LANXESS Aktie: Analyse, Zahlen und Prognose
Die LANXESS AG aus Köln ist 2004 durch Abspaltung der Chemieaktivitäten von Bayer entstanden und seit Januar 2005 börsennotiert. Heute stellt das Unternehmen mit rund 11.500 Mitarbeitenden an 48 Produktionsstandorten in 32 Ländern Spezialchemikalien her, die als Additive, Wirkstoffe und Zwischenprodukte in die Produkte anderer Industrien eingehen.
Die Halbjahreszahlen 2026 lassen sich in zwei Richtungen lesen. Im Quartalsvergleich geht es deutlich aufwärts: Umsatz und Ergebnis legten gegenüber dem ersten Quartal spürbar zu, der Free Cashflow drehte ins Plus. Im Halbjahresvergleich zum Vorjahr geht es dagegen abwärts, und unter dem Strich steht ein Verlust von 194 Millionen Euro.
Dieses Portrait erklärt die Segmentstruktur, ordnet beide Lesarten ein und benennt, was sich aus den veröffentlichten Unterlagen nicht beantworten lässt.
Unternehmensprofil
| Sitz | Köln, LANXESS Tower am Kennedyplatz |
| Gegründet | 2004 durch Abspaltung von Bayer; Börsengang am 31.01.2005, MDAX-Aufnahme am 20.06.2005 |
| Branche | Spezialchemie |
| Segmente | Consumer Protection, Specialty Additives, Advanced Intermediates mit insgesamt neun Business Units |
| Mitarbeitende | 11.495 (30.06.2026), nach 11.709 zum 31.12.2025 |
| Vorstandsvorsitz | Matthias Zachert |
| ISIN | DE0005470405 |
| WKN | 547040 |
| Index | MDAX, zusätzlich DAX 50 ESG und STOXX Europe 600 Chemicals |
| Geschäftsjahr | 1. Januar bis 31. Dezember |
| Aktien | 86.346.303 Inhaberaktien, je eine Stimme, keine Mehrstimmrechte |
| Aktionärsstruktur | rund 89 Prozent institutionelle und rund 11 Prozent private Anleger; kein Ankeraktionär |
Kursverlauf
Der Chart zeigt den Wochenverlauf der fünf Jahre. Kursdaten über TradingView.
Das Geschäftsmodell
Consumer Protection umfasst Material Protection Products, Flavors & Fragrances und Saltigo. Dazu gehören Desinfektions-, Konservierungs- und Materialschutzmittel, Aromen und Riechstoffe sowie die Auftragssynthese für Agrochemie und Pharma. Endmärkte sind konsumnahe Branchen wie Kosmetik, Lebensmittel und Getränke. Im zweiten Quartal 2026 war dies mit 515 Millionen Euro Umsatz und einer EBITDA-Marge vor Sondereinflüssen von 15,7 Prozent das margenstärkste Segment.
Specialty Additives bündelt Liquid Purification Technologies, Polymer Additives, Lubricant Additives und Rhein Chemie – also Wasseraufbereitungsprodukte, Farbmittel, Flammschutzmittel sowie Schmierstoffe und Schmierstoffadditive. Mit 588 Millionen Euro war es im zweiten Quartal das umsatzstärkste Segment und zugleich das mit der stärksten Ergebnisdynamik.
Advanced Intermediates besteht aus Advanced Industrial Intermediates und Inorganic Pigments. Endmärkte sind Automobil, Bau, Halbleiter und Photovoltaik sowie Farbpigmente. Der Umsatz lag im zweiten Quartal bei 456 Millionen Euro, die EBITDA-Marge vor Sondereinflüssen bei 7,7 Prozent – das zyklischste der drei Segmente.
Hinzu kommt eine Beteiligung von 40,94 Prozent an Envalior, dem Hochleistungskunststoff-Joint-Venture mit Advent International, die nicht in den Segmenten konsolidiert ist. Das Geschäft mit Urethane Systems wurde an die UBE Corporation veräußert. Regional verteilte sich der Umsatz im Halbjahr auf Amerika mit 964 Millionen Euro, EMEA ohne Deutschland mit 874 Millionen Euro, Asien-Pazifik mit 577 Millionen Euro und Deutschland mit 524 Millionen Euro. LANXESS beansprucht für seine Segmente und Geschäfte jeweils eine Top-3-Position, nicht aber eine Weltmarktführerschaft.
Die zuletzt gemeldeten Zahlen
Die folgenden Zahlen stammen aus der Berichterstattung zum zweiten Quartal und ersten Halbjahr 2026 vom 7. August 2026. Im zweiten Quartal stiegen Umsatz und bereinigtes EBITDA gegenüber Vorjahr, im Halbjahr liegen beide Größen aber darunter.
| Kennzahl | H1 2026 (Mio. Euro) | H1 2025 (Mio. Euro) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Umsatz | 2.939 | 3.067 | −4,2 % |
| EBITDA vor Sondereinflüssen | 246 | 283 | −13,1 % |
| EBITDA-Marge vor Sondereinflüssen | 8,4 % | 9,2 % | −0,8 Punkte |
| EBIT | −67 | −52 | weiter negativ |
| Nettoergebnis | −194 | −102 | weiter negativ |
| Ergebnis je Aktie | −2,25 Euro | −1,18 Euro | weiter negativ |
| Operativer Cashflow | 132 | 30 | mehr als vervierfacht |
| Free Cashflow | 27 | −80 | Vorzeichenwechsel |
| Nettofinanzschulden (30.06.2026) | 2.049 | 2.023 (31.12.2025) | +1,3 % |
| Eigenkapitalquote | 41,7 % | 45,2 % (31.12.2025) | −3,5 Punkte |
Im zweiten Quartal allein lag der Umsatz bei 1.561 Millionen Euro nach 1.466 Millionen Euro, ein Plus von 6,5 Prozent, das bereinigte EBITDA bei 152 nach 150 Millionen Euro und der Free Cashflow bei plus 56 Millionen Euro. Gegenüber dem ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz um 13,3 Prozent und das bereinigte EBITDA um 61,7 Prozent. Nach Segmenten entwickelte sich das zweite Quartal so: Consumer Protection 515 Millionen Euro Umsatz bei 81 Millionen Euro bereinigtem EBITDA und 15,7 Prozent Marge nach 17,8 Prozent; Specialty Additives 588 Millionen Euro bei 77 Millionen Euro und 13,1 Prozent nach 11,0 Prozent; Advanced Intermediates 456 Millionen Euro bei 35 Millionen Euro und 7,7 Prozent nach 9,9 Prozent. Zwei Hinweise: Das Vorjahresergebnis von Consumer Protection enthielt eine Versicherungserstattung im hohen einstelligen Millionenbereich, was den Rückgang mitverursacht. Und während das bereinigte EBITDA im Halbjahr positiv war, sind EBIT und Nettoergebnis negativ. Die Differenz entsteht nach Abschreibungen, Sondereinflüssen und Finanzergebnis; eine Überleitungsrechnung dieser Positionen hat LANXESS nicht veröffentlicht.
Prognose für das laufende Geschäftsjahr
Für das Geschäftsjahr 2026 erwartet LANXESS ein EBITDA vor Sondereinflüssen zwischen 450 und 550 Millionen Euro. Weitere Kennzahlen prognostiziert das Unternehmen nicht.
Die Prognose wurde im März 2026 ausgegeben, am 7. Mai 2026 mit der Quartalsberichterstattung bestätigt und am 7. August 2026 erneut bestätigt. Eine Änderung im Jahresverlauf gab es nicht.
Rechnerisch bedeutet das: Nach 246 Millionen Euro im ersten Halbjahr erfordert die Spanne im zweiten Halbjahr zwischen 204 und 304 Millionen Euro. Das untere Ende läge damit leicht unter dem Halbjahresniveau, das obere Ende deutlich darüber. Welche Annahmen zu Nachfrage, Rohstoff- und Energiepreisen dahinterstehen, hat LANXESS über die Bandbreite hinaus nicht aufgeschlüsselt.
Dividende
Für das Geschäftsjahr 2025 wurden 0,10 Euro je Aktie ausgeschüttet, insgesamt 8,6 Millionen Euro aus einem Bilanzgewinn von 449,6 Millionen Euro; die verbleibenden 440,9 Millionen Euro wurden auf neue Rechnung vorgetragen. Die Hauptversammlung fand am 21. Mai 2026 statt, der Zahltag war der 27. Mai 2026.
Der Blick auf die Historie ist aufschlussreich: 0,10 Euro wurden auch für 2024 und 2023 gezahlt – davor waren es 1,05 Euro für 2022 und 2021 sowie 1,00 Euro für 2020. Die Dividende wurde also nicht ausgesetzt, aber seit dem Geschäftsjahr 2023 deutlich reduziert und seither auf diesem Niveau gehalten. Die Dividendenpolitik formuliert LANXESS als Absicht, jedes Jahr eine stabile oder höhere Dividende zu zahlen, und erklärt, immer eine Dividende zu zahlen. Eine Ausschüttungsquote nennt das Unternehmen nicht, und unter welchen Bedingungen es zu einem höheren Niveau zurückkehren will, hat es nicht erklärt.
Was das Geschäft antreibt
- Specialty Additives als Ergebnistreiber: Das bereinigte EBITDA des Segments stieg im zweiten Quartal um 32,8 Prozent auf 77 Millionen Euro, die Marge von 11,0 auf 13,1 Prozent.
- Sequenzielle Erholung: Gegenüber dem ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz um 13,3 Prozent und das bereinigte EBITDA um 61,7 Prozent.
- Cash-Wende: Der Free Cashflow lag im Halbjahr bei plus 27 Millionen Euro nach minus 80 Millionen Euro, der operative Cashflow bei 132 nach 30 Millionen Euro.
- Portfolioumbau: Verkauf von Urethane Systems an die UBE Corporation sowie die 40,94-prozentige Beteiligung an Envalior gemeinsam mit Advent International halten die zyklischsten Geschäfte aus der eigenen Bilanz heraus.
- Kostenseite: Die Mitarbeiterzahl sank binnen sechs Monaten von 11.709 auf 11.495, ein Minus von 1,8 Prozent.
- Bilanz: Die Nettofinanzschulden blieben mit 2.049 Millionen Euro nahezu stabil, die Eigenkapitalquote sank allerdings von 45,2 auf 41,7 Prozent.
Welche Risiken das Unternehmen selbst nennt
- Geopolitische Konflikte und makroökonomische Entwicklungen – vom Unternehmen selbst als die größten Unsicherheitsquellen bezeichnet.
- Anhaltende Folgen des Ukraine-Kriegs sowie Spannungen im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg und weiteren Nahost-Konflikten.
- Unsicherheit über Handelsbarrieren.
- Nur kurzfristig mögliche Weitergabe volatiler Rohstoff- und Energiepreise an Kunden – für einen Spezialchemiekonzern der zentrale Margenhebel.
- Nachlassende Verlässlichkeit der Lieferketten, weil die Chemieindustrie nach Beobachtung von LANXESS zunehmend Standorte und Anlagen schließt; dazu Lieferengpässe und Abhängigkeit von Einzellieferanten, denen mit mehreren Bezugsquellen begegnet wird.
- Schwer einschätzbare Auswirkungen auf Konsumklima und Nachfrage sowie Transport- und Logistikstörungen. LANXESS stellt fest, dass bislang keine wesentlichen Lieferkettenunterbrechungen eingetreten sind und der Vorstand keine bestandsgefährdenden Risiken erkennt.
Wettbewerb
LANXESS nennt in den eigenen Publikationen keine Wettbewerber namentlich. Die eigene Marktstellung beschreibt das Unternehmen über den Anspruch, in seinen Segmenten und Geschäften jeweils eine Top-3-Position zu halten, und bezeichnet sich als globaler Akteur in der Spezialchemie. Konkrete Marktanteile veröffentlicht LANXESS nicht.
Die Positionierung läuft über Spezialisierung statt Volumen. Seit der Abspaltung von Bayer 2004 hat sich das Portfolio von Basis- und Kautschukchemie in Richtung Additive, Konservierung, Wasseraufbereitung und Aromen verschoben. Die zyklischeren Geschäfte wurden ausgegliedert: die Hochleistungskunststoffe in das Joint Venture Envalior, Urethane Systems an die UBE Corporation. Bemerkenswert ist die Lieferantenliste 2025, die BASF, BP, Covestro, Dow, INEOS, Sasol und Shell nennt – mehrere dieser Konzerne sind in angrenzenden Produktfeldern auch Wettbewerber, werden von LANXESS aber ausschließlich als Lieferanten aufgeführt.
Termine
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 05.11.2026 | Ergebnisse des dritten Quartals 2026 mit Conference Call |
| 17.03.2027 | Ergebnisse des Geschäftsjahres 2026 mit Conference Call |
| 05.05.2027 | Ergebnisse des ersten Quartals 2027 |
| 26.05.2027 | Hauptversammlung 2027 |
| 06.08.2027 | Ergebnisse des zweiten Quartals 2027 |
Fazit
Die Halbjahreszahlen zeigen zwei gegenläufige Bewegungen. Im Quartalsvergleich geht es aufwärts: Der Umsatz lag im zweiten Quartal 6,5 Prozent über Vorjahr und 13,3 Prozent über dem ersten Quartal, das bereinigte EBITDA sequenziell um 61,7 Prozent höher, und der Free Cashflow drehte im Halbjahr von minus 80 auf plus 27 Millionen Euro. Im Halbjahresvergleich geht es abwärts: Umsatz minus 4,2 Prozent, bereinigtes EBITDA minus 13,1 Prozent, EBIT bei minus 67 Millionen Euro, Nettoergebnis bei minus 194 Millionen Euro nach minus 102 Millionen Euro. Die Eigenkapitalquote sank binnen sechs Monaten von 45,2 auf 41,7 Prozent.
Die erste offene Frage ist die Erreichbarkeit der Jahresprognose. Nach 246 Millionen Euro bereinigtem EBITDA im ersten Halbjahr erfordert die Spanne von 450 bis 550 Millionen Euro im zweiten Halbjahr zwischen 204 und 304 Millionen Euro. Das untere Ende läge leicht unter dem Halbjahresniveau, das obere Ende deutlich darüber. Welche Annahmen dahinterstehen, hat LANXESS nicht offengelegt.
Die zweite offene Frage betrifft die Ergebnisstruktur. Das bereinigte EBITDA ist positiv, EBIT und Nettoergebnis sind es nicht. Wie viel davon auf Abschreibungen, wie viel auf Sondereinflüsse und wie viel auf das Finanzergebnis entfällt, lässt sich aus den veröffentlichten Unterlagen nicht beantworten – eine Überleitungsrechnung fehlt. Und drittens bleibt die Dividendenfrage: 0,10 Euro je Aktie seit dem Geschäftsjahr 2023 nach zuvor 1,05 Euro. Unter welchen Bedingungen eine Rückkehr zu einem höheren Niveau möglich wäre, hat das Unternehmen nicht erklärt; die Dividendenpolitik nennt keine Ausschüttungsquote. Die Quartalszahlen am 5. November 2026 sind der nächste Datenpunkt.
Fragen und Antworten
In welchem Index ist die LANXESS Aktie gelistet?
LANXESS ist seit dem 20. Juni 2005 im MDAX notiert, zusätzlich unter anderem im DAX 50 ESG und im STOXX Europe 600 Chemicals. Die ISIN lautet DE0005470405, die WKN 547040.
Woher kommt LANXESS?
Das Unternehmen entstand 2004 durch die Abspaltung der Chemie- und eines Teils der Kunststoffaktivitäten von Bayer. Operativ eigenständig war es ab dem 1. Juli 2004, der Börsengang folgte am 31. Januar 2005.
Warum zahlt LANXESS nur 0,10 Euro Dividende?
Die Dividende wurde seit dem Geschäftsjahr 2023 von zuvor 1,05 Euro auf 0,10 Euro je Aktie reduziert und seither auf diesem Niveau gehalten. Das Unternehmen erklärt, immer eine Dividende zu zahlen und eine stabile oder steigende anzustreben, nennt aber keine Ausschüttungsquote und auch keine Bedingungen für eine Rückkehr zu höheren Beträgen.
Warum weist LANXESS einen Verlust aus, obwohl das EBITDA positiv ist?
Weil zwischen beiden Größen Abschreibungen, Sondereinflüsse und das Finanzergebnis liegen. Im ersten Halbjahr 2026 standen einem bereinigten EBITDA von 246 Millionen Euro ein EBIT von minus 67 und ein Nettoergebnis von minus 194 Millionen Euro gegenüber. Eine Aufschlüsselung dieser Differenz hat das Unternehmen nicht veröffentlicht.
Was ist Envalior?
Ein Joint Venture für Hochleistungskunststoffe, das LANXESS gemeinsam mit Advent International betreibt und an dem das Unternehmen 40,94 Prozent hält. Es wird nicht in den Segmenten konsolidiert und hält damit eines der zyklischeren Geschäfte aus der eigenen Bilanz heraus.
Welches Segment ist bei LANXESS am profitabelsten?
Consumer Protection mit Desinfektions- und Konservierungsmitteln, Aromen und Auftragssynthese. Im zweiten Quartal 2026 lag die EBITDA-Marge vor Sondereinflüssen dort bei 15,7 Prozent, bei Specialty Additives bei 13,1 Prozent und bei Advanced Intermediates bei 7,7 Prozent.
Quellen
- LANXESS AG: Mitteilung zum zweiten Quartal 2026
- LANXESS AG: Quartals- und Halbjahresbericht 2026
- LANXESS AG: Aktienkennzahlen mit ISIN, WKN und Indexzugehörigkeit
- LANXESS AG: Dividendenhistorie und Dividendentermine
- LANXESS AG: Aktionärsstruktur
- LANXESS AG: Finanzkalender
Stand der Daten: 14. Oktober 2026. Dieser Beitrag ist eine Einordnung öffentlich verfügbarer Unternehmensangaben und keine Anlageempfehlung.