Applied Digital hat am Mittwochabend die Zahlen für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 vorgelegt, das am 31. August endete. Der Umsatz stieg um 322 Prozent auf 341,9 Millionen Dollar. Gleichzeitig steht ein den Stammaktionären zuzurechnender Verlust von 221,0 Millionen Dollar in den Büchern, also 0,76 Dollar je Aktie. Beide Zahlen sagen für sich genommen wenig. Interessant wird es, wenn man sie aufschlüsselt.
Die Kennzahlen des Quartals
| Umsatz | 341,9 Mio. $ (plus 322 Prozent) |
| Nettoverlust je Stammaktie | 0,76 $ |
| Nettoverlust gesamt | 221,0 Mio. $ |
| Bereinigter Umsatz | 300,4 Mio. $ |
| Bereinigter Nettoverlust | 4,1 Mio. $ (0,01 $ je Aktie) |
| Bereinigtes EBITDA | 64,4 Mio. $ |
| Net Operating Income | 58,8 Mio. $ |
Zwischen 221 Millionen Dollar Verlust und 4,1 Millionen Dollar bereinigtem Verlust liegen Welten. Der Unterschied kommt aus zwei Quellen: Die bereinigten Kennzahlen klammern die mehrheitlich gehaltene Tochter ChronoScale aus, die das frühere Cloud-Geschäft betreibt und als eigenes börsennotiertes Unternehmen konsolidiert wird. Und sie rechnen Finanzierungs- und Bewertungsposten heraus, die im Quartal erheblich waren.
Wo der Verlust herkommt
- Der Zinsaufwand stieg von 8,0 auf 77,4 Millionen Dollar, ein Plus von 866 Prozent. Grund sind die zusätzlichen Schulden, mit denen der Ausbau finanziert wird.
- Dem stehen 35,8 Millionen Dollar Zinserträge gegenüber, weil hohe Mittel auf verzinsten Konten liegen. Netto bleibt eine Zinsbelastung von gut 41 Millionen Dollar im Quartal.
- Aus der Neubewertung von Derivaten entstand ein Verlust von 49,5 Millionen Dollar. Davon entfallen 56,1 Millionen auf den Wertverfall eines Optionsscheins auf Aktien von Babcock & Wilcox, gegengerechnet mit 6,6 Millionen Dollar Zuschreibung bei anderen Derivaten.
- Eine weitere Beteiligung verlor 11,4 Millionen Dollar an Wert.
Der Großteil des ausgewiesenen Verlusts stammt also nicht aus dem Betrieb der Rechenzentren, sondern aus Zinsen und aus der Bewertung von Finanzpositionen. Das relativiert die 221 Millionen Dollar, macht sie aber nicht harmlos: Zinsen sind Bargeld, das abfließt, und bei dieser Zinslast muss das operative Geschäft erst einmal nachwachsen.
Woraus der Umsatz besteht
| Umsatzart | Q1 2027 | Vorjahr |
|---|---|---|
| Dienstleistungen | 262,8 Mio. $ | 80,9 Mio. $ |
| Rechenzentrumsmiete und Sonstiges | 79,1 Mio. $ | 0 $ |
| davon Grundmiete | 65,8 Mio. $ | — |
| davon Nebenkostenumlagen | 13,3 Mio. $ | — |
Hier liegt der wichtigste Punkt des Quartals. Von den 181,9 Millionen Dollar zusätzlichem Dienstleistungsumsatz entfallen rund 157,2 Millionen auf den Innenausbau für Mieter und 23,0 Millionen auf den Verkauf von GPU-Hardware über ChronoScale. Das sind Durchlaufgeschäfte: Die Kosten der Dienstleistungen stiegen im selben Zeitraum auf 245,7 Millionen Dollar. Bei 262,8 Millionen Dollar Umsatz bleibt daraus eine Rohmarge von knapp sieben Prozent.
Die eigentliche Ertragsquelle des Geschäftsmodells ist die Grundmiete, und die beträgt bisher 65,8 Millionen Dollar im Quartal. Wer das Unternehmen bewerten will, sollte auf diese Zeile schauen und nicht auf die 322 Prozent Umsatzwachstum. Der Innenausbau verschwindet wieder, sobald ein Gebäude fertig ist. Die Miete bleibt.
Was operativ passiert ist
- Am 1. Oktober ging die zweite 75-Megawatt-Phase von Gebäude 2 am Standort Polaris Forge 1 in Betrieb. Die dort verfügbare IT-Last liegt damit bei 250 Megawatt in zwei Gebäuden und zehn Rechenzentrumssälen.
- Bis Jahresende sollen die Standorte in North Dakota zusammen 300 Megawatt liefern.
- Für den Standort Delta Forge 2 wurde im Juni ein Mietvertrag über 210 Megawatt und 15 Jahre mit einem Hyperscaler mit Investment-Grade-Rating geschlossen. Das Unternehmen beziffert die vertraglich gesicherten Erlöse der Grundlaufzeit auf rund 5,2 Milliarden Dollar.
- Zur Finanzierung des dritten Gebäudes mit 150 Megawatt wurden Anleihen über 1,59 Milliarden Dollar mit sieben Prozent Kupon und Laufzeit bis 2031 begeben, zugleich wurde eine Zwischenfinanzierung über 300 Millionen Dollar abgelöst.
- In Finnland hat sich das Unternehmen Zugriff auf bis zu rund ein Gigawatt Anschlussleistung gesichert – der erste Schritt nach Europa.
- Für North Dakota wurde ein Stromabnahmevertrag über ein geplantes Gaskraftwerk mit rund 1.200 Megawatt geschlossen.
Einordnung
Aus Sicht der Marktteilnehmer ist Applied Digital ein Immobilien- und Infrastrukturunternehmen, das wie ein Technologiewert gehandelt wird. Das Geschäftsmodell besteht darin, Grundstücke mit Stromanschluss zu sichern, Rechenzentren zu bauen und sie langfristig an wenige große Mieter zu vermieten. Der Ertrag kommt aus der Miete, das Risiko aus der Finanzierung des Baus.
Beides ist in diesem Quartal gut sichtbar: 65,8 Millionen Dollar Grundmiete auf der einen Seite, 77,4 Millionen Dollar Zinsaufwand auf der anderen. Die Rechnung geht erst auf, wenn die im Bau befindlichen Gebäude in Betrieb gehen und Miete zahlen. Vorstandschef Wes Cummins formuliert das Ziel so, dass Applied Digital führend bei Planung, Bau und Betrieb von KI-Rechenzentren werden soll, mit langfristigen Verträgen gegenüber bonitätsstarken Mietern.
Die Abhängigkeit von wenigen Großmietern ist dabei zugleich Stärke und Schwäche. Ein 15-Jahres-Vertrag über 5,2 Milliarden Dollar mit einem Mieter mit Investment-Grade-Rating ist eine belastbare Grundlage. Zugleich hängt ein erheblicher Teil der künftigen Erlöse an sehr wenigen Namen, und die Bauten lassen sich nicht ohne Weiteres anderweitig nutzen.
Quelle
Applied Digital Corporation, Ergebnismitteilung zum ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 vom 7. Oktober 2026, eingereicht als Anlage 99.1 zum Formular 8-K bei der US-Börsenaufsicht SEC.