Festgeld ist die Anlageform für Geld, dessen Verwendungszeitpunkt feststeht. Der Zins ist für die gesamte Laufzeit garantiert – dafür kommen Sie vorher nicht heran. Genau dieser Tausch macht es berechenbar.
Wie Festgeld funktioniert
Sie legen einen Betrag für eine feste Laufzeit an und erhalten dafür einen im Voraus vereinbarten Zinssatz. Üblich sind Laufzeiten von drei Monaten bis zu zehn Jahren, wobei ein bis drei Jahre am häufigsten gewählt werden.
Während der Laufzeit ist das Geld gebunden. Eine vorzeitige Auflösung ist je nach Bank gar nicht oder nur mit Zinsverlust möglich – anders als beim Tagesgeld, wo Sie täglich verfügen können.
Am Laufzeitende wird ausgezahlt oder verlängert. Achten Sie auf die Prolongation: Manche Verträge verlängern sich automatisch zu den dann gültigen Konditionen, wenn Sie nicht rechtzeitig widersprechen. Der neue Zins kann deutlich schlechter sein.
Wann die Zinsen gutgeschrieben werden
Ein Detail mit steuerlicher Wirkung: Bei manchen Anbietern fließen die Zinsen jährlich, bei anderen erst am Ende der Laufzeit.
Bei jährlicher Gutschrift werden die Erträge auch jährlich besteuert und können den Sparer-Pauschbetrag ausschöpfen. Kommt alles am Ende auf einmal, fällt der gesamte Ertrag in ein einziges Steuerjahr – bei größeren Beträgen wird der Pauschbetrag dann überschritten, während er in den Vorjahren ungenutzt verfiel.
Wer mehrere Anlagen hat, kann das über die Laufzeiten steuern. Der Freistellungsauftrag sollte in jedem Fall erteilt sein.
Festgeld auf einen Blick
| Eigenschaft | Ausprägung |
|---|---|
| Verfügbarkeit | erst zum Laufzeitende |
| Zinssatz | fest für die gesamte Laufzeit |
| Laufzeit | 3 Monate bis 10 Jahre |
| Mindestanlage | je nach Anbieter, oft ab 1.000 € |
| Zinsgutschrift | jährlich oder am Laufzeitende |
| Zinsberechnung | meist kaufmännisch, 30/360 |
| Kursrisiko | keines |
| Einlagensicherung | bis 100.000 € je Kunde und Bank |
| Besteuerung | Abgeltungsteuer auf Zinsen |
Vorteile und Nachteile
| Dafür spricht | Dagegen spricht |
|---|---|
| Zins für die gesamte Laufzeit garantiert | Kein Zugriff vor dem Laufzeitende |
| Meist höher verzinst als Tagesgeld | Steigende Zinsen kommen nicht an |
| Ertrag von Anfang an planbar | Automatische Verlängerung zu schlechteren Sätzen möglich |
| Kein Kursrisiko, nominal sicher | Real oft Kaufkraftverlust, über die Laufzeit festgeschrieben |
| Gesetzlich geschützt bis 100.000 € | Bonität der Bank wiegt schwerer als beim Tagesgeld |
| Passend für terminierte Ausgaben | Für den Notgroschen ungeeignet |
Die Zinstreppe
Das größte Problem beim Festgeld ist die Bindung. Wer alles auf einmal für fünf Jahre festlegt, kommt fünf Jahre nicht heran – und verpasst steigende Zinsen.
Die Lösung ist eine gestaffelte Anlage, die sogenannte Zinstreppe. Statt 20.000 Euro für vier Jahre anzulegen, verteilen Sie je 5.000 Euro auf Laufzeiten von einem, zwei, drei und vier Jahren.
| Anteil | Laufzeit | Wird frei |
|---|---|---|
| 5.000 € | 1 Jahr | nach 1 Jahr |
| 5.000 € | 2 Jahre | nach 2 Jahren |
| 5.000 € | 3 Jahre | nach 3 Jahren |
| 5.000 € | 4 Jahre | nach 4 Jahren |
Jedes Jahr wird ein Teil frei und kann neu angelegt werden – zu den dann gültigen Konditionen. So bleiben Sie beweglich, ohne auf die höheren Zinsen längerer Laufzeiten zu verzichten.
Wie abgerechnet wird
Die Zinsberechnung erfolgt in der Regel nach der kaufmännischen Methode: Jeder Monat zählt 30 Tage, das Jahr 360. Die Verzinsung beginnt am Tag der Einzahlung und endet am Kalendertag vor der Rückzahlung.
Ein Beispiel: 15.000 Euro, sechs Monate, 2,5 Prozent im Jahr. Gerechnet wird 15.000 mal 2,5 mal 180, geteilt durch 100 mal 360 – macht 187,50 Euro Zinsen. Davon zieht die Bank Abgeltungsteuer und Solidaritätszuschlag ab, sofern der Sparer-Pauschbetrag ausgeschöpft ist: 46,88 Euro und 2,58 Euro. Ausgezahlt werden dann 15.138,05 Euro.
Wer den Betrag im Kopf überschlagen will: Zinssatz mal Anlagesumme mal Monate, geteilt durch 1.200. Das genügt für die Größenordnung.
Warum der effektive Zins über dem Nominalzins liegt
Ein Effekt, den viele übersehen: Wird ein kurzlaufendes Festgeld mehrfach verlängert, liegt die tatsächliche Rendite über dem angegebenen Jahreszins.
Der Grund ist der Zinseszins: Bei jeder Verlängerung werden die bereits gutgeschriebenen Zinsen mitverzinst. Ein Dreimonats-Festgeld über 30.000 Euro zu vier Prozent, dreimal verlängert, bringt über das Jahr rund 1.218 Euro statt der nominalen 1.200 – das entspricht einer effektiven Verzinsung von etwa 4,06 Prozent.
Der Unterschied ist klein, aber er zeigt: Häufigere Zinsgutschrift ist bei gleichem Nominalzins immer besser. Beim Vergleich zweier Angebote mit identischem Satz entscheidet dieses Detail.
Wenn Sie doch früher an das Geld müssen
Grundsätzlich sind beide Seiten an die vereinbarte Laufzeit gebunden. Eine vorzeitige Verfügung ist nur im Einvernehmen mit der Bank möglich – einen Rechtsanspruch darauf gibt es nicht.
In der Praxis bieten Institute vier Wege an: Auszahlung ganz ohne Zinsen, Verzinsung zu einem niedrigeren Satz für die tatsächliche Laufzeit, Auszahlung gegen ein Vorfälligkeitsentgelt – oder, und das ist der interessante Fall, ein Kredit bis zur Fälligkeit.
Bei der letzten Variante bleibt das Festgeld unangetastet und läuft weiter. Sie leihen sich die benötigte Summe für die Restlaufzeit. Was auf den ersten Blick widersinnig wirkt, kann sich rechnen: Der Kreditzins gilt nur für wenige Wochen, während die Festgeldzinsen für die gesamte Laufzeit erhalten bleiben.
Ein Beispiel macht es deutlich. 25.000 Euro liegen für drei Monate zu 2,8 Prozent fest, das bringt 175 Euro. Zwanzig Tage vor Ablauf wird das Geld gebraucht. Ein Kredit über diese zwanzig Tage zu 6,9 Prozent kostet rund 96 Euro – die Kreditaufnahme ist also um etwa 79 Euro günstiger als der Verzicht auf die Zinsen.
Die Grenze lässt sich ausrechnen: Solange die Kreditzinsen für die Restlaufzeit unter den entgangenen Festgeldzinsen liegen, lohnt der Kredit. Im Beispiel kippt es bei rund 36 Tagen Restlaufzeit. Fragen Sie im Ernstfall gezielt nach dieser Möglichkeit – von sich aus bietet sie kaum eine Bank an.
Einlagensicherung und ausländische Anbieter
Wie beim Tagesgeld sind Einlagen in der EU bis 100.000 Euro je Kunde und Bank gesetzlich geschützt.
Beim Festgeld sind ausländische Angebote besonders verbreitet, weil sie oft die höchsten Zinsen bieten und über Vermittlungsplattformen leicht zugänglich sind. Zwei Punkte sollten Sie dabei prüfen: Wie leistungsfähig ist das Sicherungssystem des jeweiligen Landes im Ernstfall? Und wird die dortige Quellensteuer automatisch berücksichtigt oder müssen Sie sie über die Steuererklärung zurückholen?
Bei einer Laufzeit von mehreren Jahren wiegt die Bonität des Instituts schwerer als beim jederzeit kündbaren Tagesgeld – Sie sind länger gebunden.
Woran sich die angebotenen Zinsen orientieren
Welche Konditionen eine Bank für neue Abschlüsse anbietet, richtet sich maßgeblich nach dem EURIBOR – dem Satz, zu dem sich Banken untereinander Geld leihen. Für eine dreijährige Anlage schaut das Institut darauf, was es selbst für vergleichbare Fristen zahlen müsste.
Ihr eigener Zins bleibt davon nach Vertragsabschluss unberührt – er ist ja festgeschrieben. Wer aber überlegt, ob sich Warten lohnt, findet dort den besseren Anhaltspunkt als in der Werbung der Banken.
Wann Festgeld die richtige Wahl ist
Immer dann, wenn ein Termin feststeht: die Anzahlung fürs Haus in drei Jahren, das Auto in zwei, die Ausbildung des Kindes in fünf. Für solche Ziele wäre ein ETF das falsche Instrument, weil zwischenzeitliche Kursverluste den Plan gefährden.
Auch als sicherer Depotanteil funktioniert Festgeld – ähnlich wie Anleihen, aber ohne Kursrisiko. Der Nachteil: Bei fallenden Zinsen gewinnen Anleihen im Kurs, Festgeld nicht.
Nicht geeignet ist es für den Notgroschen. Der muss verfügbar sein, wenn er gebraucht wird – und das lässt sich nicht planen.
Fazit
Festgeld liefert Planbarkeit: ein garantierter Zins, ein bekanntes Enddatum, kein Kursrisiko. Für Geld mit festem Verwendungszweck ist es das passende Instrument.
Aus Sicht der Marktteilnehmer bleibt aber dieselbe Einschränkung wie beim Tagesgeld: Nach Inflation und Steuern bleibt real oft wenig übrig. Festgeld erhält Kaufkraft bestenfalls – vermehren lässt sich Vermögen damit nicht.
Weitere Beiträge zu Aktienindizes, Grundlagen und Steuern finden Sie in unserer Übersicht Finanzwissen.
Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar.