Der Dispositionskredit ist der teuerste Kredit, den die meisten Menschen regelmäßig nutzen – und der bequemste. Beides hängt zusammen.
Was der Dispo ist
Die Bank räumt auf dem Girokonto einen Rahmen ein, über den hinaus verfügt werden darf. Meist entspricht er zwei bis drei Nettomonatsgehältern. Eine Beantragung im Einzelfall entfällt – das Konto wird einfach negativ.
Zinsen fallen nur auf den tatsächlich genutzten Betrag an, taggenau berechnet. Wer den Rahmen nicht nutzt, zahlt nichts.
Warum er so teuer ist
Dispozinsen liegen regelmäßig im zweistelligen Bereich – ein Vielfaches dessen, was ein Ratenkredit kostet.
Die Banken begründen das mit dem Verwaltungsaufwand und damit, dass der Rahmen jederzeit abrufbar bereitgehalten werden muss. Hinzu kommt: Wer den Dispo nutzt, vergleicht selten – die Bequemlichkeit hat ihren Preis.
Wird der eingeräumte Rahmen überschritten, gilt ein noch höherer Überziehungszins.
Die Rechnung
Ein Beispiel: Wer dauerhaft 3.000 Euro im Minus steht, zahlt bei zwölf Prozent Dispozins etwa 360 Euro im Jahr – ohne dass sich an der Schuld etwas ändert.
Dieselbe Summe als Ratenkredit über drei Jahre kostet bei sechs Prozent effektiv rund 285 Euro Zinsen insgesamt – und ist danach getilgt.
Wann er trotzdem sinnvoll ist
Für kurze Überbrückungen von wenigen Tagen ist der Dispo praktisch und unterm Strich günstig, weil die Zinsen taggenau anfallen. Wer am 28. eines Monats kurz ins Minus rutscht und am 1. wieder ausgleicht, zahlt Centbeträge.
Problematisch wird es bei dauerhafter Nutzung. Wenn das Konto seit Monaten nicht mehr im Plus war, ist der Dispo zur schleichenden Verschuldung geworden.
Alternativen
| Lösung | Wann passend |
|---|---|
| Umschuldung in einen Ratenkredit | bei dauerhafter Inanspruchnahme |
| Rahmenkredit | bei wiederkehrendem, schwankendem Bedarf |
| Rücklage aufbauen | vorbeugend, etwa über Tagesgeld |
| Bankwechsel | bei deutlich überdurchschnittlichem Dispozins |
Banken sind gesetzlich verpflichtet, bei dauerhafter Überziehung ein Beratungsgespräch anzubieten. Dieses Angebot anzunehmen kostet nichts und kann eine Umschuldung anstoßen.
Fazit
Der Dispo ist ein Werkzeug für Tage, nicht für Monate. Für kurze Engpässe ist er unschlagbar bequem, für alles darüber hinaus die teuerste verfügbare Lösung.
Aus Sicht der Marktteilnehmer lohnt ein Blick auf den letzten Kontoauszug: Wenn dort seit einem halben Jahr durchgehend ein Minus steht, ist die Umschuldung in einen Ratenkredit in nahezu jedem Fall günstiger.
Weitere Grundlagen finden Sie unter Finanzwissen.
Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Beratung dar. Angaben ohne Gewähr.