Rüstungsaktien: Kurse, Bewertungen und was den Sektor antreibt

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von user
Gebürsteter Stahl und Nieten einer schweren Maschine in einer Fabrikhalle

Rüstungsaktien waren von 2022 bis 2025 der auffälligste Aufwärtstrend an den europäischen Börsen. Davon ist auf Jahressicht wenig übrig: Rheinmetall hat in zwölf Monaten rund die Hälfte verloren, Renk noch mehr. Die Auftragsbücher sind voll, die Bewertungen bleiben hoch – und genau zwischen diesen beiden Tatsachen bewegt sich der Kurs.

Die wichtigsten Werte

UnternehmenKurs12 Monateseit JahresanfangBörsenwertKGV
Rheinmetall956,90 €−52 %−39 %50 Mrd. €62,0
Hensoldt79,34 €−27 %+6 %10 Mrd. €76,4
Renk37,27 €−56 %−31 %4 Mrd. €37,6
BAE Systems1.921 p−6 %+12 %74 Mrd. €27,5
Thales222,70 €−17 %−3 %51 Mrd. €30,7
Leonardo47,39 €−12 %−4 %31 Mrd. €24,3
Saab B612,60 SEK+9 %+13 %33 Mrd. €46,7
RTX184,68 $+10 %+1 %249 Mrd. $32,5
Lockheed Martin505,41 $+1 %+5 %117 Mrd. $18,6
Northrop Grumman478,00 $−21 %−16 %68 Mrd. $15,2
General Dynamics330,09 $−3 %−2 %89 Mrd. $20,1
L3Harris236,60 $−21 %−20 %44 Mrd. $23,9

Stand 3. Oktober 2026. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis bezieht sich auf den Gewinn der vergangenen zwölf Monate.

Was die Tabelle zeigt

Europa und die USA laufen auseinander. Die drei deutschen Werte haben zwischen 27 und 56 Prozent verloren, die amerikanischen bewegen sich zwischen plus zehn und minus 21 Prozent. Der Grund liegt weniger im Geschäft als in der Ausgangslage: Rheinmetall und Renk kamen von Kursen, die Jahre an Wachstum vorweggenommen hatten.

Die Bewertungen bleiben gespalten. Hensoldt kostet 76 Jahresgewinne, Rheinmetall 62, Lockheed Martin 18,6 und Northrop Grumman 15,2. Das ist kein Qualitätsurteil, sondern ein Wachstumsurteil: Dem europäischen Markt wird deutlich mehr Zuwachs zugetraut als dem amerikanischen, der von einem hohen Niveau aus kaum noch wachsen kann.

Ein Wert fällt heraus. Saab liegt als einziger europäischer Titel auf Jahressicht im Plus. Das schwedische Unternehmen hat früh geliefert, statt Kapazitäten erst aufzubauen.

Was den Sektor antreibt

Rüstungsunternehmen haben einen einzigen Kundentyp: Staaten. Daraus folgt eine Logik, die sich von anderen Branchen unterscheidet.

  • Haushalte statt Nachfrage. Umsatz entsteht, wenn Parlamente Geld bewilligen – nicht, wenn Bedarf besteht. Zwischen Beschluss und Auszahlung liegen oft Jahre.
  • Lange Vorlaufzeiten. Ein Auftrag heute wird über fünf bis zehn Jahre abgearbeitet. Das macht die Umsätze planbar und die Reaktion auf neue Nachfrage träge.
  • Kapazität als Engpass. Nach Jahrzehnten der Schrumpfung fehlen Fertigungslinien, Fachkräfte und Vorprodukte. Volle Auftragsbücher bedeuten nicht automatisch hohe Umsätze.
  • Politische Abhängigkeit. Exportgenehmigungen, Beschaffungsregeln und Regierungswechsel wirken unmittelbar auf das Geschäft.

Der Unterschied zwischen Auftrag und Gewinn

Wer den Sektor verfolgt, sollte drei Kennzahlen trennen. Der Auftragsbestand zeigt, was bestellt ist. Der Umsatz zeigt, was davon abgearbeitet wurde. Die Marge zeigt, ob sich das Abarbeiten gelohnt hat.

Gerade im Hochlauf fallen diese drei auseinander: Der Auftragsbestand wächst schneller als der Umsatz, und die Marge leidet unter dem Aufbau neuer Kapazitäten. Kurse, die den Auftragsbestand einpreisen, laufen der Gewinnentwicklung deshalb weit voraus – was die Korrektur der vergangenen zwölf Monate erklärt.

Was Anleger beachten sollten

  • Ausschlusskriterien. Viele nachhaltig ausgerichtete Fonds schließen Rüstung aus. Wer in einen breiten ETF investiert, hält diese Werte ohnehin anteilig – wer das nicht will, muss gezielt auswählen.
  • Konzentration. Ein Branchenfonds oder wenige Einzelwerte bedeuten ein Klumpenrisiko in einem Sektor, der an politischen Entscheidungen hängt.
  • Bewertung prüfen. Ein KGV von 60 oder 76 setzt voraus, dass der Gewinn über Jahre kräftig steigt. Bleibt das aus, korrigiert der Kurs, auch ohne schlechte Nachrichten.
  • Reine und gemischte Anbieter unterscheiden. RTX und Leonardo erzielen erhebliche Teile ihres Umsatzes im zivilen Geschäft, Rheinmetall hat eine Autozuliefersparte. Das verändert das Risikoprofil.

Einordnung

Rüstung ist derzeit eine der wenigen Branchen mit gesicherter Nachfrage über Jahre. Das war vor zwei Jahren schon so und ist in den Kursen längst enthalten. Die Korrektur zeigt, dass die Börse nicht die Nachfrage neu bewertet hat, sondern den Preis, den sie dafür zahlen wollte.

Dieser Text bewertet keinen der genannten Werte und spricht keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung aus. Portraits einzelner Unternehmen stehen unter Aktien, die Lage des Gesamtmarkts unter Sektoren.

Quellen

  • Kurs-, Bewertungs- und Handelsdaten: TradingView, Stand 3. Oktober 2026