OHB Aktie: Portrait, Kurs und Geschäftsmodell
OHB aus Bremen baut Satelliten. Das Unternehmen arbeitet überwiegend für institutionelle Auftraggeber wie die europäische Raumfahrtagentur ESA und nationale Behörden, zunehmend auch für Verteidigung und Sicherheit.
Im Juni 2026 hat OHB über eine Kapitalerhöhung 484 Millionen Euro eingesammelt und ein Mittelfristziel ausgerufen, das bemerkenswert ist: über 4 Milliarden Euro Gesamtleistung, gegenüber 1,25 Milliarden im Geschäftsjahr 2025.
Unternehmensprofil
| Sitz | Bremen |
| Vorstandsvorsitz | Marco R. Fuchs (seit 2000) |
| Finanzvorstand | Dr. Tim Tecklenburg |
| Mitarbeiter | 4.094 (30. Juni 2026), davon 3.234 in Deutschland |
| Branche | Raumfahrt- und Technologiekonzern |
| Index | TecDAX |
| ISIN | DE0005936124 |
| WKN | 593612 |
| Kürzel | OHB |
| Aktien | 20.820.293 nach der Kapitalerhöhung vom Juni 2026 |
| Aktionärsstruktur | Familie Fuchs 60,3 Prozent, Orchid Lux HoldCo 19,7 Prozent, Streubesitz 19,7 Prozent |
Kursverlauf
Der Chart zeigt den Wochenverlauf der fünf Jahre. Kursdaten über TradingView.
Das Geschäftsmodell
OHB berichtet in drei Segmenten. Space Systems ist mit einer Gesamtleistung von 472 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2026 das Kerngeschäft: Satelliten und Raumfahrtsysteme, mit einem Auftragsbestand von 2.566 Millionen Euro.
Access to Space kam auf 105 Millionen Euro Gesamtleistung bei einem um 34 Prozent gewachsenen Auftragsbestand von 440 Millionen. Das Segment Digital erzielte 64 Millionen Euro, bei einem Auftragsbestand, der um 76 Prozent auf 298 Millionen zulegte.
Die Margen haben sich in allen drei Segmenten verbessert: Space Systems kam auf eine EBIT-Marge von 6,7 Prozent nach 4,3 Prozent im Vorjahr, Digital auf 4,7 nach 1,9 Prozent. Die Rocket Factory Augsburg wird at equity geführt und ist damit nicht voll konsolidiert.
Die zuletzt gemeldeten Zahlen
Zahlen aus dem Halbjahresbericht vom 6. August 2026. OHB steuert über die Gesamtleistung, die neben dem Umsatz auch Bestandsveränderungen und aktivierte Eigenleistungen enthält.
| Kennzahl | 1. Halbjahr 2026 | Vorjahr |
|---|---|---|
| Umsatz | 600,1 Mio. € | 537,0 Mio. € |
| Gesamtleistung | 627,9 Mio. € | 563,5 Mio. € |
| EBITDA berichtet | 36,4 Mio. € | 41,6 Mio. € |
| Bereinigtes EBITDA | 60 Mio. € | 46 Mio. € |
| EBIT berichtet | 14,8 Mio. € | 22,2 Mio. € |
| Bereinigtes EBIT | 39 Mio. € | 27 Mio. € |
| Konzernergebnis (Anteil OHB SE) | 4,8 Mio. € | 10,9 Mio. € |
| Ergebnis je Aktie | 0,25 € | 0,57 € |
| Auftragseingang | 572 Mio. € | 1.089 Mio. € |
| Auftragsbestand | 3.304 Mio. € | 3.067 Mio. € |
Die Differenz zwischen berichteten und bereinigten Werten erklärt sich durch Transaktionskosten von 21,4 Millionen Euro und Transformationskosten von 1,9 Millionen – im Wesentlichen Kosten der Kapitalerhöhung. Sie drücken das Ergebnis je Aktie von 0,57 auf 0,25 Euro. Zum Vergleich das Geschäftsjahr 2025: 1.215,5 Millionen Euro Umsatz, 1.247,6 Millionen Gesamtleistung, 114,8 Millionen EBITDA, 73,3 Millionen EBIT und 2,61 Euro Ergebnis je Aktie.
Prognose für das laufende Geschäftsjahr
OHB bestätigte am 6. August 2026 die Prognose: eine Gesamtleistung von rund 1.400 Millionen Euro und eine bereinigte EBITDA-Marge von 10,5 bis 11,0 Prozent. Der Auftragseingang soll seinen Schwerpunkt im zweiten Halbjahr haben.
Das Mittelfristziel von über 4,0 Milliarden Euro Gesamtleistung ersetzt ausdrücklich die vorherige Planung für 2026 bis 2028. Es gilt ohne die Rocket Factory Augsburg, ohne mögliche Kosten für die Akquisition von Großaufträgen und mit risikogewichteten Annahmen zur Projektpipeline.
Dividende
Für das Geschäftsjahr 2025 zahlte OHB 0,60 Euro je Aktie, unverändert gegenüber dem Vorjahr. Beschlossen wurde die Ausschüttung auf der Hauptversammlung am 8. Juni 2026.
Die Dividende liegt seit dem Geschäftsjahr 2022 konstant bei 0,60 Euro. Für 2021 waren es 0,48 Euro, für 2020 0,43 Euro, für 2019 keine.
Was das Geschäft antreibt
- Der Auftragsbestand. 3,3 Milliarden Euro bei 1,25 Milliarden Jahresumsatz 2025, mit kräftig wachsenden Nebensegmenten – Digital plus 76 Prozent, Access to Space plus 34 Prozent.
- Die Kapitalerhöhung. 484 Millionen Euro brutto im zweiten Quartal 2026 finanzieren das angestrebte Wachstum.
- Verbesserte Margen. Die EBIT-Marge im Kernsegment Space Systems stieg von 4,3 auf 6,7 Prozent.
Welche Risiken das Unternehmen selbst nennt
- Der Auftragseingang ging im ersten Halbjahr 2026 um 48 Prozent zurück, das Book-to-Bill-Verhältnis lag bei nur 0,9. Es kamen also weniger Aufträge herein, als abgearbeitet wurden. OHB erwartet den Schwerpunkt im zweiten Halbjahr.
- Transaktionskosten von 21,4 Millionen Euro belasten das berichtete Ergebnis erheblich.
- Geopolitische Unsicherheit durch den Krieg gegen Iran. Das Unternehmen sieht daraus kein wesentliches Zusatzrisiko, da keine direkten Abhängigkeiten in der Region bestehen.
- Im Übrigen verweist OHB auf den Risikobericht des Geschäftsberichts 2025 und sieht keine wesentliche Änderung des Risikoprofils.
Wettbewerb
OHB nennt keine Wettbewerber namentlich und spricht nur allgemein von internationalem Wettbewerb.
Termine
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 12. November 2026 | Neunmonatsergebnisse und Telefonkonferenz |
| 17. bis 18. November 2026 | Deutsche Bank Global Space and Defense Tech Summit |
| 23. bis 25. November 2026 | Deutsches Eigenkapitalforum |
Fazit
Das Halbjahr 2026 zeigt bei OHB zwei gegenläufige Bewegungen. Operativ hat sich das Geschäft verbessert: Die Gesamtleistung stieg um 11 Prozent, das bereinigte EBIT um 46 Prozent, die Margen in allen drei Segmenten. Berichtet fiel das Ergebnis je Aktie dagegen von 0,57 auf 0,25 Euro – wegen der Kosten der Kapitalerhöhung.
Der Punkt, an dem sich entscheidet, ob die Wachstumspläne aufgehen, ist der Auftragseingang. Minus 48 Prozent im ersten Halbjahr bei einem Book-to-Bill von 0,9 ist für ein Unternehmen, das seine Gesamtleistung verdreifachen will, ein ungünstiger Start. OHB erklärt das mit dem Zeitpunkt von Großaufträgen und erwartet den Schwerpunkt im zweiten Halbjahr. Ob das eintritt, zeigen die Neunmonatszahlen im November.
Zur Einordnung des Mittelfristziels: über 4 Milliarden Euro Gesamtleistung gegenüber 1,25 Milliarden im Jahr 2025 bedeutet mehr als eine Verdreifachung. Die Kapitalerhöhung über 484 Millionen Euro ist die Finanzierung dafür. Einen Zeitrahmen für das Ziel nennt das Unternehmen in den veröffentlichten Unterlagen nicht.
Fragen und Antworten
Zahlt OHB eine Dividende?
Ja, für 2025 waren es 0,60 Euro je Aktie – unverändert seit dem Geschäftsjahr 2022.
Was ist der Unterschied zwischen Umsatz und Gesamtleistung?
Die Gesamtleistung enthält zusätzlich Bestandsveränderungen und aktivierte Eigenleistungen. Bei einem Projektgeschäft mit mehrjährigen Laufzeiten ist sie die aussagekräftigere Steuerungsgröße.
Wem gehört OHB?
Die Familie Fuchs hält 60,3 Prozent, Orchid Lux HoldCo 19,7 Prozent. Der Streubesitz liegt bei 19,7 Prozent.
Wann kommen die nächsten Zahlen?
Die Neunmonatsergebnisse erscheinen am 12. November 2026.
Quellen
Stand der Daten: 14. Oktober 2026. Dieser Beitrag ist eine Einordnung öffentlich verfügbarer Unternehmensangaben und keine Anlageempfehlung.