Zertifikate: Arten, Risiken und wann sie sinnvoll sind

Startseite Zertifikate: Arten, Risiken und wann sie sinnvoll sind
von user
Bankberater erklärt einer Kundin anhand einer Skizze die Funktionsweise von Zertifikaten

Zertifikate sind Schuldverschreibungen einer Bank, deren Wert sich nach einem Basiswert richtet – einer Aktie, einem Index, einem Rohstoff oder einer Währung. Sie ermöglichen Strategien, die mit dem direkten Kauf nicht darstellbar wären, bringen aber ein zusätzliches Risiko mit.

Der entscheidende Unterschied zum Fonds

Ein Fonds ist Sondervermögen und bei Insolvenz der Gesellschaft geschützt. Ein Zertifikat ist das nicht: Es ist ein Kredit an die herausgebende Bank.

MerkmalZertifikatFonds oder ETF
RechtsformSchuldverschreibungSondervermögen
Insolvenz des AnbietersTotalverlust möglichgeschützt
Laufzeitoft begrenztunbegrenzt
Kostenim Preis enthalten, oft intransparentausgewiesene Kostenquote
Strategiensehr vielfältigauf den Index beschränkt

Wie real dieses Risiko ist, zeigte die Insolvenz der Investmentbank Lehman Brothers 2008. Anleger, die deren Zertifikate hielten, verloren ihr Geld – unabhängig davon, wie sich der Basiswert entwickelte.

Die wichtigsten Arten

ArtWie es funktioniertFür wen
Indexzertifikatbildet einen Index eins zu eins abAlternative zum ETF, selten sinnvoll
DiscountzertifikatKauf mit Abschlag, dafür Gewinnobergrenzeseitwärts laufende Märkte
BonuszertifikatBonus, solange eine Schwelle hältmoderate Erwartungen
Express-Zertifikatvorzeitige Rückzahlung bei erreichter Schwellefeste Zinsvorstellung
KapitalschutzRückzahlung des Nennwerts zugesichertsicherheitsorientiert, geringe Rendite
Hebelprodukteüberproportionale Bewegung in beide Richtungenkurzfristige Spekulation

Der Markt in Zahlen

Der deutsche Markt für strukturierte Wertpapiere umfasst rund 70 bis 80 Milliarden Euro. Die Verteilung überrascht viele, weil sie dem öffentlichen Bild widerspricht.

SegmentAnteil am MarktvolumenAnteil am Börsenumsatz
Anlageprodukterund 96 bis 97 Prozentetwa 14 Prozent
Hebelprodukterund 3 bis 4 Prozentetwa 86 Prozent

Das Geld liegt also fast vollständig in Anlagezertifikaten – vor allem in strukturierten Anleihen mit Zinsbindung, Express- und Kapitalschutzprodukten. Hebelprodukte machen nur einen Bruchteil des Bestands aus, dominieren aber den Handel, weil sie ständig gekauft und verkauft werden.

Innerhalb der Hebelprodukte entfallen rund 53 Prozent auf Knock-out-Papiere, 33 Prozent auf klassische Optionsscheine und knapp 9 Prozent auf Faktorzertifikate.

Die Emittenten

Zertifikate werden von Banken ausgegeben. Wer das Papier kauft, gibt dieser Bank faktisch einen Kredit – ihre Bonität ist deshalb die wichtigste Größe neben dem Basiswert.

EmittentSchwerpunkt
DZ BankMarktführer, stark bei Express-Zertifikaten
LBBWzweitgrößter Anbieter, Anlageprodukte
Deutsche Bankbreites Sortiment
DekaBankVertrieb über Sparkassen
CommerzbankHebelprodukte und Anlagezertifikate
BNP ParibasHebelprodukte
VontobelSchweizer Anbieter, breites Angebot
Société GénéraleHebelprodukte
UBSstrukturierte Produkte
Goldman Sachsinstitutionell geprägt
HSBCOptionsscheine
UniCreditAnlage- und Hebelprodukte

Die drei größten Häuser vereinen mehr als die Hälfte des Marktes auf sich. Zwei Emittenten haben sich in den vergangenen Jahren aus Deutschland zurückgezogen – ein Hinweis darauf, dass auch Anbieter verschwinden können.

Wie Emittenten verdienen

Anders als bei Fonds gibt es keine ausgewiesene Kostenquote. Die Marge steckt an drei Stellen:

Im Emissionspreis. Der rechnerische Wert des Produkts liegt am Ausgabetag unter dem Kaufpreis. Die Differenz ist die Marge des Emittenten.

In der Handelsspanne. Meist stellt nur die herausgebende Bank die Kurse. Ein Markt mit konkurrierenden Anbietern existiert nicht.

In den Bedingungen. Schwellen, Obergrenzen und Bewertungstage werden so kalkuliert, dass die statistische Erwartung zugunsten des Emittenten ausfällt.

Aufsicht und Regulierung

Die Finanzaufsicht beobachtet vor allem das Hebelsegment. 2026 kündigte sie Beschränkungen für den Vertrieb von Turbo-Zertifikaten an Privatanleger an – Vertrieb und Beratung müssen stärker dokumentiert werden.

Für Anlagezertifikate gelten seit Jahren Transparenzvorgaben: Jedes Produkt braucht ein Basisinformationsblatt mit Risikoeinstufung, Kostenangabe und Szenarien.

Diese Blätter sind der wichtigste Ausgangspunkt vor einem Kauf. Wer die Bedingungen darin nicht versteht, sollte das Produkt nicht erwerben.

Worauf man achten sollte

Der Emittent. Seine Bonität entscheidet über das Ausfallrisiko. Sie lässt sich an Ratings und am Risikoaufschlag ablesen.

Die Kosten. Sie stehen nicht als Prozentsatz dabei, sondern stecken im Preis – im Abstand zwischen An- und Verkaufskurs und in der Kalkulation des Produkts.

Die Bedingungen. Schwellen, Stichtage und Rückzahlungsregeln stehen im Basisinformationsblatt. Sie entscheiden über das Ergebnis und sind bei manchen Produkten komplex.

Der Handel. Oft stellt nur die herausgebende Bank die Kurse. Einen Markt mit mehreren Anbietern gibt es meist nicht.

Einordnung

Für den langfristigen Vermögensaufbau sind Zertifikate selten die erste Wahl. Ein breit streuender ETF erreicht dasselbe Ziel ohne Emittentenrisiko und mit ausgewiesenen Kosten – Vergleich im Beitrag Fonds oder ETF.

Sinnvoll sein können sie für Anleger mit einer konkreten Markterwartung, die sich anders nicht umsetzen lässt – etwa die Erwartung seitwärts laufender Kurse. Voraussetzung ist, dass man die Bedingungen versteht und das Ausfallrisiko bewusst trägt.

Marktübersicht: Wie sich das Marktvolumen verteilt, welche Emittenten es gibt und wo Zertifikate gehandelt werden, steht in der Zertifikate-Marktübersicht.

Wie stark Privatanleger gerade in Hebelprodukten auf steigende oder fallende Kurse setzen, zeigt das Euwax Sentiment der Börse Stuttgart.

Quellen

  • Basisinformationsblätter der Emittenten
  • Deutscher Derivate Verband – Produktkategorien
  • BaFin – Hinweise zu strukturierten Produkten

Stand: 27. September 2026. Keine Anlageberatung.