Ein Börsencrash kommt selten mit Ankündigung. Innerhalb weniger Tage oder Wochen verlieren Aktien einen großen Teil ihres Wertes, Schlagzeilen sprechen vom Ende des Aufschwungs, und viele Anleger verkaufen in Panik. Die Geschichte zeigt aber auch: Jeder große Crash der vergangenen hundert Jahre wurde irgendwann wieder aufgeholt. Wer versteht, wie Crashs entstehen und verlaufen, kann gelassener reagieren.
Was ist ein Börsencrash?
Eine feste Definition gibt es nicht. Von einem Crash spricht man, wenn die Kurse an einem breiten Markt innerhalb kurzer Zeit stark fallen – typischerweise um 20 Prozent oder mehr, manchmal an einem einzigen Tag um über zehn Prozent. Entscheidend ist die Geschwindigkeit: Ein schleichender Rückgang über Jahre wird eher als Baisse bezeichnet, ein plötzlicher Einbruch als Crash.
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Korrektur | Rückgang um etwa 10 bis 20 Prozent, meist nach einem starken Anstieg |
| Bärenmarkt oder Baisse | länger anhaltender Rückgang um mehr als 20 Prozent |
| Crash | sehr schneller, starker Kurseinbruch, oft begleitet von Panikverkäufen |
| Blase | Phase, in der Kurse weit über den wirtschaftlichen Wert steigen |
Die größten Börsencrashs im Überblick
| Crash | Zeitraum | Rückgang | Mehr dazu |
|---|---|---|---|
| Große Depression | 1929 bis 1932 | Dow Jones rund minus 89 Prozent | Börsencrash 1929 |
| Schwarzer Montag | 19. Oktober 1987 | Dow Jones minus 22,6 Prozent an einem Tag | Börsencrash 1987 |
| Platzen der Dotcom-Blase | 2000 bis 2003 | DAX rund minus 73 Prozent, Nasdaq rund minus 78 Prozent | in diesem Beitrag |
| Finanzkrise | 2007 bis 2009 | DAX rund minus 55 Prozent | Börsencrash 2008 |
| Corona-Crash | Februar bis März 2020 | DAX rund minus 39 Prozent in vier Wochen | Börsencrash 2020 |
Die Dotcom-Blase: als das Internet zu teuer wurde
Ende der 1990er-Jahre trieben Hoffnungen auf das Internet die Kurse von Technologieaktien in astronomische Höhen. In Deutschland entstand mit dem Neuen Markt ein eigenes Börsensegment für junge Wachstumsfirmen. Viele davon hatten nie Gewinne erzielt. Ab März 2000 platzte die Blase. Der DAX verlor bis März 2003 rund drei Viertel seines Wertes, zahlreiche Firmen des Neuen Marktes verschwanden ganz. Zeitgleich stürzte die T-Aktie ab – mehr dazu im Beitrag zu den größten Börsengängen.
Was Crashs gemeinsam haben
So unterschiedlich die Auslöser waren, bestimmte Muster wiederholen sich.
Übertreibung vor dem Absturz. Fast jedem Crash ging eine Phase voraus, in der Bewertungen weit über das Übliche stiegen. Ob Aktien teuer sind, zeigt unter anderem das Kurs-Gewinn-Verhältnis.
Geliehenes Geld. Wer mit Krediten spekuliert, muss bei fallenden Kursen oft verkaufen, um Nachschussforderungen zu bedienen. Das beschleunigte 1929 den Absturz ebenso wie 2008.
Ein Auslöser, der das Vertrauen erschüttert. Eine Bankpleite, eine Pandemie, eine plötzliche Zinserhöhung. Wie Zinsentscheidungen der Notenbanken die Börsen beeinflussen, erklärt der Beitrag zum Leitzins.
Panik verstärkt den Fall. Wenn viele gleichzeitig verkaufen wollen, fehlen Käufer. Die Kurse fallen schneller, als es die Nachrichtenlage rechtfertigt.
Wie lange dauert die Erholung?
| Crash | Bis zum alten Höchststand |
|---|---|
| 1929 | Dow Jones erst 1954, nach 25 Jahren |
| 1987 | Dow Jones nach knapp zwei Jahren |
| Dotcom-Blase | DAX nach gut sieben Jahren |
| Finanzkrise 2008 | DAX nach etwa fünf Jahren |
| Corona-Crash 2020 | DAX nach etwa neun Monaten |
Die Tabelle zeigt zweierlei: Erholungen sind die Regel, aber ihre Dauer ist sehr unterschiedlich. Wer 1929 zum Höchststand einstieg, brauchte ein Vierteljahrhundert Geduld. Berücksichtigt man allerdings Dividenden und die niedrigeren Preise nach dem Crash, fällt die Bilanz für langfristige Anleger deutlich besser aus.
Wie Anleger sich vorbereiten können
Streuen. Wer sein Geld auf viele Unternehmen, Branchen und Länder verteilt, ist gegen den Absturz einzelner Werte besser geschützt. Mehr im Beitrag zur Diversifikation.
Regelmäßig investieren. Ein ETF-Sparplan kauft in Crash-Phasen automatisch mehr Anteile zu niedrigeren Preisen. Wer weiterspart, profitiert von der späteren Erholung.
Eine Reserve halten. Geld, das in den nächsten Jahren gebraucht wird, gehört nicht in Aktien, sondern etwa auf ein Tagesgeldkonto. So muss niemand im Crash zu Tiefstkursen verkaufen.
Nicht auf Kredit spekulieren. Gehebelte Positionen können in einem Crash das gesamte Kapital vernichten.
Einen Plan haben. Wer vorher festlegt, wie er auf starke Rückgänge reagiert, handelt im Ernstfall weniger aus Angst.
Kommt ein Börsencrash 2026?
Die Frage wird in diesem Jahr häufig gestellt – unter anderem wegen der hohen Bewertungen von Technologie- und KI-Unternehmen und einer Serie von Rekordbörsengängen wie SpaceX. Die ehrliche Antwort lautet: Niemand kann einen Crash zuverlässig vorhersagen. Wer es behauptet, liegt meist falsch oder verkauft etwas.
Sinnvoller als Prognosen ist die Frage, ob das eigene Depot einen Rückgang von 30 oder 40 Prozent verkraften würde, ohne dass man verkaufen muss. Wer diese Frage mit Ja beantworten kann, muss sich vor dem nächsten Crash weniger fürchten als vor dem Versuch, ihn vorherzusagen.
Häufige Fragen
Was war der größte Börsencrash der Geschichte?
Gemessen am Gesamtverlust der Crash ab 1929: Der Dow Jones verlor bis 1932 rund 89 Prozent. Der größte Verlust an einem einzigen Tag war der Schwarze Montag 1987 mit minus 22,6 Prozent.
Soll man im Crash verkaufen?
Historisch war Panikverkauf meist die schlechteste Entscheidung, weil Anleger die Erholung verpassten. Wer allerdings Geld kurzfristig braucht oder auf Kredit investiert hat, steht unter Druck. Das zeigt, warum Vorbereitung wichtiger ist als Reaktion.
Was ist in einem Crash mit Gold und Anleihen?
In vielen Krisen stiegen Gold und sichere Staatsanleihen, während Aktien fielen. Garantiert ist das nicht, aber beide können ein Depot stabilisieren. Mehr im Beitrag zu Anleihen.
Fazit
Börsencrashs gehören zum Aktienmarkt wie Gewitter zum Sommer. Sie sind nicht vorhersehbar, aber sie sind auch nicht das Ende. Wer breit gestreut, regelmäßig und ohne Kredit investiert, hat die großen Crashs der Geschichte in aller Regel überstanden.
Aus Sicht der Marktteilnehmer lohnt ein Blick auf die einzelnen Krisen, um ihre Muster zu verstehen: die Große Depression 1929, der Schwarze Montag 1987, die Finanzkrise 2008 und der Corona-Crash 2020.
Börsencrashs der Geschichte
Übersicht: alle großen Crashs · Börsencrash 1929 · Schwarzer Montag 1987 · Finanzkrise 2008 · Corona-Crash 2020
Stand: September 2026. Historische Kurs- und Indexangaben gerundet, ohne Gewähr. Vergangene Entwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für die Zukunft. Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar.