Cboe: Optionsbörse, VIX und Europas größter Handelsplatz

von user

Cboe ist die Heimat des Volatilitätsindex VIX und die weltgrößte Optionsbörse. In Europa betreibt die Gruppe zudem den größten Handelsplatz für Aktien – einen, der selbst keine einzige Notierung führt.

Das Wichtigste in Kürze

Land🇺🇸 USA, europäische Tochter in Amsterdam und London
SitzChicago
Gegründet1973 als Chicago Board Options Exchange
SchwerpunktOptionen, Volatilitätsprodukte, Aktienhandel
Bekanntestes ProduktVIX
Handelszeiten USA15:30 bis 22:00 Uhr MEZ
Handelszeiten Europa9:00 bis 17:30 Uhr MEZ

Die Erfindung des Optionshandels

Vor 1973 wurden Optionen außerbörslich gehandelt – jeder Vertrag einzeln ausgehandelt, ohne einheitliche Bedingungen. Cboe standardisierte Laufzeiten, Basispreise und Kontraktgrößen und schuf damit einen handelbaren Markt.

Im selben Jahr veröffentlichten Fischer Black und Myron Scholes ihre Formel zur Optionsbewertung. Beides zusammen – ein standardisierter Markt und ein Modell zur Preisfindung – machte den modernen Derivatehandel möglich.

Was die Gruppe betreibt

BereichInhalt
Optionen USAvier Optionsbörsen, größter Markt der Welt
Aktien USAmehrere Handelsplätze mit unterschiedlichen Gebührenmodellen
Cboe EuropeAktienhandel in Amsterdam und London
TerminkontrakteVIX-Futures und weitere Volatilitätsprodukte
Deviseninstitutioneller Devisenhandel
IndexgeschäftBerechnung des VIX und verwandter Kennzahlen

Die Gruppe entstand in ihrer heutigen Form 2017 durch die Übernahme von BATS Global Markets – jener Plattform, die zuvor den europäischen Aktienhandel aufgebaut hatte. Damit kam zum Optionsgeschäft der Aktienhandel auf zwei Kontinenten hinzu.

Wie Optionen funktionieren

Eine Option gibt das Recht, ein Wertpapier zu einem festen Preis zu kaufen oder zu verkaufen – ohne die Pflicht, es zu tun. Der Käufer zahlt dafür eine Prämie, der Verkäufer erhält sie und übernimmt im Gegenzug eine Verpflichtung.

PositionRecht oder PflichtMaximales Risiko
Kauf einer KaufoptionRecht zu kaufendie gezahlte Prämie
Kauf einer VerkaufsoptionRecht zu verkaufendie gezahlte Prämie
Verkauf einer KaufoptionPflicht zu lieferntheoretisch unbegrenzt
Verkauf einer VerkaufsoptionPflicht abzunehmenbis zum Totalverlust des Basiswerts

Die Asymmetrie ist entscheidend: Wer Optionen kauft, riskiert die Prämie. Wer sie verkauft, kann ein Vielfaches davon verlieren. Für Privatanleger ist deshalb vor allem die Käuferseite überschaubar.

Der VIX

1993 führte Cboe den Volatility Index ein, kurz VIX. Er misst nicht die vergangene, sondern die erwartete Schwankung des S&P 500 über die kommenden 30 Tage – abgeleitet aus den Preisen der Optionen auf diesen Index.

VIX-StandWas er signalisiert
unter 15ruhige Märkte, geringe erwartete Schwankung
15 bis 25normales Niveau
25 bis 40erhöhte Nervosität
über 40Panik, typisch für Krisenphasen

Der Index gilt als Angstbarometer der Märkte. Er lässt sich nicht direkt kaufen, wohl aber über Terminkontrakte und darauf aufbauende Produkte – ein Bereich mit erheblichen Risiken. Einzelheiten im Beitrag zur Volatilität.

Warum der VIX gegenläufig zum Markt steigt

Fallen die Kurse, sichern sich Anleger über Verkaufsoptionen ab. Die Nachfrage treibt deren Preise, und weil der VIX aus genau diesen Preisen berechnet wird, steigt er.

Daraus ergibt sich die typische Gegenläufigkeit: Der VIX klettert, wenn der S&P 500 fällt. In ruhigen Phasen sinkt er langsam ab, in Krisen springt er innerhalb von Stunden.

Für Anleger ist er deshalb weniger ein Anlageobjekt als ein Stimmungsmesser. Ein dauerhaft niedriger VIX deutet auf Sorglosigkeit hin – historisch oft ein Umfeld, in dem Rücksetzer besonders überraschend kamen.

Die Handelszeiten der Volatilitätsprodukte

VIX-Terminkontrakte werden nahezu rund um die Uhr gehandelt, auch wenn der amerikanische Aktienmarkt geschlossen ist. Bricht über Nacht eine Krise aus, zeigt sich die Reaktion dort zuerst – noch bevor in Europa der Handel beginnt.

Cboe Europe

In Europa betreibt die Gruppe den nach Umsatz größten Aktienhandelsplatz. Die Besonderheit: Dort notiert kein einziges Unternehmen. Gehandelt werden Aktien, die an nationalen Börsen wie Xetra oder Euronext gelistet sind.

Möglich wurde das durch die europäische Marktrichtlinie, die den Handel vom Listing entkoppelte. Seither konkurrieren alternative Plattformen mit den traditionellen Börsen um die Ausführung – meist mit niedrigeren Gebühren.

Für Privatanleger läuft das im Hintergrund ab: Der Broker entscheidet, wo eine Order ausgeführt wird. Sichtbar ist nur das Ergebnis, nicht der Weg dorthin.

Was der Wettbewerb der Handelsplätze bringt

Seit alternative Plattformen mit den nationalen Börsen konkurrieren, sind die Ausführungsgebühren deutlich gesunken. Gleichzeitig hat sich der Handel auf viele Orte verteilt, was die Übersicht erschwert.

Broker sind verpflichtet, Aufträge bestmöglich auszuführen – gemessen an Preis, Kosten und Geschwindigkeit. Wo das geschieht, legt jeder Anbieter in seinen Ausführungsgrundsätzen fest, die auf Nachfrage einsehbar sind.

Für Privatanleger bleibt der praktische Rat einfach: Mit einem Limit arbeiten. Dann spielt der Ausführungsort eine untergeordnete Rolle, weil der Preis nach oben begrenzt ist – Einzelheiten unter Limit-Order.

Häufige Fragen

Kann ich den VIX kaufen?

Nicht direkt. Handelbar sind Terminkontrakte und Zertifikate darauf. Diese Produkte verlieren in ruhigen Phasen systematisch an Wert und eignen sich nicht als langfristige Anlage.

Warum notiert an Cboe Europe kein Unternehmen?

Weil die Plattform bewusst nur den Handel anbietet. Die Zulassung erfolgt weiterhin über die nationalen Börsen, der Handel kann davon getrennt stattfinden.

Einordnung

Cboe hat zwei Dinge geschaffen, die den Markt bis heute prägen: den standardisierten Optionshandel und den VIX als Maß für erwartete Schwankung.

Aus Sicht der Marktteilnehmer ist der europäische Arm das interessantere Geschäft: Er zeigt, dass Handel und Notierung längst nicht mehr zusammengehören müssen. Alle Handelsplätze im Vergleich zeigt die Seite Handelsplätze.

Quellen

Stand: 25. September 2026. Handelszeiten können an Feiertagen abweichen. Volatilitätsprodukte bergen besondere Risiken. Keine Anlageberatung.

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