SCHOTT Pharma Aktie: Der Spezialist für Pharmaverpackungen im Portrait
SCHOTT Pharma aus Mainz baut die Behälter, in denen injizierbare Arzneimittel stecken: Glas- und Polymer-Fertigspritzen, Karpulen, Vials und Ampullen. Das Unternehmen bezeichnet sich als „Pure Player“ für Injectables, beschäftigte zum 30.06.2026 5.002 Menschen an 17 Produktionsstandorten und zählt nach eigener Angabe alle Top-30-Pharmakonzerne der Welt zu seinen Kunden.
Wichtig für jede Zahl in diesem Portrait: Das Geschäftsjahr läuft vom 1. Oktober bis zum 30. September. Das Geschäftsjahr 2026 war am Datenstand bereits beendet, die Jahreszahlen werden aber erst am 10.12.2026 veröffentlicht. Letzte berichtete Periode sind die ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2026, also Oktober 2025 bis Juni 2026.
SCHOTT Pharma hat dieses Jahr selbst zum „Brückenjahr“ erklärt, weil ein Schlüsselkunde seine Markterwartung für Glasspritzen revidierte. Dieses Portrait fasst zusammen, was das Unternehmen selbst veröffentlicht – inklusive der ungewöhnlich offen gelegten Kundenkonzentration und einer Prognoseanhebung, deren Zusammensetzung offen bleibt.
Unternehmensprofil
| Firmenname | SCHOTT Pharma AG & Co. KGaA |
| Sitz | Hattenbergstraße 10, 55122 Mainz |
| Rechtsform | Kommanditgesellschaft auf Aktien; Komplementärin ist die SCHOTT Pharma Management AG, die die Geschäfte führt |
| Historie | Das IR-Factbook führt die Geschichte auf 1884 zurück, den Beginn der Pionierarbeit im Pharmabereich auf 1911; eigenständig börsennotiert seit dem 28.09.2023 |
| Branche | Pharmazeutische Primärverpackung und Verabreichungssysteme für injizierbare Arzneimittel |
| Segmente | Drug Containment Solutions (DCS) und Drug Delivery Systems (DDS) |
| Produkte | Glas- und Polymer-Fertigspritzen, Karpulen, Vials, Ampullen; Marken cartriQ, EVERIC pure, SCHOTT FIOLAX |
| Mitarbeiter | 5.002 zum 30.06.2026 (30.09.2025: 4.811) |
| Standorte | 17 Produktionsstandorte – 7 in EMEA, 5 in Americas, 5 in APAC – dazu zwei Analytiklabore und F&E-Zentren mit über 120 Beschäftigten |
| Vorstand der Komplementärin | Christian Mias (CEO, seit Mai 2026), Reinhard Mayer (CFO, seit August 2025) |
| Aufsichtsratsvorsitz | Peter Goldschmidt |
| ISIN | DE000A3ENQ51 |
| WKN | A3ENQ5 |
| Ticker | 1SXP |
| Index | SDAX; Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse |
| Börsengang | Ausgabepreis 27,00 Euro, erster Handelstag 28.09.2023 |
| Aktienzahl | 150.614.616 Aktien |
| Grundkapital | 150.614.616 Euro |
| Großaktionär | Carl-Zeiss-Stiftung 77,0 Prozent, mittelbar über die SCHOTT AG; T. Rowe Price 5,01 Prozent; Qatar Holding 4,9 Prozent |
| Streubesitz | 18 Prozent (IR-Factbook September 2026) |
| Geschäftsjahr | 1. Oktober bis 30. September |
| Website | schott-pharma.com |
Kursverlauf
Der Chart zeigt den Wochenverlauf der fünf Jahre. Kursdaten über TradingView.
Das Geschäftsmodell
SCHOTT Pharma verkauft Glas- und Polymer-Fertigspritzen, Karpulen, Vials und Ampullen an die Pharmaindustrie – ergänzt um Dienstleistungen: analytische Prüfungen, Optimierung von Abfüllprozessen, Analyse der Arzneimittel-Behälter-Kompatibilität und Unterstützung bei der Regulierungsdokumentation. Für diese Services weist das Unternehmen keine separaten Umsatzgrößen aus.
Der entscheidende Werttreiber ist die Unterscheidung zwischen Core-Produkten und High-Value Solutions – sterilisierten, einsatzfertigen und technologisch anspruchsvolleren Lösungen mit höherer Marge. Deren Anteil am Umsatz stieg von 39 Prozent im Geschäftsjahr 2022 über 48 und 55 Prozent auf 57 Prozent im Geschäftsjahr 2025. Das Mittelfristziel lautet über 60 Prozent.
Drug Containment Solutions umfasst Ampullen, Vials und Karpulen, überwiegend aus Glas. Rund 77 Prozent dieser Produkte sind Core-Produkte und keine High-Value Solutions. Drug Delivery Systems umfasst Glas- und Polymer-Fertigspritzen, die alle sterilisiert, einsatzfertig und vollständig als High-Value Solutions klassifiziert sind – höhere Marge, aber höhere Volatilität durch Kundenkonzentration.
In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2026 liefen die beiden Segmente in entgegengesetzte Richtung. DCS erzielte 445,4 Millionen Euro Umsatz (+7,6 Prozent) und 109,7 Millionen Euro EBITDA (+10,1 Prozent) bei einer Marge von 24,6 Prozent nach 24,1 Prozent. DDS stagnierte mit 325,1 Millionen Euro Umsatz (−0,2 Prozent), das EBITDA brach um 16,3 Prozent auf 95,7 Millionen Euro ein, die Marge fiel von 35,1 auf 29,5 Prozent.
Regional entfielen im Geschäftsjahr 2025 528,6 Millionen Euro oder 54 Prozent des Umsatzes auf EMEA, rund 290,5 Millionen Euro oder 29 Prozent auf die Amerikas – davon 202,8 Millionen Euro Nordamerika und 87,7 Millionen Euro Südamerika – und 167,1 Millionen Euro oder 17 Prozent auf Asien und den Südpazifik.
Die Kundenkonzentration legt SCHOTT Pharma ungewöhnlich offen: Mehr als 1.800 Kunden, aber die Top 5 stehen für rund 30 Prozent des Umsatzes und die Kunden 6 bis 10 für weitere rund 15 Prozent – zusammen rund 45 Prozent bei den zehn größten. Als Gegengewicht nennt das Unternehmen, dass 97 Prozent des Umsatzes im Geschäftsjahr 2025 von Wiederholungskunden stammten. Der Grund dafür liegt im Geschäftsmodell: Primärverpackungen sind Teil der arzneimittelrechtlichen Zulassung, ein Lieferantenwechsel ist für den Pharmakunden kein Einkaufsvorgang, sondern ein Regulierungsvorgang. Auftragseingang und Auftragsbestand berichtet das Unternehmen nicht.
Die zuletzt gemeldeten Zahlen
Letzte berichtete Periode sind die ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2026, also 01.10.2025 bis 30.06.2026, veröffentlicht am 12.08.2026. Alle Werte in Millionen Euro, sofern nicht anders angegeben. Die Vorjahreszahlen wurden wegen der Erlösvereinnahmung nach IFRS 15 und einer geänderten Cashflow-Klassifizierung angepasst.
| Kennzahl | 9M 2026 (Mio. Euro) | 9M 2025 (Mio. Euro) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Umsatz | 769,8 | 739,2 | +4,1 % (währungsbereinigt +4,4 %) |
| EBITDA | 205,3 | 213,3 | −3,8 % |
| EBITDA-Marge | 26,7 % | 28,9 % | −2,2 Pp |
| EBIT | 139,7 | 156,0 | −10,4 % |
| EBIT-Marge | 18,2 % | 21,1 % | −2,9 Pp |
| Periodenergebnis | 103,4 | 113,7 | −9,0 % |
| Ergebnis je Aktie | 0,68 Euro | 0,75 Euro | −9,3 % |
| Operativer Cashflow | 140,7 | 127,7 | +10,2 % |
| Free Cashflow | 58,9 | 39,6 | +48,7 % |
| Investitionen | 82,5 | – | – |
| Nettofinanzverschuldung | 106,0 | 122,2* | −13,3 % |
| Eigenkapital | 998,4 | 893,7* | +11,7 % |
| Eigenkapitalquote | 58,9 % | 55,9 %* | +3,0 Pp |
| Mitarbeiter | 5.002 | 4.811* | +4,0 % |
* Bilanz- und Mitarbeiterwerte sind gegen den 30.09.2025 verglichen. Die Umsatzbrücke zeigt +32,3 Mio. Euro organisch und −1,7 Mio. Euro Währungseffekt. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 allein lag der Umsatz bei 281,8 Mio. Euro nach 256,2 Mio. Euro (+8,3 Prozent währungsbereinigt), das EBITDA bei rund 75 Mio. Euro nach rund 83 Mio. Euro mit einer Marge von 26,8 nach 32,3 Prozent, das EBIT bei 53,3 nach 63,1 Mio. Euro. Das Quartal brachte damit das höchste Umsatzwachstum des Geschäftsjahres bei gleichzeitig dem stärksten Margeneinbruch. Zum Vergleich das Geschäftsjahr 2025 (bis 30.09.2025): Umsatz 986,2 Mio. Euro (+3,0 Prozent, währungsbereinigt +5,8 Prozent), EBITDA 280,3 Mio. Euro (+8,8 Prozent) bei 28,4 Prozent Marge, EBIT 200,8 Mio. Euro, Periodenergebnis 147,0 Mio. Euro (−2,2 Prozent), Ergebnis je Aktie 0,97 Euro, operativer Cashflow 179,9 Mio. Euro (−20,0 Prozent), Free Cashflow 36,8 Mio. Euro nach 81,0 Mio. Euro, Investitionen 147,0 Mio. Euro. Auffällig: Das EBITDA stieg, das Periodenergebnis fiel, und der Free Cashflow halbierte sich. Die Sondereffekte der ersten neun Monate 2026: eine Wertminderung auf Vorräte kundenspezifischer Glasspritzen im hohen einstelligen Millionenbereich im Segment DDS – eine exakte Zahl nennt das Unternehmen nicht; zusätzliche, nicht quantifizierte Kosten für die Optimierung von Produktionsinfrastruktur und -prozessen; eine niedrigere Polymer-Kapazitätsauslastung; ein Ertrag von 1,6 Mio. Euro aus der Rückerstattung im Vorjahr gezahlter US-Zölle; und eine konzerninterne Umschuldung im ersten Quartal, die den Zinsaufwand senkte. Hinweis zur Quelle: Die Segment-EBITDA-Margen für das Geschäftsjahr 2025 weichen zwischen Analystenpräsentation (DCS 23,5 Prozent, DDS 34,6 Prozent) und Factbook beziehungsweise Geschäftsbericht (23,3 und 34,8 Prozent) voneinander ab; der Anteil der High-Value Solutions erscheint in der Analystenpräsentation auf der Headline-Folie mit 59 und in der zugehörigen Grafik mit 57 Prozent.
Prognose für das laufende Geschäftsjahr
Eine Vorbemerkung: Das Geschäftsjahr 2026 endete am 30.09.2026 und war am Datenstand bereits abgelaufen – die Zahlen folgen erst am 10.12.2026. Die hier dargestellte Prognose ist damit die letzte gültige Guidance für ein abgeschlossenes, noch nicht berichtetes Geschäftsjahr. Eine Prognose für das Geschäftsjahr 2027 lag noch nicht vor.
Erstabgabe war der 11.12.2025 zusammen mit dem Geschäftsbericht 2025: ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum von 2 bis 5 Prozent, eine EBITDA-Marge von rund 27 Prozent, Investitionen von 140 bis 160 Millionen Euro ohne Leasing und ein Anteil der High-Value Solutions auf Vorjahresniveau. Qualitativ bezeichnete SCHOTT Pharma das Jahr als „Brückenjahr“ mit dem Zusatz, das Wachstum werde vollständig von DCS getragen und DDS sei durch die revidierte Markterwartung eines Schlüsselkunden belastet.
Am 08.07.2026 folgte eine Anhebung per Ad-hoc-Mitteilung: Das währungsbereinigte Umsatzwachstum soll nunmehr 5 bis 6 Prozent betragen, die EBITDA-Marge 27 bis 28 Prozent; die Investitionsspanne blieb unverändert. Gleichzeitig veröffentlichte das Unternehmen vorläufige Quartalskennzahlen – rund 8 Prozent währungsbereinigtes Umsatzwachstum und rund 27 Prozent EBITDA-Marge – gegen einen Marktkonsens von 3,5 Prozent Wachstum und 27,5 Prozent Marge.
Begründet wurde die Anhebung mit der starken Geschäftsentwicklung, dem Ausblick für das vierte Quartal und – das ist der entscheidende Punkt – einer Vereinbarung mit einem Schlüsselkunden für Glasspritzen, die umsatzbezogene und Kompensationskomponenten enthält und künftige Perioden betrifft. Am 12.08.2026 wurde die angehobene Prognose bestätigt.
Mittelfristig nennt SCHOTT Pharma für die Geschäftsjahre 2027 bis 2029 ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum von 6 bis 8 Prozent pro Jahr, eine EBITDA-Marge „in Richtung 30 Prozent“ und einen Anteil der High-Value Solutions von über 60 Prozent nach 57 Prozent im Geschäftsjahr 2025.
Die Prognose steht ausdrücklich unter der Voraussetzung, dass sich geopolitische und makroökonomische Lage, Lieferketten, Inflation, Energieversorgung und pandemiebedingte Einschränkungen nicht verschlechtern. Als Marktannahmen zitiert das Unternehmen IQVIA Analytics mit einem Wachstum von 2 bis 3 Prozent pro Jahr für Primärverpackungen injizierbarer Arzneimittel von 2025 bis 2030, rund 6 Prozent für Verpackungen von Biologika und rund 2 Prozent für Small-Molecule-Wirkstoffe, sowie GlobalData mit rund 10 Prozent pro Jahr für den Markt injizierbarer Arzneimittel selbst.
Dividende
Für das Geschäftsjahr 2025 schlug SCHOTT Pharma eine Dividende von 0,18 Euro je Aktie vor, nach 0,16 Euro für das Geschäftsjahr 2024 – ein Plus von 13 Prozent. Die Hauptversammlung am 03.02.2026 beschloss die Ausschüttung; die Gesamtsumme beträgt 27,1 Millionen Euro. Einen Zahltag veröffentlicht das Unternehmen nicht.
Die Analystenpräsentation bezeichnet den Vorschlag als dritte Erhöhung in Folge seit dem Börsengang. Daraus folgt, dass auch für das Geschäftsjahr 2023 ausgeschüttet wurde; der Betrag ist in den ausgewerteten Quellen nicht genannt. Konsistent dazu weist der Geschäftsbericht 2025 tatsächlich gezahlte Dividenden von 24,1 Millionen Euro aus, was bei 150.614.616 Aktien rechnerisch 0,16 Euro je Aktie entspricht.
Die Ausschüttungsquote gibt das Unternehmen für das Geschäftsjahr 2025 mit rund 18 Prozent des Periodenergebnisses an – bewusst niedrig. Eine formale, quantifizierte Dividendenpolitik veröffentlicht SCHOTT Pharma nicht; der Geschäftsbericht 2025 enthält kein entsprechendes Statement. Der Geschäftsbericht formuliert lediglich den Anspruch, dass die Aktionäre „zum dritten Mal in Folge“ an der positiven Entwicklung des operativen Ergebnisses teilhaben.
Der Grund für die niedrige Quote ist sichtbar: Bei 147 Millionen Euro Investitionen im Geschäftsjahr 2025 und geplanten 140 bis 160 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2026 stand im Geschäftsjahr 2025 ein Free Cashflow von nur 36,8 Millionen Euro.
Eine Dividendenaussetzung gab es nicht – die Gesellschaft ist erst seit September 2023 börsennotiert und hat seither in jedem Geschäftsjahr ausgeschüttet. Ein Aktienrückkaufprogramm ist in den ausgewerteten Primärquellen nicht veröffentlicht; bei einem Streubesitz von 18 Prozent und einem Stiftungsanteil von 77 Prozent wäre ein Rückkauf strukturell auch eine besondere Konstellation. Dazu äußert sich das Unternehmen nicht.
Was das Geschäft antreibt
- GLP-1-Therapien als unmittelbarer Volumentreiber. Das Unternehmen benennt für das dritte Quartal 2026 ausdrücklich eine „ongoing high demand for glass syringes for GLP-1“ als Grund dafür, dass der DDS-Umsatz wieder anzog. GLP-1 führt die Liste der genannten Wachstumstreiber im IR-Factbook an.
- Strukturelle Verschiebung zu injizierbaren Arzneimitteln. SCHOTT Pharma zeigt den Markt für injizierbare Arzneimittel wachsend von 495 Milliarden Euro im Jahr 2024 auf 917 Milliarden Euro im Jahr 2030 – rund das 1,9-fache, entsprechend einer jährlichen Rate von über 11 Prozent.
- Produktmix als Margenhebel. Der Anteil der High-Value Solutions stieg von 39 Prozent im Geschäftsjahr 2022 auf 57 Prozent im Geschäftsjahr 2025; das Ziel liegt über 60 Prozent. Das Segment DDS besteht vollständig aus diesen Produkten.
- Biologika und Biosimilars. Nach den vom Unternehmen zitierten IQVIA-Daten wächst die Verpackung für Biologika mit rund 6 Prozent pro Jahr, gegenüber rund 2 Prozent für Small-Molecule-Verpackungen – bei einem Gesamtmarkt von nur 2 bis 3 Prozent. Der Mix entscheidet also mehr als das Marktvolumen.
- Subkutane Selbstverabreichung und Homecare. Die Verlagerung von der klinischen Infusion zur subkutanen Selbstanwendung nennt das Unternehmen als eigenständigen Treiber – genau dort werden Fertigspritzen und Pen-Karpulen eingesetzt.
- Umstellung auf einsatzfertige Vials und Karpulen. Als Treiber im DCS-Segment ausdrücklich benannt. Das erklärt, warum DCS in den ersten neun Monaten 2026 um 7,6 Prozent im Umsatz und 10,1 Prozent im EBITDA wuchs, obwohl 77 Prozent des Segments noch Core-Produkte sind.
- Kundenbindung über die Zulassung. Über 1.800 Kunden, 97 Prozent des Umsatzes im Geschäftsjahr 2025 von Wiederholungskunden, alle Top-30-Pharmakonzerne als Kunden. Da Primärverpackungen Teil der arzneimittelrechtlichen Zulassung sind, ist ein Wechsel mit Regulierungsaufwand verbunden – das Unternehmen führt Regulierungsunterstützung selbst als Serviceleistung auf.
Welche Risiken das Unternehmen selbst nennt
- Quellenlage. Der vollständige Risiko- und Chancenbericht des Geschäftsberichts 2025 war nur in seinem einleitenden Teil zu Risikogovernance und internem Kontrollsystem auslesbar; die Textextraktion endete mitten im Abschnitt zum rechnungslegungsbezogenen Kontrollsystem. Risikokategorien, benannte Einzelrisiken, deren Klassifizierung und eine unternehmenseigene Bewertungsskala konnten daher nicht verifiziert werden und werden hier nicht behauptet.
- Risikogovernance. Der Vorstand der Komplementärin ist für das Risikomanagementsystem verantwortlich; die Risikofunktion koordiniert Identifikation, Bewertung und Berichterstattung, unterstützt vom Controlling. Der Aufsichtsrat überwacht das System über den Prüfungsausschuss. Die externen Abschlussprüfer beurteilen, ob das Frühwarnsystem bestandsgefährdende Risiken erkennen kann; die Interne Revision prüft das System regelmäßig. Als Rahmenwerke nennt das Unternehmen das COSO Enterprise Risk Management Framework und das Three-Lines-of-Defense-Modell.
- Angemessenheitserklärung. Zum 30.09.2025 lagen dem Vorstand nach eigener Angabe keine Hinweise darauf vor, dass das interne Kontrollsystem oder das Risikomanagementsystem „inadequate or ineffective“ gewesen wären. Das Unternehmen weist gleichzeitig auf die systemimmanenten Grenzen hin: „no system comes with a guarantee“, dass alle Risiken erkannt werden.
- Kundenabhängigkeit im DDS-Segment. Das ist das vom Unternehmen selbst am deutlichsten offengelegte Risiko. Die revidierte Markterwartung eines einzelnen Schlüsselkunden war der Grund, das Geschäftsjahr 2026 als „Brückenjahr“ zu bezeichnen und das DDS-Wachstum herunterzunehmen. Dieselbe Kundenbeziehung führte später über eine Vereinbarung mit umsatzbezogenen und Kompensationskomponenten zur Prognoseanhebung. Konkret ausgeprägt zeigt sich das Risiko in der Wertminderung auf Vorräte kundenspezifischer Glasspritzen im hohen einstelligen Millionenbereich.
- Kapazitätsauslastung Polymer. Die niedrigere Polymer-Auslastung in den ersten neun Monaten 2026 wird als eigenständiger Belastungsfaktor für das DDS-EBITDA benannt.
- Handelspolitik und Zölle. In den ersten neun Monaten 2026 wurden 1,6 Millionen Euro aus der Rückerstattung im Vorjahr gezahlter US-Zölle vereinnahmt – ein Hinweis darauf, dass das Unternehmen in der Vorperiode zollbedingt belastet war.
- Prognosebezogene Annahmen. Der Ausblick setzt ausdrücklich voraus, dass sich geopolitische und makroökonomische Lage, Lieferketten, Inflation, Energieversorgung und pandemiebedingte Einschränkungen nicht verschlechtern. Das sind die einzigen in den ausgewerteten Quellen namentlich benannten externen Risikofaktoren.
- Selbsteinordnung zum Geschäftsmodell. Das spezialisierte Modell benötige nach eigener Darstellung weniger Investitionen und trage ein geringeres Forschungsrisiko als „competitors with greater diversification“.
Wettbewerb
Anders als die meisten SDAX-Unternehmen nennt SCHOTT Pharma Wettbewerber namentlich – allerdings nur im Geschäftsbericht, nicht im Factbook oder in den Präsentationen.
Im Kapitel „Market and competition“ des Geschäftsberichts 2025 nennt das Unternehmen für das Segment Drug Containment Solutions die Stevanato Group, für Glasspritzen im Segment Drug Delivery Systems Becton Dickinson und Stevanato sowie für Polymerspritzen Terumo – letzteren nach eigener Darstellung „by a great distance“ hinter SCHOTT Pharma.
Zur eigenen Position bezeichnet sich das Unternehmen als globaler Marktführer bei Containment-Lösungen und Verabreichungssystemen für injizierbare Arzneimittel und als Marktführer bei Core-Produkten in den großen Regionen – beides ausdrücklich als Managementschätzung gekennzeichnet. Als Alleinstellung nennt SCHOTT Pharma das Angebot beider Materialwelten, Glas und Polymer.
Einen eigenen bezifferten Marktanteil veröffentlicht das Unternehmen nicht – weder gesamt noch nach Segmenten oder Regionen; der Geschäftsbericht hält das ausdrücklich fest. Das Factbook nennt stattdessen eine Konzentrationskennzahl: „Top 3 players represent >60% of global market share.“
An Marktgrößen nennt SCHOTT Pharma einen Markt für injizierbare Arzneimittel von 495 Milliarden Euro (2024) und 917 Milliarden Euro (2030) sowie einen Markt für Primärverpackungen und Verabreichungssysteme von 1,4 Milliarden Euro (2018), 1,6 Milliarden Euro (2022) und 1,9 Milliarden Euro (2026). Der Injectables-Markt soll nach Unternehmensdarstellung schneller wachsen als der gesamte Arzneimittelmarkt.
Termine
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 17.11.2026 | BNP Midcap CEO Conference, Paris |
| 18.11.2026 | LBBW German Company Day (virtuell) |
| 19.11.2026 | Jefferies Global Healthcare Conference, London |
| 10.12.2026 | Veröffentlichung Geschäftsbericht zum Geschäftsjahr 2026 – erstmals Jahreszahlen zum abgelaufenen Brückenjahr und voraussichtlich Erstabgabe der Prognose für 2027 |
Fazit
SCHOTT Pharma ist ein Unternehmen mit hoher Marge, klarer Struktur – und enger Abhängigkeit von einzelnen Kunden. Eine EBITDA-Marge von 26,7 Prozent in den ersten neun Monaten und 28,4 Prozent im Geschäftsjahr 2025, eine Eigenkapitalquote von 58,9 Prozent und eine Nettoverschuldung von nur 106 Millionen Euro beschreiben ein Unternehmen, das sich finanziell praktisch selbst trägt. Das Geschäftsmodell ist zudem ungewöhnlich gut gegen Nachfragezyklen abgeschirmt: Primärverpackungen sind Teil der arzneimittelrechtlichen Zulassung, der Wechsel eines Lieferanten ist für den Pharmakunden ein Regulierungsvorgang. 97 Prozent des Umsatzes kamen im Geschäftsjahr 2025 von Wiederholungskunden.
Die Kehrseite dieser Bindung zeigt das Geschäftsjahr 2026 mit Lehrbuchqualität. Die zehn größten Kunden stehen für rund 45 Prozent des Umsatzes, die Top 5 allein für rund 30 Prozent. Als ein Schlüsselkunde seine Markterwartung für Glasspritzen revidierte, musste das Unternehmen das gesamte Geschäftsjahr zum „Brückenjahr“ erklären, das Wachstum ausschließlich dem DCS-Segment zuschreiben und schließlich eine Wertminderung auf Vorräte kundenspezifischer Glasspritzen vornehmen. Dass dieselbe Kundenbeziehung im Juli 2026 über eine Vereinbarung mit umsatzbezogenen und Kompensationskomponenten zur Prognoseanhebung führte, ändert nichts an der Struktur – es macht sie nur sichtbarer. Die zentrale, vom Unternehmen nicht beantwortete Frage lautet: Wie viel der auf 5 bis 6 Prozent angehobenen Wachstumsprognose stammt aus laufendem Geschäft und wie viel aus den Kompensationskomponenten dieser Vereinbarung? Solange die Jahreszahlen am 10.12.2026 nicht vorliegen, ist die Qualität dieses Wachstums nicht beurteilbar.
Der Blick auf die Segmentzahlen verschärft diese Frage. Die beiden Segmente laufen in entgegengesetzte Richtung: DCS wuchs um 7,6 Prozent im Umsatz und 10,1 Prozent im EBITDA, die Segmentmarge stieg leicht auf 24,6 Prozent. DDS stagnierte im Umsatz, das EBITDA brach um 16,3 Prozent ein, und die Marge fiel von 35,1 auf 29,5 Prozent – ein Verlust von 5,6 Prozentpunkten in dem Segment, das zu 100 Prozent aus High-Value-Produkten besteht. Das dritte Quartal ist dabei das Quartal mit dem höchsten Umsatzwachstum des Jahres und gleichzeitig dem stärksten Margeneinbruch. Umsatz und Marge haben sich entkoppelt, weil Kosten für die Optimierung der Produktionsinfrastruktur, die Vorratswertminderung und eine schwache Polymer-Auslastung zusammenfielen. Ob die Infrastrukturkosten ein abgeschlossener Posten oder ein mehrjähriges Programm sind, geht aus der Quartalsmitteilung nicht hervor.
Die Mittelfristziele – 6 bis 8 Prozent Umsatzwachstum pro Jahr und eine EBITDA-Marge in Richtung 30 Prozent – setzen voraus, dass beide Bewegungen zusammenlaufen: dass DDS nach der Kundendelle wieder in alte Margenregionen zurückfindet und DCS den Anteil einsatzfertiger Produkte so weit hebt, dass der Anteil der High-Value Solutions über 60 Prozent steigt. Bemerkenswert ist der Abstand zu den eigenen Marktannahmen: Der Markt für Primärverpackungen injizierbarer Arzneimittel wächst nach den zitierten IQVIA-Daten nur um 2 bis 3 Prozent jährlich, die Biologika-Verpackung um rund 6 Prozent. Ein Unternehmensziel von 6 bis 8 Prozent liegt damit am oberen Rand des am schnellsten wachsenden Teilmarkts und setzt voraus, dass sich der Mix weiter zugunsten von Biologika und GLP-1-Anwendungen verschiebt – eine Entwicklung, die SCHOTT Pharma nicht steuert, sondern die von den Produktpipelines der Kunden abhängt.
Zwei Dinge sollten strukturell im Blick bleiben. Erstens die Eigentümerstruktur: Mit 77 Prozent bei der Carl-Zeiss-Stiftung – gehalten über die SCHOTT AG – und einem Streubesitz von 18 Prozent liegt die Aktie in der Hand eines Ankergesellschafters, der keine Dividendenmaximierung betreibt; die Ausschüttungsquote von rund 18 Prozent des Periodenergebnisses passt dazu. Die KGaA-Rechtsform verstärkt den Befund: Die Geschäftsführung liegt bei der Komplementärin SCHOTT Pharma Management AG, deren eigener Aufsichtsrat zur Hälfte aus Vertretern der SCHOTT AG besteht. Zweitens die Investitionsintensität: Bei 147 Millionen Euro Investitionen im Geschäftsjahr 2025 und geplanten 140 bis 160 Millionen Euro stand ein Free Cashflow von nur 36,8 Millionen Euro – nach 81,0 Millionen Euro im Jahr davor. Der Neunmonatswert von 58,9 Millionen Euro zeigt eine Verbesserung, bleibt aber in Relation zu einem EBITDA von 205 Millionen Euro niedrig. Anzumerken ist schließlich, dass die Aktionärsstruktur in den eigenen Quellen nicht einheitlich dargestellt ist: Das Factbook nennt einen Streubesitz von 18 Prozent, die IR-Seite weist keinen aus, und ihre Einzelwerte summieren sich auf 100,81 Prozent.
Fragen und Antworten
Was macht SCHOTT Pharma?
SCHOTT Pharma produziert Primärverpackungen und Verabreichungssysteme für injizierbare Arzneimittel: Glas- und Polymer-Fertigspritzen, Karpulen, Vials und Ampullen. Hinzu kommen Dienstleistungen wie analytische Prüfungen, die Optimierung von Abfüllprozessen und Unterstützung bei der Regulierungsdokumentation. Das Unternehmen bezeichnet sich als „Pure Player“ für Injectables.
Wann endet das Geschäftsjahr von SCHOTT Pharma?
Am 30. September. Das Geschäftsjahr läuft vom 1. Oktober bis zum 30. September und weicht damit vom Kalenderjahr ab. Das Geschäftsjahr 2026 umfasste also Oktober 2025 bis September 2026; die Jahreszahlen dazu werden am 10.12.2026 veröffentlicht.
In welchem Index ist die SCHOTT Pharma Aktie?
SCHOTT Pharma ist SDAX-Mitglied und notiert im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse. Der Börsengang war am 28.09.2023 zu einem Ausgabepreis von 27,00 Euro.
Wem gehört SCHOTT Pharma?
Mehrheitsgesellschafterin ist die SCHOTT AG, hinter der die Carl-Zeiss-Stiftung steht – zusammen 77,0 Prozent. T. Rowe Price hält 5,01 Prozent, Qatar Holding 4,9 Prozent. Den Streubesitz gibt das IR-Factbook mit 18 Prozent an. Als KGaA wird das Unternehmen von der Komplementärin SCHOTT Pharma Management AG geführt.
Warum nennt SCHOTT Pharma 2026 ein „Brückenjahr“?
Weil ein Schlüsselkunde seine Markterwartung für Glasspritzen revidierte. Das Unternehmen nahm deshalb das Wachstum im Segment Drug Delivery Systems herunter und schrieb das gesamte Wachstum dem Segment Drug Containment Solutions zu. Konkret führte das zu einer Wertminderung auf Vorräte kundenspezifischer Glasspritzen im hohen einstelligen Millionenbereich.
Wie viel Dividende zahlt SCHOTT Pharma?
Für das Geschäftsjahr 2025 wurden 0,18 Euro je Aktie beschlossen, nach 0,16 Euro für 2024 – nach eigener Angabe die dritte Erhöhung in Folge seit dem Börsengang. Die Gesamtsumme beträgt 27,1 Millionen Euro, die Ausschüttungsquote rund 18 Prozent des Periodenergebnisses. Eine formale Dividendenpolitik veröffentlicht das Unternehmen nicht.
Wie abhängig ist SCHOTT Pharma von einzelnen Kunden?
Deutlich. Bei mehr als 1.800 Kunden stehen die fünf größten für rund 30 Prozent des Umsatzes und die Kunden 6 bis 10 für weitere rund 15 Prozent – zusammen rund 45 Prozent. Das Geschäftsjahr 2026 zeigt, was daraus folgen kann: Die revidierte Erwartung eines einzelnen Kunden prägte die Prognose für das gesamte Jahr.
Wer sind die Wettbewerber von SCHOTT Pharma?
Das Unternehmen nennt sie im Geschäftsbericht selbst: die Stevanato Group bei Containment-Lösungen, Becton Dickinson und Stevanato bei Glasspritzen und Terumo bei Polymerspritzen. Einen eigenen bezifferten Marktanteil veröffentlicht SCHOTT Pharma nicht; das Factbook nennt nur, dass die drei größten Anbieter mehr als 60 Prozent des Weltmarkts stellen.
Quellen
- SCHOTT Pharma AG & Co. KGaA, Quarterly Statement 9M Geschäftsjahr 2026 (veröffentlicht 12.08.2026)
- SCHOTT Pharma AG & Co. KGaA, Annual Report Geschäftsjahr 2025 (veröffentlicht 11.12.2025)
- SCHOTT Pharma AG & Co. KGaA, Ad-hoc-Mitteilung vom 08.07.2026 zur Prognoseanhebung
- SCHOTT Pharma AG & Co. KGaA, Analyst Call Presentations 9M 2026 und Geschäftsjahr 2025
- SCHOTT Pharma AG & Co. KGaA, IR Factbook September 2026
- SCHOTT Pharma AG & Co. KGaA, Investor Relations: Basic Information, Shareholder Structure, Management & bodies, Finanzkalender
- Deutsche Börse, Konstituentendaten SDAX
Stand der Daten: 14. Oktober 2026. Dieser Beitrag ist eine Einordnung öffentlich verfügbarer Unternehmensangaben und keine Anlageempfehlung.