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Volatilität: Was Schwankungen über das Risiko verraten

von user

Volatilität ist das Maß dafür, wie stark ein Kurs schwankt. Für die einen ist sie das Risiko schlechthin, für andere die Voraussetzung für Rendite. Wer versteht, wie Volatilität gemessen wird und was sie aussagt, kann Anlagen besser einordnen – und bleibt in unruhigen Börsenphasen gelassener.

Das Wichtigste in Kürze

BedeutungMaß für die Schwankungsbreite eines Kurses
BerechnungStandardabweichung der Renditen, meist auf ein Jahr hochgerechnet
Historische Volatilitätmisst die Vergangenheit
Implizite Volatilitätleitet die erwartete Schwankung aus Optionspreisen ab
Bekanntester Indikatorder Volatilitätsindex VIX für den US-Markt
Faustwert Aktienmarktbreite Indizes meist 15 bis 20 Prozent im Jahr

Was Volatilität bedeutet

Steigt eine Aktie an einem Tag um fünf Prozent und fällt am nächsten um vier, ist sie volatil. Bewegt sich eine andere täglich nur um wenige Zehntelprozent, ist sie es nicht. Volatilität sagt nichts über die Richtung: Ein Wert, der stetig steigt, kann ebenso volatil sein wie einer, der abstürzt.

Gemessen wird sie als Standardabweichung der Renditen. Vereinfacht gesagt: Man berechnet, wie weit die einzelnen Tagesrenditen im Durchschnitt vom Mittelwert abweichen. Das Ergebnis wird auf ein Jahr hochgerechnet und in Prozent angegeben.

So liest man die Zahlen

Eine jährliche Volatilität von 20 Prozent bedeutet grob: In etwa zwei von drei Jahren liegt die Rendite im Bereich von plus oder minus 20 Prozentpunkten um den Mittelwert. In einem von drei Jahren fällt die Abweichung größer aus.

AnlageTypische jährliche VolatilitätEinordnung
Tagesgeld und Festgeldpraktisch nullkein Kursrisiko, dafür Inflationsrisiko
Staatsanleihen guter Bonität3 bis 6 Prozentgering
Breiter Aktienindex wie der MSCI World15 bis 20 Prozentmittel
Technologieindex wie der Nasdaq 10020 bis 30 Prozenthoch
Einzelaktienoft 30 bis 60 Prozentsehr hoch
Kryptowährungenoft über 60 Prozentextrem hoch

Die Werte sind Größenordnungen, keine festen Zahlen. In Krisen steigt die Volatilität aller Anlagen sprunghaft: Im Corona-Crash 2020 erreichte sie Rekordwerte, während die Kurse fielen.

Wie Volatilität berechnet wird

Die Rechnung lässt sich an einem kleinen Beispiel nachvollziehen. Eine Aktie hat an fünf Tagen folgende Tagesrenditen: plus 1 Prozent, minus 2 Prozent, plus 3 Prozent, minus 1 Prozent, plus 1 Prozent. Der Durchschnitt liegt bei 0,4 Prozent.

Nun berechnet man, wie weit jeder Tag vom Durchschnitt abweicht, quadriert diese Abweichungen, bildet den Mittelwert und zieht die Wurzel. Das Ergebnis ist die Standardabweichung, hier rund 1,8 Prozent pro Tag.

Um daraus eine Jahresvolatilität zu machen, multipliziert man mit der Wurzel aus der Zahl der Handelstage, also etwa 16 bei 250 Handelstagen im Jahr. Aus 1,8 Prozent am Tag werden so rund 28 Prozent im Jahr. Diese Umrechnung erklärt, warum scheinbar kleine Tagesschwankungen zu großen Jahreswerten führen.

In der Praxis muss niemand selbst rechnen: Finanzportale und Fondsanbieter weisen die Volatilität in den Produktunterlagen aus, meist für ein, drei und fünf Jahre.

Historische und implizite Volatilität

Historische Volatilität wird aus tatsächlichen Kursen der Vergangenheit berechnet, etwa der letzten 30 oder 250 Handelstage. Sie ist eine Tatsache, aber rückwärtsgewandt.

Implizite Volatilität steckt in den Preisen von Optionen. Je teurer eine Option, desto größer die Schwankung, die der Markt erwartet. Sie ist damit ein Blick nach vorn – allerdings kein zuverlässiger. Der bekannteste Indikator dafür ist der VIX, oft „Angstbarometer“ genannt.

Warum Volatilität für Anleger wichtig ist

Sie bestimmt, wie viel Risiko man aushält. Ein Depot mit 20 Prozent Volatilität kann in einem schlechten Jahr deutlich zweistellig verlieren. Wer das nicht aushält und verkauft, macht aus einem Buchverlust einen echten.

Sie kostet Rendite. Starke Schwankungen schmälern das Ergebnis, selbst wenn der Durchschnitt stimmt. Ein Beispiel: Wer 100 Euro anlegt, im ersten Jahr 50 Prozent verliert und im zweiten 50 Prozent gewinnt, hat nicht 100 Euro, sondern 75. Der Durchschnitt liegt bei null, das Ergebnis bei minus 25 Prozent.

Sie ist die Bedingung für Rendite. Wer Schwankungen ganz vermeiden will, bekommt Zinsen auf dem Tagesgeldkonto – und damit langfristig weniger als am Aktienmarkt. Die höhere Rendite von Aktien ist die Bezahlung dafür, dass man Schwankungen aushält.

Wie man Volatilität im Depot senkt

Streuen. Ein Depot aus vielen Aktien schwankt weniger als eine einzelne Aktie, weil sich Bewegungen teilweise ausgleichen. Mehr dazu im Beitrag zur Diversifikation.

Anlageklassen mischen. Anleihen und Gold bewegen sich oft anders als Aktien und glätten dadurch den Verlauf.

Regelmäßig statt auf einmal investieren. Ein ETF-Sparplan verteilt Einstiegszeitpunkte und damit das Risiko, ausgerechnet vor einem Rückschlag alles zu investieren.

Anlagehorizont verlängern. Über ein Jahr betrachtet schwanken Aktien stark, über 15 Jahre gleichen sich gute und schlechte Phasen weitgehend aus.

Volatilität handeln?

Es gibt Produkte, mit denen sich auf steigende oder fallende Volatilität wetten lässt, etwa Zertifikate auf den VIX. Für Privatanleger sind sie ungeeignet: Sie verlieren durch ihre Konstruktion über die Zeit an Wert und richten sich an Profis, die kurzfristig absichern. Wer sein Depot ruhiger machen will, erreicht das mit einer anderen Aufteilung günstiger und zuverlässiger.

Häufige Fragen

Ist hohe Volatilität immer schlecht?

Nein. Sie bedeutet nur größere Ausschläge in beide Richtungen. Für langfristige Anleger ist sie vor allem eine Frage der Nerven, für kurzfristig benötigtes Geld ist sie ein echtes Risiko.

Wie hoch ist die Volatilität des DAX?

In ruhigen Phasen liegt sie bei etwa 15 Prozent im Jahr, in Krisen kann sie sich verdoppeln oder verdreifachen.

Was ist der Unterschied zwischen Volatilität und Risiko?

Volatilität misst Schwankungen, Risiko bedeutet die Gefahr, Geld dauerhaft zu verlieren. Eine schwankende, aber breit gestreute Anlage kann weniger riskant sein als eine ruhige Anlage bei einem einzigen wackeligen Schuldner.

Gibt es Aktien ganz ohne Volatilität?

Nein. Auch defensive Werte wie Versorger oder Nahrungsmittelkonzerne schwanken, nur weniger stark als Technologie- oder Rohstoffaktien.

Fazit

Volatilität ist kein Feind, sondern eine Eigenschaft von Märkten. Entscheidend ist, wie viel davon zum eigenen Anlagehorizont und zur eigenen Gelassenheit passt.

Aus Sicht der Marktteilnehmer ist die wichtigste Frage nicht, wie stark ein Depot schwankt, sondern ob man bei einem Rückgang von 30 Prozent investiert bleiben kann. Wer diese Frage mit Ja beantwortet, verträgt auch hohe Volatilität. Wie tief Märkte fallen können, zeigt die Übersicht zum Börsencrash.

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Stand: September 2026. Angaben vereinfacht dargestellt, ohne Gewähr. Dieser Beitrag stellt keine Anlage- oder Steuerberatung dar.

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