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Serverschrank mit leuchtenden Glasfaserkabeln in einem dunklen Rechenzentrum
Aktie im Porträt

secunet Aktie: Der Cybersecurity-Spezialist aus Essen im Portrait

secunet Security Networks aus Essen verkauft hochsichere IT-Produkte – vor allem Appliances aus Hard- und Software – plus Beratung, Integration, Sicherheitsanalysen, Trainings und Betrieb. Das Unternehmen bezeichnet sich als „Deutschlands führendes Cybersecurity-Unternehmen“ und beschäftigte zum 30.06.2026 1.226 festangestellte Mitarbeiter.

Entscheidend für die Preissetzung sind nationale Zulassungen: Die Netzkomponenten sind durch das BSI bis zu den höchsten nationalen Geheimhaltungsgraden zugelassen, SINA Cloud bis zum Grad „GEHEIM“. Das macht den öffentlichen Sektor zum Kerngeschäft – im ersten Halbjahr 2026 stammten rund 94 Prozent des Umsatzes daraus.

Das Halbjahr 2026 zeigt zwei gegenläufige Bewegungen: einen Auftragseingang, der um 78,7 Prozent zulegte, und einen operativen Cashflow von −60,1 Millionen Euro, der die Zahlungsmittel von 87,4 auf 6,9 Millionen Euro abschmelzen ließ. Dieses Portrait fasst zusammen, was secunet selbst dazu veröffentlicht.

Unternehmensprofil

Firmennamesecunet Security Networks AG
SitzKurfürstenstraße 58, 45138 Essen
RechtsformAktiengesellschaft mit Vorstand und Aufsichtsrat
HandelsregisterAmtsgericht Essen, HRB 13615
HistorieDer Geschäftsbericht 2025 formuliert „Seit über 25 Jahren“; ein Gründungsjahr nennt das Unternehmen nicht
BrancheCybersecurity und IT-Sicherheit
SegmentePublic Sector (mit Public Authorities, Defence & Space, Homeland Security) und Business Sector
Mitarbeiter1.226 Festangestellte zum 30.06.2026 (Vorjahr 1.115), zusätzlich 122 Aushilfen
VorstandMarc-Julian Siewert (CEO, seit 01.07.2025), Torsten Henn (COO), Dr. Kai Martius (CTO), Jessica Nospers (CFO)
AufsichtsratsvorsitzDr. Ralf Wintergerst
ISINDE0007276503
WKN727650
TickerYSN
IndexSDAX; Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse
Grundkapital6.500.000 Euro
Aktienzahl6.469.502 Inhaberaktien im Umlauf, zusätzlich 30.498 eigene Aktien
GroßaktionärGiesecke+Devrient GmbH, München: 75,12 Prozent – Großaktionär seit 2004
Streubesitz24,41 Prozent
GeschäftsjahrKalenderjahr
Websitesecunet.com

Kursverlauf

Der Chart zeigt den Wochenverlauf der fünf Jahre. Kursdaten über TradingView.

Das Geschäftsmodell

secunet verdient mit hochsicheren IT-Produkten und den dazugehörigen Dienstleistungen. Der Geschäftsbericht 2025 beschreibt die Kombination aus Produkten und Beratung für „widerstandsfähige digitale Infrastrukturen“ sowie den Schutz von Daten, Anwendungen und digitalen Identitäten.

Die eigentliche Markteintrittsbarriere sind die Zulassungen. Die Netzkomponenten sind durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik bis zu den höchsten nationalen Geheimhaltungsgraden zugelassen; SINA Cloud ist bis zum Geheimhaltungsgrad „GEHEIM“ zugelassen. Ohne diese Zulassungen ist das Geschäft mit Behörden und Streitkräften nicht zugänglich.

Berichtet wird in zwei Segmenten, die derzeit stark auseinanderlaufen. Der Public Sector erzielte im ersten Halbjahr 2026 192,7 Millionen Euro Umsatz (+29,4 Prozent) und ein EBIT von 13,9 Millionen Euro nach 9,8 Millionen Euro. Der Business Sector schrumpfte um 47,4 Prozent auf 12,0 Millionen Euro Umsatz und verlor 5,3 Millionen Euro nach −2,6 Millionen Euro im Vorjahr. Das Unternehmen führt das auf eine schwächere Hardwarenachfrage im Gesundheitssektor zurück.

Der Public Sector steht damit für rund 94 Prozent des Konzernumsatzes im ersten Halbjahr. Im Geschäftsjahr 2025 lag der Public-Sector-Umsatz bei 412,2 Millionen Euro von 458,8 Millionen Euro Konzernumsatz; der Lagebericht nennt für die öffentliche Kundengruppe rund 89,8 Prozent des Konzernumsatzes 2025.

Regional entfielen im ersten Halbjahr 2026 179,3 Millionen Euro oder rund 87,6 Prozent auf Deutschland (+16,8 Prozent) und 25,4 Millionen Euro oder rund 12,4 Prozent auf das Ausland (+39,4 Prozent).

Zum Produktportfolio nennt der Geschäftsbericht 2025 SINA zur Netzverschlüsselung einschließlich SINA Cloud, HPE Private Cloud AI mit NVIDIA, den Highspeed-Konnektor 2.0 und das TI-Gateway für das Gesundheitswesen, Post-Quanten-Kryptografie, secunet edge für die Industrie sowie Grenzkontrollsysteme wie easygate, easykiosk, easytower, bocoa und easyserver.

Kunden im Public Sector sind Behörden, Verwaltungen und Streitkräfte im In- und Ausland, im Business Sector Unternehmen aus Industrie und Gesundheitswesen. Nach Angabe der Halbjahrespräsentation stellte allein die Kundengruppe Public Authorities die Hälfte des gesamten Auftragseingangs des Halbjahres. Eine Quote wiederkehrender Umsätze weist secunet nicht aus.

Die zuletzt gemeldeten Zahlen

Letzte berichtete Periode ist das erste Halbjahr 2026, veröffentlicht am 13.08.2026. Alle Werte in Millionen Euro, sofern nicht anders angegeben. Wichtig für die Einordnung: secunet hat ein ausgeprägt starkes viertes Quartal – die Halbjahresmarge ist deshalb nicht auf das Jahr hochzurechnen.

KennzahlH1 2026 (Mio. Euro)H1 2025 (Mio. Euro)Veränderung
Umsatzerlöse204,7171,7+19,2 %
EBITDA19,216,7+15,5 %
EBIT8,77,2+20,4 %
EBIT-Marge4,2 %4,2 %unverändert
Konzernperiodenergebnis5,95,0+17,3 %
Ergebnis je Aktie0,91 Euro0,77 Euro+18,2 %
Auftragseingang287,4160,8+78,7 %
Auftragsbestand360,8278,9*+29,4 %
Book-to-Bill1,4x0,9x–
Operativer Cashflow−60,1−9,0–
Investitionen6,82,4+186 %
Zahlungsmittel6,987,4*−92,1 %
Eigenkapital156,4167,0*−6,3 %
Eigenkapitalquote36,8 %40,7 %*−3,9 Pp
Mitarbeiter (Festangestellte)1.2261.115+10,0 %

* Auftragsbestand, Zahlungsmittel und Bilanzkennzahlen sind gegen den 31.12.2025 verglichen. Im zweiten Quartal 2026 allein lag der Umsatz bei 122,9 Mio. Euro (+31,6 Prozent), das EBITDA bei 17,9 Mio. Euro (+77,6 Prozent), das EBIT bei 12,6 Mio. Euro (+134,1 Prozent) und das Konzernergebnis bei 8,1 Mio. Euro (+118,2 Prozent). Zum Vergleich das Geschäftsjahr 2025: Umsatz 458,8 Mio. Euro nach 406,4 Mio. Euro (+13 Prozent), EBITDA 74,9 Mio. Euro (+24 Prozent), EBIT 51,6 Mio. Euro (+21 Prozent), Konzernergebnis 33,3 Mio. Euro (+19 Prozent), Ergebnis je Aktie 5,15 Euro nach 4,32 Euro, Auftragseingang 531,9 Mio. Euro, Auftragsbestand 278,9 Mio. Euro nach 205,3 Mio. Euro (+36 Prozent). Der auffälligste Punkt des Halbjahres ist der operative Cashflow von −60,1 Mio. Euro. Die Halbjahrespräsentation begründet den Rückgang der Zahlungsmittel von 87,4 auf 6,9 Mio. Euro unter anderem mit höheren Vorräten für Lieferungen im zweiten Halbjahr sowie der Dividendenzahlung. Eine Nettoverschuldung oder Nettoliquidität weist secunet nicht als Kennzahl aus. Hinweis zur Quelle: Der Lagebericht nennt den Business-Sector-Rückgang an einer Stelle mit 47,5 und in der Tabelle mit 47,4 Prozent. Die Halbjahrespräsentation weist im Cashflow-Überblick eine Dividendenzahlung von 42,1 Mio. Euro aus, während die Dividendenbekanntmachung bei 2,58 Euro je Aktie auf 6.469.502 Aktien rund 16,69 Mio. Euro ergibt; die Differenz wird in keiner der beiden Quellen erklärt. Und der Halbjahresfinanzbericht ist von vier Vorständen unterzeichnet, während das Impressum der Website nur drei nennt.

Prognose für das laufende Geschäftsjahr

Die Prognose für 2026 wurde am 30.03.2026 mit dem Geschäftsbericht 2025 und der Analystenkonferenz abgegeben. Der Wortlaut aus dem Vorwort des Vorstands: „Für das Geschäftsjahr 2026 erwarten wir daher eine Fortsetzung unseres Wachstumskurses mit einem angestrebten Konzernumsatz zwischen 460 und 500 Mio. Euro.“ Ergänzend nennt das Unternehmen ein EBITDA von 76 bis 84 Millionen Euro und ein EBIT von 53 bis 58 Millionen Euro.

Am 05.05.2026 wurde die Prognose mit der Quartalsmitteilung unverändert bestätigt. Am 13.08.2026 bestätigte und konkretisierte secunet sie: „Der Vorstand geht für das Jahr 2026 unverändert von einem Anstieg des Konzernumsatzes auf 460 – 500 Mio. Euro aus“ – mit der Konkretisierung, dass ein Wert am oberen Ende der Spanne erwartet wird. Die Ergebnisziele blieben unverändert.

Die entscheidende Rechnung dazu: Nach sechs Monaten stehen 8,7 Millionen Euro EBIT gegenüber einer Jahresprognose von 53 bis 58 Millionen Euro. Rund 85 Prozent des erwarteten Jahresergebnisses müssen also im zweiten Halbjahr entstehen. Historisch hat secunet das geliefert – 2025 wurden 51,6 Millionen Euro EBIT erreicht –, aber die Prognosesicherheit hängt an wenigen Großlieferungen. Wie viel des Auftragsbestands für das vierte Quartal fest terminiert ist und wie viel in 2027 rutschen kann, veröffentlicht das Unternehmen nicht.

Quantifizierte Mittelfristziele veröffentlicht secunet in den ausgewerteten Unterlagen nicht; die Halbjahrespräsentation enthält keine Mehrjahresziele.

Dividende

Für das Geschäftsjahr 2025 beschloss die Hauptversammlung am 08.06.2026 eine Dividende von 2,58 Euro je Aktie. Fällig wird sie jeweils am dritten Geschäftstag nach dem Beschluss, rechnerisch also am 11.06.2026; Zahlstelle ist die Commerzbank in Frankfurt. Die Gesamtausschüttung beträgt rechnerisch 16.691.315,16 Euro.

Die Historie: 2,58 Euro für 2025, 2,73 Euro für 2024 (Hauptversammlung 28.05.2025), 2,36 Euro für 2023 (23.05.2024) und 2,86 Euro für 2022 (31.05.2023). Die Dividende schwankt also, ohne einem Trend zu folgen.

Der Grund dafür ist die Ausschüttungspraxis: In allen vier dokumentierten Jahren wurde der vollständige Bilanzgewinn der AG ausgeschüttet – Einstellungen in Gewinnrücklagen und Gewinnvortrag betrugen jeweils 0,00 Euro. Die Dividende folgt damit dem HGB-Ergebnis der Einzelgesellschaft und nicht linear dem Konzernergebnis. Sichtbar wird das 2025: Die Dividende sank auf 2,58 Euro, obwohl das Ergebnis je Aktie im Konzern auf 5,15 Euro stieg.

Rechnerisch ergibt sich für 2025 eine Ausschüttungsquote von rund 50 Prozent des Konzernergebnisses je Aktie. Eine Quote weist das Unternehmen nicht aus, und eine formulierte Dividendenpolitik mit Zielquote veröffentlicht secunet in den ausgewerteten Unterlagen ebenfalls nicht.

In den dokumentierten Jahren 2022 bis 2025 gab es keine Aussetzung. Ein laufendes Aktienrückkaufprogramm ist in den ausgewerteten Unterlagen nicht dokumentiert; das Unternehmen hält 30.498 eigene Aktien, entsprechend 0,47 Prozent des Grundkapitals.

Was das Geschäft antreibt

  • Auftragsmomentum im öffentlichen Sektor. Der Auftragseingang stieg im ersten Halbjahr 2026 auf 287,4 Millionen Euro nach 160,8 Millionen Euro – ein Plus von 78,7 Prozent. Die Book-to-Bill-Ratio verbesserte sich von 0,9x auf 1,4x.
  • Auftragsbestand als Umsatzpuffer. 360,8 Millionen Euro zum 30.06.2026 nach 278,9 Millionen Euro zum Jahresende 2025 und 205,3 Millionen Euro Ende 2024 – auf Sicht der Stichtage eine Verdoppelung in zwei Jahren.
  • Defence & Space und Homeland Security. Der Geschäftsbericht 2025 nennt diese beiden Bereiche ausdrücklich als Treiber des Public-Sector-Umsatzes von 412,2 Millionen Euro; im Halbjahr 2026 gilt das ebenso.
  • Konzentration auf eine zahlungsstarke Kundengruppe. Rund 89,8 Prozent des Konzernumsatzes 2025 stammten aus dem öffentlichen Sektor, im ersten Halbjahr 2026 rund 94 Prozent.
  • Zulassungen als Markteintrittsbarriere. BSI-Zulassungen der Netzkomponenten bis zu den höchsten nationalen Geheimhaltungsgraden, SINA Cloud zugelassen bis „GEHEIM“.
  • Internationalisierung aus kleiner Basis. Das Auslandsgeschäft wuchs im ersten Halbjahr um 39,4 Prozent auf 25,4 Millionen Euro, Deutschland um 16,8 Prozent auf 179,3 Millionen Euro.
  • Kapazitätsaufbau. Die Zahl der Festangestellten stieg von 1.059 Ende 2024 über 1.171 Ende 2025 auf 1.226 zum 30.06.2026; die Investitionen wuchsen im Halbjahr von 2,4 auf 6,8 Millionen Euro.

Welche Risiken das Unternehmen selbst nennt

  • Eigene Bewertungsskala. secunet bewertet qualitativ und netto, also nach Berücksichtigung bereits eingeleiteter Maßnahmen; Bruttowerte gibt das Unternehmen nicht an. Risiken und Chancen mit einem wahrscheinlichkeitsgewichteten EBIT-Effekt unter rund 0,8 Millionen Euro gelten als geringes Risiko, bis rund 2,8 Millionen Euro als mittleres Risiko, darüber als hohes Risiko – was eine Berichtspflicht auslöst.
  • Lieferantenrisiko – das einzige höher eingestufte. Für Hochsicherheitskomponenten sind Single-Source-Lieferanten zugelassen. Dieses Risiko bezeichnet secunet selbst als „sehr bedeutsam“; es ist das höchste Prädikat im gesamten Risikobericht. Wie groß der Anteil des Umsatzes ist, der an zugelassenen Einzelquellen hängt, quantifiziert das Unternehmen nicht.
  • Absatzrisiken. Verzögerungen bei großen Projekten des öffentlichen Sektors, zum Beispiel durch Budgetkürzungen der Kunden. Dagegen rechnet das Unternehmen Absatzchancen aus neuen oder erweiterten Projekten.
  • Produktrisiken – gering. Vor allem Entwicklungsverzögerungen und längere Zulassungszeiten für neue Produkte.
  • Produktsicherheitsrisiken – gering. Unentdeckte Schwachstellen; Kunden werden nach eigener Angabe zeitnah informiert, das BSI wird eingebunden.
  • Projektrisiken – gering. Budgetüberschreitungen bei großen und langlaufenden Projekten; zum Jahresende 2025 bestanden nach Unternehmensangabe keine wesentlichen Projektrisiken.
  • Strukturrisiken. Möglicher Abschreibungsbedarf auf Vorräte und sonstige außerplanmäßige Kosten – laut Bericht durch Strukturchancen überkompensiert.
  • Strategische Risiken. Markt- und Technologiedruck sowie Wettbewerb, gegengerechnet mit Marktwachstumschancen. Der Wettbewerbsdruck steige, weil der IT-Sicherheitsmarkt attraktiv sei.
  • Lieferengpässe und Fachkräftemangel. Beide werden ausdrücklich als Risiko benannt; Lieferengpässe werden über das Supply-Chain-Management adressiert.
  • Makroökonomische Risiken. Werden als nicht wesentlich eingeschätzt.
  • Geopolitisches Risiko. Der Lagebericht 2025 hält fest: „Seit dem 28. Februar 2026 besteht ein bewaffneter Konflikt unter Beteiligung der USA, Israels und Irans.“ Stand Mitte März 2026 waren keine spezifischen wesentlichen Risiken identifiziert, eine abschließende Bewertung war nach eigener Angabe noch nicht möglich.

Wettbewerb

secunet veröffentlicht in den ausgewerteten Primärquellen keine namentliche Wettbewerberliste und keine Marktanteile. Die Halbjahrespräsentation 2026 nennt keine Wettbewerber und enthält keine Aussagen zum Wettbewerbsumfeld.

Zur eigenen Position heißt es im Geschäftsbericht 2025: „secunet ist Deutschlands führendes Cybersecurity-Unternehmen“; der Lagebericht formuliert zurückhaltender und beschreibt das Unternehmen als eines der führenden deutschen Cybersecurity-Unternehmen.

Als Differenzierung führt secunet die BSI-Zulassungen der Netzkomponenten bis zum höchsten nationalen Geheimhaltungsgrad und die starke Public-Sector-Ausrichtung an. Zum Wettbewerbsumfeld selbst sagt der Lagebericht nur, der Wettbewerbsdruck steige, weil der IT-Sicherheitsmarkt attraktiv sei.

Statt Wettbewerbsvergleichen nennt das Unternehmen Partnerschaften: Cloudflare, SINA Cloud in Rechenzentren der Telekom sowie HPE und NVIDIA.

Termine

DatumEreignis
12.11.2026Konzernquartalsmitteilung zum 30. September 2026
23.11.2026Deutsches Eigenkapitalforum, Frankfurt
30.11.2026Berenberg European Conference, London

Fazit

Das Halbjahr 2026 zeigt zwei gegenläufige Bewegungen, die man nicht vermischen sollte. Operativ wächst secunet schneller als lange zuvor: 19,2 Prozent Umsatzplus im Halbjahr, 31,6 Prozent im zweiten Quartal, und ein Auftragseingang, der mit 287,4 Millionen Euro fast 79 Prozent über dem Vorjahr liegt. Der Auftragsbestand von 360,8 Millionen Euro deckt bei einer Jahresprognose von 460 bis 500 Millionen Euro einen erheblichen Teil des Umsatzes der nächsten Quartale ab. Gleichzeitig ist die Mittelbindung massiv gestiegen: Der operative Cashflow fiel auf −60,1 Millionen Euro, die Zahlungsmittel von 87,4 auf 6,9 Millionen Euro, die Eigenkapitalquote von 40,7 auf 36,8 Prozent. Das Unternehmen nennt dafür höhere Vorräte für Lieferungen im zweiten Halbjahr und die Dividendenzahlung. Offen bleibt die Frage: Löst sich dieser Working-Capital-Aufbau im vierten Quartal, wie die Begründung nahelegt, oder verschiebt er sich weiter?

Die Ertragsstruktur bleibt stark saisonal. Nach sechs Monaten stehen 8,7 Millionen Euro EBIT gegenüber einer Jahresprognose von 53 bis 58 Millionen Euro – rund 85 Prozent des erwarteten Jahresergebnisses müssen im zweiten Halbjahr entstehen. Historisch hat secunet das geliefert, 2025 mit 51,6 Millionen Euro EBIT. Die Prognosesicherheit hängt aber an wenigen Großlieferungen, und wie viel des Auftragsbestands fest für das vierte Quartal terminiert ist, veröffentlicht das Unternehmen nicht.

Die Segmentspreizung ist der zweite zentrale Punkt. Public Sector wächst mit 29,4 Prozent und erzielt 13,9 Millionen Euro EBIT, der Business Sector schrumpft um 47,4 Prozent und verliert 5,3 Millionen Euro nach −2,6 Millionen Euro im Vorjahr. Das Unternehmen führt das auf eine schwächere Hardwarenachfrage im Gesundheitssektor zurück. Damit trägt der öffentliche Sektor rechnerisch mehr als das gesamte Konzernergebnis. Ist der Business Sector ein strategischer Zugang zu Industriekunden, den man durch die Delle hindurch finanziert, oder ein Kandidat für Restrukturierung? Die ausgewerteten Unterlagen äußern sich dazu nicht.

Strukturell prägend ist die Eigentümersituation. Giesecke+Devrient hält 75,12 Prozent, der Streubesitz beträgt 24,41 Prozent. Das bedeutet einen strategischen Mehrheitseigner mit eigener Sicherheitsagenda, aber auch eine dünne Handelsliquidität und begrenzten Einfluss der freien Aktionäre. Die Ausschüttungspraxis – in allen vier dokumentierten Jahren wurde der Bilanzgewinn der AG vollständig ausgekehrt – passt zu dieser Struktur. Sie führt allerdings dazu, dass die Dividende dem HGB-Ergebnis der Einzelgesellschaft folgt und nicht dem Konzernergebnis je Aktie: 2025 sank die Dividende auf 2,58 Euro, obwohl das Ergebnis je Aktie auf 5,15 Euro stieg.

Für die Beurteilung des Risikoprofils ist der eigene Risikobericht aufschlussreich, weil secunet dort fast alle Einzelrisiken als gering einordnet – mit einer Ausnahme: Das Lieferantenrisiko bei Single-Source-Zulieferern für Hochsicherheitskomponenten wird als „sehr bedeutsam“ bezeichnet. Für ein Unternehmen, dessen Hardware zertifiziert und damit nicht beliebig substituierbar ist, ist das konsistent. Wie groß der Umsatzanteil ist, der an zugelassenen Einzelquellen hängt, quantifiziert secunet nicht.

Fragen und Antworten

Was macht secunet?

secunet verkauft hochsichere IT-Produkte – vor allem Appliances aus Hard- und Software – plus Beratung, Integration, Sicherheitsanalysen, Trainings und Betrieb. Zum Portfolio gehören SINA zur Netzverschlüsselung, Komponenten für die Telematikinfrastruktur im Gesundheitswesen, Post-Quanten-Kryptografie und Grenzkontrollsysteme. Kunden sind überwiegend Behörden und Streitkräfte.

In welchem Index ist die secunet Aktie?

secunet ist SDAX-Mitglied und notiert im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse. Designated Sponsor ist die ODDO BHF.

Wem gehört secunet?

Großaktionär ist die Giesecke+Devrient GmbH aus München mit 75,12 Prozent – und das bereits seit 2004. Der Streubesitz beträgt 24,41 Prozent, das Unternehmen hält zusätzlich 0,47 Prozent eigene Aktien.

Warum war der Cashflow im ersten Halbjahr 2026 so stark negativ?

Der operative Cashflow lag bei −60,1 Millionen Euro nach −9,0 Millionen Euro im Vorjahr; die Zahlungsmittel sanken von 87,4 auf 6,9 Millionen Euro. Das Unternehmen begründet das unter anderem mit höheren Vorräten für Lieferungen im zweiten Halbjahr sowie der Dividendenzahlung.

Wie viel Dividende zahlt secunet?

Für 2025 wurden 2,58 Euro je Aktie gezahlt, nach 2,73 Euro für 2024, 2,36 Euro für 2023 und 2,86 Euro für 2022. Die Dividende schwankt, weil secunet in allen dokumentierten Jahren den vollständigen Bilanzgewinn der AG ausgeschüttet hat – sie folgt damit dem HGB-Ergebnis der Einzelgesellschaft, nicht dem Konzernergebnis.

Warum ist die Halbjahresmarge so niedrig?

Weil secunet ein ausgeprägt starkes viertes Quartal hat. Nach sechs Monaten stehen 8,7 Millionen Euro EBIT gegenüber einer Jahresprognose von 53 bis 58 Millionen Euro – rund 85 Prozent des erwarteten Jahresergebnisses müssen also im zweiten Halbjahr entstehen. 2025 wurden am Ende 51,6 Millionen Euro EBIT erreicht.

Wie abhängig ist secunet vom öffentlichen Sektor?

Sehr. Im Geschäftsjahr 2025 stammten rund 89,8 Prozent des Konzernumsatzes aus dem öffentlichen Sektor, im ersten Halbjahr 2026 rund 94 Prozent. Der Business Sector mit Industrie- und Gesundheitskunden schrumpfte im Halbjahr um 47,4 Prozent und wies ein EBIT von −5,3 Millionen Euro aus.

Welches Risiko stuft secunet selbst am höchsten ein?

Das Lieferantenrisiko. Für Hochsicherheitskomponenten sind Single-Source-Lieferanten zugelassen – dieses Risiko bezeichnet das Unternehmen als „sehr bedeutsam“ und damit höher als alle anderen Einzelrisiken, die es überwiegend als gering einordnet.

Quellen

  • secunet Security Networks AG, Halbjahresfinanzbericht 2026 (veröffentlicht 13.08.2026)
  • secunet Security Networks AG, Geschäftsbericht 2025 (30.03.2026)
  • secunet Security Networks AG, Pressemitteilung und Präsentation zum Halbjahr 2026
  • secunet Security Networks AG, Lagebericht 2025 mit Risikobericht (Unterlage zur Hauptversammlung)
  • secunet Security Networks AG, Dividendenbekanntmachungen 2023 bis 2026
  • secunet Security Networks AG, Investor Relations: Die Aktie, Finanzkalender; Impressum
  • Deutsche Börse, Konstituentendaten SDAX

Stand der Daten: 14. Oktober 2026. Dieser Beitrag ist eine Einordnung öffentlich verfügbarer Unternehmensangaben und keine Anlageempfehlung.