RATIONAL Aktie: Analyse, Zahlen und Prognose
Die RATIONAL AG aus Landsberg am Lech baut multifunktionale Kochsysteme für Profiküchen – Geräte, die in Großküchen Grill, Ofen, Kipper und Fritteuse gleichzeitig ersetzen. Das Unternehmen beziffert seinen Marktanteil auf rund 50 Prozent und bezeichnet sich als Weltmarkt- und Technologieführer. 2025 erwirtschafteten rund 2.900 Mitarbeitende einen Umsatz von 1,26 Milliarden Euro.
Für Anleger ist RATIONAL vor allem wegen der Kennzahlen interessant: eine EBIT-Marge von 26,5 Prozent im ersten Halbjahr 2026, eine Eigenkapitalquote von 77,4 Prozent, rund 430 Millionen Euro Nettofinanzvermögen und eine Ausschüttungsquote von 90 Prozent. Für 2025 wurden 20,00 Euro je Aktie ausgezahlt.
In den Halbjahreszahlen steckt allerdings ein Einmaleffekt, den man kennen sollte. Dieses Portrait zeigt, wie das Geschäft funktioniert und welche Fragen für das zweite Halbjahr offen sind.
Unternehmensprofil
| Sitz | Landsberg am Lech, zugleich Produktionsstandort |
| Branche | Professionelle Küchentechnik: multifunktionale Kochsysteme für Großküchen und Gastronomie |
| Produktgruppen | iCombi (Combi-Dämpfer) und iVario (Kippbrat- und Druckgarsysteme) |
| Mitarbeitende | 2.913 (30.06.2026), davon 1.581 in Deutschland |
| Vorstandsvorsitz | Dr. Peter Stadelmann |
| ISIN | DE0007010803 |
| WKN | 701080 |
| Index | MDAX |
| Geschäftsjahr | 1. Januar bis 31. Dezember |
| Aktien | 11.370.000 Stückaktien; die Gesellschaft hält keine eigenen Aktien |
| Aktionärsstruktur | 55,2 Prozent Ankeraktionäre, 44,8 Prozent Streubesitz; Namen und Einzelquoten veröffentlicht das Unternehmen nicht |
Kursverlauf
Der Chart zeigt den Wochenverlauf der fünf Jahre. Kursdaten über TradingView.
Das Geschäftsmodell
Das Geschäft ruht auf zwei Produktgruppen. iCombi, die Combi-Dämpfer, erzielte 2025 1.108,4 Millionen Euro und damit rund 88 Prozent des Umsatzes. iVario, die Kippbrat- und Druckgarsysteme, kam auf 151,2 Millionen Euro oder rund zwölf Prozent. Im ersten Halbjahr 2026 lag das Verhältnis bei 562,2 Millionen Euro für iCombi, ein Plus von fünf Prozent, zu 79,4 Millionen Euro für iVario, ein Plus von 14 Prozent.
Für die Ertragsqualität entscheidend ist die Umsatzart: Rund 69 bis 70 Prozent entfallen auf das Gerätegeschäft, die übrigen rund 30 bis 31 Prozent auf Zubehör, Pflegeprodukte, Ersatzteile und Dienstleistungen einschließlich der Cloud-Plattform ConnectedCooking. Dieses Nachlaufgeschäft wächst mit der installierten Basis und wirkt stabilisierend. In Landsberg entsteht derzeit ein neues Servicepartsgebäude, im ersten Halbjahr 2026 wurde ein Lager in Dubai eröffnet.
Regional ist RATIONAL stark international aufgestellt: Rund 90 Prozent des Umsatzes werden außerhalb Deutschlands erzielt, der Vertrieb läuft über eigene Vertriebsgesellschaften und unabhängige Partner in über 120 Ländern. Im ersten Halbjahr 2026 verteilte sich der Umsatz auf Europa ohne Deutschland mit 285,1 Millionen Euro (44 Prozent, plus neun Prozent), Nordamerika mit 154,0 Millionen Euro (24 Prozent, plus vier Prozent), Asien mit 65,4 Millionen Euro (zehn Prozent, minus zwei Prozent), Deutschland mit 65,6 Millionen Euro (zehn Prozent, plus neun Prozent), Lateinamerika mit 40,4 Millionen Euro (sechs Prozent, plus 18 Prozent) und die übrige Welt mit 31,0 Millionen Euro.
Die Positionierung richtet sich dabei weniger gegen konkrete Hersteller als gegen die konventionelle Küchenausstattung: Das Unternehmen argumentiert, dass ein Kochsystem mehrere herkömmliche Geräte ersetzt. Als Qualitätsindikator nennt RATIONAL einen Net Promoter Score von 60.
Die zuletzt gemeldeten Zahlen
Die folgenden Zahlen stammen aus dem Halbjahresbericht vom 6. August 2026. Das Halbjahr war ertragsseitig von einer Zollerstattung geprägt, die das zweite Quartal spürbar entlastete.
| Kennzahl | H1 2026 (Mio. Euro) | H1 2025 (Mio. Euro) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Umsatz | 641,5 | 606,2 | +6 % (währungsneutral rund +8 %) |
| EBIT | 169,9 | 153,4 | +11 % |
| EBIT-Marge | 26,5 % | 25,3 % | +1,2 Punkte |
| Bruttomarge | 59,8 % | 59,0 % | +0,8 Punkte |
| Ergebnis nach Steuern | 132,3 | 120,3 | +10 % |
| Ergebnis je Aktie | 11,64 Euro | 10,58 Euro | +10 % |
| Operativer Cashflow | 131,0 | 79,4 | +65 % |
| Freier Cashflow | 114,5 | 70,3 | +63 % |
| Eigenkapitalquote | 77,4 % | 78,8 % | −1,4 Punkte |
| Nettofinanzvermögen | rund 430 | – | 31.12.2025: 186 |
Entscheidend für die Beurteilung der Margen: Im zweiten Quartal 2026 wurde eine Erstattung von US-Zöllen in Höhe von 13,886 Millionen Euro in den Umsatzkosten erfasst; das Unternehmen gibt an, den Betrag bereits vollständig erhalten zu haben. Dieser Einmaleffekt erklärt den ungewöhnlich hohen Rohertrag und einen erheblichen Teil der Margenverbesserung. Die währungsneutrale EBIT-Marge lag bei 26,8 Prozent. Auffällig ist zudem das ungleichmäßige Quartalsmuster: Im ersten Quartal lag das organische Wachstum bei über elf Prozent, im zweiten bei rund vier Prozent. Laut Unternehmen war das erste Quartal teilweise durch Vorzieheffekte vor einer US-Preiserhöhung im Februar 2026 begünstigt. Der Bericht stellt außerdem fest, dass die bereinigten Umsatzkosten mit neun Prozent schneller gestiegen sind als der Umsatz. Zum Vergleich das Gesamtjahr 2025: Umsatz 1.259,6 Millionen Euro, EBIT 332,6 Millionen Euro bei 26,4 Prozent Marge, Ergebnis nach Steuern 253,8 Millionen Euro, Ergebnis je Aktie 22,33 Euro, freier Cashflow 219,4 Millionen Euro.
Prognose für das laufende Geschäftsjahr
Für 2026 bestätigt RATIONAL im Halbjahresbericht die Wachstumsprognose im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich. Die EBIT-Marge wird nach derzeitigem Kenntnisstand in der bisherigen Bandbreite von 25 bis 26 Prozent erwartet.
In dieser Prognose sind sowohl die Zollerstattung von rund 14 Millionen Euro als auch erwartete Belastungen aus den aktuellen US-Importzöllen, höheren Logistikkosten und steigenden Rohstoffpreisen enthalten. Als wesentliche Unsicherheitsfaktoren nennt das Unternehmen die US-Zollpolitik und geopolitisch bedingten Kostendruck.
Eine Änderung der Prognose gab es 2026 nicht. Dieselben Bandbreiten wurden bereits in der Quartalsmitteilung am 6. Mai 2026 genannt und im Halbjahresbericht am 6. August 2026 ausdrücklich bestätigt. Bemerkenswert ist, dass die Halbjahresmarge mit 26,5 Prozent über der Obergrenze der Jahresprognose liegt – was auf eine erwartete Abschwächung im zweiten Halbjahr hindeutet, sobald der Zolleffekt entfällt.
Dividende
Für das Geschäftsjahr 2025 wurden insgesamt 20,00 Euro je Aktie ausgezahlt: 16,00 Euro reguläre Dividende plus 4,00 Euro Sonderdividende. Die Hauptversammlung beschloss dies am 29. April 2026 in Augsburg, die Auszahlung erfolgte am 5. Mai 2026. Die Ausschüttungssumme betrug 227,4 Millionen Euro, die Ausschüttungsquote 90 Prozent.
Die Historie der regulären Dividende je Aktie: 15,00 Euro für 2024, 13,50 Euro für 2023, 11,00 Euro plus 2,50 Euro Sonderdividende für 2022, 7,50 Euro plus 2,50 Euro für 2021, 4,80 Euro für 2020 und 5,70 Euro für 2019. Eine Aussetzung der Dividende hat es in diesem Zeitraum nicht gegeben.
Dass eine Ausschüttungsquote von 90 Prozent tragfähig ist, liegt an der Bilanz: Bei einer Eigenkapitalquote von 77,4 Prozent und einem Nettofinanzvermögen von rund 430 Millionen Euro finanziert die Gesellschaft Wachstum und Ausschüttung aus eigener Kraft.
Was das Geschäft antreibt
- Währungsneutrales Wachstum von rund acht Prozent im Halbjahr, das das berichtete Wachstum von sechs Prozent um rund zwei Punkte übersteigt – die Währung war 2026 ein Gegenwind, nicht ein Treiber.
- Das Nachlaufgeschäft: Rund 31 Prozent des Umsatzes entfallen auf Zubehör, Ersatzteile, Pflegeprodukte und Services einschließlich ConnectedCooking, die mit der installierten Basis mitwachsen.
- iVario als Wachstumstreiber: plus 14 Prozent im Halbjahr gegenüber plus fünf Prozent bei iCombi, wenn auch von deutlich kleinerer Basis.
- Lateinamerika mit plus 18 Prozent und Europa ohne Deutschland mit plus neun Prozent als stärkste Regionen; Nordamerika bleibt mit 24 Prozent Umsatzanteil der zweitgrößte Einzelmarkt.
- Finanzielle Unabhängigkeit: Eigenkapitalquote 77,4 Prozent, Nettofinanzvermögen rund 430 Millionen Euro zum Halbjahresende.
- Die Zollerstattung von 13,886 Millionen Euro im zweiten Quartal, die in den Umsatzkosten verbucht wurde und in der Jahresprognose bereits enthalten ist.
Welche Risiken das Unternehmen selbst nennt
- US-Zollpolitik als wesentlicher Unsicherheitsfaktor; höhere US-Importzölle werden als Belastung für den Ausblick erwartet.
- Wettbewerbs- und Substitutionsrisiken – bei einem beanspruchten Marktanteil von rund 50 Prozent die naheliegende Risikokategorie.
- Währungsrisiken – im Halbjahr 2026 konkret sichtbar in der Differenz zwischen sechs Prozent berichtetem und rund acht Prozent währungsneutralem Wachstum.
- Steigende Logistikkosten und steigende Rohstoffpreise.
- Herausfordernde Marktbedingungen in China, die auf die Region Asien drücken; dort lag der Umsatz im Halbjahr zwei Prozent unter Vorjahr.
- Rechtliche Risiken aus lokalen Gesetzen und Vorschriften. Der Halbjahresbericht beschreibt die Risikolage insgesamt als gegenüber dem letzten Konzernabschluss unverändert.
Wettbewerb
RATIONAL nennt in den eigenen Publikationen keinen einzigen Wettbewerber namentlich; Wettbewerb taucht ausschließlich als Risikokategorie auf. Umso ausgeprägter sind die eigenen Marktpositionsaussagen: Das Unternehmen beziffert seinen Marktanteil auf rund 50 Prozent und bezeichnet sich als Weltmarkt- und Technologieführer für multifunktionale Kochsysteme in Profiküchen. Als Qualitätsindikator nennt es einen Net Promoter Score von 60.
Die Positionierung ist dabei weniger gegen konkrete Hersteller als gegen die konventionelle Küchenausstattung gerichtet: Ein Kochsystem ersetzt nach Darstellung des Unternehmens mehrere herkömmliche Geräte. Der Vertrieb läuft in über 120 Ländern über eigene Vertriebsgesellschaften, die ausgebaut werden, ergänzt um unabhängige Partner mit Händlerboni und Vertriebsveranstaltungen. Der Halbjahresbericht zitiert einen externen Beitrag, wonach sich Marktanteile in der Gastronomie zu Konzepten mit klarer Positionierung und hoher operativer Effizienz verschieben – eine Entwicklung, die RATIONAL implizit zu seinen Gunsten auslegt, ohne daraus einen eigenen Marktanteilsgewinn abzuleiten.
Termine
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 05.11.2026 | Zahlen zu den ersten neun Monaten 2026, virtuell |
| 19.11.2026 | Capital Markets Day 2026 |
| 29.04.2026 | Hauptversammlung in Augsburg (bereits stattgefunden) |
Fazit
Die Halbjahreszahlen 2026 zeigen ein Unternehmen, das in einem schwachen gesamtwirtschaftlichen Umfeld weiter wächst: Umsatz plus sechs Prozent berichtet und rund plus acht Prozent währungsneutral, EBIT plus elf Prozent, Ergebnis nach Steuern plus zehn Prozent, freier Cashflow plus 63 Prozent. Die Eigenkapitalquote liegt bei 77,4 Prozent, das Nettofinanzvermögen bei rund 430 Millionen Euro. Für 2025 wurden 20,00 Euro je Aktie bei einer Ausschüttungsquote von 90 Prozent gezahlt.
Zur Ergebnisqualität gehört allerdings die Zollerstattung von rund 14 Millionen Euro, die im zweiten Quartal in den Umsatzkosten erfasst wurde und die Bruttomarge auf 59,8 sowie die Halbjahres-EBIT-Marge auf 26,5 Prozent hob. Das Unternehmen weist diesen Posten transparent aus und bezieht ihn ausdrücklich in die bestätigte Margenprognose von 25 bis 26 Prozent ein. Zugleich stellt der Bericht fest, dass die bereinigten Umsatzkosten mit neun Prozent schneller gestiegen sind als der Umsatz. Das Quartalsmuster ist ungleichmäßig: über elf Prozent organisches Wachstum im ersten Quartal, rund vier Prozent im zweiten – laut Unternehmen unter anderem wegen Vorzieheffekten vor einer US-Preiserhöhung im Februar 2026.
Drei Fragen bleiben offen. Wie viel vom Wachstum des ersten Quartals war Vorzieheffekt und wie viel Markt – und trägt die Nachfrage im zweiten Halbjahr die bestätigte Wachstumsprognose? Wie entwickelt sich die Marge, wenn der Zolleffekt entfällt und die vom Unternehmen genannten Belastungen aus US-Importzöllen, Logistik- und Rohstoffkosten voll durchschlagen? Und lässt sich die Schwäche in Asien, die RATIONAL auf herausfordernde Marktbedingungen in China zurückführt, durch Lateinamerika und Europa dauerhaft kompensieren? Quantifizierte Unternehmensangaben liegen dazu nicht vor. Die Neunmonatszahlen am 5. November 2026 und der Capital Markets Day am 19. November sind die nächsten Datenpunkte.
Fragen und Antworten
In welchem Index ist die RATIONAL Aktie gelistet?
RATIONAL ist im MDAX notiert. Die ISIN lautet DE0007010803, die WKN 701080. Es gibt nur 11.370.000 Stückaktien – eine für einen MDAX-Wert ungewöhnlich kleine Zahl, was den hohen Kurs je Aktie erklärt.
Was macht RATIONAL?
Das Unternehmen baut multifunktionale Kochsysteme für Profiküchen. Diese Geräte ersetzen in Großküchen mehrere konventionelle Geräte wie Grill, Ofen, Kipper und Fritteuse. Die beiden Produktlinien heißen iCombi und iVario.
Wie viel Dividende zahlt RATIONAL?
Für das Geschäftsjahr 2025 waren es insgesamt 20,00 Euro je Aktie: 16,00 Euro reguläre Dividende plus 4,00 Euro Sonderdividende, ausgezahlt am 5. Mai 2026. Die Ausschüttungsquote lag bei 90 Prozent, die Ausschüttungssumme bei 227,4 Millionen Euro.
Warum war die Marge im Halbjahr 2026 so hoch?
Zu einem erheblichen Teil wegen einer Einmalzahlung: Im zweiten Quartal wurde eine Erstattung von US-Zöllen über 13,886 Millionen Euro in den Umsatzkosten erfasst. Das hob die Bruttomarge auf 59,8 Prozent und die EBIT-Marge auf 26,5 Prozent. Die Jahresprognose nennt dennoch nur 25 bis 26 Prozent.
Wie groß ist der Marktanteil von RATIONAL?
Das Unternehmen beziffert ihn selbst auf rund 50 Prozent und bezeichnet sich als Weltmarktführer für professionelle Kochsysteme. Wettbewerber nennt es in den eigenen Publikationen nicht namentlich.
Wie abhängig ist RATIONAL von Deutschland?
Kaum. Rund 90 Prozent des Umsatzes werden außerhalb Deutschlands erzielt. Im ersten Halbjahr 2026 entfielen 44 Prozent auf Europa ohne Deutschland, 24 Prozent auf Nordamerika, zehn Prozent auf Asien und zehn Prozent auf Deutschland.
Quellen
- RATIONAL AG: Halbjahresbericht 2026
- RATIONAL AG: Quartalsmitteilung zum ersten Quartal 2026
- RATIONAL AG: Unternehmensprofil 2025 mit Stammdaten, Marktanteil und Dividendenhistorie
- RATIONAL AG: Einladung zur Hauptversammlung 2026 mit Gewinnverwendungsvorschlag
- RATIONAL AG Investor Relations: Publikationsübersicht
Stand der Daten: 14. Oktober 2026. Dieser Beitrag ist eine Einordnung öffentlich verfügbarer Unternehmensangaben und keine Anlageempfehlung.