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Notenbanken kaufen mehr Gold als gemeldet: 321 Tonnen im dritten Quartal

von FNE-Redaktion

Die Notenbanken der Welt haben im dritten Quartal 2026 nach Schätzung des World Gold Council 321 Tonnen Gold gekauft, 42 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Offiziell gemeldet wurden davon nur 120 Tonnen. Auch Goldman Sachs kommt in seinen Monatsschätzungen auf deutlich höhere Mengen als die offizielle Statistik. Rund zwei Drittel der Goldkäufe tauchen in keiner Meldung auf.

Gemeldet und tatsächlich gekauft: zwei verschiedene Zahlen

Wer wissen will, wie viel Gold die Zentralbanken kaufen, findet zwei Arten von Zahlen. Die erste Art sind die gemeldeten Bestandsveränderungen. Notenbanken melden sie an den Internationalen Währungsfonds oder veröffentlichen sie selbst, und der World Gold Council (WGC) fasst sie monatlich zusammen. Die zweite Art sind Schätzungen, die auch Käufe erfassen sollen, die nirgends gemeldet werden.

Für das dritte Quartal 2026 liegen beide Arten vor. Gemeldet wurden Nettokäufe von 120 Tonnen. Der WGC schätzt die gesamte Nachfrage des öffentlichen Sektors aber auf 321,2 Tonnen. Rund 63 Prozent der Käufe, also gut 200 Tonnen, lassen sich damit keiner Notenbank zuordnen. Der WGC leitet diesen Anteil ab, indem er die gemeldeten Käufe von der Gesamtschätzung des Analysehauses Metals Focus abzieht. Diese beruht auf Handelsstatistiken, Marktdaten und Gesprächen im Goldhandel.

Balkendiagramm: Goldkäufe der Notenbanken im Juli und August 2026, offiziell gemeldet gegenüber der Schätzung von Goldman Sachs, sowie gemeldete und nicht gemeldete Käufe im dritten Quartal 2026
Gemeldete Goldkäufe der Notenbanken im Vergleich zu den Schätzungen von Goldman Sachs und World Gold Council. Grafik: fne.de

Goldman Sachs: Juli und August deutlich stärker als gemeldet

Goldman Sachs schätzt die Käufe jeden Monat mit einem eigenen Modell, einem sogenannten Nowcast. Für Juli 2026 kommen die Analysten auf 44 Tonnen. Gemeldet waren nur 23 Tonnen. Für August schätzt Goldman 79 Tonnen, gemeldet wurden 39 Tonnen. Vor 2022 lag der Durchschnitt bei 17 Tonnen pro Monat. Im August hätten die Notenbanken damit mehr als viermal so viel gekauft wie früher üblich.

Monat 2026Offiziell gemeldet (Tonnen)Schätzung Goldman Sachs (Tonnen)Nicht gemeldet laut Schätzung (Tonnen)
Juli234421
August397940
September61noch keine Schätzung–
Ø pro Monat vor 20221717–
Monatliche Netto-Goldkäufe der Notenbanken in Tonnen. Quellen: World Gold Council, Goldman Sachs Research

Den größten Teil der Lücke führt Goldman im Juli auf China zurück. Die People’s Bank of China meldete 20 Tonnen, Goldman schätzt 35 Tonnen, also rund 75 Prozent mehr. Ein weiteres Indiz fanden die Analysten bei der Bank of England. In London lagert Gold vieler Notenbanken. Die Bestände, die die Bank of England dort für ausländische Notenbanken verwahrt, stiegen im Juli um 63 Tonnen. Das war deutlich mehr, als im selben Monat aus den Tresoren der Federal Reserve in New York abfloss. Goldman geht deshalb davon aus, dass selbst der eigene Nowcast nicht alle Käufe erfasst.

Die Schätzungen sind allerdings Modellwerte und keine gemessenen Mengen. Goldman hat die Methode im Frühjahr 2026 umgestellt. Der geschätzte Zwölf-Monats-Durchschnitt stieg dadurch von etwa 29 auf rund 50 Tonnen pro Monat. Ein Teil der höheren Zahlen liegt also an der neuen Rechnung. Auch der Sprung von 44 auf 79 Tonnen zeigt zunächst nur, was das Modell von einem Monat zum nächsten anzeigt.

September: höchste gemeldete Käufe des Jahres

Bei den offiziellen Zahlen war der September der stärkste Monat des Jahres. Die Notenbanken meldeten Nettokäufe von 61 Tonnen. Polen und China führten die Liste an. Die polnische Nationalbank kaufte 25 Tonnen. Die People’s Bank of China meldete 23 Tonnen, so viel wie seit Oktober 2023 nicht mehr. Ihr offizieller Goldbestand stieg damit auf 2.410 Tonnen, das sind 8,5 Prozent der chinesischen Währungsreserven. Auch Usbekistan, Kasachstan, Jordanien, Tschechien und Bolivien kauften zu.

Seit Jahresbeginn summieren sich die gemeldeten Käufe auf 228 Tonnen, 7 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Rechnet man die nicht gemeldeten Käufe hinzu, ergibt sich ein anderes Bild: Der WGC schätzt die Nachfrage der Notenbanken von Januar bis September auf 675 Tonnen, 6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

NotenbankGemeldete Nettokäufe Q3 2026 (Tonnen)
People’s Bank of China+63
Narodowy Bank Polski (Polen)+40
Nationalbank Kasachstan+14
Zentralbank Usbekistan+14
Tschechische Nationalbank+5
Zentralbank Russland−19
Gemeldet gesamt+120
Gesamt inkl. Schätzung nicht gemeldeter Käufe+321
Größte Käufer und Verkäufer im dritten Quartal 2026. Quelle: World Gold Council, Gold Demand Trends Q3 2026

Warum Notenbanken nicht alles melden

Es gibt keine Pflicht, jede Goldtransaktion sofort offenzulegen. Viele Notenbanken melden ihre Reserven nur mit Verzögerung an den IWF, manche nur vierteljährlich. Einige Staaten halten Gold zudem außerhalb der Notenbank, etwa in Staatsfonds, und tauchen deshalb in der Notenbankstatistik nicht auf. Hinzu kommt ein strategisches Motiv: Wer große Mengen kaufen will, hat kein Interesse daran, den Markt vorher zu informieren.

Bei China ist die Lücke besonders auffällig. Das Land meldet seit Monaten regelmäßige Käufe, doch Marktbeobachter halten die tatsächlichen Mengen seit Langem für höher. Hinweise darauf liefern auch die chinesischen Goldimporte und die Abflüsse an der Shanghai Gold Exchange.

Was die Käufe für den Goldpreis bedeuten

Die Notenbanken sind seit 2022 einer der wichtigsten Treiber des Goldpreises. Sie streuen ihre Reserven breiter, um sich gegen geopolitische Risiken, Sanktionen und eine Schwäche des US-Dollars abzusichern. In der Umfrage des WGC unter Reservemanagern erwarteten 2026 rund 89 Prozent der befragten Notenbanker, dass die weltweiten Goldreserven in den nächsten zwölf Monaten weiter steigen.

Für Anleger bedeutet die hohe Dunkelziffer zweierlei. Die offiziellen Monatszahlen unterschätzen die Nachfrage der Notenbanken offenbar deutlich. Gleichzeitig sind die höheren Schätzungen mit Unsicherheit behaftet, denn sie beruhen auf Modellen und indirekten Hinweisen. Wer die Nachfrage beurteilen will, sollte beide Werte kennen und die Entwicklung über mehrere Monate betrachten statt eine einzelne Monatszahl.

Fazit

Die Notenbanken kaufen mehr Gold, als ihre Meldungen zeigen. Im dritten Quartal 2026 lag die geschätzte Nachfrage mit 321 Tonnen fast dreimal so hoch wie die gemeldeten 120 Tonnen. Goldman Sachs kommt für Juli und August zu einem ähnlichen Ergebnis. China dürfte den größten Teil der nicht gemeldeten Käufe ausmachen. Aus Sicht der Marktteilnehmer bleibt die Nachfrage des öffentlichen Sektors damit eine wichtige Stütze für den Goldpreis. Die genauen Mengen bleiben aber Schätzungen.

Fragen und Antworten

Wie viel Gold haben die Notenbanken im dritten Quartal 2026 gekauft?

Nach Schätzung des World Gold Council 321,2 Tonnen, 42 Prozent mehr als im dritten Quartal 2025. Offiziell gemeldet wurden davon 120 Tonnen.

Wie hoch ist der Anteil nicht gemeldeter Goldkäufe?

Im dritten Quartal 2026 waren es rund 63 Prozent der gesamten Notenbanknachfrage, also gut 200 Tonnen.

Welche Notenbank kauft am meisten Gold?

Bei den gemeldeten Käufen lag im dritten Quartal China mit 63 Tonnen vorn, gefolgt von Polen mit 40 Tonnen. Seit Jahresbeginn ist Polen der größte gemeldete Käufer.

Wie verlässlich sind die Schätzungen von Goldman Sachs?

Sie beruhen auf einem Modell und auf indirekten Daten wie Handelsströmen und Lagerbeständen. Sie geben eine Richtung vor, sind aber keine gemessenen Mengen und können revidiert werden.

Kauft auch die Bundesbank Gold?

Nein. Die Deutsche Bundesbank hält ihren Goldbestand seit Jahren weitgehend stabil und gehört nicht zu den aktiven Käufern.

Quellen

  • World Gold Council: Gold Demand Trends Q3 2026, Central Banks (November 2026)
  • World Gold Council: Central Bank Gold Statistics, Juli, August und September 2026
  • World Gold Council: China gold market update, Q3 2026
  • World Gold Council: Central Bank Gold Reserves Survey 2026
  • Goldman Sachs Research: Central Bank Gold Nowcast, Juli und August 2026

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