen.
Wie die Kursstellung funktioniert
Anders als bei einer klassischen Börse treffen bei Tradegate nicht einfach Käufer und Verkäufer aufeinander. Ein Marktmacher stellt laufend Preise – er kauft und verkauft gegen das eigene Buch.
Daraus ergibt sich die Geld-Brief-Spanne: Der Verkaufspreis liegt stets etwas über dem Ankaufspreis. Diese Differenz ist der Verdienst des Marktmachers – und für den Anleger ein Kostenfaktor, der neben den Ordergebühren des Brokers anfällt.
In den Haupthandelszeiten ist die Spanne meist eng und orientiert sich am Xetra-Kurs. Früh morgens, spät abends und in hektischen Marktphasen wird sie breiter.
Worauf Anleger achten sollten
Limit statt Market. Eine unlimitierte Order wird zum nächstbesten Preis ausgeführt – bei breiter Spanne kann das teuer werden. Ein Limit legt fest, welchen Preis Sie höchstens zahlen.
Randzeiten meiden. Zwischen 9 und 17.30 Uhr, wenn Xetra parallel läuft, sind die Kurse am verlässlichsten. Um 8 Uhr morgens oder um 21 Uhr fehlt dieser Referenzpreis.
Gesamtkosten rechnen. Ein Broker mit günstigen Ordergebühren nützt wenig, wenn die Spanne am gewählten Handelsplatz breit ist. Mehr dazu im Depot-Vergleich.
Tradegate oder Xetra?
| Tradegate | Xetra | |
|---|---|---|
| Handelszeit | 8 bis 22 Uhr | 9 bis 17.30 Uhr |
| Preisbildung | Marktmacher stellt Kurse | Orderbuch aller Teilnehmer |
| Zielgruppe | Privatanleger | alle, auch institutionelle |
| Handelsvolumen | viele kleine Orders | höchste Liquidität |
Für kleinere Beträge in den Kernzeiten macht der Unterschied selten viel aus. Bei größeren Summen oder wenig gehandelten Werten ist Xetra wegen der höheren Liquidität meist die bessere Wahl.
Fazit
Tradegate hat den Wertpapierhandel für Privatanleger zugänglicher gemacht – vor allem durch die langen Handelszeiten und die Ausrichtung auf kleine Orders.
Aus Sicht der Marktteilnehmer lohnt ein Blick auf die Geld-Brief-Spanne, bevor die Order abgeschickt wird. Sie steht im Depot direkt neben dem Kurs und ist bei kleinen Beträgen oft der größere Kostenblock als die Ordergebühr selbst.
Weitere Grundlagen finden Sie unter Finanzwissen, etwa zum Wertpapierdepot und zum Aktienkauf.
Angaben ohne Gewähr. Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar.