Der deutsche Markt für Zertifikate umfasst rund 70 bis 80 Milliarden Euro. Diese Übersicht zeigt, wie sich das Volumen verteilt, welche Produktarten es gibt, wer sie herausgibt und woran sich die Qualität eines Produkts ablesen lässt.
Die Aufteilung des Marktes
| Segment | Anteil am Volumen | Anteil am Handel | Charakter |
|---|---|---|---|
| Anlageprodukte | 96 bis 97 % | rund 14 % | langfristig gehalten |
| Hebelprodukte | 3 bis 4 % | rund 86 % | kurzfristig gehandelt |
Die Zahlen zeigen zwei getrennte Welten. In Anlagezertifikaten liegt praktisch das gesamte investierte Geld – sie werden gekauft und liegen gelassen. Hebelprodukte binden wenig Kapital, erzeugen aber den überwiegenden Teil der Börsenumsätze, weil sie täglich gehandelt werden.
Die Produktarten im Detail
Anlageprodukte
| Art | Wie es funktioniert | Wann es sich eignet | Risiko |
|---|---|---|---|
| Strukturierte Anleihe | fester oder gestufter Zins, Rückzahlung zum Nennwert | Zinserwartung, Kapitalerhalt | Emittentenausfall |
| Express-Zertifikat | vorzeitige Rückzahlung, wenn eine Schwelle hält | seitwärts bis leicht steigend | Verlust bei starkem Kursrückgang |
| Discountzertifikat | Kauf mit Abschlag, dafür Gewinnobergrenze | seitwärts laufende Märkte | wie Direktanlage unterhalb des Abschlags |
| Bonuszertifikat | Bonuszahlung, solange eine Schwelle hält | moderate Erwartungen | Schwellenbruch führt zu Direktanlage |
| Kapitalschutz | Rückzahlung des Nennwerts zugesichert | sicherheitsorientiert | geringe Rendite, Emittentenrisiko |
| Indexzertifikat | bildet einen Index eins zu eins ab | Alternative zum ETF | kein Sondervermögen |
Hebelprodukte
| Art | Anteil im Segment | Merkmal |
|---|---|---|
| Knock-out-Papiere | rund 53 % | verfallen wertlos bei Erreichen der Schwelle |
| Optionsscheine | rund 33 % | Zeitwertverlust bis zum Laufzeitende |
| Faktorzertifikate | rund 9 % | konstanter Hebel, Verluste bei Seitwärtsbewegung |
| Sonstige | rund 5 % | Sonderformen |
Hebelprodukte eignen sich nicht für den Vermögensaufbau. Wie hoch die Verlustquoten bei Privatanlegern ausfallen, steht im Beitrag zum Daytrading.
Die Emittenten und ihre Schwerpunkte
| Emittent | Land | Schwerpunkt |
|---|---|---|
| DZ Bank | 🇩🇪 Deutschland | Marktführer, stark bei Express-Zertifikaten |
| LBBW | 🇩🇪 Deutschland | zweitgrößter Anbieter, Anlageprodukte |
| Deutsche Bank | 🇩🇪 Deutschland | breites Sortiment |
| DekaBank | 🇩🇪 Deutschland | Vertrieb über Sparkassen |
| Commerzbank | 🇩🇪 Deutschland | Anlage- und Hebelprodukte |
| Helaba | 🇩🇪 Deutschland | strukturierte Anleihen |
| BNP Paribas | 🇫🇷 Frankreich | Hebelprodukte |
| Société Générale | 🇫🇷 Frankreich | Hebelprodukte |
| UniCredit | 🇮🇹 Italien | breites Angebot |
| Vontobel | 🇨🇭 Schweiz | Anlage- und Hebelprodukte |
| UBS | 🇨🇭 Schweiz | strukturierte Produkte |
| Barclays | 🇬🇧 Großbritannien | institutionell geprägt |
| HSBC | 🇬🇧 Großbritannien | Optionsscheine |
| Goldman Sachs | 🇺🇸 USA | institutionell geprägt |
| J.P. Morgan | 🇺🇸 USA | strukturierte Produkte |
| Morgan Stanley | 🇺🇸 USA | strukturierte Produkte |
| Citi | 🇺🇸 USA | Hebelprodukte |
Die drei größten Häuser vereinen über die Hälfte des Marktes. Für Anleger zählt vor allem die Bonität: Ein Zertifikat ist eine Schuldverschreibung, kein Sondervermögen.
Woran sich die Qualität erkennen lässt
Die Bonität des Emittenten. Sie lässt sich am Rating und am Risikoaufschlag der Anleihen dieser Bank ablesen. Zwei Anbieter haben sich in den vergangenen Jahren aus Deutschland zurückgezogen – das Risiko ist real.
Der Abstand zum rechnerischen Wert. Am Ausgabetag liegt der Kaufpreis über dem fairen Wert. Diese Differenz ist die Marge und lässt sich bei manchen Produkten aus dem Basisinformationsblatt ableiten.
Die Handelsspanne. Je enger der Abstand zwischen An- und Verkaufskurs, desto günstiger der Ein- und Ausstieg. Vergleichbar mit dem Spread bei ETFs, nur meist deutlich weiter.
Die Laufzeit und ihre Bedingungen. Schwellen, Stichtage und Rückzahlungsregeln entscheiden über das Ergebnis. Wer sie nicht nachvollziehen kann, sollte das Produkt nicht kaufen.
Wo Zertifikate gehandelt werden
| Handelsweg | Merkmal |
|---|---|
| Börse Stuttgart | größter Handelsplatz für Zertifikate in Deutschland |
| Börse Frankfurt | zweiter regulierter Handelsplatz |
| gettex | elektronischer Handelsplatz |
| Direkthandel | unmittelbar mit dem Emittenten, oft gebührenfrei |
| Zeichnung | während der Emissionsphase, meist mit Ausgabeaufschlag |
Anders als bei Aktien stellt überwiegend der Emittent selbst die Kurse. Ein Markt mit konkurrierenden Anbietern entsteht dadurch nicht – der Preis ist das, was die herausgebende Bank stellt.
Einordnung
Anlagezertifikate können einen Platz im Depot haben, wenn eine konkrete Markterwartung besteht, die sich anders nicht umsetzen lässt – etwa seitwärts laufende Kurse. Voraussetzung ist, dass die Bedingungen verstanden und das Emittentenrisiko bewusst getragen wird.
Für den langfristigen Vermögensaufbau bleibt ein breit streuender ETF die einfachere Lösung: kein Emittentenrisiko, ausgewiesene Kosten, unbegrenzte Laufzeit. Der Vergleich steht im Beitrag Fonds oder ETF.
Grundlagen zur Funktionsweise einzelner Produktarten finden sich im Beitrag Was ist ein Zertifikat.
Quellen
- Bundesverband für strukturierte Wertpapiere – Marktvolumen und Börsenumsätze
- Deutscher Derivate Verband – Produktkategorien
- Basisinformationsblätter der Emittenten
Stand: 28. September 2026. Keine Anlageberatung, keine Kaufempfehlung.