Jungheinrich Aktie: Der Intralogistik-Konzern im Portrait
Jungheinrich aus Hamburg verkauft, vermietet und wartet Flurförderzeuge – Gabelstapler und Lagertechnik – und baut daraus Lager- und Automatisierungslösungen. Hinzu kommt ein eigenes Finanzdienstleistungssegment, das die Geräte verleast und bilanziert. Mit 5,5 Milliarden Euro Umsatz 2025 und 20.898 Vollzeitstellen zum 30.06.2026 ist das Unternehmen einer der größeren deutschen Industriewerte außerhalb des DAX.
Das Jahr 2026 zeigt eine auseinanderlaufende Entwicklung: Auftragseingang und Auftragsbestand steigen deutlich, der Umsatz stagniert, und das EBIT fiel im ersten Halbjahr um 31,2 Prozent. Am 23.07.2026 senkte Jungheinrich die Ergebnisprognose – und hob gleichzeitig die Umsatz- und Auftragsprognose leicht an.
Dieses Portrait fasst zusammen, was Jungheinrich selbst veröffentlicht: Geschäftsmodell und die neue Segmentstruktur, die Halbjahreszahlen 2026, die Prognosesenkung im Detail, die Dividende und die Besonderheiten der Kapitalstruktur.
Unternehmensprofil
| Firmenname | Jungheinrich Aktiengesellschaft |
| Sitz | Friedrich-Ebert-Damm 129, 22047 Hamburg |
| Rechtsform | Aktiengesellschaft, nach eigener Bezeichnung „listed family-owned business“ |
| Branche | Intralogistik: Flurförderzeuge, Lagertechnik, Automatisierung, Service, Finanzdienstleistungen |
| Segmente (seit 01.01.2026) | Industrial Trucks & Services (ITS), Automation & Warehouse Equipment (AWE), Financial Services (FS) |
| Mitarbeiter | 20.898 Vollzeitstellen zum 30.06.2026 (Deutschland 8.122, Ausland 12.776) |
| Vorstandsvorsitz | Dr. Lars Brzoska |
| Weitere Vorstände | Nadine Despineux (Vertrieb), Dr. Tobias Harzer (AWE), Maik Manthey (Technik), Heike Wulff (Finanzen) |
| Aufsichtsratsvorsitz | Kathrin Elisabeth Dahnke (seit 01.01.2026) |
| ISIN (Vorzugsaktie) | DE0006219934 |
| WKN | 621993 |
| Ticker | JUN3 |
| Index | SDAX; Marktsegment Prime Standard |
| Grundkapital | 102 Mio. Euro |
| Aktienzahl | 102 Mio. Aktien: 54,0 Mio. Stammaktien (nicht börsennotiert) und 48,0 Mio. Vorzugsaktien (börsennotiert) |
| Großaktionäre | LJH-Holding GmbH (Wohltorf) und WJH-Holding GmbH (Aumühle), Familien der beiden Töchter des Firmengründers |
| Marktkapitalisierung | 3.613 Mio. Euro zum 31.12.2025 (Vorjahr 2.617 Mio. Euro) |
| Geschäftsjahr | Kalenderjahr |
| Website | jungheinrich.com |
Kursverlauf
Der Chart zeigt den Wochenverlauf der fünf Jahre. Kursdaten über TradingView.
Das Geschäftsmodell
Jungheinrich verdient auf vier Wegen: im Neugeschäft durch den Verkauf von Geräten, im Kundendienst durch Wartung, Ersatzteile und Serviceverträge, in der Kurzzeitmiete und mit Gebrauchtgeräten sowie über Finanzdienstleistungen. Das FS-Segment verleast die eigenen Geräte, bilanziert sie und verrentet sie über die Vertragslaufzeit.
Zum 01.01.2026 wurde das frühere Segment „Intralogistics“ aufgeteilt: ITS (Industrial Trucks & Services) ist das klassische Staplergeschäft, AWE (Automation & Warehouse Equipment) die Automatisierung, FS (Financial Services) bleibt eigenes Segment. Vorjahreszahlen wurden angepasst.
Die Segmentzahlen für das erste Halbjahr 2026: ITS 2.241 Millionen Euro Umsatz (−1,9 Prozent) bei einem EBIT von 133,5 Millionen Euro und 6,0 Prozent Rendite – im Vorjahr 204,2 Millionen Euro und 8,9 Prozent. AWE 471 Millionen Euro Umsatz (+12,9 Prozent) bei einem EBIT von −6,7 Millionen Euro, also weiter leicht negativ. FS 727 Millionen Euro Umsatz (+3,0 Prozent). ITS trägt damit praktisch das gesamte Konzernergebnis.
Regional kam EMEA in H1 2026 auf 2.159 Millionen Euro (−1,9 Prozent), davon Deutschland 547 Millionen Euro (−4,7 Prozent). Americas wuchs um 14,3 Prozent auf 320 Millionen Euro, APAC um 8,6 Prozent auf 190 Millionen Euro. Die Auslandsquote lag bei 80 Prozent nach 78 Prozent.
Der Kundendienstumsatz betrug 2025 1.576 Millionen Euro oder 29 Prozent des Konzernumsatzes, nach 1.535 Millionen Euro und 28 Prozent im Jahr 2024. Jungheinrich bezeichnet diesen Umsatz in den ausgewerteten Texten nicht ausdrücklich als wiederkehrend. Zum Vertragsbestand der Finanzdienstleistungen: 4.525 Millionen Euro Originalwert (+6 Prozent) und 221.000 Fahrzeuge zum Jahresende 2025.
Eine Aufschlüsselung der Kundenstruktur nach Branchen oder eine Angabe zur Kundenkonzentration veröffentlicht Jungheinrich in den ausgewerteten Unterlagen nicht; der Geschäftsbericht spricht lediglich von einer „verlässlichen Kundenstruktur“.
Die zuletzt gemeldeten Zahlen
Letzte berichtete Periode ist das erste Halbjahr 2026, veröffentlicht am 11.08.2026. Alle Werte in Millionen Euro, sofern nicht anders angegeben. Ein EBITDA weist Jungheinrich nicht aus – die Abschreibungen enthalten die Mietflotten des Finanzdienstleistungssegments und wären mit einem Industrie-EBITDA nicht vergleichbar.
| Kennzahl | H1 2026 (Mio. Euro) | H1 2025 (Mio. Euro) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Auftragseingang (Wert) | 2.954 | 2.743 | +7,7 % |
| Auftragsbestand (30.06.) | 1.629 | 1.510 | +7,9 % |
| Umsatz | 2.669 | 2.656 | +0,5 % |
| davon Deutschland | 547 | 574 | −4,7 % |
| davon Ausland | 2.122 | 2.082 | +1,9 % |
| EBIT | 144,9 | 210,5 | −31,2 % |
| EBIT-Umsatzrendite | 5,4 % | 7,9 % | −2,5 Pp |
| EBT | 132,2 | 195,8 | −32,5 % |
| Periodenergebnis | 73,2 | 139,0 | −47,3 % |
| Ergebnis je Vorzugsaktie | 0,73 Euro | 1,37 Euro | −46,7 % |
| Operativer Cashflow | 85,3 | 131,2 | −35,0 % |
| Free Cashflow | −99 | +57 | – |
| Investitionen | 35 | 41 | −14,6 % |
| F&E-Aufwand | 97 | 91 | +6,6 % |
| Nettoguthaben | 22 | 160* | – |
| Eigenkapital | 2.556 | 2.474 | +3,3 % |
| Eigenkapitalquote | 33 % | 33 %* | unverändert |
| Mitarbeiter (Vollzeitstellen) | 20.898 | 21.218 | −1,5 % |
* Nettoguthaben und Eigenkapitalquote sind gegen den 31.12.2025 verglichen. Die Eigenkapitalquote ohne das Finanzdienstleistungssegment beträgt 54 Prozent. Zum Vergleich das Gesamtjahr 2025: Auftragseingang 5.387 Mio. Euro, Umsatz 5.502 Mio. Euro, EBIT 228 Mio. Euro, EBT 196 Mio. Euro, Periodenergebnis 104 Mio. Euro, Ergebnis je Vorzugsaktie 1,03 Euro nach 2,84 Euro, operativer Cashflow 490 Mio. Euro, Free Cashflow 314 Mio. Euro, ROCE 8,3 Prozent. Die Einmaleffekte 2025 summierten sich auf 220 Mio. Euro: 109 Mio. Euro aus dem Verkauf der russischen Tochter, 93 Mio. Euro Transformationsprogramm und 18 Mio. Euro aus einem F&E-Abgang; das bereinigte EBIT 2025 lag damit bei 448 Mio. Euro oder 8,1 Prozent Rendite. Einmaleffekte in H1 2026: 21 Mio. Euro aus dem Verkauf der russischen Tochter (steuerlich nicht abzugsfähig), 7 Mio. Euro Streikfolgen am Standort Lüneburg, 6 Mio. Euro Transformationsprogramm, 3 Mio. Euro aus Kaufpreisallokation und variabler Vergütung sowie rund 13 Mio. Euro aus einer Steuervereinbarung für die Jahre 2017 bis 2023. Ohne diese Effekte läge das Konzern-EBIT bei 179 Mio. Euro oder 6,7 Prozent Rendite. Eine Schätzungsänderung bei Kurzzeitmietfahrzeugen soll 2026 rund 8 Mio. Euro und 2027 rund 24 Mio. Euro positiv wirken. Hinweis zur Quelle: Der Zwischenbericht enthält mehrere nicht aufgelöste Zahlenbrüche, darunter zwei unterschiedliche Finanzmittelbestände zum Stichtag (472,4 Mio. Euro in der Kapitalflussrechnung, 481,1 Mio. Euro in der Bilanz) und vier verschiedene Beträge für denselben Russland-Abgang (20,5 / 21 / 22,6 / 22,9 Mio. Euro).
Prognose für das laufende Geschäftsjahr
Die Prognose für 2026 wurde am 27.03.2026 erstmals abgegeben und am 23.07.2026 per Ad-hoc-Mitteilung geändert. Die Struktur dieser Änderung ist bemerkenswert: Auftragseingang und Umsatz wurden um je 0,1 Milliarden Euro angehoben, EBIT und EBT um je 40 bis 50 Millionen Euro gesenkt und der Free-Cashflow-Ausblick von über 250 Millionen Euro auf über 50 Millionen Euro zurückgenommen – eine Reduktion um den Faktor fünf.
Aktueller Stand nach dem 23.07.2026: Auftragseingang 5,5 bis 6,1 Milliarden Euro, Umsatz 5,3 bis 5,9 Milliarden Euro, EBIT 340 bis 400 Millionen Euro, EBIT-Umsatzrendite 6,2 bis 7,0 Prozent, EBT 310 bis 370 Millionen Euro, ROCE 12,0 bis 16,0 Prozent und ein Free Cashflow von mehr als 50 Millionen Euro.
Zuvor galten 5,4 bis 6,0 Milliarden Euro Auftragseingang, 5,2 bis 5,8 Milliarden Euro Umsatz, 380 bis 450 Millionen Euro EBIT bei 7,2 bis 8,0 Prozent Rendite, 350 bis 420 Millionen Euro EBT und ein ROCE von 14,0 bis 18,0 Prozent.
Auf Segmentebene wurde nur ITS geändert: Auftragseingang 4,5 bis 4,9 Milliarden Euro, Umsatz 4,4 bis 4,8 Milliarden Euro, EBIT 310 bis 370 Millionen Euro bei 7,0 bis 7,6 Prozent Rendite – zuvor 360 bis 420 Millionen Euro EBIT bei 8,3 bis 8,9 Prozent. Die AWE-Prognose blieb unverändert bei 1,0 bis 1,2 Milliarden Euro Auftragseingang, 0,9 bis 1,1 Milliarden Euro Umsatz und 0 bis 15 Millionen Euro EBIT.
Als Begründung nennt Jungheinrich vor allem, dass der operative Ergebnisbeitrag der früheren russischen Tochter nicht mehr kompensiert werde – wörtlich: „It is no longer anticipated that the operating earnings contribution from the former Russian subsidiary will be offset.“ Hinzu kommt ein „continuing highly competitive market environment“. Die russische Tochter hatte 2025 jeweils rund 150 Millionen Euro zu Auftragseingang und Umsatz beigetragen.
Zur Mittelfrist nennt die im Mai 2025 vorgestellte Strategie 2030+ konkrete Zahlen: 10 Milliarden Euro Umsatz bis 2030 organisch, zusätzlich mehr als 1 Milliarde Euro Umsatzwachstum über Akquisitionen außerhalb Europas, eine EBIT-Umsatzrendite von 10 Prozent bis 2030 und eine Cash Conversion Rate von im Durchschnitt über 80 Prozent. Das Transformationsprogramm soll rund 100 Millionen Euro jährliche Kostenentlastung bringen, überwiegend ab 2027 wirksam und voll ab 2028. An Nachhaltigkeitszielen nennt das Unternehmen 30 Prozent weniger Treibhausgasemissionen in Scope 1 bis 3 bis 2030 gegenüber dem Basisjahr 2021.
Dividende
Für das Geschäftsjahr 2025 zahlte Jungheinrich 0,29 Euro je Vorzugsaktie und 0,27 Euro je Stammaktie. Die virtuelle Hauptversammlung am 19.05.2026 beschloss die Ausschüttung, Zahltag war der 22.05.2026. Die Ausschüttungssumme sank von 81 auf 29 Millionen Euro.
Der Vergleich mit den Vorjahren zeigt den Einbruch: 2024 lagen 0,80 Euro je Vorzugsaktie zu Buche, 2023 0,75 Euro, 2022 und 2021 je 0,68 Euro, 2020 0,43 Euro, 2019 0,48 Euro und 2018 0,50 Euro.
Die Ausschüttungsquote blieb dabei mit 28 Prozent exakt auf dem Vorjahresniveau. Die Analystenpräsentation betont, die Quote sei trotz einer auf 47 Prozent gestiegenen Steuerquote gehalten worden – Grund für die hohe Steuerquote waren die steuerlich nicht abzugsfähigen Verluste aus dem Russland-Verkauf.
Die Dividendenpolitik formuliert Jungheinrich als Quote: Ziel sei die Ausschüttung von „between 25 per cent and 30 per cent of the profit after tax“. Die IR-Seite ergänzt, das Unternehmen verfolge „generally a policy of paying steady dividends“. Beide Formulierungen stehen in den eigenen Unterlagen – 2025 hat die Quotenregel die Stetigkeit überstimmt.
In der Dividendenhistorie seit 1990 ist keine Nulldividende verzeichnet; der tiefste Wert war 0,03 Euro für das Geschäftsjahr 1996.
Aktienrückkäufe werden in den ausgewerteten Quellen nicht erwähnt; ob ein Programm existiert, bleibt offen. Ein Hinweis zur Quelle: Die Analystenpräsentation nennt als Dividendenvorschlag 0,291 Euro, Geschäftsbericht und Dividendenseite nennen 0,29 Euro.
Was das Geschäft antreibt
- Auftragseingang und Auftragsbestand. In H1 2026 lag der Auftragseingang bei 2.954 Millionen Euro (+7,7 Prozent), der Auftragsbestand bei 1.629 Millionen Euro – gegenüber 1.329 Millionen Euro zum Jahresende 2025 ein Plus von 22,6 Prozent. Jungheinrich führt das auf „intensive sales activities“ zurück.
- Automatisierung als Wachstumsträger. Der AWE-Umsatz stieg in H1 2026 um 12,9 Prozent auf 471 Millionen Euro, der Segment-Auftragsbestand von 580 auf 701 Millionen Euro. Operativ ist das Segment mit −6,7 Millionen Euro EBIT aber noch leicht negativ.
- Amerika als zweiter Kernmarkt. Umsatz 2025 in Americas +24,1 Prozent auf 649 Millionen Euro, in H1 2026 +14,3 Prozent auf 320 Millionen Euro. Treiber ist unter anderem die US-Akquisition Invar. Die Strategie 2030+ nennt Nordamerika ausdrücklich als zweiten Kernmarkt und APAC als Feld, in dem man „a leading market player“ werden will.
- Servicegeschäft als Stabilisator. Kundendienstumsatz 2025 von 1.576 Millionen Euro oder 29 Prozent des Konzernumsatzes, +2,7 Prozent, während Kurzzeitmiete und Gebrauchtgeräte um 0,8 Prozent zurückgingen.
- Finanzdienstleistungen binden Kunden über Jahre. Vertragsbestand von 4.525 Millionen Euro Originalwert (+6 Prozent) mit 221.000 Fahrzeugen; FS-Umsatz 2025 von 1.473 Millionen Euro (+4,0 Prozent).
- Kostenprogramm mit quantifizierter Entlastung. Rund 100 Millionen Euro jährliche Einsparungen aus dem Transformationsprogramm, überwiegend ab 2027 und voll ab 2028 wirksam.
- Mid-Tech-Einstieg gegen die „China Wave“. Partnerschaft mit EP Equipment, Markteinführung in Europa im vierten Quartal 2025. Der globale Flurförderzeugmarkt wuchs laut Unternehmensdarstellung von rund 1,5 Millionen Einheiten (2019) auf rund 2,2 Millionen Einheiten (2024).
Welche Risiken das Unternehmen selbst nennt
- Quellenlage. Der vollständige Risikobericht des Geschäftsberichts 2025 ließ sich maschinell nicht auslesen – die Textextraktion endet auf Seite 35 mit dem Beginn der Nachhaltigkeitserklärung, der Risikobericht liegt dahinter. Die unternehmenseigene Bewertungsskala mit Eintrittswahrscheinlichkeiten, Schadenshöhen und Risikoklassen konnte daher nicht erhoben werden. Die folgenden Punkte stammen aus dem Risiko- und Chancenbericht des Zwischenberichts zum 30.06.2026.
- Gesamtaussage. „There are currently no risks apparent that could threaten the existence of the company.“ Die Gesamtrisikolage habe sich gegenüber dem Lagebericht 2025 nicht wesentlich verändert.
- Wettbewerbsintensität. Im Prognoseteil ausdrücklich genannt: ein „continuing highly competitive market environment“. Die Analystenpräsentation zum Geschäftsjahr 2025 benennt einen „structural increase in competitive pressure“ als Risiko.
- Streikfolgen. Der Streik am Standort Lüneburg, im Februar 2026 beendet, wird mit 7 Millionen Euro quantifiziert.
- Weitere Unsicherheiten. Im Haftungsausschluss des Berichts benannt: geopolitische Konflikte, Energie- und Rohstoffpreise, Nachfrageentwicklung, Wettbewerb, Regulierung sowie Wechselkurs- und Zinsentwicklung.
- Bilanzkontrollverfahren. Der Anhang erwähnt eine Prüfung der Zahlen zum 30.06.2025 durch die BaFin. Ein Ergebnis liegt nach Angabe des Berichts noch nicht vor.
Wettbewerb
Jungheinrich nennt in den ausgewerteten Primärquellen keine Wettbewerber namentlich und veröffentlicht keine eigenen Marktanteile.
Zur Marktgröße stellt das Unternehmen dar, der globale Flurförderzeugmarkt sei von rund 1,5 Millionen Einheiten im Jahr 2019 auf rund 2,2 Millionen Einheiten im Jahr 2024 gewachsen. Den Zuwachs ordnet Jungheinrich der „China Wave“ zu: chinesische Anbieter bedienten vor allem das schnell wachsende Mid-Tech-Segment.
Die eigene Antwort darauf ist der Einstieg ins Mid-Tech-Segment über die Partnerschaft mit EP Equipment, mit Markteinführung in Europa im vierten Quartal 2025. Die Ziele seien dort nach Unternehmensangabe „as planned“ erreicht worden.
Zur eigenen Position heißt es, man behaupte sich „successfully in a challenging market environment“ und habe am Wachstum des Lagertechnikmarkts teilgenommen. An Ambitionen nennt das Unternehmen, in APAC „a leading market player“ zu werden und Nordamerika als zweiten Kernmarkt aufzubauen. Risikoseitig spricht Jungheinrich von „increasing global competition“ und einem „structural increase in competitive pressure“.
Termine
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 10.11.2026 | Zwischenmitteilung zum 30. September 2026 |
| 17.11.2026 | BNP Paribas Midcap CEO Conference, Paris |
| 30.11.2026 | Berenberg European Conference, Windsor |
Fazit
Das Geschäftsjahr 2026 zeigt bei Jungheinrich eine auseinanderlaufende Entwicklung von Nachfrage und Ergebnis. Auftragseingang (+7,7 Prozent im ersten Halbjahr) und Auftragsbestand (1.629 Millionen Euro gegenüber 1.329 Millionen Euro zum Jahresende 2025) steigen deutlich, der Umsatz stagniert jedoch bei +0,5 Prozent und das EBIT fällt um 31,2 Prozent. Rechnet man die vom Unternehmen selbst benannten Einmaleffekte heraus, verbleibt ein EBIT von 179 Millionen Euro bei 6,7 Prozent Rendite gegenüber 210,5 Millionen Euro und 7,9 Prozent im Vorjahr – der Rückgang wird kleiner, verschwindet aber nicht. Wie viel des Auftragszuwachses aus Preisen und wie viel aus Stückzahlen entsteht, und mit welcher Marge der höhere Auftragsbestand in den Umsatz wandert, lässt sich aus den Primärquellen nicht beantworten: Für das erste Halbjahr 2026 veröffentlicht Jungheinrich keine Stückzahlen zum Auftragseingang.
Die Prognosesenkung vom 23. Juli 2026 ist in ihrer Struktur bemerkenswert: Auftragseingang und Umsatz wurden angehoben, EBIT und EBT gesenkt und der Free-Cashflow-Ausblick von über 250 auf über 50 Millionen Euro zurückgenommen. Im ersten Halbjahr lag der Free Cashflow bei −99 Millionen Euro nach +57 Millionen Euro im Vorjahr, das Nettoguthaben sank von 160 auf 22 Millionen Euro. Ob die Jahresprognose für den Free Cashflow erreichbar ist, hängt damit stark vom zweiten Halbjahr ab. Welcher Teil des Mittelabflusses auf Working Capital, Mietflottenaufbau oder das Finanzdienstleistungssegment zurückgeht, lässt sich aus den Berichten nicht ableiten.
Strukturell ist die Neuordnung der Segmente ab 2026 die wichtigste Veränderung für die Lesbarkeit der Zahlen. Das klassische Staplergeschäft trägt mit 2.241 Millionen Euro Umsatz und 6,0 Prozent Rendite praktisch das gesamte Ergebnis, während die Automatisierung mit +12,9 Prozent wächst, aber weiter negativ bleibt und zugleich den größten relativen Zuwachs im Auftragsbestand aufweist. Die Strategie 2030+ formuliert 10 Milliarden Euro Umsatz und 10 Prozent EBIT-Rendite bis 2030 – gegenüber 5,5 Milliarden Euro Umsatz und 4,2 Prozent (bereinigt 8,1 Prozent) Rendite im Jahr 2025 ein sehr ambitionierter Pfad, der laut Unternehmen zusätzlich über 1 Milliarde Euro Akquisitionsumsatz außerhalb Europas enthalten soll. Welche Margen diese Zukäufe haben müssten, damit das 10-Prozent-Ziel trägt, veröffentlicht das Unternehmen nicht.
Für Anleger relevant ist die Kapitalstruktur. Gehandelt wird ausschließlich die Vorzugsaktie mit 48,0 Millionen Stück; die 54,0 Millionen Stammaktien liegen zu gleichen Teilen bei den Familienholdings LJH-Holding und WJH-Holding. Stimmrechte hat der Kapitalmarkt damit nicht. Die Dividende wurde für 2025 von 0,80 auf 0,29 Euro je Vorzugsaktie gesenkt – bei einer konstant gehaltenen Ausschüttungsquote von 28 Prozent, die damit mechanisch dem Ergebniseinbruch folgt. Wer auf eine stabile Ausschüttung setzt, sollte die Formel „25 bis 30 Prozent des Ergebnisses nach Steuern“ ernster nehmen als die Formulierung von der „policy of paying steady dividends“: Beides steht in den eigenen Unterlagen, und 2025 hat die Quotenregel die Stetigkeit überstimmt.
Eine methodische Einschränkung gehört dazu: Der Zwischenbericht zum 30.06.2026 enthält mehrere nicht aufgelöste Zahlenbrüche, darunter zwei unterschiedliche Finanzmittelbestände zum Stichtag und vier verschiedene Beträge für denselben Russland-Abgang. Das sind keine Belege für Fehler in der Bilanz, aber Punkte, an denen man vor der Verwendung einzelner Zahlen nachfragen sollte. Hinzu kommt ein Widerspruch bei der Indexzugehörigkeit: Der Geschäftsbericht 2025 bezeichnet die eigene Aktie im Text als „MDAX-listed“, während die IR-Aktienseite und die Konstituentendaten der Deutschen Börse den SDAX nennen.
Fragen und Antworten
Was macht Jungheinrich?
Jungheinrich ist ein Intralogistik-Konzern: Das Unternehmen verkauft, vermietet und wartet Flurförderzeuge – Gabelstapler und Lagertechnik – und baut daraus Lager- und Automatisierungslösungen. Hinzu kommt ein eigenes Finanzdienstleistungssegment, das die Geräte verleast. Der Umsatz 2025 lag bei 5,5 Milliarden Euro.
In welchem Index ist die Jungheinrich Aktie?
Jungheinrich ist nach den Konstituentendaten der Deutschen Börse und nach der eigenen IR-Aktienseite SDAX-Mitglied, Marktsegment Prime Standard. Bemerkenswert: Der Geschäftsbericht 2025 bezeichnet die eigene Aktie im Text als „MDAX-listed“ – ein Widerspruch innerhalb der eigenen Unterlagen.
Warum gibt es bei Jungheinrich Stamm- und Vorzugsaktien?
Börsennotiert sind nur die 48,0 Millionen Vorzugsaktien ohne Stimmrecht. Die 54,0 Millionen Stammaktien halten die Familien der beiden Töchter des Firmengründers über die LJH-Holding GmbH und die WJH-Holding GmbH zu gleichen Teilen. Stimmrechte hat der Kapitalmarkt damit nicht. Prozentanteile der einzelnen Holdings und eine Streubesitzquote veröffentlicht Jungheinrich nicht.
Warum wurde die Dividende so stark gesenkt?
Von 0,80 Euro für 2024 auf 0,29 Euro je Vorzugsaktie für 2025. Grund ist die Ausschüttungsquote: Sie blieb mit 28 Prozent unverändert und folgt damit dem Ergebniseinbruch – das Ergebnis je Vorzugsaktie sank von 2,84 auf 1,03 Euro. Die Politik lautet 25 bis 30 Prozent des Ergebnisses nach Steuern.
Warum hat Jungheinrich die Prognose gesenkt?
Am 23.07.2026 senkte Jungheinrich EBIT und EBT um je 40 bis 50 Millionen Euro und den Free-Cashflow-Ausblick von über 250 auf über 50 Millionen Euro – und hob gleichzeitig Umsatz- und Auftragsprognose leicht an. Als Begründung nennt das Unternehmen, der operative Ergebnisbeitrag der früheren russischen Tochter werde nicht mehr kompensiert, sowie ein anhaltend hart umkämpftes Marktumfeld.
Was ist die Strategie 2030+?
Die im Mai 2025 vorgestellte Mittelfriststrategie nennt 10 Milliarden Euro Umsatz bis 2030 organisch, zusätzlich mehr als 1 Milliarde Euro Umsatzwachstum über Akquisitionen außerhalb Europas, eine EBIT-Umsatzrendite von 10 Prozent und eine Cash Conversion Rate von im Durchschnitt über 80 Prozent. Zum Vergleich: 2025 standen 5,5 Milliarden Euro Umsatz und 4,2 Prozent Rendite zu Buche.
Was bedeutet die „China Wave“ für Jungheinrich?
So beschreibt das Unternehmen selbst das Wachstum des globalen Flurförderzeugmarkts von rund 1,5 Millionen Einheiten 2019 auf rund 2,2 Millionen 2024: Chinesische Anbieter bedienten vor allem das schnell wachsende Mid-Tech-Segment. Die eigene Antwort ist der Mid-Tech-Einstieg über die Partnerschaft mit EP Equipment, in Europa seit dem vierten Quartal 2025.
Welche Segmente hat Jungheinrich?
Seit dem 01.01.2026 drei: Industrial Trucks & Services (ITS, das klassische Staplergeschäft), Automation & Warehouse Equipment (AWE, die Automatisierung) und Financial Services (FS, das Leasinggeschäft). Das früher berichtete Segment „Intralogistics“ wurde dabei aufgeteilt, die Vorjahreszahlen wurden angepasst.
Quellen
- Jungheinrich AG, Interim report as of 30 June 2026 (Zwischenbericht H1 2026)
- Jungheinrich AG, Annual Report 2025 (Geschäftsbericht 2025)
- Jungheinrich AG, Presentation virtual analyst conference FY 2025
- Jungheinrich AG, Investor Relations: Our share, Dividend, Financial calendar
- Jungheinrich AG, Annual General Meeting (Hauptversammlung 2026)
- Jungheinrich AG, Reports and publications
- Deutsche Börse, Konstituentendaten SDAX
Stand der Daten: 14. Oktober 2026. Dieser Beitrag ist eine Einordnung öffentlich verfügbarer Unternehmensangaben und keine Anlageempfehlung.