Es war der größte Börsengang eines Rüstungsunternehmens aller Zeiten: Am 23. Januar 2026 ging die tschechische Czechoslovak Group, kurz CSG, an der Euronext in Amsterdam an die Börse. Der erste Tag brachte ein Kursfeuerwerk. Acht Monate später notiert die Aktie deutlich unter dem Ausgabepreis – obwohl das Geschäft glänzend läuft. Ein Lehrstück über Bewertung und Erwartungen.
Die Eckdaten
| Unternehmen | CSG N.V. (Czechoslovak Group) |
| Sitz der Holding | Niederlande, operative Zentrale in Prag |
| Börse | Euronext Amsterdam |
| Erstnotiz | 23. Januar 2026 |
| Ausgabepreis | 25 Euro |
| Erster Kurs | 32 Euro |
| Emissionsvolumen | bis zu 3,8 Mrd. Euro, inklusive Mehrzuteilung |
| Platzierte Aktien | bis zu 152 Millionen |
| Bewertung zum Ausgabepreis | rund 25 Mrd. Euro |
| Mehrheitsaktionär | Michal Strnad |
Ein Börsengang im Eiltempo
Normalerweise dauert die Platzierung von Aktien drei bis vier Wochen. CSG brauchte drei Tage: Die Bücher öffneten an einem Dienstag und schlossen bereits am Donnerstag, am Freitag begann der Handel. Hintergrund war die angespannte geopolitische Lage, die Rüstungswerte besonders gefragt machte. Wie ein Börsengang normalerweise abläuft, erklärt der Beitrag zum Börsengang.
Der Börsengang kombinierte zwei Elemente: den Verkauf bestehender Aktien durch Eigentümer Michal Strnad, der rund 15 Prozent der Anteile anbot, und die Ausgabe neuer Aktien, deren Erlös dem Unternehmen zufließt. Als Ankeraktionäre sagten der Vermögensverwalter BlackRock und der Staatsfonds von Katar zusammen rund 900 Millionen Euro zu.
Nach Angaben der Euronext war es die weltweit größte Börsennotierung eines Rüstungsunternehmens, gemessen an Emissionsvolumen und Marktkapitalisierung. In Europa war es der größte Börsengang seit Porsche im Jahr 2022 – einen Überblick über die Rekorde gibt der Beitrag zu den größten Börsengängen.
Der erste Handelstag
Der erste Kurs lag mit 32 Euro deutlich über dem Ausgabepreis. Im frühen Handel stieg die Aktie auf 33 Euro, rund 32 Prozent über dem Emissionskurs. Mit einem Börsenwert von rund 30 Milliarden Euro war CSG damit mehr wert als die deutschen Rüstungsunternehmen Renk und Hensoldt zusammen.
Profitiert haben davon vor allem institutionelle Investoren, denn der Großteil der Aktien ging an Fonds und Vermögensverwalter. Privatanleger kamen meist erst am ersten Handelstag zum Zug – zu höheren Kursen.
Was CSG macht
CSG ist eine Industrie- und Rüstungsholding mit mehr als 100 Tochtergesellschaften. Das Kerngeschäft umfasst gepanzerte Fahrzeuge, Artilleriesysteme, Raketenwerfer und Radarsysteme. Zudem gehört CSG zu den weltweit größten Munitionsherstellern. Daneben ist der Konzern in der Luftfahrt- und Eisenbahnbranche tätig.
Die Expansion läuft zu einem großen Teil über Beteiligungen und Gemeinschaftsunternehmen: So hat CSG seinen Anteil am deutschen Chemieunternehmen Alzchem aufgestockt, ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem türkischen Rüstungskonzern Aselsan im Bereich Luftverteidigung gegründet und ein Munitions-Joint-Venture in Griechenland angekündigt.
Die Geschäftszahlen
Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Umsatz um 17,2 Prozent auf 3,25 Milliarden Euro und lag damit über den Erwartungen der Analysten. Das operative Ergebnis wuchs um 12,7 Prozent auf 784 Millionen Euro – eine Marge von 24,1 Prozent. Der Nettogewinn aus fortgeführten Geschäften stieg von 305 auf 572 Millionen Euro.
| Kennzahl | 1. Halbjahr 2026 |
|---|---|
| Umsatz | 3,25 Mrd. Euro, plus 17,2 Prozent |
| Operatives Ergebnis | 784 Mio. Euro, Marge 24,1 Prozent |
| Fester Auftragsbestand | 17 Mrd. Euro |
| Auftragsbestand inklusive Pipeline | 46 Mrd. Euro |
| Operativer Cashflow vor Steuern | minus 411 Mio. Euro |
| Prognose Gesamtjahr | Umsatz 7,4 bis 7,6 Mrd. Euro, Marge 24 bis 25 Prozent |
Die Margen sind außergewöhnlich. Ein operatives Ergebnis von fast einem Viertel des Umsatzes ist selbst für die Rüstungsbranche hoch. Zum Vergleich: Der Marineschiffbauer TKMS peilt gut 6 Prozent an.
Vorsicht bei der großen Zahl: Die oft zitierten 46 Milliarden Euro enthalten neben festen Aufträgen auch Projekte, über die noch verhandelt wird. Der feste Auftragsbestand liegt bei 17 Milliarden Euro – immer noch ein Rekord, aber eine deutlich andere Größenordnung.
Weniger Ukraine, mehr NATO
Ein wichtiger Wandel betrifft die Kundenstruktur. Der Umsatzanteil der Ukraine sank von 27 Prozent Ende 2025 auf 17 Prozent. Inzwischen stammen 83 Prozent der Erlöse aus NATO-Staaten und verbündeten Ländern, Europa ohne die Ukraine macht mehr als die Hälfte aus, die USA sind der zweitwichtigste Einzelmarkt.
Für Anleger ist das eine gute Nachricht: Die Abhängigkeit von einem einzelnen Kriegsschauplatz sinkt. Ein Waffenstillstand in der Ukraine würde CSG weniger stark treffen als noch vor einem Jahr.
Warum die Aktie trotzdem fällt
Trotz starker Zahlen notierte die Aktie im August bei rund 18 Euro – fast ein Drittel unter dem Ausgabepreis und weit unter dem Hoch des ersten Handelstags. Nach Vorlage der Halbjahreszahlen fiel sie an einem Tag um knapp 7 Prozent. Dafür gibt es mehrere Gründe.
Der Cashflow. Das Geschäft wächst, bindet aber viel Geld in Vorräten und Forderungen. Der negative operative Cashflow im ersten Halbjahr hat Anleger verunsichert. CSG will im zweiten Halbjahr 1,5 Milliarden Euro aus dem Umlaufvermögen freisetzen.
Die Verschuldung. Die Nettoverschuldung lag Ende Juni beim 1,6-Fachen des operativen Ergebnisses vor Abschreibungen. Bis Jahresende soll sie unter das 1,3-Fache sinken.
Ein Leerverkäufer. Im Mai veröffentlichte ein Short-Seller Vorwürfe, die Geschäftsmodell und Produktionskapazitäten infrage stellten. CSG wies die Vorwürfe zurück, das Misstrauen wirkte aber nach.
Die Bewertung. Zum ersten Handelstag wurde CSG so hoch bewertet, dass viel Zukunft eingepreist war. Dasselbe Muster zeigte sich beim Rekord-Börsengang von SpaceX. Wer zu 32 Euro kaufte, zahlte einen Aufschlag, den die Zahlen erst verdienen müssen – mehr dazu im Beitrag zum KGV.
Wer das Sagen hat
Michal Strnad, beim Börsengang 33 Jahre alt, hat die Gruppe von seinem Vater übernommen und kontrolliert sie auch nach dem Börsengang mehrheitlich. Wie bei vielen Börsengängen mit einem dominanten Eigentümer haben Streubesitzaktionäre wenig Einfluss. Verkauft Strnad künftig weitere Anteile, kann das den Kurs belasten.
Chancen und Risiken
| Chancen | Risiken |
|---|---|
| sehr hohe operative Margen | negativer Cashflow im ersten Halbjahr |
| Rekordauftragsbestand und wachsende Pipeline | Verschuldung, Expansion über Zukäufe |
| sinkende Abhängigkeit von der Ukraine | Vorwürfe eines Leerverkäufers |
| Munition als dauerhaft knappes Gut | Abhängigkeit von Exportgenehmigungen und Staatshaushalten |
CSG und TKMS im Vergleich
| CSG | TKMS | |
|---|---|---|
| Weg an die Börse | klassischer Börsengang | Abspaltung von thyssenkrupp |
| Frisches Geld | ja, Teil der 3,8 Mrd. Euro | nein |
| Börse | Amsterdam | Frankfurt |
| Schwerpunkt | Munition, Landsysteme | U-Boote, Fregatten |
| Operative Marge | rund 24 Prozent | gut 6 Prozent |
| Großaktionär | Michal Strnad | thyssenkrupp |
Fazit
CSG zeigt, dass ein erfolgreicher Börsengang und eine erfolgreiche Aktie zwei verschiedene Dinge sind. Das Unternehmen wächst, verdient gut und baut seine Abhängigkeit von der Ukraine ab. Die Aktie spiegelt das bislang nicht wider, weil Cashflow, Verschuldung und die hohe Anfangsbewertung schwerer wiegen.
Aus Sicht der Marktteilnehmer lohnt vor allem der Blick auf den Cashflow im zweiten Halbjahr. Gelingt die angekündigte Freisetzung von 1,5 Milliarden Euro, wäre der wichtigste Kritikpunkt entkräftet. Mehr zur Branche im Portrait von Rheinmetall, dem größten deutschen Wettbewerber.
Weitere Börsengänge im Überblick
Grundlagen: Börsengang: Wie ein IPO abläuft · Die größten Börsengänge der letzten 30 Jahre
Bereits an der Börse: SpaceX · CSG · TKMS · Klarna · Asta Energy · Gabler
Geplant, verschoben oder abgesagt: KNDS · OpenAI · Anthropic · Brainlab · Stada
Noch nicht an der Börse: Helsing · Quantum Systems · Stark Defence · Neura Robotics
Stand: 21. September 2026. Angaben nach Unternehmensmitteilungen und Medienberichten, ohne Gewähr. Kursangaben beziehen sich auf August 2026. Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Aktien sind mit Risiken bis zum Totalverlust verbunden.