Vermögen in Deutschland: Median, Durchschnitt und ab wann man reich ist

Der typische Haushalt in Deutschland besitzt rund 103.000 Euro. Der Durchschnitt liegt bei 324.800 Euro – dreimal so hoch. Diese Lücke erklärt fast alles, was man über Vermögen in Deutschland wissen muss.

Die wichtigsten Zahlen

Medianvermögen je Haushaltrund 103.100 Euro
Durchschnittsvermögen je Haushaltrund 324.800 Euro
Verhältnisder Durchschnitt ist 3,1-mal so hoch
Schwelle zu den obersten 10 Prozentrund 777.200 Euro
Anteil der obersten 10 Prozentrund 54 Prozent des Gesamtvermögens
Anteil der unteren Hälftegut 2 Prozent
Gini-Koeffizient0,724
DatenquelleBundesbank-Vermögensbefragung 2023

Median und Durchschnitt: der entscheidende Unterschied

Beide Zahlen beschreiben dasselbe Vermögen, führen aber zu völlig verschiedenen Schlüssen.

Der Median ist der Wert genau in der Mitte: Die eine Hälfte der Haushalte besitzt mehr, die andere weniger. Er liegt bei rund 103.100 Euro.

Der Durchschnitt teilt das gesamte Vermögen durch die Zahl der Haushalte. Weil einige wenige sehr vermögende Haushalte enorme Summen halten, zieht das den Wert nach oben – auf 324.800 Euro.

Wer sich am Durchschnitt misst, kommt zu einem falschen Bild. Ein Haushalt mit 150.000 Euro liegt deutlich über der Mitte der Verteilung, aber weit unter dem Durchschnitt.

Ab wann gilt man als reich?

Eine amtliche Definition gibt es nicht. Üblich sind Schwellen, die sich aus der Verteilung ergeben.

GruppeSchwelle beim Nettovermögen
Obere Hälfteab rund 103.100 Euro
Oberstes Viertelab rund 300.000 Euro
Oberste 10 Prozentab rund 777.200 Euro
Oberstes 1 Prozentab etwa 1 bis 2 Millionen Euro, je nach Erhebung
Millionärerund 1,5 Prozent der Erwachsenen

Wichtig ist der Bezug: Diese Werte gelten für das Nettovermögen eines Haushalts – Immobilien, Geldanlagen und Sachwerte abzüglich aller Schulden. Ansprüche aus der gesetzlichen Rente zählen nicht dazu, was das tatsächliche wirtschaftliche Polster vieler Arbeitnehmer unterzeichnet.

Vermögen nach Alter

Der wichtigste Einzelfaktor ist das Lebensalter. Vermögen entsteht über Jahrzehnte – ein Vergleich mit der Gesamtbevölkerung führt deshalb in die Irre.

AltersgruppeMedianvermögen
unter 35 Jahrerund 17.300 Euro
35 bis 44 Jahredeutlich darüber, Aufbauphase
45 bis 54 Jahreweiter steigend
55 bis 64 Jahrerund 241.100 Euro
ab 65 Jahrehoch, danach allmählicher Verzehr

Die Zahlen zeigen, warum der Altersvergleich wichtiger ist als der Gesamtvergleich: Ein 30-Jähriger mit 100.000 Euro liegt bundesweit knapp unter dem Median – in seiner Altersgruppe gehört er bereits zum reichsten Fünftel.

Woraus das Vermögen besteht

Die Zusammensetzung unterscheidet sich stark zwischen den Vermögensgruppen.

BestandteilBedeutung
Selbstgenutztes Wohneigentumgrößter Posten in der Mitte der Verteilung
Bankguthabendominiert in der unteren Hälfte
Versicherungsansprücheprivate Renten- und Lebensversicherungen, breit verteilt
Betriebsvermögenfast ausschließlich in der oberen Gruppe
Aktien und Fondsstark auf die oberen Zehntel konzentriert

Die untere Hälfte hält ihr Geldvermögen fast ausschließlich in Einlagen und Versicherungen. Produktivkapital – Aktien, Fonds, Unternehmensanteile – findet sich nahezu vollständig in den oberen Gruppen.

Diese Struktur wirkt selbstverstärkend: In Jahren steigender Aktienkurse wächst das Vermögen oben schneller als unten, unabhängig vom Einkommen. Genau das ist einer der Gründe, warum die Ungleichheit trotz stabiler Löhne zunimmt.

Ost und West

Mehr als drei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung bestehen erhebliche Unterschiede. Das Medianvermögen in den östlichen Bundesländern liegt deutlich unter dem westlichen Wert.

Die Ursache liegt weniger bei den Einkommen als beim Erbe: In Westdeutschland konnte über Generationen Eigentum aufgebaut und weitergegeben werden. Im Osten begann dieser Prozess erst 1990 – und Erbschaften sind der wichtigste Einzelfaktor für große Vermögensunterschiede.

Wie ungleich ist die Verteilung?

Der Gini-Koeffizient misst Ungleichheit auf einer Skala von 0 bis 1. Bei 0 besäßen alle gleich viel, bei 1 hielte eine Person alles. Für das Vermögen in Deutschland liegt er bei 0,724 – ein im europäischen Vergleich hoher Wert.

GruppeAnteil am Gesamtvermögen
Oberste 10 Prozentrund 54 Prozent
Oberstes 1 Prozentnach korrigierten Schätzungen bis zu einem Drittel
Untere Hälftegut 2 Prozent
Unterstes Viertelunter 10.000 Euro, teils negativ

Rund ein Viertel der Haushalte hat kein oder ein negatives Nettovermögen – die Schulden übersteigen den Besitz.

Die Rolle der Erbschaften

Vermögen wird in Deutschland überwiegend nicht erarbeitet, sondern weitergegeben. Jährlich wechseln dreistellige Milliardenbeträge den Besitzer.

MerkmalBefund
Jährliches ErbvolumenSchätzungen reichen von 300 bis 400 Milliarden Euro
Verteilungstark konzentriert, wenige Erbfälle machen große Summen aus
Typisches Erbedeutlich kleiner als der Durchschnitt vermuten lässt
Wirkungverstärkt bestehende Unterschiede über Generationen

Der Effekt ist erheblich: Wer erbt, startet mit einem Vorsprung, der durch eigenes Sparen kaum aufzuholen ist. Das erklärt, warum die Vermögensungleichheit deutlich größer ist als die Einkommensungleichheit.

Für die Steuerpolitik ist das ein Dauerthema. Erbschaften werden in Deutschland vergleichsweise niedrig besteuert, vor allem bei Betriebsvermögen – die Regeln dazu werden regelmäßig überarbeitet.

Warum Deutschland im Vergleich schlecht dasteht

Im europäischen Vergleich liegt das Medianvermögen deutscher Haushalte unter dem vieler Nachbarländer – obwohl die Wirtschaftsleistung höher ist. Dafür gibt es drei Erklärungen.

Die Eigentumsquote. Etwa die Hälfte der Haushalte wohnt zur Miete, in Südeuropa ist Wohneigentum die Regel. Immobilien sind der größte Vermögensbaustein – wer mietet, baut diesen Posten nicht auf.

Die Anlagestruktur. Die untere Hälfte der Haushalte hält ihr Geldvermögen fast ausschließlich auf Konten und in Versicherungen. Aktien und Fonds, die langfristig höhere Erträge bringen, sind schwach vertreten – Grundlagen unter Was ist ein ETF.

Das Rentensystem. Ansprüche aus der gesetzlichen Rente erscheinen in keiner Vermögensstatistik. In Ländern mit kapitalgedeckten Systemen zählen die angesparten Beträge dagegen mit.

Häufige Fragen

Was zählt zum Nettovermögen?

Immobilien, Bankguthaben, Wertpapiere, Ansprüche aus privaten Lebens- und Rentenversicherungen sowie Fahrzeuge und andere Sachwerte – abzüglich aller Schulden. Ansprüche aus der gesetzlichen Rente zählen nicht dazu.

Ab wann ist man Millionär?

Gemeint ist ein Nettovermögen von einer Million Euro. Rund 1,5 Prozent der Erwachsenen in Deutschland erreichen diese Marke.

Warum ist der Durchschnitt so viel höher als der Median?

Weil wenige sehr vermögende Haushalte den Mittelwert nach oben ziehen. Bei gleichmäßiger Verteilung lägen beide Werte dicht beieinander.

Wie schneidet Deutschland im europäischen Vergleich ab?

Beim Medianvermögen liegt Deutschland hinter mehreren südeuropäischen Ländern – vor allem wegen der niedrigen Eigentumsquote bei Wohnimmobilien.

Wie kann man das eigene Vermögen einordnen?

Am aussagekräftigsten ist der Vergleich mit der eigenen Altersgruppe. Ein Vergleich mit der Gesamtbevölkerung benachteiligt Jüngere systematisch, weil Vermögen über das Erwerbsleben entsteht.

Wie Vermögen aufgebaut wird

Die Statistik zeigt drei Hebel, die über Jahrzehnte den Unterschied machen.

HebelWirkung
Wohneigentumgrößter Einzelposten in den meisten Haushalten
ZeitVermögen wächst exponentiell mit der Anlagedauer
AnlageformSachwerte und Aktien schlagen langfristig Sparguthaben

Der dritte Punkt erklärt einen erheblichen Teil der Ungleichheit: Wer Vermögen in Produktivkapital hält, nimmt am Wirtschaftswachstum teil. Wer auf dem Konto spart, verliert bei anhaltender Inflation real an Kaufkraft – mehr dazu im Beitrag Was ist ein ETF.

Einordnung

Die Zahlen zeigen ein Land, in dem Vermögen stark konzentriert ist und in dem Wohneigentum über die Verteilung entscheidet. Das private Geldvermögen überschritt Ende 2025 erstmals zehn Billionen Euro – verteilt ist es allerdings sehr ungleich.

Aus Sicht der Marktteilnehmer ist die Anlagestruktur der Hebel, an dem sich am ehesten etwas ändern lässt. Wer über Jahrzehnte nur auf dem Konto spart, verliert real an Kaufkraft; wer breit gestreut anlegt, nimmt am Produktivvermögen teil. Wie Vermögen weltweit verteilt ist, zeigt die Übersicht Die reichsten Menschen der Welt.

Quellen

Stand: 27. September 2026. Die Zahlen stammen überwiegend aus der Erhebung 2023; die nächste Befragung ist angekündigt. Angaben ohne Gewähr, keine Anlageberatung.

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