RPM International: Rekordquartal, aber das Jahresziel verliert oben Luft

von user

Der US-Spezialchemiekonzern RPM International hat am Dienstagabend Zahlen für das erste Quartal seines Geschäftsjahres 2027 vorgelegt, das am 31. August endete. Es war in Umsatz und Ergebnis ein Rekordquartal. Trotzdem lohnt der Blick auf die zweite Hälfte der Mitteilung: Die Spanne für das Gesamtjahr ist oben enger geworden.

Die Zahlen des Quartals

KennzahlQ1 2027VorjahrVeränderung
Umsatz2.215,6 Mio. $2.113,7 Mio. $+4,8 %
davon organisch——+3,1 %
Ergebnis vor Steuern337,1 Mio. $298,0 Mio. $+13,1 %
Bereinigtes EBITDA405,5 Mio. $388,0 Mio. $+4,5 %
Nettoergebnis256,4 Mio. $227,6 Mio. $+12,6 %
Ergebnis je Aktie (verwässert)2,01 $1,77 $+13,6 %
Bereinigtes Ergebnis je Aktie1,98 $1,88 $+5,3 %

Vom Umsatzplus von 4,8 Prozent stammen 3,1 Prozentpunkte aus dem bestehenden Geschäft, 1,6 Punkte aus Zukäufen abzüglich Verkäufen und 0,1 Punkte aus Währungseffekten. Das Wachstum ist also überwiegend selbst erarbeitet und nicht gekauft. Auffällig ist die Lücke zwischen dem ausgewiesenen und dem bereinigten Ergebnis je Aktie: 13,6 Prozent gegenüber 5,3 Prozent. Der Unterschied kommt daher, dass im Vorjahresquartal höhere Sonderaufwendungen angefallen waren. Wer die operative Entwicklung beurteilen will, sollte auf die bereinigten 5,3 Prozent schauen.

Die drei Sparten laufen auseinander

SegmentUmsatzorganischErgebnis vor Steuern
Construction Products859,2 Mio. $ (+0,8 %)−1,7 %149,1 Mio. $ (−6,3 %)
Performance Coatings629,7 Mio. $ (+10,2 %)+7,9 %107,3 Mio. $ (+23,6 %)
Consumer726,7 Mio. $ (+5,3 %)+5,2 %132,3 Mio. $ (+21,5 %)

Das Bild ist eindeutig. Die Bausparte, traditionell das Schwergewicht des Konzerns, ist organisch geschrumpft und hat beim Ergebnis mehr als sechs Prozent verloren. Getragen wurde das Quartal von den Industriebeschichtungen und vom Endkundengeschäft, in dem Marken wie Rust-Oleum und DAP laufen. Beide Sparten steigerten ihr Vorsteuerergebnis um über 20 Prozent.

Der Ausblick ist oben gekappt

Für das laufende zweite Quartal erwartet RPM beim Konzernumsatz und beim bereinigten EBITDA einen Anstieg im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich. Für das Gesamtjahr 2027 nennt der Konzern jetzt ein Wachstum im mittleren einstelligen Bereich, sowohl beim Umsatz als auch beim bereinigten EBITDA.

Das ist die eigentliche Nachricht. Bisher hatte RPM drei bis sieben Prozent Umsatzwachstum und fünf bis zehn Prozent EBITDA-Wachstum in Aussicht gestellt. Aus „bis zehn Prozent“ ist beim Ergebnis „mittlerer einstelliger Bereich“ geworden. Nach unten hat sich wenig verschoben, nach oben einiges. Ein Rekordquartal mit gleichzeitig gestutztem Jahresziel ist ein Hinweis darauf, dass das Unternehmen die zweite Jahreshälfte vorsichtiger sieht als im Sommer.

Warum die Zahlen über RPM hinaus interessant sind

RPM ist in Deutschland kaum bekannt, liefert aber einen frühen Datenpunkt zur US-Bautätigkeit. Der Konzern berichtet mit einem versetzten Geschäftsjahr und legt seine Zahlen deshalb Anfang Oktober vor, Wochen vor den großen Industriewerten. Dass die Bausparte organisch schrumpft, während Industriebeschichtungen und Heimwerkerbedarf zulegen, passt zu einem Markt, in dem Neubauprojekte gebremst werden, Instandhaltung und Renovierung aber weiterlaufen.

Als Belastung nennt der Konzern ausdrücklich die Rohstoffinflation. Vorstandschef Frank C. Sullivan sprach von der Widerstandsfähigkeit des Geschäftsmodells, die sich trotz dieser Inflation und einer vorübergehenden Schwäche im Bausegment gezeigt habe. Für europäische Beschichtungs- und Bauchemieanbieter ist beides relevant: der Kostendruck auf der Einsatzseite und die Verschiebung der Nachfrage vom Neubau zur Sanierung.

Quelle

RPM International Inc., Ergebnismitteilung zum ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 vom 6. Oktober 2026.

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