Am 19. Oktober 1987 erlebte die Wall Street den schwärzesten Tag ihrer Geschichte. Der Dow Jones verlor an einem einzigen Handelstag 22,6 Prozent – mehr als an jedem Tag der Krise von 1929. Das Besondere: Es gab keinen offensichtlichen Auslöser, keine Bankenpleite, keinen Krieg. Der Schwarze Montag gilt deshalb als erster Crash, den Computer mitverursacht haben.
Das Wichtigste in Kürze
| Datum | Montag, 19. Oktober 1987 |
| Verlust Dow Jones | minus 22,6 Prozent an einem Tag |
| Punktestand | von rund 2.247 auf 1.739 Punkte |
| Weltweite Folgen | starke Kurseinbrüche an allen großen Börsen |
| Erholung | Dow Jones nach knapp zwei Jahren wieder auf altem Niveau |
| Folge | Einführung automatischer Handelsunterbrechungen |
Die Vorgeschichte: fünf Jahre Hausse
Seit 1982 kannten die Börsen fast nur eine Richtung. Sinkende Zinsen, Steuersenkungen und eine Welle von Firmenübernahmen trieben die Kurse nach oben. Allein 1987 stieg der Dow Jones bis August um rund 40 Prozent. Die Bewertungen der Unternehmen lagen deutlich über dem langjährigen Durchschnitt.
Im Herbst mehrten sich die Warnsignale. Die Zinsen stiegen wieder, das amerikanische Handels- und Haushaltsdefizit wuchs, und zwischen den USA und Deutschland gab es Streit über die Wechselkurspolitik. In der Woche vor dem Crash verlor der Markt bereits deutlich an Wert.
Der Tag des Absturzes
Schon vor Handelsbeginn in New York fielen die Kurse in Asien und Europa. Als die Wall Street öffnete, lagen Verkaufsaufträge in riesigem Umfang vor. Den ganzen Tag über fanden sich kaum Käufer. Die Handelssysteme waren überlastet, Kurse wurden mit großer Verzögerung angezeigt, viele Anleger wussten nicht, zu welchem Preis ihre Aufträge ausgeführt wurden.
Am Abend stand ein Verlust von 22,6 Prozent. Auch die deutschen Börsen gerieten in den Sog und verloren in den folgenden Tagen massiv – den DAX gab es damals noch nicht, er wurde erst im Juli 1988 eingeführt.
Die Rolle der Computer
Als ein Beschleuniger gilt die sogenannte Portfolio-Insurance. Große Fonds hatten ihre Aktienbestände mit Programmen abgesichert, die bei fallenden Kursen automatisch Terminkontrakte verkauften. Diese Verkäufe drückten die Kurse weiter, was neue automatische Verkäufe auslöste.
| Faktor | Beitrag zum Crash |
|---|---|
| Hohe Bewertungen | Aktien waren nach Jahren des Anstiegs teuer |
| Steigende Zinsen | Anleihen wurden als Alternative attraktiver |
| Computergestützte Absicherung | automatische Verkäufe verstärkten den Fall |
| Überlastete Handelssysteme | Unsicherheit über Preise verstärkte die Panik |
| Herdenverhalten | Anleger verkauften, weil andere verkauften |
Warum es keine Depression gab
Viele befürchteten eine Wiederholung von 1929. Doch diesmal reagierte die Notenbank sofort. Die US-Notenbank unter ihrem neuen Chef Alan Greenspan erklärte am Tag nach dem Crash, sie stehe bereit, das Finanzsystem mit Liquidität zu versorgen. Die Zinsen wurden gesenkt, Banken erhielten Geld, eine Kette von Pleiten blieb aus.
Die Wirtschaft wuchs weiter. Der Dow Jones erholte sich schneller als erwartet und erreichte seinen Stand von vor dem Crash nach knapp zwei Jahren wieder. Wie Notenbanken über Zinsen die Märkte beeinflussen, erklärt der Beitrag zum Leitzins.
Die Folgen: Notbremsen für die Börse
Der Schwarze Montag führte zur Einführung sogenannter Circuit Breaker. Fallen die Kurse innerhalb eines Tages zu stark, wird der Handel automatisch unterbrochen. Die Pause soll Anlegern Zeit geben, nachzudenken, statt panisch zu verkaufen. Diese Mechanismen griffen später unter anderem im Corona-Crash 2020.
Parallelen zum heutigen Computerhandel
Der Schwarze Montag war ein Vorbote dessen, was heute Alltag ist. Ein großer Teil des Börsenhandels läuft inzwischen über Algorithmen, die in Sekundenbruchteilen kaufen und verkaufen. Das macht die Märkte im Normalfall effizienter, kann aber in Stressphasen zu extremen Bewegungen führen.
Ein bekanntes Beispiel ist der sogenannte Flash Crash vom Mai 2010: Innerhalb weniger Minuten stürzte der Dow Jones um fast zehn Prozent ab und erholte sich fast ebenso schnell wieder. Einzelne Aktien wurden kurzzeitig zu Bruchteilen ihres Wertes gehandelt. Die Aufsichtsbehörden verschärften daraufhin die Regeln für Handelsunterbrechungen bei einzelnen Werten.
Für Privatanleger ergibt sich daraus ein praktischer Rat: In hektischen Marktphasen besser keine Bestens-Aufträge erteilen, sondern ein Preislimit setzen. Sonst kann ein Auftrag zu einem Kurs ausgeführt werden, der weit vom erwarteten Preis entfernt liegt. Wie man Aktien grundsätzlich kauft und welche Ordertypen es gibt, erklärt der Beitrag Aktien kaufen.
Was Anleger daraus lernen können
Crashs brauchen keinen großen Auslöser. 1987 gab es keine eindeutige Katastrophe. Hohe Bewertungen und eine nervöse Stimmung reichten aus.
Automatische Verkaufsregeln können schaden. Was für einzelne Anleger sinnvoll klingt, kann in der Masse den Absturz verstärken.
Durchhalten zahlte sich aus. Wer 1987 nicht verkaufte, war nach etwa zwei Jahren wieder im Plus. Wer verkaufte, realisierte seine Verluste am Tiefpunkt. Langfristig wirkt der Zinseszins nur für den, der investiert bleibt.
Häufige Fragen
Wie viel verlor der Dow Jones am Schwarzen Montag?
Der Index fiel am 19. Oktober 1987 um 22,6 Prozent. Das ist bis heute der größte prozentuale Tagesverlust in seiner Geschichte.
Gab es 1987 schon den DAX?
Nein. Der DAX wurde erst am 1. Juli 1988 eingeführt. Für die Zeit davor wurden seine Werte später zurückgerechnet.
Fazit
Der Schwarze Montag war der heftigste Tagesabsturz der Börsengeschichte – und zugleich einer der am schnellsten überwundenen. Der Unterschied zu 1929 lag vor allem in der Reaktion der Notenbank und darin, dass die Wirtschaft stabil blieb.
Aus Sicht der Marktteilnehmer zeigt 1987, dass selbst ein extremer Kurssturz ohne wirtschaftliche Krise dahinter vorübergehend sein kann. Die großen Crashs im Vergleich zeigt die Übersicht zum Börsencrash.
Börsencrashs der Geschichte
Übersicht: alle großen Crashs · Börsencrash 1929 · Schwarzer Montag 1987 · Finanzkrise 2008 · Corona-Crash 2020
Stand: September 2026. Historische Kurs- und Indexangaben gerundet, ohne Gewähr. Vergangene Entwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für die Zukunft. Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar.