Ein Tag nach der Rally zu den US-Zwischenwahlen ist die Stimmung an der Wall Street gekippt. Der Nasdaq Composite schloss am Donnerstag 5,5 Prozent tiefer und rutschte damit in die Korrektur, der S&P 500 gab mit 4,4 Prozent Minus mehr als den gesamten Vortagsgewinn wieder ab. Im Zentrum stehen Chipkonzerne und Betreiber von Rechenzentren: Anleger fürchten, dass der Wahlsieg der Demokraten den KI-Ausbau in den USA bremst.
Was an der Wall Street passiert
Der Nasdaq Composite verlor gut 1.420 Punkte und schloss bei 24.315 Punkten. Noch deutlicher fiel der Rückgang im Nasdaq 100 aus: Der Index der 100 größten Nasdaq-Werte außerhalb des Finanzsektors verlor rund 6,4 Prozent oder gut 1.800 Punkte und schloss bei gut 26.600 Punkten. Der S&P 500 fiel auf gut 7.350 Punkte, der Dow Jones büßte gut 1.830 Punkte oder 3,4 Prozent ein und ging bei gut 51.520 Punkten aus dem Handel. Der Nasdaq liegt damit knapp 12 Prozent unter seinem Rekordhoch vom Oktober. Als Korrektur gilt ein Rückgang von mindestens 10 Prozent vom Hoch. Die Technologielastigkeit erklärt den Abstand: Im Nasdaq und im Nasdaq 100 wiegen KI-Werte deutlich schwerer als im Dow Jones.
Der Philadelphia-Halbleiterindex brach um mehr als 12 Prozent ein. AMD verlor gut 17 Prozent, Nvidia gut 9 Prozent. Auch die Anbieter von KI-Rechenleistung traf es hart: CoreWeave fiel knapp 10 Prozent, Nebius mehr als 14 Prozent.
Die zehn größten Verlierer unter den großen Nasdaq-Werten
Am stärksten traf es Speicherhersteller und Halbleiterwerte. Die Tabelle zeigt die Schlusskurse vom 5. November 2026 in US-Dollar und die Veränderung zum Vortag.
| Aktie | Schlusskurs (USD) | Veränderung (USD) | Veränderung (%) |
|---|---|---|---|
| Sandisk | 806,43 | -230,97 | -22,26 % |
| Micron Technology | 656,39 | -138,84 | -17,46 % |
| Western Digital | 267,63 | -56,20 | -17,35 % |
| AMD | 404,40 | -84,38 | -17,26 % |
| Marvell Technology | 133,55 | -26,25 | -16,43 % |
| Lam Research | 185,20 | -36,23 | -16,36 % |
| Seagate Technology | 466,53 | -90,53 | -16,25 % |
| Microchip Technology | 64,85 | -10,49 | -13,92 % |
| Applied Materials | 319,25 | -50,15 | -13,58 % |
| KLA | 129,80 | -19,99 | -13,35 % |
Warum der Nasdaq fällt: vier Gründe
Sorge vor KI-Regulierung nach der US-Wahl
Die Demokraten holten bei den Zwischenwahlen die Kontrolle über beide Kammern des Kongresses. Am Mittwoch feierte der Markt das noch als geteilte Macht in Washington. Inzwischen rückt in den Vordergrund, was das für die KI-Branche heißen könnte. Senator Bernie Sanders und der Abgeordnete Greg Casar hatten bereits im September einen Gesetzentwurf vorgelegt, der künstliche Superintelligenz verbieten und die Entwicklung fortgeschrittener KI pausieren will, bis eine neue Bundesbehörde Regeln aufgestellt hat. Ob daraus Gesetze werden, ist offen. Für einen Markt, der Billionen an künftigen KI-Investitionen einpreist, reicht aber schon die Debatte.
Rechenzentren unter politischem Druck
Besonders im Fokus stehen die Rechenzentren. Nach den Wahlsiegen der Demokraten wachsen die Sorgen vor möglichen Moratorien für neue Anlagen, und in wichtigen Rechenzentrums-Staaten nimmt der öffentliche Widerstand gegen den Ausbau zu. Ipek Ozkardeskaya von der Swissquote Bank rechnet damit, dass der aggressive KI-Ausbau künftig genauer geprüft wird. Für die Anbieter von Rechenleistung, Kühlung und Energie könnte das langsameres Wachstum bedeuten.
Schwache Signale von Qualcomm
Qualcomm verlor im Handelsverlauf rund 9 Prozent, nachdem der Konzern die Erwartungen für das Geschäft mit Smartphone-Chips verfehlt hatte. Als Gründe gelten eine schleppende Nachfrage und sinkende Erlöse mit Apple. Die Nachricht traf einen ohnehin angeschlagenen Sektor.
Zweifel an den KI-Renditen und Gewinnmitnahmen
Hinter den Tagesnachrichten steht eine ältere Frage: Wann zahlen sich die gewaltigen Ausgaben für KI aus? Viele Tech-Werte sind hoch bewertet, Kritiker sprechen von einer Blase. Zudem hat sich die Finanzierung der Rechenzentren verteuert. Entsprechend schnell greifen Anleger zu Gewinnmitnahmen, wenn neue Unsicherheit aufkommt. Wie sich die Verluste der vergangenen Tage verteilen, zeigt unser Überblick zum Kurssturz bei KI-Aktien. Hinzu kommt das Zinsumfeld: Am Terminmarkt rechnen Händler mit einer weiteren Zinserhöhung der Fed im kommenden Monat, und das belastet hoch bewertete Wachstumswerte besonders.
Nicht alle Tech-Werte fallen
Der Ausverkauf trifft die KI-Lieferkette härter als die großen Plattformen. Meta verlor knapp 4 Prozent, auch Amazon und Alphabet gaben nach. AppLovin sprang nach überraschend starken Zahlen um 31 Prozent nach oben. Tesla fiel dagegen knapp 11 Prozent, SpaceX rund 9 Prozent.
Folgen für Europa
Der DAX hatte am Nachmittag noch ein neues 52-Wochen-Hoch erreicht, wie der Marktbericht am Nachmittag zeigt. Der Leitindex ist deutlich weniger von KI-Werten abhängig als der Nasdaq, der TecDAX lag dagegen schon vor der US-Eröffnung im Minus. In Asien fiel Südkoreas Leitindex Kospi um gut 5 Prozent.
Fazit
Aus Sicht der Marktteilnehmer ist der Rückgang vor allem eine Neubewertung des politischen Risikos für den KI-Ausbau, verstärkt durch hohe Bewertungen und einen schwachen Ausblick aus der Chipbranche. Offen bleibt, wie viel der befürchteten Regulierung tatsächlich kommt. Als Nächstes richtet sich der Blick auf den US-Arbeitsmarktbericht für Oktober an diesem Freitag um 14:30 Uhr.
Fragen und Antworten
Warum fällt der Nasdaq stärker als der Dow Jones?
Im Nasdaq haben Technologie- und Chipwerte ein deutlich höheres Gewicht. Im Dow Jones spielen Industrie, Banken und Konsumwerte eine größere Rolle.
Was bedeutet Korrektur an der Börse?
Als Korrektur gilt ein Rückgang eines Index um mindestens 10 Prozent von seinem jüngsten Hoch. Ab etwa 20 Prozent spricht man von einem Bärenmarkt.
Was hat die US-Wahl mit KI-Aktien zu tun?
Mit der Mehrheit im Kongress können die Demokraten Regulierungsvorhaben voranbringen. Ein Gesetzentwurf von Bernie Sanders und Greg Casar sieht eine Pause bei fortgeschrittener KI vor, zudem wachsen die Sorgen vor Moratorien für Rechenzentren.
Quellen
- Reuters: Wall Street slumps as sharp tech losses put Nasdaq on course for correction
- AP: A brutal sell-off for AI stocks sends Wall Street reeling
- US-Senat, Bernie Sanders: Ban Artificial Superintelligence Act
- Nasdaq: NASDAQ-100 (NDX)
Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Anlageberatung. Kursangaben ohne Gewähr, Stand: US-Handelsschluss vom 5. November 2026.