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Ottobock Aktie: Portrait, Kurs und Geschäftsmodell
Startseite Ottobock Aktie: Portrait, Kurs und Geschäftsmodell
Läufer mit Carbon-Sportprothese auf einer Laufbahn bei Sonnenaufgang, von hinten
Aktie im Porträt

Ottobock Aktie: Portrait, Kurs und Geschäftsmodell

Ottobock baut Prothesen. Das Familienunternehmen aus Duderstadt wurde 1919 gegründet, ist seit 1988 Partner der Paralympischen Spiele und seit Oktober 2025 an der Börse – einer der wenigen deutschen Börsengänge der vergangenen Jahre.

Das Geschäft läuft gut: Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Umsatz um 6,7 Prozent, das Nettoergebnis mehr als verdoppelte sich. Gleichzeitig gab es im Mai 2026 einen Short-Seller-Angriff, den das Unternehmen zurückgewiesen hat.

Unternehmensprofil

SitzDuderstadt
Gegründet1919 in Berlin
VorstandsvorsitzOliver Jakobi
FinanzvorstandDr. Arne Kreitz
Mitarbeiterknapp 9.300 Vollzeitstellen
BrancheMedizintechnik, Prothetik und Orthetik
IndexSDAX und TecDAX
ISINDE000BCK2223
WKNBCK222
KürzelOBCK
HauptaktionärNäder Holding (Familie Näder), Mehrheit

Kursverlauf

Der Chart zeigt den Wochenverlauf der fünf Jahre. Kursdaten über TradingView.

Das Geschäftsmodell

Ottobock bezeichnet sein Feld als Human Bionics: Prothesen, Neuro-Orthetik und Exoskelette. Das Geschäft hat zwei Seiten. Products & Components ist das B2B-Geschäft mit Prothesenkomponenten und erzielte im ersten Halbjahr 2026 im Kerngeschäft 461,6 Millionen Euro oder rund 56 Prozent. Patient Care ist die eigene Versorgungskette mit über 420 Einrichtungen, in denen Patienten direkt betreut werden – 356,9 Millionen Euro oder 44 Prozent.

Berichtet wird nach Regionen. EMEA steuerte im Kerngeschäft 610,2 Millionen Euro oder rund 75 Prozent bei, Amerika 155,8 Millionen oder 19 Prozent, Asien-Pazifik 52,5 Millionen oder 6 Prozent.

Das Unternehmen trennt zwischen Kerngeschäft und Randgeschäft, das es bereinigt – unter anderem wurde das Rollstuhlgeschäft Human Mobility verkauft. Ottobock ist in 45 Ländern aktiv und hält über 2.600 Patente und Anmeldungen.

Die zuletzt gemeldeten Zahlen

Zahlen aus der Mitteilung zum ersten Halbjahr vom 13. August 2026. Ottobock weist kein EBIT aus; die Steuerungsgröße ist das zugrunde liegende EBITDA.

Kennzahl1. Halbjahr 2026Vorjahr
Gesamtumsatz854,1 Mio. €800,6 Mio. €
Kernumsatz818,5 Mio. €760,2 Mio. €
Zugrunde liegendes EBITDA213,2 Mio. € (25,0 % Marge)180,3 Mio. € (22,5 %)
Zugrunde liegendes EBITDA im Kerngeschäft207,0 Mio. € (25,3 % Marge)175,2 Mio. € (23,1 %)
Nettoergebnis67,3 Mio. €28,0 Mio. €
Ergebnis je Aktie1,06 €0,47 €
Freier Cashflow71,8 Mio. €93,2 Mio. €
Verschuldungsgrad2,5x2,3x (31.12.2025)

Im zweiten Quartal allein stieg der Gesamtumsatz um 9,7 Prozent auf 458,1 Millionen Euro, das zugrunde liegende EBITDA um 22,0 Prozent auf 127,1 Millionen bei einer Marge von 27,8 Prozent. Einen Auftragsbestand weist Ottobock nicht aus. Zum Vergleich das Geschäftsjahr 2025: 1.599,7 Millionen Euro Kernumsatz, 415,3 Millionen zugrunde liegendes Kern-EBITDA bei 26,0 Prozent Marge und ein Ergebnis je Aktie von 1,44 Euro.

Prognose für das laufende Geschäftsjahr

Ottobock hat die Prognose am 13. August 2026 angehoben: Das organische Wachstum im Kernumsatz soll nun 6 bis 8 Prozent betragen statt zuvor 5 bis 8 Prozent, die zugrunde liegende EBITDA-Marge im Kerngeschäft über 27,0 Prozent liegen statt über 26,5 Prozent.

Dividende

Für das Geschäftsjahr 2025 zahlte Ottobock 0,97 Euro je Aktie bei einer Gesamtausschüttung von 62,1 Millionen Euro. Das entspricht 35 Prozent des zugrunde liegenden Nettoergebnisses; die Dividendenpolitik sieht 30 bis 40 Prozent vor. Beschlossen wurde die Ausschüttung auf der Hauptversammlung am 19. Mai 2026, der ersten ordentlichen Hauptversammlung nach dem Börsengang.

Was das Geschäft antreibt

  • Die Marge. Die EBITDA-Marge im Kerngeschäft stieg binnen eines Jahres um 2,2 Prozentpunkte auf 25,3 Prozent.
  • EMEA. Die größte Region wuchs organisch um 9,0 Prozent.
  • Zukäufe. Im Mai 2026 übernahm Ottobock das norwegische Patient-Care-Geschäft von Blatchford für rund 110 Millionen Euro, dazu kommen die spanische Fesia Technology und eine Beteiligung an Blue Arbor Technologies.

Welche Risiken das Unternehmen selbst nennt

  • Amerika entwickelte sich organisch leicht rückläufig mit minus 0,3 Prozent; das US-Geschäft allein wuchs um 4,0 Prozent – die Differenz geht auf andere Märkte der Region zurück.
  • Der freie Cashflow sank von 93,2 auf 71,8 Millionen Euro, laut Unternehmen wegen des Zeitpunkts von Steuerzahlungen und eines höheren Working Capital.
  • Der Verschuldungsgrad stieg durch die Zukäufe von 2,3 auf 2,5.
  • Im Mai 2026 veröffentlichte Grizzly Research einen Short-Seller-Bericht mit Vorwürfen unter anderem zur Aktivierung von Entwicklungskosten, zur Abgrenzung von Kern- und Randgeschäft und zum Russlandgeschäft. Ottobock hat die Vorwürfe am 20. Mai 2026 entschieden zurückgewiesen, auf uneingeschränkte Prüfungstestate verwiesen und eine Anzeige bei der BaFin wegen des Verdachts der Marktmanipulation geprüft.

Wettbewerb

Ottobock nennt in den veröffentlichten Unterlagen keine Wettbewerber namentlich.

Termine

DatumEreignis
12. November 2026Quartalsmitteilung Januar bis September 2026

Fazit

Ottobock ist ein seltener Fall: ein Familienunternehmen mit über hundert Jahren Geschichte, das erst seit einem Jahr börsennotiert ist. Die operative Entwicklung im ersten Halbjahr 2026 war stark – zweistelliges Ergebniswachstum, steigende Margen, angehobene Prognose.

Die Struktur verdient Aufmerksamkeit. Als SE & Co. KGaA behält die Familie Näder über die Komplementärstruktur die Kontrolle, auch wenn Aktien im Streubesitz sind. Den genauen Anteil der Näder Holding veröffentlicht das Unternehmen in den zugänglichen Unterlagen nicht.

Der Short-Seller-Bericht vom Mai 2026 ist ein Punkt, den man kennen sollte. Er betraf Bilanzierungsfragen, nicht das operative Geschäft. Ottobock hat ihm widersprochen und auf die Prüfungstestate verwiesen. Wie ein Außenstehender diese Auseinandersetzung bewertet, hängt davon ab, wie viel Gewicht er der Bilanzierungspraxis beimisst – belastbar entscheiden lässt sie sich aus den veröffentlichten Unterlagen allein nicht.

Fragen und Antworten

Zahlt Ottobock eine Dividende?

Ja, für 2025 waren es 0,97 Euro je Aktie. Die Politik sieht 30 bis 40 Prozent des zugrunde liegenden Nettoergebnisses vor.

Seit wann ist Ottobock börsennotiert?

Der Börsengang erfolgte im Oktober 2025. Die erste ordentliche Hauptversammlung fand im Mai 2026 statt.

Was bedeutet Kerngeschäft und Randgeschäft?

Ottobock trennt die fortzuführenden Aktivitäten vom Randgeschäft, das es bereinigt – etwa das verkaufte Rollstuhlgeschäft. Die Prognose bezieht sich auf das Kerngeschäft.

Wann kommen die nächsten Zahlen?

Die Quartalsmitteilung erscheint am 12. November 2026.

Quellen

Stand der Daten: 14. Oktober 2026. Dieser Beitrag ist eine Einordnung öffentlich verfügbarer Unternehmensangaben und keine Anlageempfehlung.