Tagesgeld und Festgeld sind die einfachsten Anlageformen überhaupt: Geld auf ein Konto, Zinsen kassieren, kein Kursrisiko. Genau deshalb werden sie unterschätzt – und überschätzt. Beides zu Unrecht.
Der Unterschied
| Tagesgeld | Festgeld | |
|---|---|---|
| Verfügbarkeit | täglich | erst zum Laufzeitende |
| Zinssatz | variabel, jederzeit änderbar | fest für die Laufzeit |
| Laufzeit | unbegrenzt | meist 3 Monate bis 10 Jahre |
| Geeignet für | Notgroschen, kurzfristige Rücklagen | Geld mit bekanntem Verwendungstermin |
Beim Tagesgeld kann die Bank den Zins jederzeit senken – auch einen Tag nach der Eröffnung. Lockangebote laufen oft nach sechs Monaten aus und fallen dann auf einen Bruchteil.
Beim Festgeld ist der Zins garantiert, dafür kommt man vor Laufzeitende nicht heran. Wer flexibel bleiben will, staffelt die Anlage über mehrere Laufzeiten.
Die Einlagensicherung
In der EU sind Einlagen bis 100.000 Euro je Kunde und Bank gesetzlich geschützt. Das ist der entscheidende Vorteil gegenüber jeder Form der Wertpapieranlage: Das Geld ist nominal sicher.
Bei ausländischen Banken mit auffällig hohen Zinsen lohnt ein genauer Blick. Die Sicherung greift über das jeweilige nationale System – im Ernstfall hängt die Entschädigung an der Leistungsfähigkeit dieses Staates. Auch die Sprache des Verfahrens und die Bearbeitungsdauer können ein Thema werden.
Wer mehr als 100.000 Euro anlegt, verteilt sinnvollerweise auf mehrere Institute.
Die Inflationsfalle
Nominal sicher heißt nicht real sicher. Bei drei Prozent Zinsen und vier Prozent Inflation verliert das Guthaben jedes Jahr an Kaufkraft – garantiert.
Verschärft wird das durch die Besteuerung: Die Abgeltungsteuer greift auf den nominalen Zins, unabhängig davon, ob real überhaupt ein Gewinn entstanden ist.
Über Jahrzehnte ist das der teuerste Fehler beim Vermögensaufbau. Wer dreißig Jahre lang alles auf dem Tagesgeldkonto lässt, hat am Ende deutlich weniger Kaufkraft als am Anfang – trotz positiver Zinsen.
Wofür sie trotzdem unverzichtbar sind
Der Notgroschen gehört aufs Tagesgeldkonto. Drei bis sechs Monatsausgaben, sofort verfügbar, ohne Kursrisiko. Wer diese Reserve in Aktien hält, muss im Ernstfall womöglich genau dann verkaufen, wenn die Kurse unten sind.
Geld mit Termin gehört ebenfalls nicht an die Börse. Wer in zwei Jahren ein Auto kaufen oder eine Anzahlung leisten will, kann sich zwischenzeitliche Kursverluste nicht leisten. Hier ist Festgeld mit passender Laufzeit das richtige Instrument.
Als sicherer Depotanteil sind sie eine Alternative zu Anleihen – ohne Kursrisiko, dafür ohne Chance auf Kursgewinne bei fallenden Zinsen.
Fazit
Tagesgeld und Festgeld erfüllen genau eine Aufgabe zuverlässig: Kapital nominal erhalten und verfügbar halten. Für Notgroschen und terminierte Ausgaben sind sie unersetzlich.
Aus Sicht der Marktteilnehmer sind sie aber kein Instrument des Vermögensaufbaus. Die Frage lautet nicht Tagesgeld oder Aktien, sondern wie viel von beidem – die Aufteilung zwischen sicherem und schwankendem Teil ist die wichtigste Entscheidung im Depot, wie im Beitrag zur Diversifikation beschrieben.
Weitere Beiträge zu Aktienindizes, Grundlagen und Steuern finden Sie in unserer Übersicht Finanzwissen.
Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar.