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Fed: Aufbau, duales Mandat und wie die US-Notenbank entscheidet

von FNE-Redaktion

Kein Zinsentscheid bewegt die Weltmärkte so wie der amerikanische. Die Federal Reserve setzt den Preis für den Dollar, und weil Rohstoffe, Staatsanleihen und ein großer Teil des Welthandels in Dollar abgerechnet werden, wirkt jede Entscheidung weit über die USA hinaus — auch in jedem global anlegenden ETF im deutschen Depot.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Federal Reserve ist die Zentralbank der Vereinigten Staaten, geschaffen durch den Federal Reserve Act vom 23. Dezember 1913.
  • Sie hat ein doppeltes Mandat: maximale Beschäftigung und stabile Preise, gesetzlich gleichrangig. Darin unterscheidet sie sich von der EZB.
  • Das Inflationsziel liegt bei zwei Prozent, gemessen am PCE-Preisindex — nicht am bekannteren Verbraucherpreisindex CPI.
  • Über die Zinsen entscheidet das FOMC mit zwölf Stimmen; es tagt achtmal im Jahr.
  • Die Zielspanne für den Tagesgeldsatz liegt seit dem 17. September 2026 bei 3,75 bis 4,00 Prozent.
  • Der nächste Zinsentscheid fällt am 28. Oktober 2026.

Drei Begriffe, die oft verwechselt werden

BegriffWas es ist
Federal Reserve SystemDer Oberbegriff für das Ganze: das Board of Governors in Washington, die zwölf regionalen Reserve Banks mit ihren 24 Zweigstellen und das FOMC.
Board of GovernorsEine Bundesbehörde in Washington mit sieben Mitgliedern. Sie führt das System, beaufsichtigt die zwölf Reserve Banks und ist dem Kongress rechenschaftspflichtig.
FOMCDer geldpolitische Ausschuss. Keine Behörde, sondern ein Gremium — und das einzige, das über die Zielspanne für den Leitzins entscheidet.

Die Zuständigkeiten sind feiner aufgeteilt, als es von außen wirkt: Die Zielspanne setzt das FOMC. Den Zins auf Reserveguthaben setzt das Board of Governors. Den Diskontsatz setzen die Verwaltungsräte der einzelnen Reserve Banks, vorbehaltlich der Zustimmung des Board. Und ausgeführt wird alles vom Handelstisch der New Yorker Reserve Bank.

Das doppelte Mandat

Der gesetzliche Auftrag steht in Section 2A des Federal Reserve Act. Er verpflichtet Board und FOMC auf drei Ziele: maximum employment, stable prices, and moderate long-term interest rates — maximale Beschäftigung, stabile Preise und gemäßigte langfristige Zinsen. In der Praxis spricht man vom dualen Mandat, weil der dritte Punkt aus den ersten beiden folgt.

Die Formulierung stammt aus dem Jahr 1977 und wurde 1978 im sogenannten Humphrey-Hawkins-Gesetz geschärft. Der Unterschied zur europäischen Konstruktion ist grundsätzlich: In Europa kommt Preisstabilität zuerst und alles andere danach. In den USA stehen Beschäftigung und Preise nebeneinander. Fällt die Inflation, während die Arbeitslosigkeit steigt, muss die Fed abwägen — die EZB nicht.

Was „stabile Preise“ bedeutet, legt das FOMC in seinem Statement on Longer-Run Goals and Monetary Policy Strategy fest: zwei Prozent, gemessen am Preisindex für die persönlichen Konsumausgaben. Dieses Papier gilt seit dem 24. Januar 2012, wurde am 22. August 2025 überarbeitet und zuletzt am 27. Januar 2026 bestätigt. Maximale Beschäftigung definiert es als das höchste Beschäftigungsniveau, das sich bei stabilen Preisen dauerhaft halten lässt — bewusst ohne Zahl.

Dass die Fed den PCE-Index und nicht den CPI verwendet, ist mehr als eine Fußnote. Die beiden Indizes sind unterschiedlich gewichtet, und der PCE fällt meist etwas niedriger aus. Wer die CPI-Zahl mit dem Zwei-Prozent-Ziel vergleicht, vergleicht die falschen Größen.

Wer abstimmt

Das Board of Governors hat sieben Mitglieder. Sie werden vom Präsidenten nominiert und vom Senat bestätigt; die Amtszeit beträgt 14 Jahre und ist so gestaffelt, dass alle zwei Jahre eine neue beginnt. Wer eine volle Amtszeit abgeleistet hat, kann nicht wiederernannt werden. Vorsitz und stellvertretender Vorsitz werden getrennt davon für jeweils vier Jahre vergeben — die Mitgliedschaft im Board bleibt davon unberührt. Vorsitzender ist seit dem 22. Mai 2026 Kevin Warsh; seine Amtszeit in dieser Funktion läuft bis zum 21. Mai 2030.

Das FOMC hat zwölf stimmberechtigte Mitglieder:

  • die sieben Governors des Board,
  • der Präsident der New Yorker Reserve Bank — er hat einen ständigen Sitz, weil in New York die Geschäfte ausgeführt werden,
  • und vier der übrigen elf Reserve-Bank-Präsidenten, die jährlich aus vier festen Gruppen rotieren: Boston/Philadelphia/Richmond, Cleveland/Chicago, Atlanta/St. Louis/Dallas sowie Minneapolis/Kansas City/San Francisco.

Die sieben Präsidenten ohne Stimmrecht nehmen trotzdem an jeder Sitzung teil und diskutieren mit. Das Prinzip ähnelt der Rotation im EZB-Rat, ist aber jährlich statt monatlich.

Die zwölf Reserve Banks sitzen in Boston, New York, Philadelphia, Cleveland, Richmond, Atlanta, Chicago, St. Louis, Minneapolis, Kansas City, Dallas und San Francisco. Sie sind die operativen Arme des Systems: Bankenaufsicht, Bargeldversorgung, Zahlungsverkehr, Kreditvergabe an Banken — und das Sammeln regionaler Wirtschaftsinformationen.

Die aktuellen Sätze

SatzStandBedeutung
Zielspanne Federal Funds Rate3,75 – 4,00 %Die Spanne, in der sich der Tagesgeldsatz zwischen Banken bewegen soll. Seit 17. September 2026.
Effective Federal Funds Rate3,88 %Der tatsächlich am Markt erzielte Satz, Stand 8. Oktober 2026.
Zins auf Reserveguthaben (IORB)3,90 %Was Banken für Guthaben bei der Fed bekommen. Das wichtigste Steuerungsinstrument.
Reverse-Repo-Satz (ON RRP)3,75 %Untergrenze für Geldmarktsätze, auch für Geldmarktfonds zugänglich.
Diskontsatz (Primary Credit)4,00 %Kredit am Diskontfenster für solide Institute.

Die Fed arbeitet seit Jahren mit reichlich Reserven im Bankensystem. Dadurch steuert sie den Zins nicht mehr über die Menge, sondern über administrierte Sätze: Der Zins auf Reserveguthaben wirkt als Boden, weil keine Bank Geld billiger verleiht, als die Notenbank zahlt; die stehende Repo-Fazilität wirkt als Deckel. Die Zielspanne ist das erklärte Ziel, die beiden Sätze sind das Werkzeug.

Eine Besonderheit gegenüber Europa: Die Mindestreserve liegt bei null Prozent, und zwar seit dem 26. März 2020 für sämtliche Verbindlichkeitsklassen. Die Mindestreservepflicht wurde damit faktisch abgeschafft.

Die Termine

Das FOMC tagt achtmal im Jahr, jeweils zweitägig. Bei vier dieser Sitzungen veröffentlicht es zusätzlich die Projektionen seiner Mitglieder — bekannt als Dot Plot, weil jedes Mitglied seine Zinserwartung als Punkt einträgt. Diese Sitzungen bewegen die Märkte in der Regel stärker.

2026Projektionen2027Projektionen
27.–28. Oktobernein26.–27. Januarnein
8.–9. Dezemberja16.–17. Märzja
27.–28. Aprilnein
8.–9. Junija
27.–28. Julinein
14.–15. Septemberja
26.–27. Oktobernein
7.–8. Dezemberja

Der Beschluss wird am zweiten Tag um 14:00 Uhr Ortszeit New York veröffentlicht, die Pressekonferenz beginnt eine halbe Stunde später. In deutscher Zeit ist das meist 20:00 beziehungsweise 20:30 Uhr. Alle Termine stehen im Wirtschaftskalender, der Ablauf unter Fed-Zinsentscheid.

Die Bilanz — und warum sie gerade Verluste macht

Die Anleihekäufe der Krisenjahre haben die Bilanz der Fed enorm aufgebläht. Seit 2022 wurde sie zurückgefahren, indem fällige Papiere nicht mehr vollständig ersetzt wurden. Dieser Abbau ist inzwischen beendet: Am 29. Oktober 2025 beschloss das FOMC, ihn zum 1. Dezember 2025 einzustellen. Seither werden fällige Staatsanleihen wieder vollständig ersetzt, Erlöse aus Hypothekenpapieren fließen in kurzlaufende Staatsanleihen.

PositionStand 7. Oktober 2026
Bilanzsummerund 6,75 Billionen US-Dollar
Davon US-Staatsanleihenrund 4.566 Milliarden US-Dollar
Davon Hypothekenpapiererund 1.898 Milliarden US-Dollar
Reserveguthaben der Bankenrund 3.022 Milliarden US-Dollar

Daraus ergibt sich eine Lage, die wenig bekannt ist. Die Fed finanziert sich nicht aus dem Staatshaushalt, sondern aus den Zinserträgen ihrer Wertpapiere. Was nach Kosten und einer gesetzlich auf sechs Prozent begrenzten Dividende an die Mitgliedsbanken übrig bleibt, führt sie an das Finanzministerium ab — jahrzehntelang zweistellige Milliardenbeträge pro Jahr.

Seit die Zinsen stiegen, hat sich das umgekehrt. Die Fed zahlt den Banken Zinsen auf deren Reserveguthaben, und diese Zinsen übersteigen die Erträge aus den überwiegend niedrig verzinsten Altbeständen. Im Geschäftsjahr 2025 standen Zinserträgen von 155,3 Milliarden Dollar Zinsaufwendungen von 167,4 Milliarden gegenüber. Die aufgelaufenen Fehlbeträge führt die Fed als aufgeschobenen Vermögenswert; er lag am 7. Oktober 2026 bei 233,6 Milliarden Dollar. Solange er besteht, fließt kein Geld an das Finanzministerium. Erst wenn künftige Erträge die Verluste aufgeholt haben, setzen die Abführungen wieder ein.

Was Anleger im Blick behalten sollten

  • Der Dot Plot bewegt oft mehr als der Zinsschritt. Die Entscheidung ist meist eingepreist; die Projektionen zeigen, wohin die Mitglieder den Zins in den kommenden Jahren sehen.
  • PCE statt CPI. Das Zwei-Prozent-Ziel bezieht sich auf den PCE-Index. Der CPI erscheint früher und wird stärker beachtet, ist aber nicht die Zielgröße.
  • Das doppelte Mandat schafft Richtungswechsel. Ein schwacher Arbeitsmarktbericht kann die Zinserwartung drehen, auch wenn die Inflation unverändert bleibt.
  • Der Dollar überträgt die Entscheidung ins deutsche Depot. Jede Bewegung im Wechselkurs verändert den Wert jeder Dollar-Position — auch in einem weltweit anlegenden ETF.
  • Wer handelt, meidet die Minuten danach. Um 20:00 Uhr deutscher Zeit springen die Kurse und die Spannen weiten sich. Ein Limit schützt besser als ein guter Zeitpunkt.

Häufige Fragen

Gehört die Fed dem Staat?

Die Konstruktion ist gemischt. Das Board of Governors ist eine Bundesbehörde. Die zwölf Reserve Banks dagegen haben Mitgliedsbanken als Anteilseigner — diese Anteile sind aber nicht handelbar, nicht verpfändbar und bringen nur eine gesetzlich gedeckelte Dividende. Stimmrechte wie bei einer Aktiengesellschaft gibt es nicht; die Reserve Banks arbeiten nicht gewinnorientiert.

Wer kann den Fed-Vorsitzenden absetzen?

Der Vorsitz wird für vier Jahre vergeben, die Mitgliedschaft im Board läuft 14 Jahre und bleibt davon unberührt. Ein Vorsitzender, dessen Amtszeit in dieser Funktion endet, kann also Governor bleiben — so wie Jerome Powell, der dem Board weiterhin angehört.

Was ist der Unterschied zwischen Leitzins und Diskontsatz?

Die Zielspanne für die Federal Funds Rate betrifft den Handel zwischen Banken. Der Diskontsatz ist der Preis, zu dem eine Bank sich direkt bei ihrer Reserve Bank Geld leiht. Er liegt seit März 2020 am oberen Rand der Zielspanne.

Mehr zum Thema

  • Fed-Zinsentscheid — Termine und Ablauf der FOMC-Sitzungen
  • CPI: US-Verbraucherpreisindex — die Inflationszahl mit der stärksten Marktwirkung
  • EZB — das europäische Gegenstück mit vorrangigem Preisziel
  • Bank of Japan — die Notenbank am anderen Ende des Zinsspektrums
  • Leitzins — wie Notenbankzinsen auf Aktien, Anleihen und Kredite wirken
  • Anleihen — die Papiere, die als Erstes auf Zinsentscheidungen reagieren

Quellen

Stand: 11. Oktober 2026. Zinssätze nach dem FOMC-Beschluss vom 16. September 2026, wirksam seit dem 17. September 2026. Diese Seite wird nach jedem Zinsentscheid aktualisiert.

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