China kauft Gold wie nie: 1.141 Tonnen in acht Monaten

von user

China hat in den ersten acht Monaten des Jahres 2026 mehr Gold eingeführt als im gesamten Vorjahr. Die Zollverwaltung meldet 1.141 Tonnen im Wert von 158,8 Milliarden Dollar – der höchste Wert für diesen Zeitraum, seit die Behörde diese Daten erhebt. Gekauft hat allerdings überwiegend nicht die Notenbank.

Das Wichtigste in Kürze

ZeitraumJanuar bis August 2026
Einfuhrmenge1.141 Tonnen
Wert158,8 Milliarden US-Dollar
Vergleich Gesamtjahr 2025886 Tonnen für 96,5 Milliarden Dollar
Rekordjahr2023 mit 1.447 Tonnen
DatenquelleZollverwaltung der Volksrepublik China, Reihe seit 2017
Anteil der Notenbankrund 80 Tonnen in acht Monaten

Die Zahlen im Jahresvergleich

Die Einfuhren schwanken stark. 2023 kaufte China so viel wie nie, 2025 bremste das Land während der Rekordrally deutlich ab – und 2026 kehrte die Nachfrage mit Wucht zurück.

JahrEinfuhrenEinordnung
20231.447 Tonnenbisheriges Rekordjahr
2024knapp darunterhohe Nachfrage, Notenbank pausierte zeitweise
2025886 TonnenZurückhaltung während der starken Preisrally
2026 (Jan–Aug)1.141 Tonnenmehr als im gesamten Vorjahr, Jahresrekord möglich

Hochgerechnet auf zwölf Monate liefe das Jahr auf deutlich über 1.500 Tonnen hinaus. Eine solche Fortschreibung ist aber mit Vorsicht zu genießen: Die Monatswerte schwanken erheblich, weil sie an der Vergabe von Einfuhrquoten hängen.

Warum die Nachfrage gerade jetzt anzieht

Der Preisrückgang. Gold stieg 2025 von rund 2.625 Dollar je Feinunze auf ein Rekordhoch von 5.595 Dollar im Januar 2026. Danach kam der Preis deutlich zurück. Für chinesische Käufer wurde Gold damit wieder erschwinglich – die typische Reaktion eines Marktes, der antizyklisch kauft.

Der starke Yuan. Eine feste Landeswährung verbilligt in Dollar notierte Ware zusätzlich. Beide Effekte zusammen erklären einen großen Teil des Anstiegs.

Der Aufschlag im Inland. Gold wird in China zeitweise über dem Weltmarktpreis gehandelt. Diese Differenz macht Einfuhren für Banken und Händler lohnend – sie kaufen im Ausland und verkaufen im Inland teurer.

Die Regeländerung. Seit dem 1. Juni 2026 können häufige Importeure ein wiederverwendbares Lizenzverfahren nutzen, statt jede Lieferung einzeln genehmigen zu lassen. Das senkt die Hürde für laufende Einfuhren.

Wer tatsächlich kauft

Die naheliegende Erklärung – die chinesische Notenbank hortet Gold – trägt nur einen kleinen Teil. Die chinesische Notenbank – mehr zu den Staatsfinanzen im Finanzprofil Chinas – die People’s Bank of China kaufte im August 20,2 Tonnen, den größten Monatszuwachs seit Oktober 2023, und kommt in acht Monaten auf rund 80 Tonnen. Ihre Gesamtbestände liegen bei etwa 2.387 Tonnen, das sind rund neun Prozent der Währungsreserven.

Die restlichen gut 1.000 Tonnen gingen an andere Käufer. Die Aufteilung zeigt, wohin.

NachfragegruppeEntwicklung 2026
Barren und Münzenplus 28 Prozent im ersten Halbjahr auf 339 Tonnen
Gold-ETFs in Chinaplus 44 Tonnen in acht Monaten, Bestand rund 293 Tonnen
Schmuckminus 34 Prozent auf 132 Tonnen
Notenbankrund 80 Tonnen, 22. Monat in Folge mit Zukäufen

Das Muster ist eindeutig: Gold wird in China derzeit als Anlage gekauft, nicht als Schmuck. Wer bei hohen Preisen eine Kette kauft, überlegt es sich zweimal – wer Vermögen sichern will, greift zum Barren.

Der Hintergrund: wenig Alternativen

Chinesische Sparer stehen vor einem Problem. Der Immobilienmarkt, über Jahrzehnte die wichtigste Anlageform privater Haushalte, steckt in einer Krise. Anleiherenditen liegen nahe historischer Tiefstände. Der Aktienmarkt schwankt stark – wie unbeständig er ist, zeigt der Beitrag zum Hang Seng.

Kapital ins Ausland zu bringen, ist durch Kapitalverkehrskontrollen begrenzt. Gold bleibt damit eine der wenigen Möglichkeiten, Vermögen außerhalb des heimischen Finanzsystems zu halten – und ist zugleich ein Schutz gegen Geldentwertung, siehe den Beitrag zur Inflation.

Was das für Anleger hierzulande bedeutet

Nachfrage stützt den Preis, garantiert ihn aber nicht. China ist der größte Goldmarkt der Welt. Kauft das Land in diesem Tempo weiter, fehlt dieses Metall anderswo. Zugleich gilt: Anlagenachfrage kann ebenso schnell verschwinden, wie sie gekommen ist – verschwindet der Aufschlag im Inland, lohnen sich die Einfuhren nicht mehr.

Gold wirft keine Erträge ab. Anders als Aktien oder Anleihen zahlt Gold weder Dividende noch Zins. Der gesamte Ertrag muss aus dem Preis kommen. Was das für die Depotmischung bedeutet, beschreibt der Beitrag zur Diversifikation.

Währungsrisiko beachten. Gold notiert in Dollar. Für Anleger im Euroraum kommt damit ein Wechselkursrisiko hinzu, das den Ertrag verstärken oder aufzehren kann.

Der Blick auf die Notenbanken bleibt wichtig. Parallel zum Goldkauf sanken Chinas Bestände an US-Staatsanleihen im Juli auf 618 Milliarden Dollar – den niedrigsten Stand seit 2008. Beobachter deuten beides als Teil derselben Strategie: weniger Abhängigkeit vom Dollar.

Häufige Fragen

Kauft die chinesische Notenbank das ganze Gold?

Nein. Von den gut 1.100 Tonnen entfallen rund 80 Tonnen auf die Notenbank. Der Großteil geht an Banken, Fonds und Privatanleger.

Sind die Zahlen verlässlich?

Die Einfuhrdaten stammen von der chinesischen Zollverwaltung und gelten als belastbar. Sie zeigen aber nur, wie viel Gold ins Land kommt – nicht, wo es am Ende landet.

Bedeutet das steigende Goldpreise?

Eine starke Nachfrage stützt den Preis, entscheidet ihn aber nicht allein. Zinsen, Dollarkurs und Notenbankpolitik wirken mindestens ebenso stark, mehr dazu im Beitrag zum Leitzins.

Fazit

Die Grafik trifft zu: China hat 2026 bis August mehr Gold eingeführt als in jedem vergleichbaren Zeitraum seit Beginn der Datenreihe – und mehr als im gesamten Jahr 2025.

Aus Sicht der Marktteilnehmer ist die Zusammensetzung dieser Nachfrage die eigentliche Nachricht. Nicht der Staat kauft, sondern Millionen private und institutionelle Anleger, denen im eigenen Land die Alternativen fehlen. Solange sich daran nichts ändert, dürfte die Nachfrage bestehen bleiben. Ändert sich das Vertrauen in Immobilien oder Aktien, kann sie schnell nachlassen.

Quellen

Stand: 24. September 2026. Angaben nach den genannten Quellen, ohne Gewähr. Die Umrechnung von Mengen und Werten folgt den Veröffentlichungen der Zollverwaltung. Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar.

Das könnte Sie auch interessieren