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Marktkapitalisierung: Was der Börsenwert aussagt – und was nicht

von user

Die Marktkapitalisierung ist die Standardgröße, mit der die Größe börsennotierter Unternehmen gemessen wird. Sie bestimmt, wer in welchen Index kommt und wie schwer ein Wert dort wiegt – und sie wird regelmäßig mit dem Unternehmenswert verwechselt.

Die Berechnung

Marktkapitalisierung ist Aktienkurs mal Anzahl der ausgegebenen Aktien. Bei 50 Millionen Aktien zu je 80 Euro ergibt das vier Milliarden Euro.

Daraus folgt die wichtigste Konsequenz für Einsteiger: Der Aktienkurs allein sagt nichts über die Unternehmensgröße. Eine Aktie zu 800 Euro kann zu einem kleineren Konzern gehören als eine zu 20 Euro. Erst die Multiplikation mit der Stückzahl ergibt ein Bild.

Ein Aktiensplit ändert daran nichts. Wird aus einer Aktie zu 800 Euro vier Aktien zu 200 Euro, bleibt die Marktkapitalisierung identisch – das Unternehmen ist keinen Cent mehr oder weniger wert.

Streubesitz: die Größe, die für Indizes zählt

Für die Indexgewichtung wird meist nicht die volle Marktkapitalisierung verwendet, sondern nur der frei handelbare Anteil – der Streubesitz. Pakete, die dauerhaft bei Gründerfamilien, Staaten oder anderen Konzernen liegen, bleiben außen vor.

Das erklärt Ergebnisse, die sonst rätselhaft wirken: Ein bekanntes Unternehmen mit hohem Börsenwert kann trotzdem nicht im DAX 40 stehen, weil zu wenig Aktien tatsächlich handelbar sind. Auch die Aufnahmeregeln von MDAX und SDAX beziehen sich ausschließlich auf den Streubesitz.

Die Größenklassen

KlasseGrößenordnungBeispielindex
Large Capsab etwa 10 MilliardenDAX 40, Dow Jones
Mid Capsetwa 2 bis 10 MilliardenMDAX
Small Capsunter etwa 2 MilliardenSDAX, Russell 2000

Die Grenzen sind Konvention, keine Norm – in den USA liegen sie höher als in Europa. Wichtiger als die genauen Schwellen ist das Verhaltensmuster: Kleinere Unternehmen schwanken stärker, reagieren empfindlicher auf Zinsen und werden von weniger Analysten beobachtet.

Warum fast alle Indizes danach gewichten

Die Gewichtung nach Marktkapitalisierung hat einen praktischen Vorteil: Ein Fonds, der so vorgeht, muss bei Kursveränderungen nicht umschichten. Steigt eine Aktie, steigt automatisch ihr Anteil im Depot – das senkt Handelskosten erheblich.

Der Preis dafür ist eine eingebaute Konzentration. Wer einen MSCI World kauft, investiert überproportional in das, was bereits groß und teuer ist. Rund 72 Prozent entfallen auf die USA, die zehn größten Positionen machen einen erheblichen Teil aus.

Die Alternative wären gleichgewichtete Indizes, in denen jeder Wert denselben Anteil hat. Sie streuen breiter, erfordern aber regelmäßiges Umschichten und sind dadurch teurer.

Was die Kennzahl nicht aussagt

Die Marktkapitalisierung ist eine Preisangabe, keine Wertaussage. Sie spiegelt, was der Markt aktuell zu zahlen bereit ist – einschließlich aller Erwartungen, Übertreibungen und Stimmungen.

Sie berücksichtigt auch keine Schulden. Zwei Unternehmen mit identischem Börsenwert können völlig unterschiedlich dastehen, wenn eines schuldenfrei ist und das andere hoch verschuldet. Wer das einbeziehen will, nutzt den Unternehmenswert, der Schulden addiert und liquide Mittel abzieht.

Und sie sagt nichts über die Bewertung. Dafür braucht es Kennzahlen, die den Preis ins Verhältnis zum Geschäft setzen – etwa das Kurs-Gewinn-Verhältnis.

Fazit

Die Marktkapitalisierung ist die sauberste Größenangabe für börsennotierte Unternehmen und die Grundlage fast aller Indexkonstruktionen.

Aus Sicht der Marktteilnehmer lohnt sich, zwei Dinge auseinanderzuhalten: wie groß ein Unternehmen an der Börse ist und ob dieser Preis angemessen ist. Die erste Frage beantwortet die Marktkapitalisierung, die zweite nicht.

Weitere Beiträge zu Aktienindizes, Grundlagen und Steuern finden Sie in unserer Übersicht Finanzwissen.

Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wertpapiergeschäfte sind mit Risiken bis zum Totalverlust verbunden.

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