Im September 2025 ging der schwedische Zahlungsdienst Klarna an die New Yorker Börse. Das Debüt war ein Erfolg, der Ausgabepreis lag über der Spanne, die Nachfrage war riesig. Wenige Monate später hatte die Aktie mehr als zwei Drittel ihres Wertes verloren. Die Geschichte eines Börsengangs, der zeigt, wie trügerisch ein guter erster Tag sein kann.
Das Wichtigste in Kürze
| Unternehmen | Klarna Group plc |
| Sitz | Stockholm |
| Börse | New York Stock Exchange |
| Kürzel | KLAR |
| Erstnotiz | 10. September 2025 |
| Ausgabepreis | 40 US-Dollar, Spanne war 35 bis 37 Dollar |
| Emissionsvolumen | rund 1,37 Mrd. US-Dollar |
| Bewertung zum Ausgabepreis | gut 15 Mrd. US-Dollar |
Was Klarna macht
Klarna ist vor allem für „Jetzt kaufen, später bezahlen“ bekannt: Kunden können Einkäufe in Raten oder zeitverzögert bezahlen, der Händler erhält sein Geld sofort. Inzwischen bietet Klarna auch Karten und Sparprodukte an. Das Unternehmen zählt weltweit rund 118 Millionen aktive Nutzer und arbeitet mit fast einer Million Händlern zusammen, darunter Ikea, Nike und Airbnb.
Für Verbraucher ist das Modell bequem, aber nicht ohne Tücken: Wer Rechnungen nicht rechtzeitig bezahlt, zahlt Mahngebühren und riskiert einen negativen SCHUFA-Eintrag. Ratenzahlungen sind ein Kredit – mehr dazu im Beitrag zum Ratenkredit.
Der Börsengang
Klarna hatte den Börsengang im April 2025 wegen der Marktturbulenzen durch die US-Zölle zunächst verschoben. Im September klappte es: Die Emission war rund 25-fach überzeichnet, der Ausgabepreis wurde auf 40 Dollar über die ursprüngliche Spanne angehoben.
Ein wichtiges Detail: Von den rund 1,37 Milliarden Dollar floss Klarna selbst nur ein kleiner Teil zu, rund 200 Millionen. Der Großteil ging an frühe Investoren, die ihre Anteile verkauften. Wie sich das auf die Interessenlage auswirkt, erklärt der Beitrag zum Börsengang.
Am ersten Handelstag eröffnete die Aktie bei 52 Dollar, stieg zeitweise auf 57 Dollar und schloss bei 45,82 Dollar – ein Plus von 15 Prozent.
Der Absturz
Was folgte, war ein brutaler Ausverkauf. Innerhalb weniger Monate verlor die Aktie mehr als zwei Drittel ihres Wertes. Im Sommer 2026 notierte sie bei rund 15 Euro – weit unter dem Ausgabepreis von 40 Dollar.
| Grund | Was passierte |
|---|---|
| Schwächerer Ausblick | Im Februar 2026 warnte Klarna vor einer Wachstumsverlangsamung im zweiten Quartal |
| Verfehlte Ertragskennzahl | Die Marge nach Kreditrückstellungen lag im vierten Quartal 2025 unter der eigenen Prognose |
| Ende der Sperrfrist | Am 9. März 2026 wurden rund 335 Millionen Aktien für den Handel frei |
| Sammelklagen | Anleger werfen Klarna vor, Risiken bei den Kreditausfallreserven verschleiert zu haben |
Besonders lehrreich ist die Sperrfrist. Beim Börsengang wurden nur rund 9 Prozent der Aktien platziert. Als die Sperrfrist für Altaktionäre endete, kam auf einen Schlag ein Vielfaches dieser Menge auf den Markt. Wer die Termine solcher Sperrfristen kennt, kann solche Belastungen vorhersehen.
Das Geschäft läuft trotzdem
Paradox: Operativ wächst Klarna weiter. Im vierten Quartal 2025 überschritt der Umsatz erstmals eine Milliarde Dollar, ein Plus von 38 Prozent. Unter dem Strich schrieb Klarna 2025 aber einen Verlust von 0,79 Dollar je Aktie. Die Zahl der Partnerhändler und der Bankkunden wächst deutlich.
Chancen und Risiken
| Chancen | Risiken |
|---|---|
| starkes Umsatzwachstum | Verluste unter dem Strich |
| große Nutzerbasis und bekannte Marke | Kreditausfälle in einer schwächeren Wirtschaft |
| Ausbau zu einer vollwertigen Bank | strengere Regulierung von Ratenkäufen weltweit |
| Kurs weit unter Ausgabepreis | Sammelklagen und Vertrauensverlust |
Fazit
Klarna ist ein Lehrbuchbeispiel dafür, dass ein überzeichneter Börsengang und ein starker erster Tag nichts über die weitere Entwicklung aussagen. Wer am ersten Tag zu 52 Dollar kaufte, verlor in wenigen Monaten den größten Teil seines Einsatzes.
Aus Sicht der Marktteilnehmer lohnt vor einem Einstieg in eine frisch notierte Aktie der Blick auf drei Punkte: den Anteil der Altaktionäre am Erlös, die Termine der Sperrfristen und die Frage, ob das Unternehmen Gewinn macht. Ähnliche Muster zeigen SpaceX und CSG.
Weitere Börsengänge im Überblick
Grundlagen: Börsengang: Wie ein IPO abläuft · Die größten Börsengänge der letzten 30 Jahre
Bereits an der Börse: SpaceX · CSG · TKMS · Klarna · Asta Energy · Gabler
Geplant, verschoben oder abgesagt: KNDS · OpenAI · Anthropic · Brainlab · Stada
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Stand: 21. September 2026. Angaben nach Unternehmensmitteilungen und Medienberichten, ohne Gewähr. Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Aktien und Beteiligungen sind mit Risiken bis zum Totalverlust verbunden.