Redcare Pharmacy hat seine Umsatzprognose für 2026 zum zweiten Mal in diesem Jahr angehoben. Anlass waren vorläufige Zahlen zum dritten Quartal, in dem die Umsätze mit verschreibungspflichtigen Medikamenten in Deutschland um 56 Prozent über dem Vorjahr lagen. Allein im September waren es 51 Prozent – und das gegen einen hohen Vorjahresvergleich, weil vor einem Jahr der heutige Rx-Bonus eingeführt wurde. Der vollständige Zwischenbericht folgt am 29. Oktober.
Alte und neue Prognose im Vergleich
| Kennzahl 2026 | bisher | jetzt |
|---|---|---|
| Gesamtumsatz | plus 15 bis 17 Prozent | plus 16 bis 18 Prozent |
| Rx-Umsatz Deutschland | 680 bis 720 Mio. Euro | 730 bis 760 Mio. Euro |
| Rx-Wachstum Deutschland | 35 bis 43 Prozent | 45 bis 51 Prozent |
| Non-Rx-Umsatz | plus 10 bis 12 Prozent | unverändert |
| Bereinigte EBITDA-Marge | 2,5 bis 3,0 Prozent | unverändert |
Die Anhebung betrifft also ausschließlich den Umsatz, und innerhalb des Umsatzes fast ausschließlich ein einziges Geschäftsfeld. Das Geschäft mit frei verkäuflichen Produkten bleibt bei zehn bis zwölf Prozent Wachstum, die Ergebnisprognose bleibt unangetastet.
Woher das Rx-Wachstum kommt
Der Treiber ist das elektronische Rezept. Seit Anfang 2024 ist das E-Rezept für gesetzlich Versicherte in Deutschland verbindlich, und seit der Zulassung des sogenannten CardLink-Verfahrens können Versandapotheken es direkt über das Smartphone des Kunden einlösen. Diese Zulassung wurde Mitte September bis März 2028 verlängert, womit die wichtigste regulatorische Unsicherheit für das Geschäftsmodell vorerst vom Tisch ist. Damit ist die letzte praktische Hürde gefallen, die den Versandhandel jahrelang vom größten Teil des Apothekenmarktes ferngehalten hat: Verschreibungspflichtige Arzneimittel machen den Großteil des Umsatzes einer Apotheke aus, waren für Versender aber kaum erreichbar, solange ein Papierrezept per Post verschickt werden musste.
Die Wachstumsraten von über 50 Prozent sind deshalb kein Hinweis auf einen plötzlich boomenden Arzneimittelmarkt, sondern auf eine Umverteilung. Redcare gewinnt Marktanteile von stationären Apotheken. Das ist der entscheidende Unterschied für die Einschätzung: Solche Verschiebungen laufen schnell, solange der Anteil klein ist, und verlangsamen sich zwangsläufig, wenn er größer wird.
Die Marge bleibt der wunde Punkt
Nach vorläufigen Zahlen blieb die bereinigte EBITDA-Marge gegenüber dem Vorquartal unverändert, wovon laut Unternehmen die steigende Fixkostendegression getragen hat. Dass die Jahresspanne bei 2,5 bis 3,0 Prozent stehen bleibt, obwohl der Umsatz schneller wächst als geplant, ist die wichtigste Zeile der Mitteilung. Bei verschreibungspflichtigen Medikamenten ist die Handelsspanne in Deutschland weitgehend reguliert, Preiswettbewerb findet kaum statt. Zusätzliches Rx-Volumen bringt also Umsatz, aber nur begrenzt zusätzliche Marge, und es verursacht Kosten für Logistik und Kundengewinnung.
Wer die Aktie beurteilen will, sollte das Umsatzwachstum und die Ertragskraft deshalb getrennt betrachten. Drei Prozent EBITDA-Marge sind für einen Händler nicht ungewöhnlich, lassen aber wenig Spielraum, wenn Logistikkosten steigen oder die Rabattlage sich ändert.
Was am 29. Oktober zu prüfen ist
- Wie sich die Zahl der aktiven Kunden entwickelt hat, nicht nur der Umsatz je Kunde.
- Wie hoch die Marketingaufwendungen im Verhältnis zum Neukundenzuwachs ausfallen.
- Ob die EBITDA-Marge innerhalb der Spanne eher am oberen oder am unteren Rand liegt.
- Wie sich das Non-Rx-Geschäft schlägt, das für die Marge wichtiger ist als das Rx-Geschäft.
- Ob das Unternehmen erste Aussagen zum Wachstumstempo im Jahr 2027 macht.
- Wie sich das Non-Rx-Geschäft in Deutschland entwickelt hat, das nach einem schwächeren Juli im August und September wieder anzog.
Quelle
Redcare Pharmacy N.V., Mitteilung „Redcare Pharmacy raises full-year 2026 revenue guidance again“ vom 28. September 2026, sowie Mitteilung zur Verlängerung des CardLink-Verfahrens vom 15. September 2026. Der Zwischenbericht zum dritten Quartal und die Telefonkonferenz sind für den 29. Oktober 2026 angekündigt.