Sektoren: Welche Branchen den Markt heute bewegen

Startseite Sektoren: Welche Branchen den Markt heute bewegen
von user
Industriefassade aus einem strengen Raster gleichartiger Metallpaneele

An manchen Tagen steigt die Börse, und trotzdem verliert die Hälfte aller Aktien. Der Grund steckt fast immer in den Sektoren: Nicht der Markt bewegt sich, sondern einzelne Branchen – und zwar oft in entgegengesetzte Richtungen. Diese Seite zeigt, welche Sektoren heute vorn liegen, wie die Einteilung zustande kommt und warum zwei Quellen für denselben Tag verschiedene Zahlen nennen können. Stand: 2. Oktober 2026.

Der US-Markt nach Sektoren

Gezeigt werden die elf Sektor-ETFs auf den S&P 500, die sich an der GICS-Einteilung orientieren. Sie sind das übliche Mittel, um die Entwicklung einer Branche an einer einzigen Zahl abzulesen – jeder ETF bündelt alle Unternehmen seines Sektors aus dem Index.

Die Sektoren am 2. Oktober 2026

Die folgende Auswertung umfasst 2.000 an NYSE, Nasdaq und AMEX notierte Unternehmen ab zwei Milliarden Dollar Börsenwert. Die erste Spalte zeigt den einfachen Durchschnitt aller Aktien eines Sektors, die zweite den nach Börsenwert gewichteten.

SektorWerteDurchschnittGewichtet
Elektronische Technologie (Electronic Technology)171+2,56 %+1,68 %
Industrielle Fertigung (Producer Manufacturing)109+1,78 %+1,72 %
Industriedienstleistungen (Industrial Services)70+1,37 %+1,00 %
Gesundheitsdienstleistungen (Health Services)29+1,33 %+1,04 %
Kommunikation (Communications)32+1,29 %+4,38 %
Vertriebsdienstleistungen (Distribution Services)25+1,17 %+0,53 %
Transport (Transportation)58+1,13 %+1,33 %
Verarbeitende Industrie (Process Industries)50+0,91 %+0,92 %
Versorgungseinrichtungen (Utilities)89+0,56 %+0,42 %
Nichtenergetische Mineralien (Non-Energy Minerals)75+0,48 %+0,80 %
Energetische Mineralien (Energy Minerals)57+0,44 %+0,31 %
Finanzwesen (Finance)558+0,43 %+0,08 %
Verbraucherdienstleistungen (Consumer Services)83+0,33 %+0,52 %
Gesundheitstechnologie (Health Technology)163+0,10 %−0,42 %
Verbrauchsgüter (Consumer Non-Durables)71+0,07 %−0,15 %
Gewerbliche Dienstleistungen (Commercial Services)470,00 %+0,10 %
Einzelhandel (Retail Trade)65−0,02 %+0,37 %
Technologie-Dienstleistungen (Technology Services)196−0,06 %+0,90 %
Gebrauchsgüter (Consumer Durables)37−0,08 %+2,97 %
Eigene Berechnung auf Basis von Kursdaten von TradingView, Abruf 2. Oktober 2026.

Durchschnitt oder gewichtet – warum das den Unterschied macht

Die beiden Spalten sagen Verschiedenes, und genau darin liegt der Nutzen. Der einfache Durchschnitt behandelt jede Aktie gleich und zeigt die Breite einer Bewegung. Der gewichtete Wert richtet sich nach dem Börsenwert und zeigt, was in den großen Indizes ankommt.

Zwei Beispiele aus der Tabelle:

  • Kommunikation: im Schnitt +1,29 Prozent, gewichtet +4,38 Prozent. Hier haben wenige sehr große Konzerne den Sektor getragen, die Masse der Werte lief deutlich schwächer.
  • Gebrauchsgüter: im Schnitt −0,08 Prozent, gewichtet +2,97 Prozent. Dasselbe Muster, nur schärfer – die Schwergewichte stiegen, der Rest fiel leicht.
  • Elektronische Technologie: im Schnitt +2,56 Prozent, gewichtet +1,68 Prozent. Umgekehrter Fall: Der Anstieg war breit, die kleineren Werte legten stärker zu als die großen.

Wer nur eine der beiden Zahlen kennt, zieht leicht den falschen Schluss. Ein Index kann steigen, während die Mehrheit der Aktien darin fällt – und umgekehrt.

Was die Sektoren umfassen

Die Namen in der Tabelle stammen aus der Sektoreinteilung, die TradingView verwendet. Sie ist feiner als die aus ETF-Namen bekannte Gliederung und trennt vor allem Technik nach Art des Geschäfts:

SektorWas dazugehört
Elektronische Technologie (Electronic Technology)Halbleiter, Hardware, Luft- und Raumfahrttechnik, Elektronikfertigung
Technologie-Dienstleistungen (Technology Services)Software, Internetdienste, IT-Dienstleistung
Industrielle Fertigung (Producer Manufacturing)Maschinenbau, Industrieausrüstung, Bauteile
Gesundheitstechnologie (Health Technology)Pharma, Biotechnologie, Medizintechnik
Gesundheitsdienstleistungen (Health Services)Krankenhäuser, Versicherer, Pflegedienste
Finanzwesen (Finance)Banken, Versicherungen, Immobilien, Vermögensverwalter
Energetische Mineralien (Energy Minerals)Öl, Gas, Kohle
Nichtenergetische Mineralien (Non-Energy Minerals)Metalle, Bergbau, Baustoffe
Verarbeitende Industrie (Process Industries)Chemie, Verpackung, Papier
Gebrauchsgüter (Consumer Durables)Autos, Möbel, langlebige Güter
Verbrauchsgüter (Consumer Non-Durables)Lebensmittel, Getränke, Haushaltswaren
Verbraucherdienstleistungen (Consumer Services)Medien, Gastronomie, Freizeit
Einzelhandel (Retail Trade)Einzelhandel, Onlinehandel
Vertriebsdienstleistungen (Distribution Services)Großhandel, Vertrieb
Gewerbliche Dienstleistungen (Commercial Services)Unternehmensdienstleistungen, Personal, Beratung
Industriedienstleistungen (Industrial Services)Bau, Ölfelddienste, Entsorgung
Transport (Transportation)Fluggesellschaften, Bahn, Logistik, Schifffahrt
Versorgungseinrichtungen (Utilities)Strom, Gas, Wasser
Kommunikation (Communications)Telekommunikation, Netzbetreiber

GICS: die zweite Einteilung

Daneben gibt es den verbreitetsten Standard überhaupt: GICS, entwickelt und gepflegt von MSCI und S&P Dow Jones Indices. Er gliedert vierstufig in Sektoren, Industriegruppen, Industrien und Sub-Industrien. Auf oberster Ebene gibt es elf Sektoren: Energie, Materialien, Industrie, zyklischer Konsum, Basiskonsum, Gesundheit, Finanzen, Informationstechnologie, Immobilien, Kommunikationsdienste und Versorger. Die letzte größere Überarbeitung erfolgte 2023.

Praktisch heißt das: Nach GICS laufen Halbleiter und Software gemeinsam unter Informationstechnologie, in der Tabelle oben sind sie getrennt. Wer Sektorzahlen aus zwei Quellen vergleicht, sollte deshalb zuerst prüfen, welche Einteilung dahintersteht – sonst vergleicht er Verschiedenes.

Europa nach Sektoren

Für Europa übernehmen die Sektor-ETFs auf den STOXX Europe 600 dieselbe Rolle. Die Einteilung weicht von der amerikanischen ab: Banken und Versicherungen laufen getrennt, Chemie steht neben Grundstoffen, und Reisen und Freizeit bilden einen eigenen Sektor. Für den DAX allein wäre eine Sektorbetrachtung wenig aussagekräftig – 40 Werte verteilen sich auf rund ein Dutzend Branchen, einzelne davon bestehen aus zwei Unternehmen.

Was Sektoren bewegt

  • Zinsen. Steigende Zinsen belasten Wachstumswerte und Versorger stärker als Banken, die an höheren Margen verdienen.
  • Konjunkturdaten. Industrie, Transport und zyklischer Konsum reagieren früher und heftiger als Basiskonsum oder Versorger.
  • Rohstoffpreise. Öl bewegt Energiewerte in die eine, Fluggesellschaften und Chemie in die andere Richtung.
  • Branchenzyklen. Halbleiter folgen ihrem eigenen Takt aus Lagerbeständen und Investitionsentscheidungen, weitgehend unabhängig vom Gesamtmarkt.
  • Einzelne Nachrichten mit Signalwirkung. Eine Übernahme oder Quartalszahlen eines großen Konzerns ziehen regelmäßig die gesamte Branche mit.

Einordnung

Sektorzahlen beschreiben, was geschehen ist – sie sagen nichts darüber, was als Nächstes geschieht. Ein Sektor, der heute zwei Prozent zulegt, ist morgen weder teuer noch billig; er war nur gefragt. Ihr Wert liegt woanders: Sie zeigen, ob eine Marktbewegung breit getragen wird oder von wenigen Schwergewichten stammt, und sie erklären, warum ein Depot an einem grünen Börsentag im Minus stehen kann.

Quellen

  • MSCI, „Global Industry Classification Standard (GICS)“ – Struktur, Sektoren und Herausgeber
  • Kurs-, Börsenwert- und Sektordaten sowie Heatmaps: TradingView, Abruf 2. Oktober 2026
  • Sektorauswertung: eigene Berechnung aus den genannten Kursdaten