Abonnieren
Shelly Group Aktie
Startseite Shelly Group Aktie
Hand schließt den Deckel einer Unterputzdose mit eingebautem Smart-Home-Relaismodul
Aktie im Porträt

Shelly Group Aktie: Der Smart-Home-Spezialist im Portrait

Shelly Group entwickelt, designt und verkauft IoT- und Smart-Building-Lösungen für Heimanwender und Profis: Energiemanagement-Module, smarte Sicherungsautomaten, Schlösser, Kameras und Leuchtmittel, dazu die Shelly Cloud mit 2,9 Millionen aktiven Nutzern. Produziert wird asset-light über Auftragsfertiger; der Hauptsitz liegt in Sofia, weitere Standorte sind München, Boca Raton, Shenzhen, Solkan und Szeligi.

Entscheidend für die Einordnung der Aktie: Seit dem 24.09.2026 läuft ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot von Schneider Electric SE zu 70,00 Euro je Aktie. Der Board of Directors hält den Preis nach einer Fairness Opinion für fair; die Mindestannahmeschwelle liegt bei mindestens 95 Prozent des Grundkapitals.

Operativ ist Shelly ein Wachstumswert mit ungewöhnlich sauberer Bilanz: 81,4 Prozent Eigenkapitalquote, Nettoliquidität, und im ersten Halbjahr 2026 ein Umsatzplus von 26,5 Prozent bei einer EBIT-Marge von 26,0 Prozent. Dieses Portrait fasst zusammen, was das Unternehmen selbst veröffentlicht.

Unternehmensprofil

FirmennameShelly Group SE
Sitz1407 Sofia, 51 Cherni Vrah Blvd., Building 3, Bulgarien
Weitere StandorteMünchen, Sofia, Boca Raton (USA), Shenzhen, Solkan (Slowenien), Szeligi (Polen)
RechtsformSocietas Europaea nach bulgarischem Recht, monistisch verfasst – ein Board of Directors, kein Aufsichtsrat
Gründung2010 in Sofia, Registrierung am 11.02.2010
BrancheIoT, Smart Home und Smart-Building-Lösungen; Gerätegeschäft plus Cloud-Anwendungen
SegmenteKeine Segmentberichterstattung – berichtet werden nur Produktkategorien und Regionen
Mitarbeiter325 im Durchschnitt des Geschäftsjahres 2025
Board of DirectorsChristoph Vilanek (Chairman), Nikolay Martinov (Deputy Chairman), Dimitar Dimitrov (Co-CEO), Wolfgang Kirsch (Co-CEO), Svetlin Todorov
ISINBG1100003166
TickerSLYG
IndexSDAX; Handel auf Xetra seit 25.04.2024, zusätzlich Frankfurter Wertpapierbörse und Börse Sofia
Aktienzahl18.158.060 Namensaktien
Grundkapital18.158.060 BGN (1,00 BGN je Aktie)
GroßaktionäreDimitar Dimitrov 28,84 Prozent, Svetlin Todorov 27,79 Prozent (Stand 30.06.2026)
Streubesitz43,37 Prozent (Stand 30.06.2026)
ÜbernahmeangebotSchneider Electric SE bietet über die SE 2026 A SAS 70,00 Euro je Aktie in Bar; Mindestannahmeschwelle mindestens 95 Prozent
GeschäftsjahrKalenderjahr
Websitecorporate.shelly.com

Kursverlauf

Der Chart zeigt den Wochenverlauf der fünf Jahre. Kursdaten über TradingView.

Das Geschäftsmodell

Shelly Group „develops, designs, and distributes IoT and smart building solutions for DIY and professional users“ – so die eigene Formulierung. Der Umsatz entsteht praktisch vollständig aus dem Verkauf von Geräten; Cloud-Anwendungen und Services kommen hinzu. Die Produktion ist asset-light über Auftragsfertiger organisiert.

Die Aufteilung zeigt das deutlich: Im Geschäftsjahr 2025 kamen 291,3 Millionen Lewa aus Geräteverkäufen und nur 1,5 Millionen Lewa aus Services und Vermietung – umgerechnet rund 148,9 beziehungsweise 0,8 Millionen Euro bei einem Konzernumsatz von 149,7 Millionen Euro. Eine Quote wiederkehrender Umsätze weist das Unternehmen nicht aus.

Regional entfielen im Geschäftsjahr 2025 rund 62 Millionen Euro auf die DACH-Region (+27 Prozent), rund 74 Millionen Euro auf das übrige Europa (+51 Prozent) und rund 13 Millionen Euro auf den Rest der Welt (+54 Prozent). Zum Vergleich die Anteile des Vorjahres: DACH 47 Prozent, übriges Europa 45 Prozent, Rest der Welt 8 Prozent. Das Wachstum kommt also klar von außerhalb des Heimatmarkts.

Als Produktkategorien nennt der Investors Report Smart Locks, Energiemanagement mit dem Pro 3EM und dem Plug S Gen3, smarte Sicherungsautomaten, Kameras, Smart Bulbs und den Shelly Plug M. Bemerkenswert ist der Generationswechsel: Geräte der dritten und vierten Generation machten 2025 bereits 60 Prozent des Umsatzes aus, 2024 waren es 20 Prozent.

Der Anteil professioneller Anwender wird auf rund 35 Prozent des Umsatzes geschätzt, nach rund 30 Prozent im Vorjahr. Das Installateursnetzwerk umfasst 8.600 Mitglieder, die Shelly Cloud 2,9 Millionen aktive Nutzer nach rund 2,2 Millionen ein Jahr zuvor.

Vertrieben wird über eigene Organisationen in DACH, Benelux, Nordics, Iberien, Polen, Italien, Frankreich, Großbritannien, Bulgarien, Slowenien, den USA und China; verkauft wird in mehr als 100 Ländern. Am 19.08.2026 meldete das Unternehmen eine Distributionspartnerschaft mit dem Technologiedistributor ALSO.

Eine Einschränkung für die Analyse: Shelly berichtet keine Segmente, und Regionalzahlen erscheinen nur im jährlichen Investors Report, nicht in den Quartals- und Halbjahresberichten.

Die zuletzt gemeldeten Zahlen

Letzte vollständig berichtete Periode ist das erste Halbjahr 2026, veröffentlicht am 12.08.2026; der Zwischenabschluss ist ungeprüft. Alle Werte in Tausend Euro, sofern nicht anders angegeben. Ein EBITDA weist Shelly in den IFRS-Zwischenabschlüssen nicht aus.

KennzahlH1 2026 (Tsd. Euro)H1 2025 (Tsd. Euro)Veränderung
Umsatz68.26453.967+26,5 %
Rohertrag41.77330.115+38,7 %
Rohertragsmarge61,2 %55,8 %+5,4 Pp
EBIT17.72912.177+45,6 %
EBIT-Marge26,0 %22,6 %+3,4 Pp
Nettoergebnis15.43010.190+51,4 %
davon Anteil der Eigentümer15.34710.057+52,6 %
Ergebnis je Aktie0,85 Euro0,56 Euro+51,8 %
Operativer Cashflow22.3026.183–
Free Cashflow19.1004.200–
Investitionen3.6092.111+71,0 %
Zahlungsmittel31.90313.685*+133,1 %
Eigenkapital120.361107.028*+12,5 %
Eigenkapitalquote81,4 %80,3 %*+1,1 Pp
Forderungslaufzeit (DSO)147 Tage192 Tage*−45 Tage
Cash Conversion Cycle255 Tage277 Tage*−22 Tage

* Bilanz- und Working-Capital-Kennzahlen sind gegen den 31.12.2025 verglichen. Eine Nettoverschuldung weist Shelly nicht aus; aus den Bilanzpositionen ergibt sich zum 30.06.2026 eine Nettoliquidität von rund 23,6 Mio. Euro (Bankdarlehen 2.984 und Leasingverbindlichkeiten 5.332 gegen Zahlungsmittel von 31.903). Das Ziel für den Cash Conversion Cycle liegt bei 220 bis 240 Tagen zum Jahresende 2026. Zum Vergleich das Geschäftsjahr 2025: Umsatz 149,7 Mio. Euro (+40,3 Prozent), EBIT 30,4 Mio. Euro berichtet beziehungsweise 37,8 Mio. Euro bereinigt um eine nicht zahlungswirksame Rückstellung für ein Management-Aktienprogramm, Nettoergebnis 25,3 Mio. Euro (+10,5 Prozent), Ergebnis je Aktie 1,40 Euro berichtet und 1,79 Euro bereinigt, operativer Cashflow 5,6 Mio. Euro, Eigenkapitalquote 80,3 Prozent. Noch aktueller, aber nur zum Umsatz: Die Ad-hoc-Mitteilung vom 08.10.2026 nennt für die ersten neun Monate 2026 einen Umsatz von rund 112,8 Mio. Euro, ein Plus von „about 30% year-on-year“. Einen Einzelwert für das dritte Quartal nennt das Unternehmen nicht, hält aber fest: „Revenue growth accelerated in the third quarter compared with the two preceding quarters.“ Die Entwicklung sei „in line with the Company’s original internal expectations“. Hinweis zur Quelle: Es existieren zwei Berichtsstränge mit unterschiedlichen Währungen und Kennzahlen – der geprüfte Jahresabschluss in Lewa mit EBITDA, der Investors Report in Euro mit EBIT. Hinzu kommen kleinere Inkonsistenzen, etwa ein schwankender Euro-Betrag des Grundkapitals (9.261 gegenüber 9.284 TEUR) bei einer fix an den Euro gebundenen Währung und ein Ergebnis je Aktie für das Vorjahreshalbjahr, das sich mit der Aktienzahl nicht exakt nachrechnen lässt.

Prognose für das laufende Geschäftsjahr

Die Prognose für 2026 lautet nach dem Investors Report 2025: Der Board of Directors „expects group revenue of between EUR 195 million and EUR 205 million“ sowie „adjusted EBIT of between EUR 47 million and EUR 52 million“. Das Wachstum werde stärker auf das zweite Halbjahr gewichtet sein.

Am 12.08.2026 bestätigte der Board die Prognose mit einem Konzernumsatz von 195,0 bis 205,0 Millionen Euro und einem EBIT von 47,0 bis 52,0 Millionen Euro – mit demselben Hinweis, das Wachstum werde „more heavily weighted toward the second half of the year“ erwartet. Eine Prognoseänderung ist nicht dokumentiert.

Ein Detail, das beim Lesen auffällt: Der Investors Report spricht von „adjusted EBIT“, die Halbjahresmitteilung vom 12.08.2026 nur von „EBIT“ – bei identischen Zahlen.

Die entscheidende Rechnung: Nach 68,3 Millionen Euro im ersten Halbjahr und rund 112,8 Millionen Euro nach neun Monaten müsste das vierte Quartal zwischen rund 82 und 92 Millionen Euro beitragen, damit die Prognosespanne erreicht wird. Das Unternehmen hatte das Wachstum ausdrücklich auf die zweite Jahreshälfte gewichtet und 2025 ein starkes viertes Quartal gezeigt. Die offene Frage: Reicht das saisonale Black-Friday- und Weihnachtsgeschäft für diesen Sprung – und ist die Formulierung „in line with the Company’s original internal expectations“ vom 08.10.2026 als Bestätigung der Spanne zu lesen oder nur als Bestätigung des internen Plans?

Mittelfristziele veröffentlicht Shelly Group nicht. Das einzige quantifizierte Ziel über die Jahresprognose hinaus ist der Cash Conversion Cycle von 220 bis 240 Tagen zum Jahresende 2026.

Dividende

Für das Geschäftsjahr 2025 beschloss die Hauptversammlung am 29.06.2026 eine Dividende von 0,13 Euro je Aktie; die Zahlungsmodalitäten wurden per Corporate News am 21.07.2026 mitgeteilt. Ein konkreter Zahltag ist in den ausgewerteten Quellen nicht genannt. In der Eigenkapitalveränderungsrechnung sind für das erste Halbjahr 2026 Ausschüttungen von 2.361 Tausend Euro erfasst – das entspricht genau 18.158.060 Aktien zu 0,13 Euro.

Die Ausschüttungsquote weist das Unternehmen nicht aus. Rechnerisch ergeben 0,13 Euro bei einem berichteten Ergebnis je Aktie von 1,40 Euro für 2025 rund 9 Prozent, bezogen auf das bereinigte Ergebnis je Aktie von 1,79 Euro rund 7 Prozent. Shelly ist damit kein Ausschüttungstitel.

Die Dividendenpolitik formuliert das Unternehmen so: eine „policy of investing its after-tax profits in further business development“, daneben eine „continuous loyalty dividend“. Eine quantifizierte Ausschüttungsquote nennt Shelly nicht.

Eine Einschränkung zur Historie: Die Zuordnung der 0,13 Euro zu Geschäftsjahren ist in den eigenen Quellen nicht eindeutig. Der Investors Report 2025 bezeichnet die 0,13 Euro als „FY2025 dividend … approved at the AGM on 4 June 2025“, während die Corporate News die Dividende von 0,13 Euro der Hauptversammlung vom 29.06.2026 zuordnet. Die Dividendenseite listet Dokumente für 2019, 2021, 2023, 2024 und 2025; für 2020 und 2022 finden sich keine Einträge – ob das eine Aussetzung oder eine Archivlücke ist, lässt sich aus den Quellen nicht klären.

Ein Aktienrückkaufprogramm ist in den ausgewerteten Unterlagen nicht dokumentiert – weder ein laufendes noch ein abgeschlossenes.

Was das Geschäft antreibt

  • Das Übernahmeangebot als kursbestimmender Faktor. Schneider Electric SE bietet über die SE 2026 A SAS 70,00 Euro je Aktie in Bar. Der Board of Directors hält den Preis nach einer Fairness Opinion von Freitag & Co. für fair; die Mindestannahmeschwelle liegt bei „at least 95% of the Company’s outstanding share capital following completion of the offer“.
  • Generationswechsel im Portfolio. Geräte der dritten und vierten Generation standen 2025 für 60 Prozent des Umsatzes, 2024 nur für 20 Prozent.
  • Professionalisierung des Vertriebs. Der Anteil professioneller Anwender liegt bei rund 35 Prozent nach rund 30 Prozent; das Installateursnetzwerk umfasst 8.600 Mitglieder.
  • Energiemanagement als Produktschwerpunkt. Pro 3EM, Plug S Gen3, Plug M und smarte Sicherungsautomaten. Nach eigener Angabe wird Shelly von „more than 30 solar and energy storage manufacturers“ empfohlen.
  • Cloud-Reichweite. 2,9 Millionen aktive Shelly-Cloud-Nutzer gegenüber rund 2,2 Millionen ein Jahr zuvor.
  • Internationalisierung. Im Geschäftsjahr 2025 wuchs das übrige Europa um 51 Prozent und der Rest der Welt um 54 Prozent; eigene Vertriebsorganisationen bestehen in zwölf Märkten, verkauft wird in über 100 Ländern. Seit dem 19.08.2026 besteht zudem eine Distributionspartnerschaft mit ALSO.
  • Margenhebel. Die Rohertragsmarge stieg im ersten Halbjahr 2026 auf 61,2 Prozent nach 55,8 Prozent, die EBIT-Marge auf 26,0 Prozent nach 22,6 Prozent – der Mix wirkt also, ohne über Preiszugeständnisse erkauft zu sein.
  • Working-Capital-Freisetzung. Die Forderungslaufzeit sank seit dem Jahresende 2025 um 45 Tage, der Cash Conversion Cycle von 277 auf 255 Tage. Der operative Cashflow stieg von 6,2 auf 22,3 Millionen Euro, der Free Cashflow von 4,2 auf 19,1 Millionen Euro.

Welche Risiken das Unternehmen selbst nennt

  • Eigene Gliederung. Der geprüfte Jahresabschluss 2025 unterteilt die Risiken selbst in zwei Gruppen – systematische und unsystematische Risiken. Eine Bewertungsskala gibt es nicht: Das Unternehmen weist weder Eintrittswahrscheinlichkeiten noch Schadenshöhen oder Risikoklassen aus. Die im Risikoteil zitierten Ratings sind Länderratings Bulgariens, keine Unternehmensratings.
  • Systematische Risiken. Genannt werden politische Risiken, makroökonomische Risiken, Zinsrisiko, Inflationsrisiko, Währungsrisiko, Länder- und Staatskreditrisiko, Arbeitslosigkeit, Rechtsrisiken und Steuerrisiken.
  • Unsystematische Risiken. Genannt werden die Abhängigkeit von Schlüsselpersonen, Wettbewerbsrisiko, Datensicherheits- und Cyberrisiko, Regulierungsrisiko, das Risiko des technologischen Wandels, operative Risiken, Risiken aus Geschäftspartnern, Risiken aus neuen Projekten und Liquiditätsrisiko.
  • Wettbewerbsumfeld. Der geprüfte Jahresabschluss 2025 stellt fest, das IoT-Segment „attracts the interest of many technological giants and start-ups“ – ohne Namen zu nennen.
  • Aussagen im Halbjahresbericht. Dieser enthält im Wesentlichen Going-Concern- und geopolitische Hinweise, darunter: „Management has no plans or intentions to sell the business or cease operations.“
  • Offene Punkte zum Übernahmeangebot. Aus den Ad-hoc-Mitteilungen ergeben sich mehrere ungeklärte Fragen: Die beiden Gründer halten zusammen 56,63 Prozent und wurden in der Mitteilung vom 24.09.2026 als Unterstützer der Transaktion beschrieben – förmliche Andienungsverpflichtungen mit Prozentangaben sind aber nicht offengelegt. Zum Delisting verweist die Ad-hoc vom 05.10.2026 auf die von der bulgarischen Finanzaufsicht genehmigte Angebotsunterlage, nennt aber keine Details. Und die Zusage zu Strategie, Management, Standorten, Beschäftigung und Markenerhalt wurde laut Ad-hoc nur „for a specific period“ gegeben.

Wettbewerb

Shelly Group veröffentlicht keine Wettbewerberbenennungen und keine Marktanteile.

In den ausgewerteten Primärquellen findet sich zum Wettbewerbsumfeld nur eine Aussage: Der geprüfte Jahresabschluss 2025 stellt fest, das IoT-Segment „attracts the interest of many technological giants and start-ups“.

Als Selbstpositionierung nennt der Investors Report 2025 die Empfehlung durch „more than 30 solar and energy storage manufacturers“. Die Unternehmensbeschreibung lautet: „Shelly Group SE develops affordable smart solutions that make people’s lives easier.“

Weitergehende Selbsteinordnungen, Rangangaben oder Marktanteilszahlen publiziert das Unternehmen nicht.

Termine

DatumEreignis
10.11.2026Konzernbericht Q3 2026 (ungeprüft), Veröffentlichung nach Börsenschluss
11.11.2026Earnings Call zum dritten Quartal 2026
23.–25.11.2026German Equity Forum, Frankfurt am Main
30.11.2026Berenberg European Conference, London

Fazit

Shelly Group ist operativ ein Wachstumswert mit ungewöhnlich sauberer Bilanz. Die Eigenkapitalquote von 81,4 Prozent und eine Nettoliquidität von rund 24 Millionen Euro bedeuten, dass das Wachstum bislang aus dem eigenen Cashflow und einer Kapitalerhöhung finanziert wurde, nicht über Fremdkapital. Das Modell ist asset-light: Entwicklung, Design und Vertrieb im Haus, Fertigung bei Auftragsfertigern. Der Margenaufbau im ersten Halbjahr 2026 – Rohertragsmarge 61,2 nach 55,8 Prozent, EBIT-Marge 26,0 nach 22,6 Prozent – zeigt, dass der Produktmix in Richtung höherwertiger Generationen und professioneller Anwender wirkt und nicht durch Preiszugeständnisse erkauft wurde.

Der eigentliche operative Prüfstein ist das vierte Quartal. Nach 68,3 Millionen Euro im ersten Halbjahr und rund 112,8 Millionen Euro nach neun Monaten müsste das Schlussquartal zwischen rund 82 und 92 Millionen Euro beitragen, damit die Prognose von 195 bis 205 Millionen Euro erreicht wird. Das Unternehmen hatte das Wachstum ausdrücklich auf die zweite Jahreshälfte gewichtet und 2025 ein starkes Schlussquartal gezeigt. Ob das saisonale Black-Friday- und Weihnachtsgeschäft den rechnerisch nötigen Sprung trägt, lässt sich von außen nicht beurteilen – und die Formulierung „in line with the Company’s original internal expectations“ vom 08.10.2026 lässt offen, ob sie die Prognosespanne oder nur den internen Plan bestätigt.

Das Übernahmeangebot verändert den Charakter des Papiers grundlegend. Schneider Electric bietet 70,00 Euro je Aktie, der Board hält den Preis nach einer Fairness Opinion für fair, und die Mindestannahmeschwelle liegt bei mindestens 95 Prozent des Grundkapitals. Die beiden Gründer halten zusammen 56,63 Prozent und wurden als Unterstützer der Transaktion beschrieben; förmliche Andienungsverpflichtungen mit Prozentangaben sind in den Ad-hoc-Mitteilungen jedoch nicht offengelegt. Daraus folgen mehrere offene Punkte: Erreicht das Angebot die 95 Prozent? Welche Absichten zum Delisting nennt die genehmigte Angebotsunterlage konkret? Und wie lange gilt die Zusage zu Strategie, Management, Standorten, Beschäftigung und Markenerhalt, die laut Ad-hoc nur „for a specific period“ gegeben wurde?

Zur Transparenz sind zwei Punkte zu notieren. Erstens berichtet das Unternehmen ohne Segmente, und Regionalzahlen erscheinen nur im jährlichen Investors Report, nicht in den Quartals- und Halbjahresberichten. Zweitens existieren zwei Berichtsstränge mit unterschiedlichen Währungen und unterschiedlichen Kennzahlen: der geprüfte Abschluss in Lewa mit EBITDA, der Investors Report in Euro mit EBIT. Keiner dieser Punkte stellt die Zahlen in Frage, aber sie machen die Nachrechenbarkeit für Privatanleger aufwendig. Offen bleibt auch, ob dieser Berichtsrahmen nach einem erfolgreichen Übernahmeangebot in der heutigen Form fortgeführt wird.

Dividendenseitig ist das Papier kein Ausschüttungstitel: 0,13 Euro je Aktie entsprechen rund 9 Prozent des berichteten Gewinns je Aktie 2025, und die erklärte Politik ist Reinvestition plus „loyalty dividend“. Die Zuordnung dieser 0,13 Euro zu Geschäftsjahren ist in den eigenen Quellen widersprüchlich – wer eine Dividendenhistorie aufstellen will, kommt hier ohne Rückfrage bei der IR-Stelle nicht weiter.

Fragen und Antworten

Was macht Shelly Group?

Shelly Group entwickelt, designt und verkauft IoT- und Smart-Building-Lösungen für Heimanwender und Profis: Energiemanagement-Module, smarte Sicherungsautomaten, Schlösser, Kameras und Leuchtmittel, dazu die Shelly Cloud mit 2,9 Millionen aktiven Nutzern. Gefertigt wird über Auftragsfertiger, verkauft in mehr als 100 Ländern.

Wird Shelly Group übernommen?

Seit dem 24.09.2026 läuft ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot von Schneider Electric SE über die SE 2026 A SAS zu 70,00 Euro je Aktie in Bar. Der Board of Directors hält den Preis nach einer Fairness Opinion für fair. Die Mindestannahmeschwelle liegt bei mindestens 95 Prozent des Grundkapitals; die beiden Gründer mit zusammen 56,63 Prozent wurden als Unterstützer beschrieben.

In welchem Index ist die Shelly Group Aktie?

Shelly Group ist SDAX-Mitglied – die Aufnahme meldete das Unternehmen am 09.04.2026. Gehandelt wird die Aktie auf Xetra (seit 25.04.2024), an der Frankfurter Wertpapierbörse und an der Börse Sofia.

Ist Shelly Group ein deutsches Unternehmen?

Nein. Shelly Group SE ist eine Societas Europaea nach bulgarischem Recht mit Sitz in Sofia; die Gesellschaft ist monistisch verfasst, hat also einen Board of Directors und keinen Aufsichtsrat. Ein Standort liegt in München, und die Aktie ist im deutschen SDAX notiert.

Wie viel Dividende zahlt Shelly Group?

0,13 Euro je Aktie – das entspricht rund 9 Prozent des berichteten Gewinns je Aktie 2025. Die Politik lautet, die Gewinne nach Steuern in die Geschäftsentwicklung zu reinvestieren und daneben eine „loyalty dividend“ zu zahlen. Eine quantifizierte Ausschüttungsquote nennt das Unternehmen nicht.

Wie groß ist Shelly Group?

Der Konzernumsatz lag 2025 bei 149,7 Millionen Euro (+40,3 Prozent), im ersten Halbjahr 2026 bei 68,3 Millionen Euro (+26,5 Prozent) und nach neun Monaten bei rund 112,8 Millionen Euro. Beschäftigt wurden im Durchschnitt des Geschäftsjahres 2025 325 Menschen – das Modell ist asset-light mit Fertigung bei Auftragsfertigern.

Welche Prognose hat Shelly Group für 2026?

Einen Konzernumsatz von 195 bis 205 Millionen Euro und ein EBIT von 47 bis 52 Millionen Euro, am 12.08.2026 bestätigt. Das Wachstum sei stärker auf das zweite Halbjahr gewichtet. Nach neun Monaten müsste das Schlussquartal rechnerisch 82 bis 92 Millionen Euro beitragen.

Berichtet Shelly Group Segmentzahlen?

Nein. Das Unternehmen führt keine Segmentberichterstattung und berichtet nur Produktkategorien und Regionen – Regionalzahlen zudem nur im jährlichen Investors Report, nicht in den Quartals- und Halbjahresberichten.

Quellen

  • Shelly Group SE, H1 2026 Consolidated Financial Report (12.08.2026)
  • Shelly Group SE, Investors Report 2025 und geprüfter Jahresabschluss 2025
  • Shelly Group SE, Corporate News vom 12.08.2026 zu den Halbjahreszahlen
  • Shelly Group SE, Ad-hoc-Mitteilung vom 08.10.2026 zu den vorläufigen Neunmonatsumsätzen
  • Shelly Group SE, Ad-hoc-Mitteilungen vom 24.09., 28.09. und 05.10.2026 zum Übernahmeangebot von Schneider Electric
  • Shelly Group SE, Investor Relations: Executive Team, Finanzkalender, Dividenden, Kapitalmaßnahmen
  • Deutsche Börse, Konstituentendaten SDAX

Stand der Daten: 14. Oktober 2026. Dieser Beitrag ist eine Einordnung öffentlich verfügbarer Unternehmensangaben und keine Anlageempfehlung.