Nemetschek Aktie: Portrait, Kurs und Geschäftsmodell
Nemetschek verkauft Software für alles, was gebaut wird – von der ersten Architekturzeichnung über die Bauausführung bis zur Bewirtschaftung des fertigen Gebäudes. Dazu kommt ein kleineres Mediengeschäft mit 3D-Software.
Die aussagekräftigste Zahl steht nicht in der Gewinn- und Verlustrechnung: Die wiederkehrenden Jahreserlöse lagen zum 30. Juni 2026 bei 1.249,5 Millionen Euro – mehr als der gesamte Jahresumsatz 2025.
Unternehmensprofil
| Sitz | München |
| Vorstandsvorsitz | Yves Padrines |
| Finanzvorstand | Louise Öfverström |
| Aufsichtsratsvorsitz | Kurt Dobitsch |
| Mitarbeiter | mehr als 4.500 weltweit |
| Branche | Software für Bau, Architektur und Medien |
| Index | MDAX und TecDAX, notiert seit 1999 |
| ISIN | DE0006452907 |
| WKN | 645290 |
| Kürzel | NEM |
| Aktien | 115.500.000 |
| Großaktionäre | Stiftungen der Familie Nemetschek mit zusammen 47,7 Prozent |
Kursverlauf
Der Chart zeigt den Wochenverlauf der fünf Jahre. Kursdaten über TradingView.
Das Geschäftsmodell
Nemetschek ist kein einzelnes Produkt, sondern ein Markenportfolio: ALLPLAN, Bluebeam, Graphisoft, Vectorworks, Maxon, Solibri, Spacewell, NEVARIS, GoCanvas und weitere. Seit Juli 2026 gehört zusätzlich HCSS dazu.
Berichtet wird in vier Segmenten. Design kam im Geschäftsjahr 2025 auf 539,8 Millionen Euro oder 45 Prozent des Umsatzes – das klassische Planungsgeschäft. Build erzielte 481,3 Millionen Euro oder 40 Prozent und ist der Wachstumstreiber. Manage lag bei 51,9 Millionen Euro, Media bei 121,0 Millionen oder 10 Prozent.
Der entscheidende Umbau betrifft das Erlösmodell. Abonnements und SaaS erreichten 2025 bereits 858,7 Millionen Euro nach 567,8 Millionen im Vorjahr, ein Plus von 51,2 Prozent. Klassische Lizenzerlöse schrumpften auf 55,9 Millionen Euro.
Die zuletzt gemeldeten Zahlen
Zahlen aus der Halbjahresmitteilung vom 30. Juli 2026.
| Kennzahl | 1. Halbjahr 2026 | Vorjahr |
|---|---|---|
| Umsatz | 640,7 Mio. € | 572,8 Mio. € |
| Wiederkehrende Jahreserlöse (ARR) | 1.249,5 Mio. € | 1.078,3 Mio. € |
| EBITDA | 197,0 Mio. € (30,7 % Marge) | 169,1 Mio. € (29,5 %) |
| EBIT | 158,2 Mio. € (24,7 % Marge) | 132,7 Mio. € (23,2 %) |
| Konzernergebnis (Anteil) | 126,4 Mio. € | 97,3 Mio. € |
| Ergebnis je Aktie | 1,09 € | 0,84 € |
Währungsbereinigt wuchs der Umsatz um 15,7 Prozent, berichtet um 11,9 Prozent – der Unterschied von knapp vier Prozentpunkten ist Währungsgegenwind. Nach Segmenten entwickelten sich Design mit 279,1 Millionen Euro und Build mit 277,7 Millionen Euro fast gleich groß; Build wuchs dabei deutlich schneller. Zum Vergleich das Geschäftsjahr 2025: 1.191,2 Millionen Euro Umsatz, 371,1 Millionen EBITDA bei 31,2 Prozent Marge und ein Ergebnis je Aktie von 1,88 Euro.
Prognose für das laufende Geschäftsjahr
Im März 2026 nannte Nemetschek für das Gesamtjahr ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum von 14 bis 15 Prozent und eine EBITDA-Marge von 32 bis 33 Prozent.
Nach der Übernahme von HCSS, die seit dem 1. Juli 2026 konsolidiert wird, hat das Unternehmen die Prognose am 28. Juli erweitert. Die organische Prognose wurde bekräftigt; HCSS fügt rund 6 Prozentpunkte währungsbereinigtes Umsatzwachstum hinzu, verwässert die EBITDA-Marge nach Einmalkosten aber um rund 1,5 Prozentpunkte.
Dividende
Für das Geschäftsjahr 2025 zahlte Nemetschek 0,68 Euro je Aktie, rund 24 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Hauptversammlung billigte die Ausschüttung am 21. Mai 2026.
Die Dividendenpolitik sieht eine Ausschüttung von rund 25 Prozent des operativen Cashflows vor.
Was das Geschäft antreibt
- Das Segment Build. Es wuchs 2025 um 41,3 Prozent und im ersten Halbjahr 2026 um 21 Prozent – getragen von Bluebeam, GoCanvas und jetzt HCSS.
- Die Umstellung auf Abonnements. Abo- und SaaS-Erlöse legten 2025 um 51,2 Prozent zu, die wiederkehrenden Erlöse insgesamt um 17,6 Prozent.
- Zukäufe. Nemetschek wächst seit Jahren auch über Übernahmen, zuletzt HCSS.
Welche Risiken das Unternehmen selbst nennt
- Die Abo-Umstellung belastet kurzfristig Wachstum und Profitabilität im Segment Design. Das Unternehmen nennt diesen Effekt ausdrücklich in seiner Prognose – bei einer Lizenz wird der Umsatz sofort voll gebucht, bei einem Abonnement über die Laufzeit verteilt.
- Währungseffekte. Im ersten Halbjahr betrug der Gegenwind rund 3,8 Prozentpunkte beim Umsatzwachstum.
- Die Prognose steht unter der Annahme, dass sich die Rahmenbedingungen nicht verschlechtern und der Nahostkonflikt sich nicht wesentlich ausweitet.
- 2025 belastete ein Sondereffekt im niedrigen zweistelligen Millionenbereich aus der unerwarteten Insolvenz eines Service- und Zahlungsdienstleisters.
Wettbewerb
Nemetschek nennt in den veröffentlichten Unterlagen keine Wettbewerber namentlich.
Termine
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 5. November 2026 | Quartalsmitteilung zum dritten Quartal 2026 |
Fazit
Nemetschek ist eines der profitabelsten Softwareunternehmen im deutschen Markt: 30,7 Prozent EBITDA-Marge bei zweistelligem Wachstum. Der Grund liegt im Erlösmodell – wer Software abonniert, zahlt jedes Jahr wieder, ohne dass der Anbieter jedes Mal neu verkaufen muss.
Die Kennzahl, auf die es ankommt, sind deshalb die wiederkehrenden Jahreserlöse. Mit 1.249,5 Millionen Euro übersteigen sie den Jahresumsatz 2025 von 1.191,2 Millionen. Das bedeutet vereinfacht: Selbst ohne einen einzigen Neuabschluss wäre das kommende Jahr vom Volumen her abgedeckt.
Die Einschränkung betrifft die Bauwirtschaft. Nemetschek verkauft an Architekten, Bauunternehmen und Betreiber – eine Branche, die konjunkturabhängig ist. Dass das Unternehmen trotz schwacher Bauzahlen in Europa zweistellig wächst, liegt am Abomodell und an den Zukäufen in den USA. Ob das so bleibt, wenn die Umstellung auf Abonnements abgeschlossen ist, lässt sich aus den Zahlen noch nicht sagen.
Fragen und Antworten
Zahlt Nemetschek eine Dividende?
Ja, für 2025 waren es 0,68 Euro je Aktie, rund 24 Prozent mehr als im Vorjahr.
Was bedeutet ARR?
Annual Recurring Revenue – die auf ein Jahr hochgerechneten wiederkehrenden Erlöse aus laufenden Abonnements und Wartungsverträgen. Bei Nemetschek lag dieser Wert zum 30. Juni 2026 bei 1.249,5 Millionen Euro.
In welchen Indizes ist die Aktie?
Im MDAX und im TecDAX. Nemetschek ist seit 1999 börsennotiert.
Wem gehört das Unternehmen?
Stiftungen der Familie Nemetschek halten zusammen 47,7 Prozent, der Streubesitz liegt bei 52,2 Prozent.
Wann kommen die nächsten Zahlen?
Die Quartalsmitteilung erscheint am 5. November 2026.
Quellen
- Nemetschek SE – Investor Relations
- Nemetschek SE – Angaben zur Aktie
- Nemetschek SE – Finanznachrichten und Quartalsmitteilungen
Stand der Daten: 14. Oktober 2026. Dieser Beitrag ist eine Einordnung öffentlich verfügbarer Unternehmensangaben und keine Anlageempfehlung.