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Thesaurierend oder ausschüttend: Welcher ETF passt zu wem?

von user

Wer einen ETF oder Fonds kauft, stößt schnell auf zwei Begriffe: thesaurierend und ausschüttend. Dahinter steckt eine einfache Frage – was passiert mit den Dividenden und Zinsen, die die enthaltenen Unternehmen und Anleihen abwerfen? Die Antwort beeinflusst Steuern, Aufwand und die Frage, ob das Depot eher Vermögen aufbauen oder Einkommen liefern soll.

Das Wichtigste in Kürze

ThesaurierendAusschüttend
Erträgewerden automatisch im Fonds wieder angelegtwerden an die Anleger ausgezahlt
Kennzeichnung im Namenoft „Acc“ oder „Accumulating“oft „Dist“ oder „Distributing“
Steuer während der Haltezeitüber die Vorabpauschaleauf die Ausschüttungen
Zinseszinsautomatischnur bei eigener Wiederanlage
Typischer EinsatzVermögensaufbauregelmäßiges Einkommen

Was thesaurierend bedeutet

Das Wort stammt vom griechischen „thesauros“, dem Schatz. Ein thesaurierender Fonds behält seine Erträge ein und legt sie sofort wieder an. Der Anleger bekommt kein Geld überwiesen, dafür steigt der Wert jedes Fondsanteils entsprechend.

Der Vorteil liegt in der Automatik: Das Geld arbeitet ohne Pause weiter und profitiert vom Zinseszinseffekt. Über Jahrzehnte kann das einen erheblichen Unterschied machen, weil nicht nur das ursprüngliche Kapital wächst, sondern auch die Erträge darauf.

Was ausschüttend bedeutet

Ein ausschüttender Fonds zahlt die gesammelten Dividenden und Zinsen regelmäßig an seine Anleger aus, je nach Fonds jährlich, halbjährlich, vierteljährlich oder sogar monatlich. Das Geld landet auf dem Verrechnungskonto und kann ausgegeben oder selbst wieder angelegt werden.

Gerade in der Phase, in der Anleger von ihrem Vermögen leben wollen, ist das bequem: Die Ausschüttungen wirken wie eine regelmäßige Zusatzrente, ohne dass Anteile verkauft werden müssen.

Der Unterschied bei den Steuern

Lange Zeit galt: Thesaurierende Fonds verschieben die Steuer auf den Verkauf, weil ja nichts ausgezahlt wird. Das hat der Gesetzgeber 2018 geändert. Seitdem wird auf thesaurierende Fonds jedes Jahr eine Mindeststeuer fällig, die sogenannte Vorabpauschale.

SteuerpunktThesaurierendAusschüttend
Laufende BesteuerungVorabpauschale, abhängig vom Basiszinstatsächliche Ausschüttungen
Teilfreistellung bei Aktien-ETFs30 Prozent steuerfrei30 Prozent steuerfrei
Sparerpauschbetragwird angerechnetwird angerechnet
Beim VerkaufGewinn abzüglich bereits versteuerter VorabpauschalenKursgewinn

Unterm Strich ist die Steuerlast über die gesamte Laufzeit oft ähnlich. Unterschiede entstehen beim Zeitpunkt: Bei einem Aktien-ETF mit geringer Dividendenrendite fällt die Vorabpauschale in Jahren mit hohem Basiszins manchmal höher aus als die tatsächliche Ausschüttung eines vergleichbaren ausschüttenden ETFs. Beide Varianten profitieren vom Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro pro Person, 2.000 Euro für zusammen veranlagte Paare – vorausgesetzt, ein Freistellungsauftrag ist erteilt. Die Grundlagen erklärt der Beitrag zur Abgeltungssteuer.

Ein Beispiel

Angenommen, ein Anleger hält 50.000 Euro in einem Aktien-ETF, der im Jahr zwei Prozent Dividendenrendite abwirft – also rund 1.000 Euro.

Ausschüttende Variante: Der Anleger erhält 1.000 Euro. Nach der Teilfreistellung von 30 Prozent sind 700 Euro steuerpflichtig. Liegen sie im Rahmen des Freistellungsauftrags, fällt keine Steuer an. Legt er das Geld nicht wieder an, fehlt es künftig für den Zinseszins.

Thesaurierende Variante: Die 1.000 Euro bleiben im Fonds und arbeiten weiter. Steuerlich wird die Vorabpauschale berechnet, die sich am Fondswert zu Jahresbeginn und am Basiszins orientiert. Auch sie wird zunächst mit dem Freistellungsauftrag verrechnet.

Wie viel der Zinseszins ausmacht

Wie groß der Unterschied über lange Zeit werden kann, zeigt eine vereinfachte Rechnung ohne Steuern und Kosten: 10.000 Euro, angelegt über 30 Jahre in einem Aktien-ETF mit sieben Prozent Gesamtrendite pro Jahr, davon zwei Prozent aus Dividenden.

VarianteWert nach 30 Jahren
Dividenden werden wieder angelegt, thesaurierend oder manuellrund 76.100 Euro
Dividenden werden jedes Jahr ausgegebenrund 43.200 Euro Depotwert plus die ausgegebenen Ausschüttungen

Der ausschüttende Anleger hat zwischendurch Geld erhalten und ausgegeben – das ist nicht verloren, sondern konsumiert. Die Rechnung zeigt aber, welche Wirkung die konsequente Wiederanlage entfaltet. Wer ausschüttende ETFs nutzt und die Ausschüttungen zuverlässig wieder investiert, erreicht ein ähnliches Ergebnis wie mit der thesaurierenden Variante, nur mit mehr Aufwand.

Entnahmeplan statt Ausschüttung

Wer im Ruhestand regelmäßig Geld braucht, muss nicht zwingend auf ausschüttende ETFs umsteigen. Bei einem Entnahmeplan verkauft der Broker automatisch jeden Monat Anteile in Höhe eines festen Betrags. Der Vorteil: Die Höhe der Auszahlung lässt sich frei wählen und hängt nicht davon ab, wie viel Dividende die Unternehmen gerade zahlen. Steuerlich wird dabei nur der im verkauften Anteil enthaltene Gewinn besteuert, nicht der gesamte Betrag.

Sonderfall Anleihen- und Geldmarkt-ETFs. Hier stammen die Erträge aus Zinsen. Eine Teilfreistellung gibt es für sie nicht, und die Vorabpauschale kann bei hohem Basiszins einen größeren Teil des Ertrags ausmachen. Mehr zu diesen Anlagen im Beitrag zu Anleihen.

Welche Variante für wen?

Vermögensaufbau über viele Jahre: Thesaurierend ist meist die bequemere Wahl. Es gibt nichts zu tun, der Zinseszins läuft automatisch, und bei einem ETF-Sparplan wächst das Depot ohne Unterbrechung.

Einkommen aus dem Depot: Wer regelmäßig Geld entnehmen will, etwa im Ruhestand, fährt mit ausschüttenden ETFs oft angenehmer. Alternativ lassen sich auch aus thesaurierenden ETFs per Entnahmeplan regelmäßig Anteile verkaufen.

Sparerpauschbetrag gezielt nutzen: Wer den Freibetrag jedes Jahr ausschöpfen möchte, kann das mit Ausschüttungen planbarer steuern.

Kombination: Manche Anleger nutzen beides – thesaurierend für den langfristigen Aufbau, ausschüttend für einen Teil, aus dem laufend Geld fließen soll.

Häufige Fehler

Wechsel ohne Not. Wer einen thesaurierenden ETF verkauft, um in die ausschüttende Variante zu wechseln, muss die aufgelaufenen Gewinne versteuern. Das lohnt sich selten.

Ausschüttungen als Zusatzrendite missverstehen. Eine Ausschüttung ist kein Geschenk. Der Fondspreis sinkt am Ausschüttungstag um genau den ausgezahlten Betrag.

Leeres Verrechnungskonto. Die Steuer auf die Vorabpauschale wird Anfang Januar vom Verrechnungskonto eingezogen. Ist es leer, kann die Bank die Steuer nicht abführen, und der Betrag muss über die Steuererklärung nachgemeldet werden.

Häufige Fragen

Ist thesaurierend oder ausschüttend besser?

Keine Variante ist grundsätzlich besser. Für den langfristigen Vermögensaufbau ist thesaurierend meist bequemer, für regelmäßige Einkünfte ausschüttend.

Woran erkenne ich, ob ein ETF thesaurierend ist?

Am Namenszusatz „Acc“ für thesaurierend oder „Dist“ für ausschüttend, sowie im Factsheet und Basisinformationsblatt des Fonds.

Fazit

Thesaurierend oder ausschüttend ist weniger eine Frage der Rendite als der Lebensphase. Wer Vermögen aufbauen will, spart mit thesaurierenden ETFs Aufwand. Wer vom Vermögen leben möchte, schätzt die Planbarkeit von Ausschüttungen.

Aus Sicht der Marktteilnehmer ist die wichtigere Entscheidung ohnehin, überhaupt regelmäßig und breit gestreut zu investieren. Wie ETFs grundsätzlich funktionieren, erklärt der Beitrag Was ist ein ETF.

Mehr Finanzwissen

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Stand: September 2026. Steuerliche Angaben vereinfacht dargestellt, ohne Gewähr. Dieser Beitrag stellt keine Steuer- oder Anlageberatung dar.

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