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PATRIZIA Aktie

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Glasfassade eines modernen Wohngebäudes mit gespiegelten Wolken, von unten fotografiert
Aktie im Porträt

PATRIZIA Aktie: Der Real-Asset-Investmentmanager im Portrait

Die PATRIZIA SE aus Augsburg ist ein Investmentmanager für Real Assets. Das Unternehmen legt Fonds und Mandate für institutionelle und private Investoren auf, investiert für diese in Immobilien und Infrastruktur und verdient daran laufende und erfolgsabhängige Gebühren. Zum 30.06.2026 verwaltete PATRIZIA 55,9 Milliarden Euro, beschäftigte 800 Vollzeitkräfte an 26 Standorten und betreute mehr als 550 institutionelle und mehr als 7.000 private Investoren.

Das erste Halbjahr 2026 zeigt ein auffälliges Muster: Die Gesamtleistung lag mit 125,6 Millionen Euro praktisch auf Vorjahresniveau, das EBITDA stieg aber um 46,6 Prozent und das Vorsteuerergebnis um 144,9 Prozent. Die Verbesserung kommt damit überwiegend von der Kostenseite – die Personalkosten sanken um 13,3 Prozent, die Zahl der Vollzeitkräfte von 870 auf 800.

Dieses Portrait fasst zusammen, was PATRIZIA selbst veröffentlicht: Geschäftsmodell und Erlösarten, das verwaltete Vermögen als eigentliche Schlüsselgröße, die Halbjahreszahlen 2026, Prognose, Dividende und die Risiken aus den eigenen Berichten.

Unternehmensprofil

FirmennamePATRIZIA SE
SitzAugsburg
RechtsformEuropäische Gesellschaft (Societas Europaea) mit monistischer Governance – ein Board of Directors mit Executive und Non-Executive Directors
HistorieInvestiert nach eigener Angabe „since 1984“; Erstnotiz 31.03.2006
BrancheInvestmentmanagement für Real Assets (Immobilien und Infrastruktur)
SegmenteInvestment Management und Balance Sheet Investments
Verwaltetes Vermögen55,9 Mrd. Euro zum 30.06.2026 (31.12.2025: 56,2 Mrd. Euro)
Mitarbeiter800 Vollzeitkräfte zum 30.06.2026 (30.06.2025: 870), 26 Standorte
Executive DirectorsDr. Asoka Wöhrmann (CEO), Martin Praum (CFO), James Muir, Dr. Konrad Finkenzeller, Wolfgang Egger (Gründer)
Vorsitz des Board of DirectorsFrank Kuhnke
ISINDE000PAT1AG3
TickerPAT
AktiengattungNamensaktien
IndexSDAX; zusätzlich nach eigener Angabe MSCI World Small Cap, CDAX, Prime All Share, DAXsector Financial Services, Solactive DIMAX Deutschland und weitere
BörsensegmentDeutsche Börse, Prime Standard
Grundkapital86.557.421,00 Euro (Stand Hauptversammlungseinberufung 27.04.2026)
Aktienzahl86.583.484 Namensstückaktien zum 30.06.2026
Eigene Aktien5.767.992 Stück zum 30.06.2026, Buchwert 96,1 Mio. Euro
Größter AktionärGründer Wolfgang Egger, überwiegend über die First Capital Partner GmbH
Marktkapitalisierung0,75 Mrd. Euro zum 31.12.2025 (Schlusskurs 8,14 Euro)
GeschäftsjahrKalenderjahr
Websitepatrizia.ag

Kursverlauf

Der Chart zeigt den Wochenverlauf der fünf Jahre. Kursdaten über TradingView.

Das Geschäftsmodell

PATRIZIA verdient auf zwei Wegen. Im Segment Investment Management legt das Unternehmen Fonds und Mandate auf, investiert für institutionelle und private Anleger in Immobilien und Infrastruktur und erhält dafür Gebühren. Im Segment Balance Sheet Investments hält PATRIZIA eigene Bilanzinvestments – Co-Investments, Seed-Kapital und Beteiligungen –, die Ergebnis- und Bewertungsbeiträge liefern.

Die Gebühren teilen sich in vier Arten. Management fees sind laufende Verwaltungsgebühren auf das verwaltete Vermögen und damit die zentrale wiederkehrende Erlösquelle: 110,2 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2026 nach 113,4 Millionen Euro (−2,8 Prozent). Transaction fees fallen bei An- und Verkäufen an: 3,8 Millionen Euro (+5,3 Prozent). Performance fees sind erfolgsabhängig: 13,2 Millionen Euro (+16,8 Prozent). Hinzu kommen Nettoverkaufserlöse und das Co-Investment-Ergebnis mit 8,0 Millionen Euro (+9,4 Prozent).

Eine Prozentzahl zum Anteil wiederkehrender Umsätze nennt PATRIZIA nicht. Eine qualitative Aussage im Geschäftsbericht 2025 ist dafür aussagekräftig: Die Management fees deckten erstmals die operativen Kosten vollständig – „management fees fully offset operating expenses for the first time“.

Die Segmentergebnisse im ersten Halbjahr 2026: Investment Management erzielte 136,2 Millionen Euro Gesamtleistung und ein EBITDA von 37,2 Millionen Euro nach 23,2 Millionen Euro, bei einem Vorsteuerergebnis von 29,6 Millionen Euro nach 14,9 Millionen Euro. Balance Sheet Investments kam auf 6,0 Millionen Euro Gesamtleistung und 5,8 Millionen Euro EBITDA, wies aber ein Vorsteuerergebnis von −3,4 Millionen Euro aus nach +1,9 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

Das verwaltete Vermögen verteilte sich zum 31.12.2025 auf 42,3 Milliarden Euro Immobilien (75,2 Prozent), 8,1 Milliarden Euro Infrastruktur (14,4 Prozent) und 5,9 Milliarden Euro übrige Anlagen wie Venture Capital (10,4 Prozent). Zum 30.06.2026 nennt PATRIZIA rund 45,6 Milliarden Euro Immobilien und rund 10,3 Milliarden Euro Infrastruktur – allerdings mit veränderter Gliederung ohne die Kategorie „übrige“, sodass die Prozentwerte nicht direkt vergleichbar sind. Regional lag Deutschland zum 30.06.2026 mit 28,1 Milliarden Euro bei rund der Hälfte des verwalteten Vermögens.

Auftragseingang und Auftragsbestand gibt es bei einem Investmentmanager nicht. Die funktional vergleichbare Größe ist das verwaltete Vermögen beziehungsweise das noch nicht abgerufene Kapital der Investoren.

Die zuletzt gemeldeten Zahlen

Letzte berichtete Periode ist das erste Halbjahr 2026, veröffentlicht am 10.08.2026. Alle Werte in Millionen Euro, sofern nicht anders angegeben. Klassische Industriekennzahlen wie Investitionsquote, Free Cashflow oder Nettoverschuldung berichtet PATRIZIA nicht – sie spielen bei einem Asset Manager keine zentrale Rolle.

KennzahlH1 2026 (Mio. Euro)H1 2025 (Mio. Euro)Veränderung
Umsatzerlöse118,9121,4−2,0 %
Gesamtleistung125,6126,7−0,9 %
EBITDA42,729,1+46,6 %
EBITDA-Marge31,6 %21,5 %+10,1 Pp
EBIT26,515,2+73,8 %
Ergebnis vor Steuern22,09,0+144,9 %
Konzernergebnis14,74,7+212,7 %
davon auf die Anteilseigner der Muttergesellschaft17,25,1+235,8 %
Ergebnis je Aktie0,20 Euro0,06 Euro–
Steuerquote33,2 %47,7 %−14,5 Pp
Operativer Cashflow17,127,4−37,6 %
Verwaltetes Vermögen55,9 Mrd. Euro55,9 Mrd. Euro±0,0 %
Management fees110,2113,4−2,8 %
Performance fees13,211,3+16,8 %
Eigenkapital (ohne Minderheiten)1.121,61.127,0*−0,5 %
Eigenkapitalquote (ohne Minderheiten)65,3 %66,3 %*−1,0 Pp
Bilanzsumme1.718,01.699,4*+1,1 %
Mitarbeiter (Vollzeitkräfte)800870−70

* Bilanzwerte sind gegen den 31.12.2025 verglichen. Zum Vergleich das Gesamtjahr 2025: Umsatzerlöse 258,4 Mio. Euro, Gesamtleistung 269,7 Mio. Euro, EBITDA 63,0 Mio. Euro, EBIT 35,3 Mio. Euro, Ergebnis vor Steuern 17,9 Mio. Euro, Konzernergebnis 16,4 Mio. Euro, davon 18,0 Mio. Euro auf die Anteilseigner der Muttergesellschaft. Die Mehrjahresreihe zeigt den Umbau: 2021 lagen noch 318,2 Mio. Euro Umsatz und 128,9 Mio. Euro EBITDA zu Buche, 2022 brach das EBITDA auf 39,2 Mio. Euro ein, 2023 folgten 42,1 und 2024 46,5 Mio. Euro. Segment-EBITDA 2025: Investment Management 51,0 Mio. Euro (+29,1 Prozent), Balance Sheet Investments 14,1 Mio. Euro (−5,5 Prozent). Sondereffekte in H1 2026: Erträge aus abgelaufenen Verpflichtungen von 6,0 Mio. Euro nach 3,1 Mio. Euro; ein nicht zahlungswirksamer Fair-Value-Verlust auf Investment Property von 4,0 Mio. Euro; eine Wertberichtigung auf eine Einzelforderung von 1,7 Mio. Euro; eine performanceabhängige Shareholder-Vergütung aus der Beteiligung Dawonia von 12,2 Mio. Euro. Bei Dawonia wurde die erste von fünf Put-Optionen ausgeübt; der Festpreis von 49,3 Mio. Euro ist als Verbindlichkeit erfasst, der anteilige Earn-out beträgt 29,5 Mio. Euro. Hinweis zur Quelle: Die Aktienzahl erscheint in drei Varianten – 92.351.476 ausgegebene Aktien zum 31.12.2025 auf der Aktienseite, 86.557.421 in der Hauptversammlungseinberufung vom 27.04.2026 und 86.583.484 im Halbjahresbericht. Die Differenz wird in den Unterlagen nicht erläutert; eine Kapitalherabsetzung durch Einziehung eigener Aktien wäre naheliegend, ist aber nicht belegt.

Prognose für das laufende Geschäftsjahr

Die Prognose für 2026 wurde mit den Jahreszahlen 2025 abgegeben – vorläufige Zahlen am 04.03.2026, der vollständige Bericht am 27.03.2026. Der Wortlaut im Geschäftsbericht 2025: „For 2026, we expect to generate EBITDA in a range of EUR 60.0 – 75.0m, EBITDA margin in a range of 22.0 – 26.5%.“ Hinzu kommt eine Spanne für das verwaltete Vermögen von 55,0 bis 60,0 Milliarden Euro.

Zum Halbjahr am 10.08.2026 bestätigte PATRIZIA EBITDA, Marge und die Spanne für das verwaltete Vermögen unverändert – nahm aber eine Korrektur vor: Die Gebührenerlöse insgesamt sollen nunmehr „largely stable“ gegenüber 2025 bleiben; zuvor war ein moderater Anstieg erwartet worden.

Vergleichsbasis sind 56,2 Milliarden Euro verwaltetes Vermögen, 63,0 Millionen Euro EBITDA und eine EBITDA-Marge von 22,9 Prozent im Jahr 2025. Nach sechs Monaten stehen 42,7 Millionen Euro EBITDA und eine Marge von 31,6 Prozent zu Buche – die Marge liegt damit über der Prognosebandbreite, was auf die Sonder- und Performanceeffekte des ersten Halbjahres zurückgeht.

Mittelfristig nennt PATRIZIA zwei quantifizierte Ziele: ein verwaltetes Vermögen von mehr als 100 Milliarden Euro bis 2030 und das Einsammeln von 30 Milliarden Euro Eigenkapital im Zeitraum 2024 bis 2030. Die Vision lautet, führender Anbieter für „smart real asset solutions“ zu werden. Gegenüber dem aktuellen Stand von 55,9 Milliarden Euro ergibt sich für das Vermögensziel eine erhebliche Lücke; welche Nettokapitalzuflüsse dafür nötig sind und welcher Anteil organisch oder über Zukäufe erreicht werden soll, veröffentlicht das Unternehmen nicht.

Dividende

Für das Geschäftsjahr 2025 zahlte PATRIZIA 0,36 Euro je dividendenberechtigte Stückaktie nach 0,35 Euro im Vorjahr – nach eigener Angabe die achte Erhöhung in Folge. Die virtuelle Hauptversammlung am 10.06.2026 beschloss die Ausschüttung, Auszahlungstag war der 15.06.2026. Die Gesamtausschüttung betrug nach der Hauptversammlungseinberufung 31.160.671,56 Euro; im ersten Halbjahr 2026 flossen tatsächlich 31,2 Millionen Euro ab.

Die Historie zeigt kleine, aber stetige Schritte: 0,32 Euro für 2021, 0,33 Euro für 2022, 0,34 Euro für 2023, 0,35 Euro für 2024 und 0,36 Euro für 2025.

Ein Punkt, der Beachtung verdient: Eine Ausschüttungsquote weist PATRIZIA nicht aus. Rechnerisch stehen 31,2 Millionen Euro Ausschüttung einem auf die Anteilseigner der Muttergesellschaft entfallenden Konzernergebnis 2025 von 18,0 Millionen Euro gegenüber – die Ausschüttung lag damit über dem zurechenbaren Jahresergebnis. Begründet wird der Vorschlag damit, dass man „the Company’s continued strong balance sheet ratios“ berücksichtigt habe. Eine formalisierte Dividendenpolitik mit Ausschüttungskorridor veröffentlicht das Unternehmen nicht.

Zu Aktienrückkäufen: PATRIZIA führt eine eigene Seite zum Rückkaufprogramm, Programmkonditionen, Volumen und Laufzeiten sind in den ausgewerteten Unterlagen aber nicht enthalten. Belegt sind 5.767.992 eigene Aktien zum 30.06.2026 nach 5.894.529 zum 31.12.2025 mit einem Buchwert von 96,1 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr 2025 wurden 37.000 Aktien für 0,3 Millionen Euro zurückgekauft; für das erste Halbjahr 2026 nennt der Bericht kein neues Rückkaufprogramm. Stattdessen gingen 126.537 eigene Aktien zu durchschnittlich 7,50 Euro ab – über ein Mitarbeiter-Aktienprogramm und für Kaufpreiszahlungen bei Zukäufen.

Die Hauptversammlung 2026 beschloss statt eines Rückkaufs mehrere Kapitalermächtigungen: ein neues Genehmigtes Kapital 2026/I über bis zu 17.470.295,00 Euro und ein Genehmigtes Kapital 2026/II über bis zu 1.000.000,00 Euro für Mitarbeiteraktien, jeweils befristet bis zum 09.06.2031, sowie eine Ermächtigung zur Ausgabe von Wandel-, Options- und sonstigen Schuldverschreibungen über bis zu 500.000.000,00 Euro mit einem Bedingten Kapital 2026 von bis zu 18.470.295,00 Euro.

Was das Geschäft antreibt

  • Gebührenbasis statt Transaktionsabhängigkeit. Die Management fees deckten nach Angabe des Geschäftsberichts 2025 erstmals auf Jahresbasis die operativen Kosten vollständig. Die Ergebnisbasis wird damit weniger abhängig von Verkaufserfolgen.
  • Kostensenkung trägt die Marge. Personalkosten im ersten Halbjahr 2026 um 13,3 Prozent niedriger, Vollzeitkräfte von 870 auf 800. Die EBITDA-Marge stieg dadurch von 21,5 auf 31,6 Prozent – bei praktisch unveränderter Gesamtleistung.
  • Performance fees und Dawonia als Ergebnistreiber. Performance fees +16,8 Prozent auf 13,2 Millionen Euro, dazu eine performanceabhängige Shareholder-Vergütung aus Dawonia von 12,2 Millionen Euro und Erträge aus abgelaufenen Verpflichtungen von 6,0 Millionen Euro nach 3,1 Millionen Euro.
  • Infrastruktur als Wachstumsachse. Infrastruktur machte zum 31.12.2025 8,1 Milliarden Euro beziehungsweise 14,4 Prozent des verwalteten Vermögens aus, zum 30.06.2026 rund 10,3 Milliarden Euro – bei allerdings geänderter Gliederung.
  • Breite Kundenbasis. Mehr als 550 institutionelle und mehr als 7.000 semiprofessionelle beziehungsweise private Investoren, mehr als 100 Fonds, 26 Standorte, 129 Tochtergesellschaften.
  • Starke Bilanz als Handlungsspielraum. Eigenkapitalquote ohne Minderheiten von 65,3 Prozent zum 30.06.2026, Net Equity Ratio 72,7 Prozent, Bilanzsumme 1.718,0 Millionen Euro – für einen Asset Manager eine hohe Eigenkapitalbasis.
  • Gegenläufig: das verwaltete Vermögen stagniert. 55,9 Milliarden Euro zum 30.06.2026 nach 55,9 Milliarden Euro ein Jahr zuvor, 56,2 Milliarden Euro zum 31.12.2025 und 56,4 Milliarden Euro zum 31.12.2024. Da die Management fees direkt am verwalteten Vermögen hängen, begrenzt das die wiederkehrende Erlösbasis – sichtbar im Rückgang der Management fees um 2,8 Prozent.

Welche Risiken das Unternehmen selbst nennt

  • Quellenlage. Der eigentliche Risikobericht des Geschäftsberichts 2025 mit Bewertungsskala und Einzelrisiken ließ sich maschinell nicht auslesen; die Textextraktion bricht vor diesem Kapitel ab. Eine unternehmenseigene Bewertungsskala mit Eintrittswahrscheinlichkeit, Schadenshöhe und Risikoklassen kann daher nicht belegt wiedergegeben werden. Die folgenden Punkte sind die belegbaren eigenen Risikoaussagen.
  • Klimabezogene Risiken aus der doppelten Wesentlichkeitsanalyse. PATRIZIA nennt höhere Betriebs- und Investitionskosten zur Einhaltung sich verschärfender Klima- und Energieeffizienzvorgaben, mögliche Bußgelder, verzögerte Genehmigungen oder Non-Compliance, höhere Betriebs- und Instandhaltungskosten durch häufigere oder schwerere chronische Klimabedingungen wie Hitzestress, Dürre und Meeresspiegelanstieg sowie einen möglichen Verlust von Erträgen oder Objektwerten, wenn Standorte durch Klimafolgen weniger nutzbar werden.
  • Bewertungsrisiken. Im ersten Halbjahr 2026 fiel ein nicht zahlungswirksamer Fair-Value-Verlust auf Investment Property von 4,0 Millionen Euro an, nach null im Vorjahreszeitraum.
  • Forderungsausfall. Eine Wertberichtigung von 1,7 Millionen Euro nach 0,1 Millionen Euro, im Wesentlichen auf eine Einzelforderung.
  • Verpflichtungen aus den Dawonia-Put-Optionen. Die erste von fünf Optionen wurde ausgeübt; der Festpreis von 49,3 Millionen Euro ist als Verbindlichkeit erfasst, der anteilige Earn-out beträgt 29,5 Millionen Euro. Vier Optionen sind noch offen.
  • Zinsaufwand. Dieser lag nach einer Refinanzierung im ersten Halbjahr 2025 höher.
  • Chancen, die PATRIZIA selbst nennt. Aus der Wesentlichkeitsanalyse: geringerer Energieverbrauch und niedrigere Betriebskosten und dadurch höheres Net Operating Income, Bewertungsaufschläge für effiziente und klimakonforme Objekte, besserer Kapitalzugang, weil Investoren glaubwürdige Dekarbonisierungspfade bevorzugen, und günstigere Versicherungskonditionen durch höhere Klimaresilienz.
  • Governance. Das Board of Directors berichtet über „significant progress“ im Risikomanagementsystem; eine Skala oder Einzeleinstufungen enthält der ausgewertete Abschnitt nicht.

Wettbewerb

Namentliche Wettbewerber nennt PATRIZIA in den ausgewerteten Primärquellen nicht, Marktanteile veröffentlicht das Unternehmen ebenfalls nicht.

Die Selbstpositionierung lautet „leading European independent real asset investment manager“. Bemerkenswert daran: PATRIZIA stützt diese Einordnung ausdrücklich auf eine externe Rangliste, das IPE Real Assets Top 150 Ranking mit Stand 13.11.2025, gemessen am verwalteten Vermögen und ohne Real Estate Operating Companies. Das ist die einzige relative Positionsangabe des Unternehmens.

Im Unternehmensprofil bezeichnet sich PATRIZIA als „a leading partner for investments in global real assets“ und verweist darauf, seit 1984 zu investieren.

Als Größenargumente nennt das Unternehmen 56,2 Milliarden Euro verwaltetes Vermögen zum 31.12.2025, 816 Vollzeitkräfte an 26 Standorten, mehr als 550 institutionelle Kunden und mehr als 100 Fonds. Zum Marktumfeld beschreibt der Geschäftsbericht 2025 ein „started stabilising“ der Immobilienmärkte mit langsam zurückkehrenden positiven Investmentrenditen und ordnet die Strategie vier Megatrends zu: Digital, Urban, Energy und Living Transitions.

Termine

DatumEreignis
22.10.2026ODDO BHF Autumn Round Table, Frankfurt
02.11.2026PATRIZIA Roadshow, Kopenhagen
09.11.2026Quartalsmitteilung 9M 2026
10.11.2026Investoren- und Analystenkonferenz zu 9M 2026
23.–25.11.2026German Equity Forum der Deutschen Börse, Frankfurt

Fazit

Die Ergebnisverbesserung 2026 kommt überwiegend von der Kostenseite, nicht vom Wachstum. Die Gesamtleistung im ersten Halbjahr lag mit 125,6 Millionen Euro praktisch auf Vorjahresniveau, die Management fees sanken um 2,8 Prozent. Dass das EBITDA um 46,6 Prozent und das Vorsteuerergebnis um 144,9 Prozent zulegten, erklärt sich vor allem durch 13,3 Prozent niedrigere Personalkosten, 70 Vollzeitkräfte weniger, höhere Performance fees und Sonderersträge – 6,0 Millionen Euro aus abgelaufenen Verpflichtungen und 12,2 Millionen Euro Shareholder-Vergütung aus Dawonia. Die Qualität dieser Verbesserung ist damit gemischt: struktureller Kostenabbau plus erfolgsabhängige und einmalige Komponenten.

Das verwaltete Vermögen ist die eigentliche Schlüsselgröße – und es stagniert. 55,9 Milliarden Euro zum 30.06.2026 nach 56,2 Milliarden Euro zum Jahresende 2025 und 56,4 Milliarden Euro ein Jahr davor. Da die Management fees direkt daran hängen, begrenzt die Stagnation die wiederkehrende Erlösbasis. Genau das zeigt die Prognosekorrektur zum Halbjahr: Die Gebührenerlöse insgesamt sollen nunmehr stabil bleiben statt moderat zu steigen. Gegenüber dem Ziel von mehr als 100 Milliarden Euro bis 2030 ergibt sich eine große Lücke. Welche Nettokapitalzuflüsse pro Jahr dafür nötig wären und welcher Anteil organisch, welcher über Zukäufe erreicht werden soll, veröffentlicht PATRIZIA nicht – belegt ist nur das Eigenkapital-Einsammelziel von 30 Milliarden Euro für 2024 bis 2030.

Die Bilanz ist auffällig konservativ, bindet aber Kapital im eigenen Buch. Eine Eigenkapitalquote von 65,3 Prozent und eine Net Equity Ratio von 72,7 Prozent sind für einen Asset Manager eine hohe Eigenkapitalbasis. Der Grund ist das Segment Balance Sheet Investments mit Co-Investments und Seed-Kapital – allein im Bereich Residential 5,15 Milliarden Euro und in der Infrastruktur 2,24 Milliarden Euro allokiertes Kapital. Dieses Segment trug im ersten Halbjahr ein EBITDA von 5,8 Millionen Euro, aber ein negatives Vorsteuerergebnis von −3,4 Millionen Euro nach +1,9 Millionen Euro. Daraus ergibt sich die Frage: Rechtfertigt der Ergebnisbeitrag der eigenen Bilanzinvestments das dort gebundene Kapital, oder wäre eine Rückführung an die Aktionäre die effizientere Verwendung?

Die Dividende übersteigt derzeit das zurechenbare Ergebnis. 0,36 Euro je Aktie beziehungsweise 31,2 Millionen Euro Ausschüttung stehen einem 2025 auf die Anteilseigner der Muttergesellschaft entfallenden Konzernergebnis von 18,0 Millionen Euro gegenüber. Begründet wird das mit den starken Bilanzrelationen – eine formale Ausschüttungspolitik veröffentlicht PATRIZIA nicht. Offen bleibt, wie lange sich die Serie von Erhöhungen aus der Substanz tragen lässt, wenn das verwaltete Vermögen nicht wächst.

Zur Transparenz: Die Aktienzahl erscheint in drei unterschiedlichen Varianten zwischen Aktienseite, Hauptversammlungseinberufung und Halbjahresbericht, ohne dass die Differenz erläutert wird. Die Gliederung des verwalteten Vermögens wechselte zwischen Jahres- und Halbjahresbericht von drei auf zwei Anlageklassen, weshalb die Prozentwerte nicht direkt vergleichbar sind. Und der Geschäftsbericht 2025 nennt Definitionsanpassungen von 16,2 und 313,4 Millionen Euro beim verwalteten Vermögen – dessen Veränderungen sind also nicht vollständig organisch. Keiner dieser Punkte ändert die Kernaussagen, aber jede Einzelzahl sollte gegen die Berichte geprüft werden.

Fragen und Antworten

Was macht die PATRIZIA SE?

PATRIZIA ist ein Investmentmanager für Real Assets. Das Unternehmen legt Fonds und Mandate für institutionelle und private Investoren auf, investiert für diese in Immobilien und Infrastruktur und verdient daran laufende und erfolgsabhängige Gebühren. Daneben hält es eigene Bilanzinvestments. Zum 30.06.2026 verwaltete PATRIZIA 55,9 Milliarden Euro.

In welchem Index ist die PATRIZIA Aktie?

PATRIZIA ist SDAX-Mitglied und notiert im Prime Standard. Das Unternehmen nennt zusätzlich unter anderem MSCI World Small Cap, CDAX, Prime All Share, DAXsector Financial Services und Solactive DIMAX Deutschland. Die Erstnotiz war am 31.03.2006.

Wie verdient PATRIZIA Geld?

Über vier Erlösarten. Management fees sind laufende Verwaltungsgebühren auf das verwaltete Vermögen und die wichtigste Quelle – 110,2 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2026. Transaction fees fallen bei An- und Verkäufen an, Performance fees sind erfolgsabhängig, und hinzu kommen Nettoverkaufserlöse und das Ergebnis der eigenen Co-Investments.

Wie viel Dividende zahlt PATRIZIA?

Für 2025 wurden 0,36 Euro je Aktie gezahlt, nach 0,35 Euro für 2024 – nach eigener Angabe die achte Erhöhung in Folge. Auszahlungstag war der 15.06.2026, die Gesamtausschüttung betrug rund 31,2 Millionen Euro. Eine Ausschüttungsquote und eine formale Dividendenpolitik veröffentlicht PATRIZIA nicht.

Warum ist der Gewinn 2026 so stark gestiegen?

Nicht durch Wachstum. Die Gesamtleistung lag im ersten Halbjahr praktisch auf Vorjahresniveau und die Management fees sanken um 2,8 Prozent. Der EBITDA-Anstieg um 46,6 Prozent kommt aus 13,3 Prozent niedrigeren Personalkosten, 70 Vollzeitkräften weniger, höheren Performance fees und Sondererlösen – darunter 12,2 Millionen Euro Shareholder-Vergütung aus Dawonia.

Was bedeutet AUM bei PATRIZIA?

AUM steht für Assets under Management, also das verwaltete Vermögen. Es ist die zentrale Größe, weil die laufenden Verwaltungsgebühren direkt daran hängen. Zum 30.06.2026 lag es bei 55,9 Milliarden Euro – unverändert gegenüber dem Vorjahr und leicht unter den 56,2 Milliarden Euro zum Jahresende 2025.

Was will PATRIZIA bis 2030 erreichen?

Zwei quantifizierte Ziele: mehr als 100 Milliarden Euro verwaltetes Vermögen bis 2030 und das Einsammeln von 30 Milliarden Euro Eigenkapital im Zeitraum 2024 bis 2030. Gegenüber dem aktuellen Stand von 55,9 Milliarden Euro ist das eine erhebliche Lücke; wie sie geschlossen werden soll, veröffentlicht das Unternehmen nicht im Detail.

Wer ist größter Aktionär von PATRIZIA?

Größter Aktionär ist der Gründer Wolfgang Egger, der den überwiegenden Teil seines Anteils über die First Capital Partner GmbH hält. Prozentangaben veröffentlicht PATRIZIA auf der Aktienseite nur grafisch, nicht im Text; eine Streubesitzquote nennt das Unternehmen nicht.

Quellen

  • PATRIZIA SE, Financial Report H1 2026 (veröffentlicht 10.08.2026)
  • PATRIZIA SE, Annual Report 2025
  • PATRIZIA SE, Quarterly Statement 3M 2026
  • PATRIZIA SE, Einberufung der Hauptversammlung 2026 und Abstimmungsergebnisse
  • PATRIZIA SE, Investor Relations: Share, Voting Rights Notifications, Events for Shareholders
  • PATRIZIA SE, Unternehmensprofil auf dem IR-Portal
  • Deutsche Börse, Konstituentendaten SDAX

Stand der Daten: 14. Oktober 2026. Dieser Beitrag ist eine Einordnung öffentlich verfügbarer Unternehmensangaben und keine Anlageempfehlung.