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JOST Werke Aktie

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Nahaufnahme einer Lkw-Sattelkupplung auf sauberem Betonboden im Gegenlicht der Werkstattfenster
Aktie im Porträt

JOST Werke Aktie: Der Nutzfahrzeug-Systemlieferant im Portrait

Die JOST Werke SE aus Neu-Isenburg baut Teile, ohne die ein Lkw, ein Anhänger, ein Kipper oder eine Landmaschine nicht funktioniert: Sattelkupplungen, Stützwinden, Königszapfen, Anhängerkupplungen, hydraulische Kipp- und Ladelösungen, Frontlader. Bei Sattelkupplungen und Stützwinden nennt das Unternehmen selbst einen globalen Marktanteil von mehr als 60 Prozent.

Das Bild der Zahlen ist seit der Hyva-Übernahme am 03.02.2025 zweigeteilt. Für 2025 steht ein bereinigtes Ergebnis je Aktie von 5,52 Euro gegen einem berichteten von 0,55 Euro – ein Faktor zehn, der überwiegend aus Kaufpreisallokation und Vorrats-Step-ups der Übernahme stammt. Diese Effekte laufen aus.

Dieses Portrait fasst zusammen, was JOST selbst veröffentlicht: Geschäftsmodell und Business Lines, die Halbjahreszahlen 2026, Prognose, Dividende, die eigenen Marktanteilsangaben und die Risiken aus den eigenen Berichten.

Unternehmensprofil

FirmennameJOST Werke SE
SitzSiemensstraße 2, 63263 Neu-Isenburg
HandelsregisterHRB 42105, Amtsgericht Offenbach am Main
Gründung1952
BrancheSystemlieferant für Nutzfahrzeuge, on-highway und off-highway
Business LinesTransport, Agriculture, Hydraulics
BerichtssegmenteEMEA, AMERICAS, APAC
MarkenJOST, Hyva, Quicke, TRIDEC, ROCKINGER
Standorte33 Produktionsstandorte, Vertrieb in über 35 Ländern
Mitarbeiterrund 6.500 weltweit (eigene Angabe); Jahresdurchschnitt 2025: 6.670
VorstandJoachim Dürr (CEO), Oliver Gantzert (CFO), Dirk Hanenberg (COO), David Pritchard, Frank Uhlmann, Alex Tan, Yenny Fredriksson
AufsichtsratsvorsitzDr. Stefan Sommer
ISINDE000JST4000
WKNJST400
IndexSDAX; eigene Angabe: PRIME ALL, CDAX, SDAX
Zusatznotierungseit 17.08.2026 OTCQX Best Market (USA)
Aktienzahl16.390.000 Inhaber-Stückaktien (seit 25.02.2026)
Grundkapital16.390.000 Euro
Streubesitz100 Prozent nach Definition der Deutschen Börse (eigene Angabe)
GeschäftsjahrKalenderjahr
Websitejost-world.com

Kursverlauf

Der Chart zeigt den Wochenverlauf der fünf Jahre. Kursdaten über TradingView.

Das Geschäftsmodell

JOST entwickelt, produziert und verkauft nach eigener Formulierung „mission-critical systems“ für Nutzfahrzeuge. Die Erlöse kommen aus dem Erstausrüstungsgeschäft mit OEMs und aus dem Ersatzteil- und Servicegeschäft. Auf den Aftermarket entfallen nach eigener Angabe rund 28 Prozent des Konzernumsatzes, der „recurring revenue with above-average profitability“ sichere – das ist die einzige veröffentlichte Angabe zum Anteil wiederkehrender Umsätze.

Transport umfasst Sattelkupplungen, Stützwinden, Königszapfen und Anhängerkupplungen unter den Marken JOST, ROCKINGER und TRIDEC. Agriculture bündelt Frontlader und Anbautechnik (Quicke, LH Lift) mit zunehmendem Anteil an Sensorik und Mechatronik. Hydraulics enthält die hydraulischen Kipp- und Ladelösungen von Hyva, seit dem Closing der Übernahme am 03.02.2025 im Konzern.

Umsatz nach Business Lines in H1 2026: Transport 428,9 Millionen Euro (+4,1 Prozent), Agriculture 172,4 Millionen Euro (+23,4 Prozent), Hydraulics 256,0 Millionen Euro (+20,3 Prozent). Im Gesamtjahr 2025 entfielen 51 Prozent des Umsatzes auf Transport, 31 Prozent auf Hydraulics und 18 Prozent auf Agriculture. Vorjahreswerte der Business Lines für 2024 veröffentlicht JOST nicht.

Berichtet wird nach Regionen. In H1 2026 kam EMEA auf 409,1 Millionen Euro Umsatz und 24,4 Millionen Euro bereinigtes EBIT, AMERICAS auf 224,9 Millionen Euro und 27,2 Millionen Euro, APAC auf 223,3 Millionen Euro und 34,4 Millionen Euro. Im Gesamtjahr 2025 wuchs APAC um 136,1 Prozent auf 394,2 Millionen Euro – überwiegend die Hyva-Konsolidierung.

Eine Kundenkonzentrationsangabe – Top-Kunden oder deren Umsatzanteile – veröffentlicht JOST in den ausgewerteten Unterlagen nicht. Zur Wettbewerbsposition im Off-Highway-Geschäft stellt das Unternehmen fest, es gebe „very few players among the Tier 1 suppliers being able to service OEMs on a global scale“.

Die zuletzt gemeldeten Zahlen

Letzte berichtete Periode ist das erste Halbjahr 2026, veröffentlicht am 13.08.2026. Alle Werte in Millionen Euro, sofern nicht anders angegeben. JOST berichtet schwerpunktmäßig bereinigte Kennzahlen; die Differenz zu den berichteten Werten ist bei diesem Unternehmen erheblich und unten erläutert.

KennzahlH1 2026 (Mio. Euro)H1 2025 (Mio. Euro)Veränderung
Umsatz857,3764,4+12,2 %
Bereinigtes EBITDA113,394,4+20,0 %
Bereinigtes EBIT87,972,8+20,7 %
Ergebnis nach Steuern32,419,9+62,8 %
Ergebnis je Aktie (berichtet)2,00 Euro1,32 Euro+51,5 %
Ergebnis je Aktie (bereinigt)3,29 Euro3,00 Euro+9,7 %
Operativer Cashflow34,856,6−38,5 %
Free Cashflow15,739,4−60,2 %
Investitionen (ohne Akquisitionen)19,117,3+10,4 %
Nettoverschuldung (ohne IFRS 16)380,2513,8−26,0 %
Eigenkapital433,9328,1*+32,2 %
Eigenkapitalquote26,9 %21,2 %*+5,7 Pp
Leverage (Nettoverschuldung/LTM bereinigtes EBITDA)1,81x2,27x*–

* Eigenkapital, Eigenkapitalquote und Leverage sind gegen den 31.12.2025 verglichen. Zum Vergleich das Gesamtjahr 2025 (endgültige Zahlen, 26.03.2026): Umsatz 1.534,2 Mio. Euro (+43,5 Prozent, organisch +1,7 Prozent), bereinigtes EBITDA 191,2 Mio. Euro, bereinigtes EBIT 145,2 Mio. Euro bei 9,5 Prozent Marge, berichtetes Ergebnis nach Steuern 9,4 Mio. Euro, berichtetes Ergebnis je Aktie 0,55 Euro, bereinigtes Ergebnis je Aktie 5,52 Euro, Free Cashflow 126,4 Mio. Euro als Rekordwert, ROCE 15,7 Prozent, Mitarbeiter im Jahresdurchschnitt 6.670 nach 4.239. Die Differenz zwischen berichtetem und bereinigtem Ergebnis stammt überwiegend aus Abschreibungen der Kaufpreisallokation und aus Vorrats-Step-ups der Hyva-Übernahme: 17,9 Mio. Euro in H1 2026 nach 26,8 Mio. Euro in H1 2025. Weitere Bereinigungseffekte: 7,1 Mio. Euro in H1 2026, darunter Rückstellungen für die APAC-Portfoliooptimierung und Einmalkosten der Hyva-Integration. Vom Halbjahresumsatz 2026 stammen 39,1 Mio. Euro aus der Konsolidierung eines zusätzlichen Monats, weil Hyva 2025 erst ab Februar konsolidiert wurde. Das Kranegeschäft wurde als nicht fortgeführte Aktivität ausgewiesen und am 03.12.2025 an Mutares abgegeben. Hinweis zur Quelle: Der Zwischenbericht enthält mehrere Rundungs- und Satzfehler, unter anderem ein offensichtlich falsch gesetztes EMEA-EBITDA in der Segmenttabelle; die hier genannten Werte folgen dem Textteil und den Konzerntabellen.

Prognose für das laufende Geschäftsjahr

Die Prognose für 2026 wurde am 26.03.2026 mit dem geprüften Geschäftsbericht 2025 erstmals abgegeben und am 13.08.2026 bestätigt – die Halbjahrespräsentation ist mit „OUTLOOK FY 2026 CONFIRMED“ überschrieben. Prognoseänderungen sind nicht veröffentlicht.

JOST prognostiziert in Worten, nicht in Zahlen: Der Umsatz solle 2026 „by a single-digit percentage“ steigen, das bereinigte EBIT stärker als der Umsatz, nämlich „by a mid- to high single-digit percentage“. Die bereinigte EBIT-Marge soll über den 9,5 Prozent von 2025 liegen. Basis sind 1.534,2 Millionen Euro Umsatz und 145,2 Millionen Euro bereinigtes EBIT.

Konkreter sind die Bilanzgrößen: Die Investitionsquote soll bei rund 2,8 Prozent des Umsatzes liegen, das Net Working Capital im Zielband von 17,5 bis 18,5 Prozent des Umsatzes – nach 14,8 Prozent im Jahr 2025. Der Leverage soll sich ohne Akquisitionen weiter verbessern und „clearly below the 2.0x mark“ liegen; nach dem Halbjahr steht er bei 1,81x.

Als Unsicherheitsfaktor nannte JOST in der Mitteilung vom 26.03.2026 ausdrücklich den Iran-Konflikt mit möglichen Energiepreis- und Lieferketteneffekten, die „not yet quantifiable“ seien.

Zur Mittelfrist: JOST nennt die Wachstumsstrategie „AMBITION 2030“ in Geschäftsbericht, Mitteilungen und Präsentation, veröffentlicht dazu aber keine quantifizierten Finanzziele. Belegt sind nur ein strategischer Zielkorridor für die bereinigte EBIT-Marge von 10 bis 12 Prozent, ein Leverage-Korridor von 1,0x bis 2,0x und das Net-Working-Capital-Zielband. An Nachhaltigkeitszielen nennt JOST eine Halbierung der CO2-Emissionen aus Scope 1 und 2 je Produktionsstunde bis 2035 gegenüber dem Basisjahr 2025 sowie 40 Prozent weniger Arbeitsunfälle gegenüber dem Branchendurchschnitt.

Dividende

Für das Geschäftsjahr 2025 zahlte JOST 1,50 Euro je Aktie – unverändert gegenüber 2024. Die Hauptversammlung am 07.05.2026 beschloss die Ausschüttung, Zahltag war der 12.05.2026, zentrale Zahlstelle die Commerzbank AG. Die Ausschüttungssumme betrug 24.585.000,00 Euro und damit 10,0 Prozent mehr als 2024 (22,4 Millionen Euro), weil die Kapitalerhöhung vom Februar 2026 die Zahl dividendenberechtigter Aktien auf 16,39 Millionen erhöht hatte.

Zur Ausschüttungsquote: Der Geschäftsbericht 2025 nennt 30 Prozent und formuliert sie als Zielgröße, die „therefore remain stable at 30% (2024: 30%)“ bleibe. Die Mitteilung vom 26.03.2026 bezeichnet die 30 Prozent als „at the upper end of the announced range“ – die Bandbreite selbst beziffert JOST in den ausgewerteten Unterlagen nicht. Wichtig für das Verständnis: Die Quote bezieht sich auf das bereinigte Ergebnis. Bei einem berichteten Ergebnis je Aktie von 0,55 Euro wäre 1,50 Euro nicht aus dem Jahresergebnis gedeckt; formal wurde die Dividende aus dem Bilanzgewinn der JOST Werke SE von 24.585.000,00 Euro gezahlt.

Für die Geschäftsjahre bis 2023 sind die Dividendenbeträge in den ausgewerteten Unterlagen nicht belegt; die Hauptversammlungsseite verlinkt Gewinnverwendungsvorschläge ab 2018, nennt die Beträge aber nicht im Text.

Ein Hinweis zur Quelle: Die Dividendenbekanntmachung 2026 nennt im Hauptteil 1,50 Euro je dividendenberechtigte Aktie, im Abschnitt nach Paragraf 67a AktG jedoch 0,11 Euro. Welche Angabe fehlerhaft ist, erklärt das Dokument nicht.

Ein Aktienrückkaufprogramm ist in den ausgewerteten Unterlagen nicht veröffentlicht. Gegenläufig wirkte 2026 die Kapitalerhöhung: 1.490.000 neue Aktien zu 62,13 Euro mit einem Bruttoerlös von rund 92,6 Millionen Euro, platziert am 24. und 25.02.2026. Zur Fremdfinanzierung platzierte JOST am 30.04.2025 ein Schuldscheindarlehen über 320 Millionen Euro.

Was das Geschäft antreibt

  • Hyva-Integration und das Hydraulics-Geschäft. Hyva wurde am 03.02.2025 übernommen und trug 2025 rund 31 Prozent des Konzernumsatzes. Der Hydraulics-Umsatz stieg in H1 2026 um 20,3 Prozent auf 256,0 Millionen Euro; allein der zusätzliche Konsolidierungsmonat brachte 39,1 Millionen Euro. Die APAC-Region wuchs 2025 um 136,1 Prozent.
  • Auslaufende Erstkonsolidierungseffekte. Die Abschreibungen aus Kaufpreisallokation und Vorrats-Step-up sanken in H1 2026 auf 17,9 Millionen Euro nach 26,8 Millionen Euro. Das ist der Mechanismus, über den sich berichtetes und bereinigtes Ergebnis annähern – mechanisch, nicht operativ.
  • Agriculture als Wachstumsplattform. Umsatz in H1 2026 von 172,4 Millionen Euro nach 139,7 Millionen Euro (+23,4 Prozent). JOST beschreibt das Segment selbst als „high-growth off-highway platform with increasing demand for sensor technology and mechatronics“.
  • Marktanteile in den Kernprodukten. Eigene Angaben: mehr als 60 Prozent globaler Marktanteil bei Sattelkupplungen und Stützwinden, mehr als 40 Prozent bei Front-End-Kippzylindern und „over 80% of our revenue is generated with products where we are two to three times larger than the nearest competitor“.
  • Aftermarket als wiederkehrender Ertrag. Rund 28 Prozent des Konzernumsatzes mit nach eigener Angabe überdurchschnittlicher Profitabilität.
  • Entschuldung. Nettoverschuldung von 513,8 Millionen Euro (30.06.2025) über 441,6 Millionen Euro (31.12.2025) auf 380,2 Millionen Euro; Leverage von 2,92x über 2,27x auf 1,81x und damit zurück im Zielkorridor; Eigenkapitalquote von 21,2 auf 26,9 Prozent. Dazu trugen Kapitalerhöhung, Cashflow und Portfolioverkäufe bei.
  • Portfoliobereinigung. Verkauf des Kranegeschäfts an Mutares, abgeschlossen am 03.12.2025, und des Hyva-Tipper-Body-Geschäfts in Indien an Belrise Industries, angekündigt am 05.08.2026. Kapitaleffizienz 2025: ROCE 15,7 Prozent, Investitionsquote 2,8 Prozent des Umsatzes, Free Cashflow 126,4 Millionen Euro.

Welche Risiken das Unternehmen selbst nennt

  • Quellenlage. Der vollständige Risiko- und Chancenbericht steht nur im Annual Group Report 2025. Das PDF ließ sich maschinell nur bis etwa zum Kapitel „Products & Services“ auslesen; der Risikobericht mit der unternehmenseigenen Bewertungsskala – Eintrittswahrscheinlichkeit, Schadenshöhe, Risikoklasse, Nettorisiko – liegt dahinter und konnte nicht erfasst werden. Eine HTML-Fassung oder ein Einzel-PDF existiert nicht. Die folgenden Punkte stammen aus dem Kapitel „Opportunities and Risks“ des Zwischenberichts Q2 2026, das keine Bewertungsstufen vergibt.
  • Nachlassende Konjunkturdynamik. „There is therefore a risk that economic momentum will weaken over the course of the year.“
  • Prognosevolatilität durch den Konflikt. „The conflict increases the volatility of the economic forecast for 2026.“
  • Rohstoff- und Energiemärkte. Der Konflikt habe die Volatilität an den Rohstoff- und Energiemärkten erhöht.
  • Lieferketten. Unsicherheiten bezüglich internationaler Lieferketten.
  • Gesamtaussage. JOST sieht „only limited direct impacts on our business that could lead to a potential deviation from planned sales or EBIT“ und hält das daraus folgende Risiko „manageable from today’s perspective“. Die Risiko- und Chancenlage habe sich gegenüber dem Jahresbericht 2025 nicht wesentlich geändert.

Wettbewerb

JOST nennt in den ausgewerteten Primärquellen keinen Wettbewerber namentlich, veröffentlicht aber ungewöhnlich konkrete eigene Marktanteilsangaben.

Transport: „Global market leader in core products with over 60% global market share“, im Geschäftsbericht präzisiert auf Sattelkupplungen und Stützwinden.

Hydraulics: „Global market leader in front-end tipping cylinders with over 40% market share“; Hyva beschreibt JOST als „global market leader for hydraulic tipping solutions“.

Konzernweit: „Over 80% of our revenue is generated with products where we are two to three times larger than the nearest competitor“ – der nächstgrößte Wettbewerber wird nicht benannt. Zum Marktumfeld heißt es, JOST sei „market leader in a market with high barriers to entry and strong network effects“.

Off-Highway: Es gebe „very few players among the Tier 1 suppliers being able to service OEMs on a global scale“; im Agriculture-Geschäft verschaffe die Fähigkeit, globale OEMs zu bedienen, „a competitive advantage against regional players“. Die Halbjahrespräsentation 2026 beansprucht „market share gains across business lines“, ohne das zu quantifizieren.

Eine Peer-Group-Liste oder eine Gegenüberstellung mit benannten Wettbewerbern veröffentlicht JOST nicht.

Termine

DatumEreignis
12.11.2026Veröffentlichung Zwischenbericht 9M / Q3 2026

Fazit

Bei JOST liegt die entscheidende Frage nicht im operativen Geschäft, sondern in der Lesart der Zahlen. Das Geschäftsjahr 2025 zeigt ein bereinigtes Ergebnis je Aktie von 5,52 Euro und ein berichtetes von 0,55 Euro. Die Differenz stammt überwiegend aus Abschreibungen der Kaufpreisallokation und aus Vorrats-Step-ups der Hyva-Übernahme. Diese Effekte laufen aus: in H1 2026 noch 17,9 Millionen Euro gegenüber 26,8 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum, und das berichtete Ergebnis nach Steuern stieg entsprechend von 19,9 auf 32,4 Millionen Euro. Die bereinigten Zahlen zeigen das Geschäft, die berichteten die Übernahmekosten – und die Annäherung beider Größen ist ein mechanischer Effekt, keine operative Verbesserung. Über wie viele Jahre die restlichen Abschreibungen laufen, veröffentlicht JOST nicht.

Operativ ist das Bild solide, aber ungleich verteilt. In H1 2026 wächst der Umsatz um 12,2 Prozent und das bereinigte EBIT um 20,7 Prozent. Dabei trägt Transport als größte Business Line mit +4,1 Prozent kaum bei, während Agriculture und Hydraulics das Wachstum liefern – und von Hydraulics’ Zuwachs sind 39,1 Millionen Euro allein der zusätzliche Konsolidierungsmonat. Regional fällt EMEA auf: Der Umsatz stieg im zweiten Quartal um 9,5 Prozent, das bereinigte EBITDA sank jedoch von 17,6 auf 16,3 Millionen Euro und das bereinigte EBIT von 10,9 auf 8,8 Millionen Euro. Das ist die einzige Region mit rückläufigem Quartalsergebnis. Eine Erklärung gibt der Zwischenbericht nicht. Sind das Mix-, Preis- oder Integrationseffekte? Das bleibt eine offene Frage für den Q3-Bericht.

Die Bilanzsanierung ist der auffälligste Fortschritt. Von 513,8 Millionen Euro Nettoverschuldung und 2,92x Leverage Mitte 2025 ist JOST auf 380,2 Millionen Euro und 1,81x gekommen, die Eigenkapitalquote stieg von 21,2 auf 26,9 Prozent. Das ist allerdings nicht allein verdient: Die Kapitalerhöhung vom Februar 2026 brachte rund 92,6 Millionen Euro brutto bei einer Verwässerung von rund 10 Prozent der Aktien. Dass die Dividende je Aktie gleichzeitig unverändert bei 1,50 Euro blieb, bedeutet eine um 10,0 Prozent höhere Ausschüttungssumme.

Die Cash-Entwicklung verdient Aufmerksamkeit. Operativer Cashflow in H1 2026 von 34,8 Millionen Euro nach 56,6 Millionen Euro, Free Cashflow 15,7 nach 39,4 Millionen Euro. Das ist nachvollziehbar, weil JOST das Net Working Capital bewusst auf 17,5 bis 18,5 Prozent des Umsatzes anhebt, nachdem es 2025 bei 14,8 Prozent lag – eine Normalisierung nach oben, die Liquidität bindet. Die Frage lautet, ob die Zielspanne erreicht und gehalten wird, oder ob 2025 der Ausnahmewert war und die Spanne nachträglich an die Realität angepasst wurde. Die Prognose lässt das offen.

Zur Transparenz: JOST veröffentlicht ungewöhnlich konkrete eigene Marktanteilsangaben und zugleich eine auffällige Zahl an Darstellungsmängeln. Die Aktionärsstruktur steht auf der Website nur als Grafik vom 10.12.2025; belegbare Prozentwerte stammen aus dem Geschäftsbericht mit Stand 31.12.2025 und damit vor der Kapitalerhöhung. Die Dividendenbekanntmachung nennt an einer Stelle 0,11 statt 1,50 Euro. Die Mitarbeiterzahl erscheint in drei Varianten ohne klaren Stichtag. In der Segmenttabelle des Zwischenberichts ist das EMEA-EBITDA fehlerhaft gesetzt. Zu AMBITION 2030 existieren keine veröffentlichten quantifizierten Finanzziele – belegbar sind nur der Margenkorridor von 10 bis 12 Prozent und der Leverage-Korridor von 1,0x bis 2,0x.

Fragen und Antworten

Was macht JOST Werke?

JOST ist Systemlieferant für Nutzfahrzeuge. Das Unternehmen produziert Sattelkupplungen, Stützwinden, Königszapfen und Anhängerkupplungen (Business Line Transport), Frontlader und Anbautechnik für Landmaschinen (Agriculture) sowie hydraulische Kipp- und Ladelösungen (Hydraulics). Marken sind JOST, Hyva, Quicke, TRIDEC und ROCKINGER.

In welchem Index ist die JOST Werke Aktie?

JOST ist SDAX-Mitglied. Die eigene Angabe zur Indexzugehörigkeit lautet PRIME ALL, CDAX und SDAX. Seit dem 17.08.2026 wird die Aktie zusätzlich am OTCQX Best Market in den USA gehandelt.

Warum unterscheiden sich berichtetes und bereinigtes Ergebnis so stark?

Für 2025 steht ein bereinigtes Ergebnis je Aktie von 5,52 Euro gegen 0,55 Euro berichtet. Die Differenz stammt überwiegend aus Abschreibungen der Kaufpreisallokation und aus Vorrats-Step-ups der Hyva-Übernahme vom Februar 2025. Diese Effekte laufen aus: in H1 2026 waren es 17,9 Millionen Euro nach 26,8 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

Wie viel Dividende zahlt JOST Werke?

Für 2025 wurden 1,50 Euro je Aktie gezahlt, unverändert gegenüber 2024. Zahltag war der 12.05.2026. Die Ausschüttungssumme stieg wegen der Kapitalerhöhung um 10,0 Prozent auf 24,585 Millionen Euro. Die Ausschüttungsquote von 30 Prozent bezieht sich auf das bereinigte Ergebnis.

Welche Marktanteile hat JOST?

Nach eigenen Angaben mehr als 60 Prozent globaler Marktanteil bei Sattelkupplungen und Stützwinden und mehr als 40 Prozent bei Front-End-Kippzylindern. Konzernweit heißt es, mehr als 80 Prozent des Umsatzes würden mit Produkten erzielt, bei denen JOST zwei- bis dreimal größer sei als der nächstgrößte Wettbewerber. Den Wettbewerber benennt JOST nicht.

Wie hoch ist die Verschuldung von JOST?

Die Nettoverschuldung ohne IFRS 16 lag zum 30.06.2026 bei 380,2 Millionen Euro, nach 441,6 Millionen Euro zum Jahresende 2025 und 513,8 Millionen Euro Mitte 2025. Der Leverage sank auf 1,81x und liegt damit im strategischen Zielkorridor von 1,0x bis 2,0x. Die Eigenkapitalquote stieg auf 26,9 Prozent.

Was ist AMBITION 2030?

So nennt JOST die eigene Wachstumsstrategie. Quantifizierte Finanzziele veröffentlicht das Unternehmen dazu nicht. Belegbar sind nur ein Zielkorridor für die bereinigte EBIT-Marge von 10 bis 12 Prozent, ein Leverage-Korridor von 1,0x bis 2,0x und ein Net-Working-Capital-Zielband von 17,5 bis 18,5 Prozent des Umsatzes.

Wer sind die größten Aktionäre von JOST?

Zum 31.12.2025 nennt der Geschäftsbericht Allianz Global Investors mit 14,99 Prozent, FMR LLC mit 10,00 Prozent sowie Union Investment und Van Lanschot Kempen mit je rund 5 Prozent. Diese Werte liegen vor der Kapitalerhöhung vom Februar 2026. Den Streubesitz gibt JOST nach Definition der Deutschen Börse mit 100 Prozent an.

Quellen

  • JOST Werke SE, Group Interim Report Q2 / H1 2026
  • JOST Werke SE, Annual Group Report 2025 (Geschäftsbericht 2025)
  • JOST Werke SE, Earnings Conference Presentation H1 2026
  • JOST Werke SE, Corporate News 26.03.2026 (Jahreszahlen 2025, Dividendenvorschlag, Ausblick 2026)
  • JOST Werke SE, Corporate News 19.02.2026 (vorläufige Zahlen 2025)
  • JOST Werke SE, Dividendenbekanntmachung 2026 und Unterlagen der Hauptversammlung
  • JOST Werke SE, Investor Relations: Our Stock, Why invest, Events & Publications
  • JOST Werke SE, About us, Management und Impressum
  • Deutsche Börse, Konstituentendaten SDAX

Stand der Daten: 14. Oktober 2026. Dieser Beitrag ist eine Einordnung öffentlich verfügbarer Unternehmensangaben und keine Anlageempfehlung.