Shanghai Stock Exchange: Asiens größte Börse im Portrait

von user

Die Shanghai Stock Exchange ist die größte Börse Asiens und nach New York und Nasdaq die drittgrößte der Welt. Hier notieren die Staatskonzerne, die das Rückgrat der chinesischen Wirtschaft bilden – und seit 2019 auch ein eigenes Segment für Technologieunternehmen.

Das Wichtigste in Kürze

Land🇨🇳 China
SitzShanghai, Stadtteil Pudong
Gegründet26. November 1990
Börsenwertrund 10 Billionen US-Dollar
Notierte Unternehmenrund 2.300
Handelszeiten9:30 bis 11:30 Uhr und 13:00 bis 15:00 Uhr Ortszeit
WährungRenminbi
AufsichtChina Securities Regulatory Commission (CSRC)

Geschichte

Eine Börse gab es in Shanghai schon im 19. Jahrhundert; sie war in den 1930er-Jahren die größte Asiens. Nach der Gründung der Volksrepublik 1949 wurde sie geschlossen. Erst im November 1990, im Zuge der Wirtschaftsöffnung, nahm die heutige Shanghai Stock Exchange den Handel wieder auf – zunächst mit acht Unternehmen.

Innerhalb von drei Jahrzehnten wuchs sie zur drittgrößten Börse der Welt. Der Aufstieg verlief nicht geradlinig: 2007 und 2015 erlebte der Markt spektakuläre Blasen mit anschließenden Einbrüchen von über 60 Prozent – begleitet von staatlichen Eingriffen, die im Westen für Aufsehen sorgten.

Die Segmente

SegmentAusrichtungBesonderheit
Hauptmarktetablierte Unternehmen, viele StaatskonzerneBanken, Energie, Infrastruktur, Versicherungen
STAR MarketTechnologie und Forschungseit Juli 2019, Börsenwert rund 15,5 Billionen Yuan
AnleihenStaats- und Unternehmensanleiheneiner der größten Anleihemärkte Asiens
Fonds und ETFswachsendes SegmentZugang für Privatanleger

Der STAR Market gilt als chinesische Antwort auf die Nasdaq. Anders als am Hauptmarkt dürfen dort auch Unternehmen ohne Gewinne notieren – für den chinesischen Kapitalmarkt eine Neuerung, die Halbleiterfirmen und Biotechunternehmen den Weg an die Börse öffnete.

A-Aktien, B-Aktien und der Zugang für Ausländer

Die Besonderheit des chinesischen Marktes ist seine Zweiteilung. A-Aktien lauten auf Renminbi und waren ursprünglich inländischen Anlegern vorbehalten. B-Aktien lauten in Shanghai auf US-Dollar und standen Ausländern offen – sie spielen heute kaum noch eine Rolle.

ZugangswegWer ihn nutzt
Stock ConnectAusländische Anleger über Hongkong, seit 2014
QFII und RQFIIinstitutionelle Investoren mit Lizenz und Quote
B-Aktienhistorisches Segment, geringe Bedeutung
ETFs und Fondsder übliche Weg für Privatanleger aus Europa

Für deutsche Anleger ist der direkte Kauf einzelner A-Aktien in der Praxis nicht möglich. Der Zugang läuft über ETFs auf chinesische Indizes oder über in Hongkong notierte Papiere – mehr dazu im Beitrag zum Hang Seng.

Die Handelsregeln

Preisgrenzen. Aktien am Hauptmarkt dürfen an einem Tag höchstens zehn Prozent steigen oder fallen. Am STAR Market sind es 20 Prozent. Wird die Grenze erreicht, kommt der Handel in diesem Papier zum Erliegen.

Kein Tageshandel. Wer A-Aktien kauft, darf sie frühestens am nächsten Handelstag verkaufen. Diese Regel soll Spekulation eindämmen – für ETFs und Anleihen gilt sie nicht.

Mittagspause. Zwischen 11:30 und 13:00 Uhr ruht der Handel vollständig. Das ist in Asien verbreitet, für europäische Beobachter aber ungewohnt.

Neue Regeln seit Juli 2026. Shanghai, Shenzhen und Peking haben ihre Handelsregeln gemeinsam überarbeitet. Unter anderem wurde der Handel zu festen Preisen nach Börsenschluss auf alle A-Aktien und ETFs ausgeweitet.

Wie eine Order in Shanghai abläuft

Der Handel funktioniert vollelektronisch über ein zentrales Orderbuch, ähnlich wie bei Xetra. Es gibt keine Market Maker, die Preise stellen – der Kurs entsteht aus den Aufträgen selbst.

PhaseUhrzeit (Ortszeit)Was geschieht
Eröffnungsauktion9:15 bis 9:25 UhrSammlung der Aufträge, ein einheitlicher Eröffnungskurs
Fortlaufender Handel9:30 bis 11:30 Uhrerste Handelsperiode
Mittagspause11:30 bis 13:00 Uhrkein Handel
Fortlaufender Handel13:00 bis 14:57 Uhrzweite Handelsperiode
Schlussauktion14:57 bis 15:00 UhrErmittlung des Schlusskurses

Für europäische Anleger heißt das: Der Handel endet um 15:00 Uhr Ortszeit, also gegen 9:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Wer Nachrichten aus China handeln will, muss früh aufstehen – oder auf die Zweitnotierungen in Hongkong ausweichen.

Die Rolle der Staatskonzerne

Shanghai ist die Börse der großen Staatsunternehmen. Banken, Ölkonzerne, Versicherer und Infrastrukturbetreiber prägen den Hauptmarkt. Viele von ihnen befinden sich mehrheitlich in staatlicher Hand; der frei handelbare Anteil ist entsprechend klein.

Das hat zwei Folgen. Erstens schwankt der Kurs stärker, weil weniger Aktien im Umlauf sind. Zweitens orientiert sich die Unternehmensführung nicht allein am Gewinn, sondern auch an politischen Zielen – etwa günstigen Krediten für bestimmte Branchen oder Investitionen in strukturschwache Regionen.

Wer in chinesische Staatskonzerne investiert, sollte das einkalkulieren: Die Interessen von Staat und Aktionären laufen nicht immer parallel.

Die wichtigsten Indizes

IndexInhalt
SSE Compositealle in Shanghai notierten Aktien, der meistgenannte Maßstab
SSE 50die 50 größten Werte
CSI 300die 300 größten Werte aus Shanghai und Shenzhen zusammen
STAR 50die größten Technologiewerte des STAR Market

Der CSI 300 ist der Index, den internationale Anleger am häufigsten verwenden, weil er beide Festlandsbörsen abdeckt. Eine Übersicht aller Indizes bietet die Seite Aktienindizes.

Was Anleger beachten sollten

Staatliche Eingriffe. In Krisen hat die Regierung wiederholt eingegriffen – durch Kaufprogramme staatlicher Fonds, Handelsaussetzungen oder Verkaufsverbote für Großaktionäre. Das stabilisiert kurzfristig, schafft aber Unsicherheit über die Preisbildung.

Hoher Privatanlegeranteil. Anders als in Europa dominieren Privatanleger das Handelsvolumen. Das führt zu stärkeren Ausschlägen, mehr dazu unter Volatilität.

Berichtspflichten. Die Transparenz hat sich verbessert, erreicht aber nicht westliche Standards. Wie sich das auf die Einschätzung des Landes auswirkt, zeigt das Finanzprofil Chinas.

Häufige Fragen

Ist die Börse Shanghai größer als die in Hongkong?

Ja, deutlich. Shanghai kommt auf rund 10 Billionen Dollar Börsenwert, Hongkong auf rund 6 Billionen.

Kann ich als Privatanleger dort direkt kaufen?

In der Regel nicht. Der Zugang läuft über ETFs oder über die Zweitnotierungen chinesischer Konzerne in Hongkong.

Einordnung

Die Shanghai Stock Exchange ist der zentrale Kapitalmarkt der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt – und zugleich der am stärksten regulierte unter den großen Handelsplätzen.

Aus Sicht der Marktteilnehmer bleibt sie schwer zugänglich und politisch beeinflusst. Wer chinesische Aktien im Depot haben möchte, kommt über Hongkong oder über Fonds meist einfacher zum Ziel. Alle Handelsplätze im Vergleich zeigt die Seite Handelsplätze.

Die Börsen Chinas im Überblick

Shanghai Stock Exchange · Shenzhen Stock Exchange · Beijing Stock Exchange · Hong Kong Stock Exchange · Shanghai Gold Exchange

Quellen

Stand: 25. September 2026. Angaben nach den genannten Quellen, ohne Gewähr. Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar.

Das könnte Sie auch interessieren