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Hedgefonds im Oktober: Schwächster Monat seit Corona – Walleye baut um

von FNE-Redaktion

Der Oktober 2026 war für viele große Hedgefonds der schwächste Monat seit der Corona-Krise. Der Ausverkauf bei KI- und Technologieaktien, fallende Staatsanleihen und die überraschende Wahl in Brasilien trafen die Branche gleichzeitig. Millennium, Marshall Wace und ExodusPoint verloren Geld. Walleye Capital hatte den schlechtesten Monat seit März 2020 und baut jetzt um.

Alle großen Strategien gleichzeitig im Minus

Hedgefonds verfolgen unterschiedliche Strategien, damit nicht alle zur selben Zeit verlieren. Im Oktober hat das nicht funktioniert. Nach Daten aus dem Prime Brokerage von Goldman Sachs, also der Sparte, die Hedgefonds Kredite und Handelsdienste anbietet, verloren am 22. Oktober drei große Gruppen gleichzeitig mehr als 1 Prozent: Aktienfonds, die gezielt auf steigende und fallende Kurse setzen (Long/Short), computergesteuerte Fonds und Multi-Strategy-Fonds. Das war zuletzt in der Corona-Krise so.

Am selben Tag fiel ein Korb von Goldman Sachs mit den bei Hedgefonds beliebtesten Aktien um 4,2 Prozent. Über den ganzen Monat summierte sich das Minus auf 10,4 Prozent. Auf Technologie spezialisierte Fonds verloren bis zum 22. Oktober rund 10 Prozent, auf Asien ausgerichtete Fonds rund 9 Prozent.

Balkendiagramm: Wertentwicklung großer Hedgefonds im Oktober 2026, Quantedge und Citadel Wellington im Plus, Millennium, Marshall Wace, Walleye, Lone Pine und Arini im Minus
Wertentwicklung ausgewählter Hedgefonds im Oktober 2026 in Prozent. Grafik: fne.de

Die Zahlen der großen Fonds

Die meisten großen Multi-Strategy-Fonds lagen im Oktober im Minus. Millennium, mit dem größten Vermögen der Gruppe, verlor 2,3 Prozent. Marshall Wace büßte mit dem Fonds Eureka 5,4 Prozent ein. Besonders stark traf es Fonds mit Schwerpunkt Technologie: Lone Pine verlor 8,8 Prozent, der Kreditfonds Arini bis zum 23. Oktober sogar 12,1 Prozent.

Es gab auch Gewinner. Citadels Flaggschiff Wellington legte 1,7 Prozent zu und liegt im laufenden Jahr mit 15,3 Prozent vorn. Quantedge gewann 7,2 Prozent, vor allem mit Rohstoffen, Anleihen und einer marktneutralen Aktienstrategie, und steht seit Januar bei rund 60 Prozent.

FondsOktober 2026Seit Jahresbeginn 2026
Quantedge+7,2 %ca. +60 %
Citadel Wellington+1,7 %+15,3 %
LMR Partners−0,8 %+5,6 %
Man Group 1783−1,8 %+8,9 %
Dymon Asia−1,8 %+5,1 %
Millennium−2,3 %+5,7 %
North Rock−2,3 %–
ExodusPoint−2,4 %–
Marshall Wace Eureka−5,4 %+5,3 %
Engineers Gate (bis 23.10.)−5,5 %–
Walleye Capital−5,9 %−6,8 %
Lone Pine−8,8 %–
Arini (bis 23.10.)−12,1 %–
Wertentwicklung ausgewählter Hedgefonds in Prozent. Quellen: Angaben der Fonds gegenüber Investoren, Walleye Capital

Warum so viele Fonds gleichzeitig verloren

Viele Fonds hatten auf dieselben Aktien gesetzt, vor allem auf KI-Aktien und Halbleiter, oft mit geliehenem Geld. Als die Kurse im Oktober kippten, mussten sie gleichzeitig Risiko abbauen. Das drückte die Kurse weiter und löste bei anderen Fonds neue Verluste aus. Fachleute sprechen von einem überfüllten Trade, der sich auflöst. Laut Goldman Sachs verkauften Hedgefonds innerhalb von zwei Wochen Technologieaktien für rund 20 Milliarden US-Dollar. In nur fünf Handelstagen gaben sie alle KI-Zukäufe seit Anfang 2025 wieder ab. Mehr zum Kurseinbruch lesen Sie in unserem Beitrag zum Kurssturz bei KI-Aktien.

Daten von Morgan Stanley zeigen das Ausmaß: Aktien-Hedgefonds bauten im Oktober so stark Positionen ab wie seit über zehn Jahren nicht mehr. Ende Oktober lagen mehr als 40 Prozent dieser Fonds im laufenden Jahr bei null oder im Minus. Erschwerend kamen Short Squeezes hinzu: Aktien, auf deren Kursverfall viele Fonds per Leerverkauf gesetzt hatten, stiegen plötzlich stark. Zusätzlich belasteten der Einbruch bei Staatsanleihen und die Wahl in Brasilien, bei der der Fonds von Greg Coffey den schlechtesten Monat seiner Geschichte hatte.

Walleye baut um und zahlt Geld zurück

Am deutlichsten reagiert Walleye Capital, ein Multi-Strategy-Fonds mit rund 17 Milliarden US-Dollar. Der Fonds verlor im Oktober 5,9 Prozent und liegt seit Jahresbeginn 6,8 Prozent im Minus. In einem Brief an die Investoren kündigte Walleye an, das interne Long/Short-Aktiengeschäft zu verkleinern. Der Fonds trennt sich von dessen Führung und einem großen Teil der Teams. Außerdem will Walleye einen Teil des Kapitals an die Anleger zurückzahlen.

Laut dem Brief war das interne Aktiengeschäft seit 2023 die schwächste Strategie des Hauses. Das Volatilitätsgeschäft hatte dagegen im Oktober den stärksten Monat seiner Geschichte. Walleye will sich künftig auf Volatilität, quantitative Strategien und externe Manager konzentrieren. Auch andere Häuser reagieren: Der computergesteuerte Fonds Engineers Gate hat den Großteil eines Aktienteams entlassen.

Was das für Privatanleger bedeutet

Für Privatanleger in Deutschland sind Hedgefonds meist nicht direkt zugänglich. Die Oktober-Verluste zeigen aber, wie stark die Käufe und Verkäufe großer Fonds einzelne Aktien bewegen können. Bei Werten wie Nvidia, Micron oder AMD kann ein Teil des Kursrückgangs auf erzwungene Verkäufe zurückgehen und nicht auf schlechtere Geschäfte der Unternehmen. Wer einzelne Aktien hält, sollte deshalb zwischen dem Kursverlauf und der Entwicklung des Unternehmens unterscheiden. Dass auch große Fonds an zu viel Hebel scheitern können, zeigt die Geschichte von Amaranth Advisors.

Fazit

Der Oktober hat gezeigt, wie ähnlich viele Hedgefonds trotz unterschiedlicher Strategien aufgestellt waren. Als der KI-Trade kippte, verloren Aktien-, Quant- und Multi-Strategy-Fonds gleichzeitig. Die meisten großen Häuser liegen im Gesamtjahr noch im Plus, doch einige wie Walleye ziehen bereits Konsequenzen. Aus Sicht der Marktteilnehmer ist offen, ob der Abbau der Positionen abgeschlossen ist. Die Hebel der Fonds sind laut Goldman Sachs inzwischen sehr niedrig, was weiteren Verkaufsdruck begrenzen könnte.

Fragen und Antworten

Wie viel haben Hedgefonds im Oktober 2026 verloren?

Das ist je nach Fonds sehr unterschiedlich. Millennium verlor 2,3 Prozent, Marshall Wace Eureka 5,4 Prozent, Walleye 5,9 Prozent und Lone Pine 8,8 Prozent. Citadel Wellington und Quantedge lagen im Plus.

Warum haben so viele Hedgefonds gleichzeitig verloren?

Viele Fonds hatten auf dieselben KI- und Technologieaktien gesetzt, oft mit Kredit. Als die Kurse fielen, mussten sie gleichzeitig verkaufen und verstärkten so den Rückgang.

Was ist ein Multi-Strategy-Hedgefonds?

Ein Fonds, der viele Teams mit unterschiedlichen Strategien unter einem Dach vereint, etwa Aktien, Anleihen, Rohstoffe und quantitative Modelle. So sollen Verluste in einem Bereich durch Gewinne in anderen ausgeglichen werden.

Warum zahlt Walleye Geld an Investoren zurück?

Walleye verkleinert sein internes Aktiengeschäft und hält den Fonds dadurch für zu groß. Wie viel Geld zurückfließt, will der Fonds den Investoren noch mitteilen.

Quellen

  • Walleye Capital: Brief an die Investoren (November 2026)
  • Goldman Sachs Prime Services: Mitteilungen an Kunden zur Hedgefonds-Positionierung (Oktober 2026)
  • Morgan Stanley Prime Brokerage: Daten zur Positionierung von Hedgefonds (Oktober 2026)
  • Angaben der Fonds gegenüber Investoren zur Wertentwicklung im Oktober 2026

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