Brainlab sollte 2025 der größte deutsche Börsengang des Jahres werden. Zwei Tage vor dem ersten Handelstag sagte das Münchner Medizintechnikunternehmen ab – zum zweiten Mal in seiner Geschichte. Was bekannt ist und ob ein neuer Versuch ansteht.
Das Wichtigste in Kürze
| Unternehmen | Brainlab AG |
| Sitz | München |
| Gründer | Stefan Vilsmeier |
| Vorstandschef | Rainer Birkenbach |
| Geplante Börse | Frankfurt, Prime Standard |
| Preisspanne 2025 | 80 bis 100 Euro |
| Abgesagt | 1. Juli 2025 |
| Aktien derzeit kaufbar | nein |
Was Brainlab macht
Brainlab entwickelt Software und Geräte für die Chirurgie und die Strahlentherapie. Die Systeme helfen Ärzten, Eingriffe am Gehirn oder an der Wirbelsäule präzise zu planen und durchzuführen – eine Art Navigationssystem für den Operationssaal. Neurochirurgie und Radiochirurgie machen den Großteil des Umsatzes aus.
Das Unternehmen ist profitabel: Im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2024/25 erzielte Brainlab einen Rekordumsatz von 243 Millionen Euro bei einer bereinigten operativen Marge vor Abschreibungen von 22,4 Prozent. Langfristig sind bis zu 30 Prozent angestrebt.
Der geplatzte Börsengang
Brainlab wollte rund ein Viertel seiner Anteile an die Börse bringen. Geplant war zunächst ein Erlös von bis zu 600 Millionen Euro, im Laufe des Verfahrens wurde das Ziel auf höchstens 420 Millionen gesenkt. Bis zu 200 Millionen davon sollten als frisches Kapital ins Unternehmen fließen.
Am 1. Juli 2025, kurz nach Schließung des Orderbuchs, kam die Absage. An überzogenen Preisvorstellungen lag es offenbar nicht: Die Eigentümer hätten sich mit einem Preis am unteren Ende der Spanne begnügt. Die Banken hatten sogar Details zur Qualität der Nachfrage veröffentlicht, um Vertrauen zu schaffen.
Brainlab selbst nannte die geopolitischen Unsicherheiten als Grund. Kurz zuvor lief die Frist im Zollstreit mit den USA ab, Investoren fürchteten weitere Kursschwankungen.
Schon der zweite Anlauf
Bemerkenswert: Brainlab hatte bereits 2001 einen Börsengang abgesagt, damals ebenfalls kurz vor dem Ziel, als die Technologieblase platzte. Für die Chronik der großen Börsengänge und ihrer Rückschläge siehe den Beitrag zu den größten Börsengängen.
Kommt ein neuer Versuch?
Brainlab und die verkaufenden Aktionäre teilten mit, einen Börsengang zu einem späteren Zeitpunkt weiter zu prüfen. Ein neuer Termin wurde bislang nicht bekannt gegeben. Das Umfeld hat sich 2026 gewandelt: Einige Emissionen wie Asta Energy verliefen sehr erfolgreich, andere wie KNDS scheiterten erneut.
Kann man schon jetzt investieren?
Nein. Brainlab-Aktien sind nicht börsennotiert. Wer in Medizintechnik investieren möchte, findet börsennotierte Unternehmen wie Siemens Healthineers.
Fazit
Brainlab zeigt, dass auch ein profitables Unternehmen mit guter Marktstellung an einem unruhigen Marktumfeld scheitern kann. Die Absage sagt weniger über Brainlab aus als über die Nervosität der Investoren im Sommer 2025.
Aus Sicht der Marktteilnehmer wäre ein neuer Versuch interessant, weil Brainlab – anders als viele Börsenkandidaten – bereits Gewinne schreibt. Bis dahin bleibt das Unternehmen ein Kandidat auf der Beobachtungsliste.
Weitere Börsengänge im Überblick
Grundlagen: Börsengang: Wie ein IPO abläuft · Die größten Börsengänge der letzten 30 Jahre
Bereits an der Börse: SpaceX · CSG · TKMS · Klarna · Asta Energy · Gabler
Geplant, verschoben oder abgesagt: KNDS · OpenAI · Anthropic · Brainlab · Stada
Noch nicht an der Börse: Helsing · Quantum Systems · Stark Defence · Neura Robotics
Stand: 21. September 2026. Angaben nach Unternehmensmitteilungen und Medienberichten, ohne Gewähr. Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Aktien und Beteiligungen sind mit Risiken bis zum Totalverlust verbunden.