Wenn an einem Monatsende um 10:30 Uhr der DAX kurz zuckt, steckt oft der ifo-Geschäftsklimaindex dahinter. Er ist der meistbeachtete Konjunkturindikator für Deutschland — und anders als der ZEW-Index fragt er nicht Analysten, sondern die Unternehmen selbst.
Das Wichtigste in Kürze
- Herausgeber ist das ifo Institut — Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München, ein eingetragener Verein mit Sitz in München.
- Grundlage ist der ifo Konjunkturtest, eine monatliche Umfrage mit rund 9.000 Meldungen aus einem Panel von über 10.000 Unternehmen.
- Gefragt wird nach zwei Dingen: der aktuellen Geschäftslage und den Erwartungen für die nächsten sechs Monate.
- Aus beiden Salden entsteht das Geschäftsklima als geometrisches Mittel, normiert auf das Basisjahr 2015 gleich 100.
- Zuletzt veröffentlicht: September 2026 mit 89,9 Punkten im Klima, 89,5 in der Lage und 90,4 in den Erwartungen.
- Der nächste Termin ist der 26. Oktober 2026 um 10:30 Uhr.
Wie die Umfrage funktioniert
Der ifo Konjunkturtest läuft seit 1949. Die ersten Fragebögen gingen im Herbst jenes Jahres hinaus; die erste Erhebung im Dezember 1949 brachte 88 ausgefüllte Bögen zurück. Heute meldet sich jeden Monat ein Vielfaches davon.
Befragt werden Unternehmen aus vier Bereichen: dem Verarbeitenden Gewerbe, dem Dienstleistungssektor, dem Handel mit Groß- und Einzelhandel sowie dem Bauhauptgewerbe. Die Fragen sind bewusst einfach gehalten, weil sie monatlich und von vielen beantwortet werden müssen:
- Zur Lage: Wie beurteilen Sie Ihre aktuelle Geschäftslage — gut, befriedigend oder schlecht?
- Zu den Erwartungen: Wie wird Ihre Geschäftslage in den nächsten sechs Monaten sein — günstiger, gleich bleibend oder ungünstiger?
Das ist der entscheidende Unterschied zu anderen Indikatoren. Hier antwortet kein Volkswirt, der eine Prognose über die Gesamtwirtschaft abgibt, sondern ein Unternehmer über sein eigenes Geschäft — über Auftragsbücher, die er kennt, und Kunden, mit denen er gestern telefoniert hat.
Wie aus Antworten eine Zahl wird
Zunächst entsteht aus jeder Frage ein Saldo: der Prozentanteil der positiven Antworten minus der Prozentanteil der negativen. Die mittlere Antwort — „befriedigend“ oder „gleich bleibend“ — zählt als neutral und fällt heraus. Das ifo Institut rechnet es selbst so vor: Sagen 35 Prozent „gut“ und 25 Prozent „schlecht“, ergibt das einen Saldo von 10 Punkten. Der Wert kann theoretisch zwischen minus 100 und plus 100 liegen.
Das Geschäftsklima ist dann das geometrische Mittel aus den beiden Salden. Damit die Wurzel auch bei negativen Salden funktioniert, werden auf beide Werte 200 Punkte addiert; anschließend wird auf den Durchschnitt des Basisjahres normiert. Deshalb liegt der Index um 100 herum und nicht um null.
Das Basisjahr ist 2015 gleich 100, und zwar seit der Umstellung im April 2018 — davor war es 2005. Seither ist außerdem das Geschäftsklima für Deutschland der zentrale Wert, nicht mehr das für die gewerbliche Wirtschaft. Die Reihen sind saisonbereinigt, das Institut nutzt dafür das Verfahren X-13ARIMA-SEATS.
Praktisch folgt daraus: Die 89,9 Punkte vom September 2026 bedeuten nicht, dass es der Wirtschaft zu 89,9 Prozent gut geht. Sie bedeuten, dass die Stimmung schlechter ist als im Durchschnitt des Jahres 2015. Aussagekräftig ist die Richtung, nicht die Höhe.
Der aktuelle Stand: September 2026
| Indikator | Juli 2026 | August 2026 | September 2026 |
|---|---|---|---|
| Geschäftsklima | 86,7 | 88,8 | 89,9 |
| Geschäftslage | 86,5 | 88,5 | 89,5 |
| Geschäftserwartungen | 86,8 | 89,0 | 90,4 |
Veröffentlicht am 24. September 2026, Index 2015 gleich 100, saisonbereinigt. Das Klima stieg gegenüber August um 1,1 Punkte — der dritte Anstieg in Folge.
Interessanter als der Gesamtwert sind die Salden der einzelnen Bereiche, weil sie zeigen, wie weit die Lagen auseinanderliegen:
| Bereich | Klima-Saldo September 2026 |
|---|---|
| Deutschland insgesamt | −3,4 |
| Verarbeitendes Gewerbe | −2,8 |
| Dienstleistungssektor | +0,7 |
| Handel | −17,2 |
| Bauhauptgewerbe | −17,0 |
Der Dienstleistungssektor ist zurück im positiven Bereich, während Handel und Bau deutlich im Minus verharren. Noch schärfer wird das Bild in den Einzelbranchen: Die Automobilindustrie meldete im September ein Klima von −35,0, die Elektroindustrie dagegen +24,8. Ein Gesamtindex von 89,9 verdeckt solche Unterschiede vollständig.
Die Konjunkturuhr
Das ifo Institut trägt Lage und Erwartungen in ein Diagramm mit vier Feldern ein. Daraus entsteht die Konjunkturuhr, die den Punkt im Zyklus benennt:
| Feld | Lage | Erwartungen |
|---|---|---|
| Erholung | noch schlecht | bereits gut |
| Boom | gut | gut |
| Abkühlung | noch gut | bereits schlecht |
| Krise | schlecht | schlecht |
Der Nutzen liegt in der Reihenfolge: Die Erwartungen drehen vor der Lage. Wer nur den Gesamtindex betrachtet, sieht die Wende erst, wenn sie schon stattgefunden hat.
Die Termine
Das ifo Institut veröffentlicht das Geschäftsklima für Deutschland jeweils um 10:30 Uhr.
| Veröffentlichung | Uhrzeit |
|---|---|
| 26. Oktober 2026 | 10:30 Uhr |
| 24. November 2026 | 10:30 Uhr |
| 17. Dezember 2026 | 10:30 Uhr |
Daneben erscheint das ifo Geschäftsklima Ostdeutschland jeweils um 09:30 Uhr — die nächsten Termine sind der 30. Oktober und der 30. November 2026 sowie der 8. Januar 2027. Es beruht auf rund 1.200 Meldungen und lag im September 2026 bei 91,1 Punkten.
Alle Termine in einer Übersicht zeigt der Wirtschaftskalender.
Die weiteren ifo-Indikatoren
- ifo Beschäftigungsbarometer — die Beschäftigungsplanungen der Unternehmen für die nächsten drei Monate, aus rund 9.500 monatlichen Meldungen. September 2026: 95,1 Punkte nach 94,8 im August.
- ifo Exporterwartungen — die Ausfuhrerwartungen der Industrie, veröffentlicht seit November 2014. September 2026: 8,0 Punkte nach 9,8 im August.
- ifo Geschäftsunsicherheit — misst, wie schwer es Managern fällt, die eigene Lage für die nächsten sechs Monate einzuschätzen. Je höher der Wert, desto unsicherer.
- ifo Preiserwartungen — ob Unternehmen planen, ihre Preise anzuheben. September 2026: 22,7 Punkte. Für die Einschätzung der Inflation oft aussagekräftiger als der Gesamtindex.
Was der Index leistet — und was nicht
- Er ist ein Frühindikator, kein Messwert. Erhoben wird Stimmung, nicht Produktion. Die amtlichen Zahlen kommen Wochen später.
- Der Gesamtindex verdeckt die Spreizung. Zwischen Elektroindustrie bei +24,8 und Automobilindustrie bei −35,0 lagen im September 2026 fast 60 Punkte.
- Einzelne Monate sagen wenig. Erst eine Reihe von drei bis sechs Monaten ergibt ein Bild. Das ifo veröffentlicht die Werte auch als Zeitreihen zum Herunterladen.
- Werte werden revidiert. Saisonfaktoren werden nachgeführt, zurückliegende Monatswerte ändern sich dadurch leicht.
- Für die Börse zählt die Abweichung. Nicht der Wert selbst bewegt die Kurse, sondern der Unterschied zur Erwartung der Analysten.
Häufige Fragen
Was unterscheidet den ifo-Index vom ZEW-Index?
Das ifo Institut befragt Unternehmen zu ihrem eigenen Geschäft, das ZEW befragt Finanzmarktfachleute zur Gesamtwirtschaft. Der ZEW-Index erscheint früher im Monat und reagiert stärker auf Nachrichtenlagen; der ifo-Index gilt als näher an der Realwirtschaft. Beide ergänzen sich.
Ab welchem Wert ist der Index gut?
Eine feste Schwelle gibt es nicht, weil der Index auf das Jahr 2015 normiert ist. Werte über 100 bedeuten eine bessere Stimmung als im Durchschnitt jenes Jahres. Aussagekräftiger ist die Veränderung zum Vormonat und der Verlauf über mehrere Monate.
Warum reagiert der DAX darauf?
Weil die Zahl früh verfügbar ist und auf Unternehmensangaben beruht. Sie gilt als Hinweis darauf, wie sich Umsätze und Gewinne der nächsten Quartale entwickeln. Die Veröffentlichung um 10:30 Uhr fällt mitten in den Handel, die Reaktion ist deshalb unmittelbar sichtbar.
Wo bekomme ich die Zahlen selbst?
Beim ifo Institut. Es stellt die Zeitreihen für Klima, Lage und Erwartungen als Tabellen zum Herunterladen bereit, einschließlich der Branchensalden und eines Datensatzes mit allen ursprünglich veröffentlichten Werten seit Januar 2005. Die Quellen sind unten verlinkt.
- Wirtschaftskalender — alle Termine für Deutschland, Eurozone und USA
- ZEW-Konjunkturerwartungen — der frühere Stimmungsindikator im Monat
- CPI: US-Verbraucherpreisindex — der Termin mit der stärksten Marktwirkung
- Rezession — wann eine Wirtschaft offiziell schrumpft
- Inflation — Ursachen und Folgen für Anleger
- EZB-Zinsentscheid — worauf die Notenbank bei solchen Daten achtet
Quellen
- ifo Institut: ifo Geschäftsklimaindex, Indikatorseite mit Methodik und Terminen (ifo.de)
- ifo Institut: ifo Geschäftsklimaindex gestiegen, Pressemitteilung vom 24. September 2026 (ifo.de)
- ifo Institut: ifo Zeitreihen zum Herunterladen (ifo.de)
- ifo Institut: ifo Handbuch der Konjunkturumfragen, ifo Beiträge zur Wirtschaftsforschung 88 (ifo.de)
- ifo Institut: ifo Geschäftsklima Ostdeutschland (ifo.de)
Stand: 11. Oktober 2026. Die Werte beziehen sich auf den Berichtsmonat September 2026. Diese Seite wird nach jeder Veröffentlichung aktualisiert.