Die Porsche AG hat am Mittwoch beim Kapitalmarkttag ihre Strategie bis 2035 vorgestellt. Sie heißt „Sportwagenschmiede ’35“ und ist der erste große Auftritt von Michael Leiters, der am 1. Januar 2026 an die Spitze des Unternehmens gerückt ist. Der Kern: deutlich weniger Modellvarianten, deutlich weniger Personal, höhere Erlöse je Fahrzeug. Die Vorzugsaktie nahm das gelassen auf und notierte am Mittwochabend bei 42,92 Euro, 0,6 Prozent über dem Vortag.
Die Finanzziele im Überblick
| Operative Konzernrendite | mittelfristig 10 bis 15 Prozent, langfristig 15 Prozent |
| Konzernumsatz | mittelfristig 41 bis 45 Milliarden Euro |
| Netto-Cashflow-Marge Automobile | mittelfristig 9 bis 12 Prozent, langfristig 12 Prozent |
| Netto-Liquidität Automobile | 15 bis 20 Prozent des Automobilumsatzes |
| Gewinnschwelle | unter 200.000 Fahrzeugen |
| Ausschüttungsquote | mindestens 50 Prozent des Konzernergebnisses nach Steuern |
Als Leitlinie nennt Porsche, dass der Umsatz stärker wachsen soll als die Stückzahl, das Ergebnis stärker als der Umsatz und der Mittelzufluss überproportional. Übersetzt heißt das: Der Konzern will nicht mehr über die Menge verdienen, sondern über den Preis und über niedrigere Kosten.
Weniger Varianten, teurere Autos
Die Modellpalette wird ausgedünnt. Die Zahl der Varianten soll um rund 20 Prozent sinken, das Volumen je verbleibender Variante um etwa 30 Prozent steigen. Gleichzeitig verschiebt sich der Schwerpunkt nach oben: Der Anteil der Modelle aus dem D- und E-Segment am Portfolio soll um rund 45 Prozent zunehmen, der durchschnittliche Verkaufspreis der Spitzenmodelle mittelfristig um etwa 20 Prozent. Die Erlöse aus dem Sonderwunsch-Programm, also der individuellen Ausstattung, will Porsche versechsfachen.
- Oberhalb des 911 ist eine Plattform für einen Mittelmotor-Supersportwagen geplant.
- Ein SUV im D-Segment oberhalb des Cayenne wird geprüft, ist also noch nicht beschlossen.
- Bis 2030 soll jedes Jahr mindestens ein markenprägendes Produkt kommen.
- Der vollelektrische 718 Boxster und Cayman erreicht 2028 sein erstes volles Produktionsjahr.
- Ein neuer SUV im B-Segment mit Verbrenner und Plug-in-Hybrid startet 2028 und soll 2029 spürbar beitragen, parallel zum elektrischen Macan.
- Bei den Plattformen PPE und PPC rückt Porsche enger an Audi heran.
Der Umbau trifft vor allem das Personal
Die härteste Zahl des Tages steht nicht bei den Produkten: Die Belegschaft im direkten und indirekten Bereich soll mittelfristig um 25 Prozent schrumpfen, als strategisches Ziel nennt Porsche sogar 30 Prozent. Die Zahl der Managementpositionen soll um 40 Prozent sinken. Mit der Arbeitnehmerseite ist ein Zukunftspaket vereinbart, das einen sozialverträglichen Abbau von rund 9.000 Stellen vorsieht, verbunden mit einer Standortsicherung für die Stammbelegschaft bis 2035.
Dazu kommen Kostenziele quer durch das Unternehmen: Die Personalkosten in der Fertigung sollen um bis zu 30 Prozent sinken, die Vertriebskosten um rund 20 Prozent, wofür Porsche die Vertriebsregionen von fünf auf vier reduziert. Die Entwicklungskosten künftiger Baureihen sollen um bis zu 20 Prozent fallen, die Materialkosten neuer Fahrzeugprojekte etwa 10 Prozent unter den bisherigen Planungen liegen. Die Garantiekosten sollen sich um bis zu 45 Prozent verringern. Porsche Engineering und Porsche Digital werden zu Porsche Technologies zusammengelegt. Für 2028 ist ein Mitarbeiteraktienprogramm geplant.
Was Porsche abgibt oder einstellt
Parallel räumt der Konzern das Beteiligungsportfolio auf. Die Anteile an Rimac und an Bugatti Rimac werden verkauft, der Verkauf der Beratungstochter MHP ist unterzeichnet. Eingestellt werden die Aktivitäten von Cellforce, von Porsche eBike Performance und von Cetitec. In die Gegenrichtung geht nur eine Bewegung: Beim Rennsport-Spezialisten Manthey hat Porsche den Anteil auf 67 Prozent erhöht. Die Markenaktivitäten bündelt der Konzern künftig unter dem Dach „Home of Sports Cars“ in den drei Feldern Performance, Exklusivität und Heritage.
Wo die Strategie Fragen offenlässt
Drei Punkte verdienen einen zweiten Blick. Erstens knüpft Porsche das obere Ende seiner Margenbänder ausdrücklich an Bedingungen: Dafür braucht es ein besseres konjunkturelles, geopolitisches und regulatorisches Umfeld oder zusätzliche Wertsteigerungsmaßnahmen. Die 15 Prozent sind also kein Plan, sondern ein Szenario.
Zweitens bleibt offen, wie sich die rund 9.000 Stellen aus dem Zukunftspaket zu der angekündigten Reduzierung um 25 Prozent verhalten. Die Mitteilung nennt beide Zahlen in getrennten Abschnitten, ohne zu sagen, ob sie sich überschneiden oder addieren. Für die Beschäftigten ist das der entscheidende Unterschied.
Drittens liegt die genannte Gewinnschwelle von unter 200.000 Fahrzeugen einer bewusst konservativen China-Annahme zugrunde. Das ist eine Stärke der Rechnung, weil sie nicht auf eine Erholung des chinesischen Marktes setzt. Es ist zugleich das Eingeständnis, dass dort auf absehbare Zeit wenig zu holen ist.
Die Investitions- und Entwicklungsausgaben sollen nach einem erwarteten Höhepunkt in diesem Jahr spürbar zurückgehen. Die Entlastung beim Mittelzufluss kommt damit erst nach 2026. Dass die Aktie am Tag der Ankündigung kaum reagierte und mit 42,92 Euro näher am 52-Wochen-Tief von 35,46 Euro liegt als am Hoch von 50,38 Euro, passt zu diesem Bild: Der Markt wartet auf Zahlen, nicht auf Ziele.
Quelle
Porsche AG, Mitteilung zum Capital Markets Day vom 7. Oktober 2026.