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5G-Antenne auf einem Dach über einer deutschen Stadt bei Sonnenaufgang
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1&1 Aktie: Analyse, Zahlen und Prognose

Die 1&1 AG aus Montabaur vermarktet Mobilfunk- und Breitbandanschlüsse an Privat- und Geschäftskunden in Deutschland und betreibt seit 2023 ein eigenes 5G-Mobilfunknetz – nach eigener Darstellung das erste vollständig virtualisierte 5G-Netz Europas auf Open-RAN-Basis. Zum 30. Juni 2026 bestanden 16,18 Millionen Kundenverträge.

Für Anleger ist 1&1 derzeit ein Sonderfall, weil zwei große Umbauten gleichzeitig laufen: Der Netzaufbau verschiebt Kosten von Roaming-Zahlungen zu eigenen Abschreibungen, und das Ende 2025 übernommene Geschäftskundengeschäft 1&1 Versatel wird restrukturiert. Entsprechend stieg das EBITDA im ersten Halbjahr 2026 deutlich, während Konzernergebnis und Ergebnis je Aktie um rund 59 Prozent fielen.

Dazu kommt eine ungewöhnliche Eigentümerstruktur: United Internet hält nach einer Kapitalerhöhung im Oktober 2026 rund 89 Prozent. Dieses Portrait erklärt beides und benennt, worauf bei den Zahlen zu achten ist.

Unternehmensprofil

SitzMontabaur
HistorieUrsprung 1988 als 1&1 Marketing GmbH; Börsennotierung seit 22.04.1998; heutige Struktur aus 1&1 Drillisch hervorgegangen
BrancheTelekommunikation
SegmenteConsumer & Small Business, Enterprises & Networks (seit 2026)
Mitarbeitende4.602 (30.06.2026)
VorstandsvorsitzRalph Dommermuth (seit Januar 2018)
ISINDE0005545503
WKN554550
IndexSDAX nach den Indexdaten der Deutschen Börse; Prime Standard
Geschäftsjahr1. Januar bis 31. Dezember
Aktien212.117.578 Stückaktien nach der Kapitalerhöhung vom 05.10.2026, Grundkapital 233.329.335,80 Euro
GroßaktionärUnited Internet AG mit rund 89,32 Prozent nach Wirksamwerden der Sacheinlage; Streubesitz entsprechend rund 10,7 Prozent

Kursverlauf

Der Chart zeigt den Wochenverlauf der fünf Jahre. Kursdaten über TradingView.

Das Geschäftsmodell

1&1 verdient sein Geld mit Mobilfunk- und Breitbandverträgen in Deutschland. Der Umsatz 2025 teilte sich in Service-Umsatz von 3.336,4 Millionen Euro, rund 80,7 Prozent, und Hardware und Sonstiges von 799,4 Millionen Euro, rund 19,3 Prozent, bei einem Gesamtumsatz von 4.135,8 Millionen Euro. Zum 30. Juni 2026 bestanden 16,18 Millionen Kundenverträge, davon 12,33 Millionen im Bereich Mobile Internet und 3,85 Millionen im Breitband.

Seit dem Geschäftsjahr 2026 berichtet das Unternehmen in zwei Segmenten. Consumer & Small Business, vorher Access genannt, erzielte im ersten Halbjahr 2026 einen Service-Umsatz von 1.623,6 Millionen Euro, ein Minus von 1,2 Prozent, und ein EBITDA von 391,3 Millionen Euro. Enterprises & Networks fasst den Netzbetrieb für Mobilfunk und Glasfaser sowie das im Dezember 2025 erworbene und erstmals konsolidierte Geschäftskundengeschäft 1&1 Versatel zusammen: Service-Umsatz von 181,3 Millionen Euro nach 3,0 Millionen Euro im Vorjahr und ein EBITDA von minus 8,6 Millionen Euro nach minus 130,6 Millionen Euro.

Entscheidend für das Verständnis der Finanzzahlen ist die enge Verflechtung mit der Muttergesellschaft. United Internet ist Darlehensgeber, Cash-Management-Partner mit 263,5 Millionen Euro angelegter Liquidität zum 30. Juni 2026 und war Gläubiger aus dem Versatel-Erwerb. Die Forderungen von United Internet gegen 1&1 Versatel über nominal 850.237.942,45 Euro wurden am 5. Oktober 2026 als Sacheinlage in Eigenkapital gewandelt – was die Finanzierungsaufwendungen senkt, aber den Anteil der Mutter weiter erhöht.

Eine geografische Aufteilung gibt es nicht, 1&1 ist ein rein deutsches Geschäft. Außerhalb der eigenen Ausbaugebiete nutzen Kunden National Roaming über Vodafone – jede eigene Funkzelle ersetzt damit eine teurere Fremdleistung.

Die zuletzt gemeldeten Zahlen

Die folgenden Zahlen stammen aus dem Halbjahresfinanzbericht vom 6. August 2026. Ein Hinweis zur Lesart: 1&1 vergleicht im Vorstandsbrief mit Vorjahreswerten einschließlich Versatel, in den Tabellen mit den unveränderten Vorjahreswerten. Dieselbe Kennzahl hat dadurch zwei Veränderungsraten.

Kennzahl (Mio. Euro)H1 2026H1 2025Veränderung
Umsatz2.269,72.006,4+13,1 % (inkl. Versatel +1,6 %)
Service-Umsatz1.804,91.646,5+9,6 % (inkl. Versatel −1,1 %)
EBITDA382,7283,9+34,8 % (inkl. Versatel +5,1 %)
EBITDA-Marge16,9 %14,1 %+2,8 Punkte
EBIT111,3118,1−5,8 %
Ergebnis vor Steuern44,0107,2−59,0 %
Konzernergebnis30,574,6−59,1 %
Ergebnis je Aktie0,17 Euro0,42 Euro−59,5 %
Operativer Cashflow387,2229,5+68,7 %
Free Cashflow167,2111,5+50,0 %
Cash-Capex220,4118,1+86,6 %
Eigenkapitalquote55,1 %54,5 % (31.12.2025)+0,6 Punkte
Kundenverträge16,18 Mio.16,32 Mio. (31.12.2025)−140.000

Der Rückgang bei EBIT und Konzernergebnis gegenüber den unveränderten Vorjahreswerten wird mit höheren Abschreibungen begründet – eine direkte Folge des Netzaufbaus. Das Finanzergebnis verschlechterte sich durch gestiegene Finanzierungsaufwendungen, unter anderem aus Darlehen der United Internet AG. Beim Kundenbestand verlor 1&1 netto rund 140.000 Verträge, überwiegend im Bereich Mobile Internet. Bemerkenswert ist die Verteilung: Rund 100.000 der etwa 150.000 Mobilfunk-Abgänge fielen allein auf den April, nach der Neuausrichtung des Discount-Tarifportfolios. Breitband legte dagegen um 10.000 Verträge zu. Eine Nettoverschuldung weist 1&1 nicht als Kennzahl aus; die langfristigen Schulden stiegen auf 4.017,7 Millionen Euro nach 3.805,1 Millionen Euro zum Jahresende 2025.

Prognose für das laufende Geschäftsjahr

Die ursprüngliche Prognose für 2026, veröffentlicht am 19. März 2026, lautete auf einen Service-Umsatz auf Vorjahresniveau, ein EBITDA von rund 800 Millionen Euro nach 689 Millionen Euro im Vorjahr einschließlich Versatel sowie einen Cash-Capex von 500 bis 550 Millionen Euro. Für 2027 und 2028 stellte das Unternehmen ein operatives EBITDA-Wachstum von jährlich rund 100 Millionen Euro in Aussicht.

Am 10. September 2026 wurde die EBITDA-Prognose per Ad-hoc-Mitteilung angepasst. Vorstand und Aufsichtsrat beschlossen ein Transformations- und Restrukturierungsprogramm bei 1&1 Versatel: Die Zielorganisation wird von rund 1.350 auf rund 1.000 Vollzeitstellen reduziert, Hierarchieebenen werden abgebaut, Organisation, Prozesse und IT umgestellt. Erwartet werden Einmalaufwendungen von rund 60 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2026.

Die EBITDA-Prognose 2026 liegt damit bei rund 740 Millionen Euro, das bereinigte EBITDA ohne Programmeffekte weiterhin bei rund 800 Millionen Euro. Die übrigen Prognosebestandteile bleiben unverändert. Ab dem Geschäftsjahr 2028 erwartet 1&1 nach vollständiger Umsetzung einen jährlichen Ergebnisbeitrag von rund 25 Millionen Euro. Die Maßnahmen sollen nach Unternehmensangaben sozialverträglich und im partnerschaftlichen Dialog mit den Arbeitnehmervertretungen umgesetzt werden.

Dividende

Für das Geschäftsjahr 2025 wurden 0,05 Euro je Aktie ausgeschüttet, unverändert gegenüber dem Vorjahr, beschlossen von der Hauptversammlung am 20. Mai 2026. Die Gesamtausschüttung lag bei rund 8,8 Millionen Euro.

Für das laufende Geschäftsjahr ist ein Detail wichtig: Die 35.352.929 neuen Aktien aus der Sacheinlage vom Oktober 2026 sind ab dem 1. Januar 2026 dividendenberechtigt. Das erhöht die dividendenberechtigte Aktienzahl für 2026 deutlich – bei gleichbleibender Dividende je Aktie würde die Ausschüttungssumme entsprechend steigen.

Eine formulierte Dividendenpolitik oder eine Ausschüttungsquote veröffentlicht 1&1 nicht.

Was das Geschäft antreibt

  • Netzausbau als Entlastungshebel: Das eigene Open-RAN-Netz erreichte laut Halbjahresbericht mehr als 34 Prozent der deutschen Haushalte, nach 27 Prozent im Dezember 2025 – bei einer Vorgabe der Bundesnetzagentur von 25 Prozent für Ende 2025. Jede eigene Funkzelle ersetzt teureres National Roaming.
  • Edge-Infrastruktur: Rund 350 von mehr als 500 geplanten Edge-Rechenzentren sind in Betrieb, nach mehr als 300 zum Jahresende 2025.
  • Versatel-Konsolidierung: Das Segment Enterprises & Networks verbesserte sein EBITDA im Halbjahr auf minus 8,6 Millionen Euro nach minus 130,6 Millionen Euro.
  • Restrukturierung bei Versatel: Personalabbau von rund 1.350 auf rund 1.000 Vollzeitstellen; ab 2028 wird ein Ergebnisbeitrag von rund 25 Millionen Euro pro Jahr erwartet.
  • Breitbandwachstum gegen Mobilfunkschwäche: plus 10.000 Breitbandverträge im Halbjahr, während Mobile Internet nach der Tarifumstellung im April um rund 150.000 Verträge zurückging.
  • Eigenkapitalstärkung durch die Mutter: Die Wandlung von Forderungen über nominal 850,2 Millionen Euro in Eigenkapital senkt die Finanzierungsaufwendungen.

Welche Risiken das Unternehmen selbst nennt

  • Betrug und Forderungsausfall – die eigene Einstufung wurde von gering auf moderat angehoben, vor allem im Segment Consumer & Small Business.
  • Finanz- und Liquiditätsrisiken – ebenfalls von gering auf moderat angehoben, begründet mit der Versatel-Übernahme und variabel verzinsten Darlehen.
  • Mitarbeiterrisiken – diese Einstufung wurde dagegen von moderat auf gering gesenkt.
  • Regulierung der Frequenzen: Die Bundesnetzagentur hat ein Anhörungsverfahren zur kooperativen Nutzung von Frequenzen unter einem Gigahertz eingeleitet; eine Entscheidung steht noch aus.
  • Wettbewerbsumfeld: Das Kundenvertragswachstum ist laut eigener Prognose ausdrücklich vom Wettbewerbsumfeld abhängig.
  • Abhängigkeit von der Muttergesellschaft: Nicht als Einzelrisiko gelistet, aber strukturell bedeutsam – United Internet ist zugleich Großaktionär mit rund 89 Prozent, Darlehensgeber und Cash-Management-Partner. Bestandsgefährdende Risiken sind laut Bericht nicht erkennbar.

Wettbewerb

1&1 nennt in den eigenen Berichten keine Wettbewerber namentlich und beschreibt sich stattdessen über Marktposition und Testergebnisse: als einer der führenden Telekommunikationsanbieter Deutschlands. Für 2025 verweist das Unternehmen auf die höchste Kundenzufriedenheit in den connect-Kundenbarometern sowohl für Internet als auch für Mobilfunk, auf Testsiege bei IMTEST und zafaco im Festnetz sowie darauf, dass connect das 1&1-Mobilfunknetz in der ersten Bewertung mit sehr gut einstufte.

Die eigene Positionierung ruht auf dem Netz: 1&1 bezeichnet sein Netz als das erste vollständig virtualisierte 5G-Netz Europas auf Open-RAN-Basis. Alle Ausbauverpflichtungen gegenüber der Bundesnetzagentur bis Ende 2025 wurden nach eigenen Angaben erfüllt. Eine offene Frage bleibt, wie sich das anhängige Anhörungsverfahren der Bundesnetzagentur zur kooperativen Nutzung von Frequenzen unter einem Gigahertz auf die relative Position von 1&1 gegenüber den drei etablierten Netzbetreibern auswirkt. Zur Indexhistorie ist anzumerken: STOXX hatte 1&1 im Juli 2025 aus SDAX, HDAX und TecDAX entfernt, wogegen das Unternehmen öffentlich widersprach; nach den aktuellen Indexdaten der Deutschen Börse ist die Aktie wieder im SDAX enthalten.

Termine

DatumEreignis
12.11.2026Quartalsmitteilung zum dritten Quartal 2026
06.08.2026Halbjahresfinanzbericht 2026 (bereits veröffentlicht)
20.05.2026Hauptversammlung in Frankfurt (bereits stattgefunden)

Fazit

1&1 steckt 2026 in einer Phase, in der zwei Dinge gleichzeitig passieren: Der Mobilfunknetzaufbau verschiebt Kosten von Roaming-Zahlungen zu eigenen Abschreibungen, und das zugekaufte Geschäftskundengeschäft Versatel wird restrukturiert. Beides zeigt sich in der Zahlenstruktur. Das EBITDA stieg im Halbjahr deutlich, EBIT und Konzernergebnis gingen gegenüber den unveränderten Vorjahreswerten zurück. Für Leser ist wichtig, welche Vergleichsbasis eine Meldung verwendet – 1&1 nutzt beide, mit und ohne Versatel.

Offen bleibt, wie sich der Kundenbestand nach der Neuausrichtung des Discount-Tarifportfolios im April 2026 entwickelt. Der Nettoverlust von rund 140.000 Verträgen im ersten Halbjahr ging überwiegend auf einen einzelnen Monat zurück. Ob daraus ein höherer Umsatz pro Vertrag entsteht, der den Mengenrückgang überkompensiert, lässt sich aus den veröffentlichten Halbjahresdaten nicht beantworten.

Eine zweite offene Frage betrifft die Eigentümerstruktur. Nach der Sacheinlage im Oktober 2026 hält United Internet rund 89,32 Prozent, der Streubesitz liegt damit bei etwa 10,7 Prozent. Welche Folgen das für Handelbarkeit und Kursbildung hat und ob weitere Schritte bei der Beteiligungshöhe folgen, ist aus den Unternehmensveröffentlichungen nicht ableitbar. Und drittens: Reicht die auf rund 740 Millionen Euro angepasste EBITDA-Prognose nach einem Halbjahr mit 382,7 Millionen Euro? Die Quartalsmitteilung am 12. November 2026 ist der nächste Datenpunkt.

Fragen und Antworten

In welchem Index ist die 1&1 Aktie gelistet?

Nach den Indexdaten der Deutschen Börse ist 1&1 im SDAX enthalten und im Prime Standard gelistet. Die ISIN lautet DE0005545503, die WKN 554550. Zur Historie: STOXX hatte die Aktie im Juli 2025 aus SDAX, HDAX und TecDAX entfernt, wogegen das Unternehmen öffentlich widersprach.

Wem gehört 1&1?

Der United Internet AG. Nach der Kapitalerhöhung gegen Sacheinlage vom 5. Oktober 2026 hält sie rund 89,32 Prozent. Der Streubesitz liegt damit bei etwa 10,7 Prozent.

Hat 1&1 ein eigenes Mobilfunknetz?

Ja, seit 2023. Das Unternehmen bezeichnet es als das erste vollständig virtualisierte 5G-Netz Europas auf Open-RAN-Basis. Es erreichte laut Halbjahresbericht 2026 mehr als 34 Prozent der deutschen Haushalte. Außerhalb der eigenen Ausbaugebiete nutzen Kunden National Roaming über Vodafone.

Warum ist der Gewinn 2026 so stark gefallen?

Vor allem wegen höherer Abschreibungen aus dem Netzaufbau und gestiegener Finanzierungsaufwendungen, unter anderem aus Darlehen der Muttergesellschaft. Das EBITDA, das vor Abschreibungen gemessen wird, stieg im Halbjahr dagegen um 34,8 Prozent.

Wie viel Dividende zahlt 1&1?

Für das Geschäftsjahr 2025 waren es 0,05 Euro je Aktie, unverändert gegenüber dem Vorjahr, insgesamt rund 8,8 Millionen Euro. Eine formulierte Dividendenpolitik veröffentlicht das Unternehmen nicht.

Was ist 1&1 Versatel?

Das Geschäftskundengeschäft, das 1&1 im Dezember 2025 übernommen und erstmals konsolidiert hat. Es ist Teil des Segments Enterprises & Networks. Seit September 2026 läuft dort ein Restrukturierungsprogramm mit einer Reduzierung von rund 1.350 auf rund 1.000 Vollzeitstellen und Einmalaufwendungen von rund 60 Millionen Euro im Jahr 2026.

Quellen

Stand der Daten: 14. Oktober 2026. Dieser Beitrag ist eine Einordnung öffentlich verfügbarer Unternehmensangaben und keine Anlageempfehlung.