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Sartorius Aktie: Portrait, Kurs und Geschäftsmodell

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Einweg-Bioreaktorbeutel und Schläuche in einem Biotechlabor
Aktie im Porträt

Sartorius Aktie: Portrait, Kurs und Geschäftsmodell

Sartorius liefert die Ausrüstung, mit der Medikamente hergestellt werden – Filter, Beutel, Zellkultursysteme für die Biopharmaproduktion, dazu Laborwaagen und Pipetten. Das Unternehmen aus Göttingen wurde 1870 gegründet und ist einer der weltweit führenden Zulieferer dieser Branche.

Bei der Aktie muss man zwei Dinge auseinanderhalten: Gehandelt wird überwiegend die stimmrechtslose Vorzugsaktie. Und die Sartorius AG ist eine Holding, die eine französische Tochter mehrheitlich hält, die selbst in Paris notiert ist.

Unternehmensprofil

SitzGöttingen
Gegründet1870 durch Florenz Sartorius
VorstandsvorsitzDr. Michael Grosse (seit 1. Juli 2025)
Mitarbeiter14.279 (30. Juni 2026)
BrancheLife Science, Zulieferer für Biopharma und Labor
IndexMDAX, TecDAX und STOXX Europe 600
ISIN VorzugsaktieDE0007165631
WKN716563
KürzelSRT3
Großaktionär VorzügeBio-Rad Laboratories mit rund 28 Prozent
Großaktionäre StämmeTestamentsvollstrecker der Familie Sartorius gut 55 Prozent, Bio-Rad rund 38 Prozent

Kursverlauf

Der Chart zeigt den Wochenverlauf der fünf Jahre. Kursdaten über TradingView.

Das Geschäftsmodell

Zur Struktur: Die Sartorius AG in Göttingen ist die Konzernobergesellschaft. Sie hält rund 71,5 Prozent des Kapitals und etwa 83 Prozent der Stimmrechte an der Sartorius Stedim Biotech S.A. im französischen Aubagne, die ihrerseits an der Euronext Paris notiert ist und die Sparte Bioprocess Solutions bündelt. Die Sparte Lab Products & Services liegt direkt bei der Sartorius AG. Wer die Vorzugsaktie der Sartorius AG kauft, erwirbt also die Holdingebene mit beiden Sparten, einschließlich eines Minderheitenanteils Dritter an der französischen Tochter.

Bioprocess Solutions erzielte im ersten Halbjahr 2026 einen Umsatz von 1.475,5 Millionen Euro oder 81,5 Prozent des Konzernumsatzes. Dazu gehören Einwegprodukte, Filtration, Fermentation und Zellkultur für die Herstellung von Antikörpern, Impfstoffen sowie Zell- und Gentherapien.

Lab Products & Services kam auf 335,4 Millionen Euro oder 18,5 Prozent – Laborinstrumente, Waagen, Pipetten und Bioanalytik. Regional verteilte sich der Umsatz auf EMEA mit 43,3 Prozent, Amerika mit 33,6 Prozent und Asien-Pazifik mit 23,1 Prozent.

Die zuletzt gemeldeten Zahlen

Zahlen aus der Mitteilung zum ersten Halbjahr vom 23. Juli 2026. Die Abkürzung wkb steht für währungsbereinigt.

Kennzahl1. Halbjahr 2026Vorjahr
Umsatz1.810,9 Mio. €1.767,3 Mio. €
Umsatzwachstum währungsbereinigt+6,2 %–
Zugrunde liegendes EBITDA547,8 Mio. € (30,3 % Marge)527,3 Mio. € (29,8 %)
Nettoergebnis nach Minderheiten122,2 Mio. €81,0 Mio. €
Zugrunde liegendes Nettoergebnis172,1 Mio. €168,7 Mio. €
Zugrunde liegendes Ergebnis je Vorzugsaktie2,50 €2,45 €

Nach Sparten: Bioprocess Solutions erzielte ein zugrunde liegendes EBITDA von 476,7 Millionen Euro bei einer Marge von 32,3 Prozent nach 31,6 Prozent, Lab Products & Services 71,1 Millionen bei 21,2 Prozent nach 22,3 Prozent. Operativ, also ohne eine Zollkompensation an Kunden, lag das währungsbereinigte Wachstum bei 7,7 Prozent. Einen Auftragseingang berichtet Sartorius seit dem Geschäftsjahr 2025 nicht mehr. Zum Vergleich das Geschäftsjahr 2025: 3.538,1 Millionen Euro Umsatz, 1.051,6 Millionen zugrunde liegendes EBITDA bei 29,7 Prozent Marge und ein zugrunde liegendes Ergebnis je Vorzugsaktie von 4,79 Euro.

Prognose für das laufende Geschäftsjahr

Sartorius bestätigte die Prognose am 23. Juli 2026. Währungsbereinigt wird ein Konzernumsatzwachstum von 5 bis 9 Prozent erwartet, bei Bioprocess Solutions 6 bis 10 Prozent und bei Lab Products & Services 2 bis 6 Prozent.

Wegen einer Zollkompensation an Kunden, die den Umsatz um bis zu 40 Millionen Euro mindert, erwartet das Unternehmen Konzern und Bioprocess Solutions in der unteren Hälfte der Spannen. Die zugrunde liegende EBITDA-Marge soll im Konzern leicht über 30 Prozent liegen, bei Bioprocess Solutions leicht über 32 Prozent und bei Lab Products & Services leicht unter 21 Prozent.

Dividende

Für das Geschäftsjahr 2025 zahlte Sartorius 0,74 Euro je Vorzugsaktie und 0,73 Euro je Stammaktie – identisch zum Vorjahr. Die Hauptversammlung fand am 26. März 2026 virtuell statt.

Der Unterschied von einem Cent zwischen den Gattungen ist der Ausgleich dafür, dass die Vorzugsaktie kein Stimmrecht hat.

Was das Geschäft antreibt

  • Bioprocess Solutions. Die Sparte macht über 80 Prozent des Umsatzes aus und erreichte eine EBITDA-Marge von 32,3 Prozent.
  • Asien-Pazifik. Die Region wuchs währungsbereinigt um 12,1 Prozent.
  • Verbrauchsmaterialien. Ein erheblicher Teil des Geschäfts besteht aus Einwegprodukten, die bei jeder Produktionscharge erneut gebraucht werden – unabhängig davon, ob Kunden neue Anlagen kaufen.

Welche Risiken das Unternehmen selbst nennt

  • Handelspolitik und US-Zölle. Die Kompensation an Kunden belastet den Umsatz 2026 um bis zu 40 Millionen Euro.
  • Zurückhaltende Kundeninvestitionen in Geräte und Produktionskapazitäten.
  • Schwaches Finanzierungsumfeld für Biotechunternehmen.
  • Diskussionen über niedrigere Arzneimittelpreise und geplante US-Budgetkürzungen im akademischen Forschungsbereich.
  • Die Marge bei Lab Products & Services ist rückläufig, der Verschuldungsgrad liegt leicht über dem Dreifachen des zugrunde liegenden EBITDA.

Wettbewerb

Sartorius nennt seine Wettbewerber im Geschäftsbericht 2025 namentlich. Bei Bioprocess Solutions sind das einzelne Geschäftseinheiten von Danaher, Merck KGaA und Thermo Fisher Scientific. Bei Lab Products & Services kommen Mettler-Toledo bei Waagen, Eppendorf bei Pipetten sowie Agilent Technologies, Becton Dickinson und Revvity hinzu.

Termine

DatumEreignis
22. Oktober 2026Neunmonatszahlen 2026 mit Telefonkonferenz

Fazit

Sartorius ist ein Zulieferer der Pharmaindustrie und damit mittelbar vom Investitionsverhalten seiner Kunden abhängig. Nach den Boomjahren während der Pandemie und der anschließenden Korrektur ist das Geschäft wieder auf einem moderaten Wachstumspfad: währungsbereinigt 6,2 Prozent im ersten Halbjahr, operativ 7,7 Prozent.

Die Aktionärsstruktur ist eine Besonderheit, die man kennen sollte. Bei den Stammaktien liegen gut 55 Prozent beim Testamentsvollstrecker der Familie Sartorius und rund 38 Prozent beim US-Unternehmen Bio-Rad – im Streubesitz sind nur etwa 7 Prozent. Bio-Rad ist zugleich ein Wettbewerber im Laborgeschäft und zweitgrößter Anteilseigner. Die Vorzugsaktie dagegen ist zu rund 72 Prozent im Streubesitz und entsprechend liquider.

Für die weitere Beobachtung sind zwei Punkte relevant: die Margenentwicklung bei Lab Products & Services, die zuletzt rückläufig war, und der Verschuldungsgrad, der bei etwas über dem Dreifachen des zugrunde liegenden EBITDA liegt.

Fragen und Antworten

Zahlt Sartorius eine Dividende?

Ja, für 2025 waren es 0,74 Euro je Vorzugsaktie und 0,73 Euro je Stammaktie.

Was ist der Unterschied zwischen Sartorius AG und Sartorius Stedim Biotech?

Die Sartorius AG ist die Holding in Göttingen. Sie hält rund 71,5 Prozent an der französischen Sartorius Stedim Biotech, die in Paris notiert ist und das Bioprocess-Geschäft bündelt.

Warum hat die Vorzugsaktie kein Stimmrecht?

Das ist die Gegenleistung für die um einen Cent höhere Dividende. Die Stimmrechte liegen bei den Stammaktien, die überwiegend von der Familie und von Bio-Rad gehalten werden.

Wann kommen die nächsten Zahlen?

Die Neunmonatszahlen erscheinen am 22. Oktober 2026.

Quellen

Stand der Daten: 14. Oktober 2026. Dieser Beitrag ist eine Einordnung öffentlich verfügbarer Unternehmensangaben und keine Anlageempfehlung.