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Bundesbank: Aufgaben, Goldreserven und Rolle im Eurosystem

von FNE-Redaktion

Die Deutsche Bundesbank setzt seit 1999 keine Zinsen mehr. Trotzdem ist sie alles andere als bedeutungslos geworden — sie verwahrt 3.350 Tonnen Gold, prüft jedes Jahr Milliarden Banknoten, beaufsichtigt Banken und sitzt bei jeder Zinsentscheidung des Euroraums mit am Tisch. Diese Seite erklärt, was die Bundesbank heute tut und was sie abgegeben hat.

Das Wichtigste in Kürze

  • Gegründet 1957: Das Bundesbankgesetz vom 26. Juli 1957 machte sie zur Nachfolgerin der Bank deutscher Länder, die Arbeit begann am 1. August 1957.
  • Rechtsform: bundesunmittelbare juristische Person des öffentlichen Rechts mit einem Grundkapital von 2,5 Milliarden Euro, das dem Bund zusteht. Sitz ist Frankfurt am Main.
  • Seit 1999 ist sie integraler Bestandteil des Europäischen Systems der Zentralbanken. Die Zinsen beschließt der EZB-Rat, in dem ihr Präsident mitstimmt.
  • Von Weisungen der Bundesregierung ist sie unabhängig — das steht ausdrücklich im Gesetz.
  • Goldreserven zum Jahresende 2025: 3.350 Tonnen, davon 1.710 in Frankfurt, 1.236 in New York und 404 in London.
  • Für 2025 wies sie einen Jahresfehlbetrag von 8,6 Milliarden Euro aus — eine Gewinnabführung an den Bund fand nicht statt.

Was das Gesetz vorschreibt

VorschriftInhalt
§ 2 BBankGRechtsform, Grundkapital von 2,5 Milliarden Euro zugunsten des Bundes, Sitz Frankfurt am Main.
§ 3 BBankGDie Bundesbank ist integraler Bestandteil des ESZB; vorrangiges Ziel ist Preisstabilität. Sie hält und verwaltet die Währungsreserven, wickelt den Zahlungsverkehr ab und trägt zur Stabilität der Zahlungssysteme bei.
§ 7 BBankGDer Vorstand besteht aus Präsident, Vizepräsident und vier weiteren Mitgliedern. Bestellt werden sie vom Bundespräsidenten, die Amtszeit beträgt acht Jahre, in Ausnahmefällen mindestens fünf.
§ 12 BBankGBei der Ausübung ihrer Befugnisse ist die Bundesbank von Weisungen der Bundesregierung unabhängig.
§ 14 BBankGSie hat das ausschließliche Recht, Banknoten auszugeben. Euro-Banknoten sind das einzige unbeschränkte gesetzliche Zahlungsmittel.
§ 27 BBankGVom Gewinn gehen zunächst 20 Prozent, mindestens aber 250 Millionen Euro, in die gesetzliche Rücklage, bis diese 2,5 Milliarden Euro erreicht. Der Rest geht an den Bund.

Bemerkenswert ist die Konstruktion des Vorstands: Präsident, Vizepräsident und ein weiteres Mitglied werden auf Vorschlag der Bundesregierung bestellt, die drei übrigen auf Vorschlag des Bundesrates im Einvernehmen mit der Bundesregierung. Die Länder haben damit die Mehrheit der Vorschlagsrechte. Präsident ist seit Januar 2022 Joachim Nagel.

Was sie 1999 abgegeben hat — und was blieb

Mit dem Beginn der dritten Stufe der Währungsunion am 1. Januar 1999 ging die geldpolitische Verantwortung auf das Eurosystem über. Seither entscheidet der EZB-Rat über Leitzinsen und die Bereitstellung von Zentralbankgeld. Die Bundesbank ist dort vertreten und setzt die Beschlüsse in Deutschland um.

Dabei greift die Stimmrechtsrotation, die mit dem Beitritt Litauens Anfang 2015 eingeführt wurde. Deutschland gehört mit Frankreich, Italien, Spanien und den Niederlanden zur Gruppe 1, die sich vier Stimmrechte teilt. In der Praxis heißt das: Der Bundesbankpräsident ist etwa jeden fünften Monat ohne Stimmrecht — an der Sitzung und der Diskussion nimmt er trotzdem voll teil. Mehr zum Verfahren steht unter EZB.

Geblieben sind fünf Arbeitsfelder, die die Bundesbank selbst so benennt:

  • Geldpolitik — Mitwirkung im EZB-Rat und Umsetzung in Deutschland
  • Finanz- und Währungssystem — Beobachtung der Finanzstabilität und makroprudenzielle Überwachung
  • Finanzaufsicht — laufende Überwachung der Kreditinstitute
  • Bargeld — Versorgung, Prüfung und Rücknahme von Banknoten und Münzen
  • Unbarer Zahlungsverkehr — Betrieb der Systeme, über die Überweisungen abgewickelt werden

Dazu kommt die gesetzliche Aufgabe nach § 3 BBankG, die Währungsreserven der Bundesrepublik zu halten und zu verwalten — darunter das Gold.

Die Goldreserven

Deutschland hält die zweitgrößten Goldreserven der Welt. Wo dieses Gold liegt, war jahrelang ein Politikum: Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden die Bestände überwiegend aus Handelsüberschüssen und wurden dort gelagert, wo sie anfielen — in New York, London und Paris.

LagerstelleBestand 31.12.2025Wert
Frankfurt am Main1.710 Tonnen201.727 Mio. Euro
Federal Reserve Bank, New York1.236 Tonnen145.831 Mio. Euro
Bank of England, London404 Tonnen47.657 Mio. Euro
Gesamt3.350 Tonnen395.215 Mio. Euro

Die Verlagerung nach Frankfurt wurde vorzeitig abgeschlossen: Die Rückführungen aus New York endeten 2016, die rund 91 Tonnen aus Paris folgten 2017. In Paris lagert seither kein deutsches Gold mehr. Damit liegt gut die Hälfte des Bestands im Inland. Was Gold für Privatanleger bedeutet, steht unter Gold.

Bankenaufsicht: wer was macht

Die Aufsicht über deutsche Banken ist auf drei Ebenen verteilt, und die Arbeitsteilung ist präziser geregelt, als es von außen wirkt. Grundlage ist § 7 des Kreditwesengesetzes sowie eine Aufsichtsrichtlinie, die BaFin und Bundesbank am 19. Dezember 2016 unterzeichnet haben.

StelleZuständigkeit
BundesbankDie laufende Überwachung: Sachverhalte ermitteln, Risiken beurteilen, bankgeschäftliche Prüfungen durchführen, Jahresabschlüsse und Prüfungsberichte auswerten, Meldungen bearbeiten. Die Ergebnisse gehen unverzüglich an die BaFin.
BaFinDie Bewertung und alle Entscheidungen: Aufsichtsmaßnahmen, Verwaltungsakte, Prüfungsanordnungen, Erlaubnisverfahren, Inhaberkontrolle, Eignung von Geschäftsleitern, Fristen zur Mängelbeseitigung.
EZBSeit November 2014 beaufsichtigt sie im einheitlichen Aufsichtsmechanismus die bedeutenden Banken des Euroraums direkt — derzeit 114 Institute. Weniger bedeutende Institute bleiben bei Bundesbank und BaFin.

Kurz gefasst: Die Bundesbank prüft, die BaFin entscheidet, und bei den großen Häusern führt die EZB. In gemeinsamen Aufsichtsteams arbeiten europäische und nationale Aufseher zusammen.

Bargeld

Das Notenausgabemonopol nach § 14 BBankG ist mehr als ein Recht — es ist Arbeit. Die Filialen der Bundesbank bearbeiten jedes Jahr rund zwölf Milliarden Euro-Banknoten und prüfen sie auf Echtheit und Umlauffähigkeit. Die Sortiermaschinen schaffen dabei etwa 33 Banknoten pro Sekunde.

Wie viel Bargeld überhaupt unterwegs ist, zeigt der Banknotenumlauf des Eurosystems: 1.619,5 Milliarden Euro zum Jahresende 2025 nach 1.588,3 Milliarden ein Jahr zuvor. Trotz aller Kartenzahlungen steigt die Zahl weiter.

Beim Falschgeld sind die Größenordnungen kleiner, als viele erwarten. In Deutschland wurden 2025 insgesamt 69.909 falsche Banknoten angehalten — nach 72.413 im Vorjahr — sowie 128.132 falsche Münzen. Auf 83 Millionen Einwohner gerechnet begegnet den meisten Menschen nie eine.

Eine Zahl aus der Nachkriegsgeschichte hält sich bis heute: Zum Jahresende 2025 waren noch 12,13 Milliarden D-Mark nicht umgetauscht. Die Bundesbank tauscht sie weiterhin unbefristet um.

Bilanz und Verluste

Kennzahl20252024
Bilanzsumme zum 31.12.2.348.978 Mio. Euro2.372.647 Mio. Euro
JahresergebnisFehlbetrag 8.633 Mio. EuroFehlbetrag 19.814 Mio. Euro
Gewinnabführung an den Bundkeinekeine

Der Grund ist derselbe wie bei der Federal Reserve: Die Bundesbank hält aus den Anleihekaufprogrammen große Bestände niedrig verzinster Wertpapiere, zahlt aber auf die Einlagen der Banken den aktuellen Zins. Solange der Zinsaufwand die Erträge übersteigt, entstehen Verluste. Für 2025 hat sich der Fehlbetrag gegenüber dem Vorjahr mehr als halbiert, der Verlustvortrag summiert sich auf 27,8 Milliarden Euro.

Für den Bundeshaushalt heißt das: Die früher fest eingeplante Gewinnabführung fällt aus und wird erst wieder fließen, wenn die aufgelaufenen Verluste abgearbeitet sind. Die Bundesbank selbst bezeichnet ihre Bilanz trotz des Fehlbetrags als solide — eine Notenbank kann nicht zahlungsunfähig werden in einer Währung, die sie selbst schafft.

Struktur und Zahlen

Stand 31.12.2025
Zentrale1 (Frankfurt am Main)
Hauptverwaltungen9
Filialen31
Beschäftigte10.333 Vollzeitäquivalente, 11.146 Personen

Was die Bundesbank für Anleger bereitstellt

Wenig bekannt und für jeden kostenfrei zugänglich ist die Zeitreihen-Datenbank. Dort stehen Zinssätze, Wechselkurse, Kapitalmarktdaten und gesamtwirtschaftliche Reihen zum Ansehen und Herunterladen bereit — als Tabelle oder in einem Austauschformat, einzeln oder als Sammlung.

Besonders nützlich ist die Zinsstatistik: Sie zeigt, welche Zinsen deutsche Banken im Durchschnitt tatsächlich für Einlagen zahlen und für Kredite verlangen. Wer prüfen will, ob ein Angebot marktüblich ist, findet hier den Vergleichsmaßstab — nicht die Werbung eines Anbieters, sondern die gemeldeten Durchschnitte. Reihen, die vor 1999 beginnen, lassen sich wahlweise in D-Mark oder durchgehend in Euro umgerechnet abrufen.

Häufige Fragen

Bestimmt die Bundesbank noch die Zinsen?

Nein, seit dem 1. Januar 1999 nicht mehr. Über die Leitzinsen entscheidet der EZB-Rat. Der Bundesbankpräsident ist dort Mitglied und stimmt mit, wenn er im jeweiligen Monat ein Stimmrecht hat.

Wem gehört die Bundesbank?

Dem Bund. Das Grundkapital von 2,5 Milliarden Euro steht ihm zu. Weisungen erteilen darf er trotzdem nicht — § 12 BBankG stellt die Bundesbank ausdrücklich weisungsfrei.

Warum liegt deutsches Gold in New York und London?

Historisch sind die Bestände dort entstanden, wo die Handelsüberschüsse anfielen. Beide Städte sind zugleich die wichtigsten Handelsplätze für Gold, was eine Verwertung im Notfall erleichtert. Ein erheblicher Teil wurde inzwischen nach Frankfurt verlagert.

Kann ich bei der Bundesbank ein Konto haben?

Als Privatperson nicht. Die Bundesbank führt Konten für Kreditinstitute und öffentliche Stellen. Für Privatpersonen bietet sie den Umtausch von D-Mark und den Ersatz beschädigter Banknoten an.

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  • EZB — wo die Zinsen für den Euroraum beschlossen werden
  • Gold — Preis, Kauf und Besteuerung für Privatanleger
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Quellen

Stand: 11. Oktober 2026. Bilanz-, Gold- und Personalzahlen nach dem Geschäftsbericht 2025 zum Stichtag 31. Dezember 2025.

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