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AUMOVIO Aktie: Portrait, Kurs und Geschäftsmodell
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Explosionsdarstellung von Fahrzeugelektronik und Sensoren über einem Fahrgestell
Aktie im Porträt

AUMOVIO Aktie: Portrait, Kurs und Geschäftsmodell

AUMOVIO ist der 2025 von Continental abgespaltene Teil, der die Fahrzeugelektronik bündelt: Bremssysteme, Fahrerassistenz, Displays, Netzwerkarchitekturen. Seit dem 18. September 2025 ist das Unternehmen eigenständig börsennotiert, Ausgabepreis 35,00 Euro.

Das erste vollständige Jahr als eigenständige Gesellschaft verläuft schwierig. Im ersten Halbjahr 2026 fiel der Umsatz um 9,4 Prozent, und ein Vergleich mit BMW über 350 Millionen Euro drückte das Ergebnis tief ins Minus.

Unternehmensprofil

SitzFrankfurt am Main
Historievormals Continental Automotive Holding, Abspaltung von Continental im November 2024
Börsengang18. September 2025 zu 35,00 Euro je Aktie
VorstandsvorsitzPhilipp von Hirschheydt
Mitarbeiter77.810 (30. Juni 2026)
BrancheAutomobilzulieferer, Fahrzeugelektronik und Software
IndexMDAX
ISINDE000AUM0V10
WKNAUM0V1
KürzelAMV0
GroßaktionärIHO Group mit 45,98 Prozent

Kursverlauf

Der Chart zeigt den Wochenverlauf der fünf Jahre. Kursdaten über TradingView.

Das Geschäftsmodell

AUMOVIO liefert Elektronik und Software für das softwaredefinierte Fahrzeug. Vier Geschäftsbereiche teilten sich den Umsatz des Geschäftsjahres 2025 auf: Safety and Motion mit 7.371 Millionen Euro, Architecture and Network Solutions mit 5.048 Millionen, Autonomous Mobility mit 3.051 Millionen und User Experience mit 2.993 Millionen Euro.

Die Themenfelder reichen von Bremssystemen über Fahrerassistenz und Elektromobilität bis zu Displays, Netzwerkarchitekturen, Cybersicherheit und Zweiradlösungen.

Regional entfielen im ersten Quartal 2026 rund 51 Prozent des Umsatzes auf Europa, 21 Prozent auf Nordamerika, 12 Prozent auf China und 16 Prozent auf die übrige Welt. Die Forschungs- und Entwicklungsausgaben lagen 2025 netto bei 2.230 Millionen Euro oder 12,0 Prozent des Umsatzes – ein für die Branche hoher Wert.

Die zuletzt gemeldeten Zahlen

Zahlen aus der Quartalsmitteilung vom 6. August 2026.

Kennzahl1. Halbjahr 2026Vorjahr
Umsatz8.649 Mio. €9.545 Mio. €
Bereinigtes EBIT157 Mio. €260 Mio. €
Bereinigte EBIT-Marge1,8 %2,7 %
EBIT−469 Mio. €−144 Mio. €
Ergebnis Anteil Aktionäre−597 Mio. €−232 Mio. €
Ergebnis je Aktie−5,96 €−2,32 €
Normalisierter freier Cashflow113 Mio. €84 Mio. €

Nach Geschäftsbereichen lag im ersten Halbjahr das EBIT überall im Minus: Safety and Motion bei minus 290 Millionen Euro, Autonomous Mobility bei minus 115 Millionen, Architecture and Network Solutions bei minus 30 Millionen, User Experience bei minus 14 Millionen. Einen Auftragsbestand weist AUMOVIO nicht aus. Zum Vergleich das Geschäftsjahr 2025: 18.550 Millionen Euro Umsatz, ein bereinigtes EBIT von 717 Millionen bei 3,9 Prozent Marge und ein Verlust je Aktie von 6,54 Euro.

Prognose für das laufende Geschäftsjahr

AUMOVIO hat die Prognose am 30. Juli 2026 per Ad-hoc-Mitteilung gesenkt und am 6. August präzisiert. Erwartet werden nun 17,0 bis 17,5 Milliarden Euro bereinigter Umsatz und eine bereinigte EBIT-Marge von 3,0 bis 4,0 Prozent. Zuvor lauteten die Werte 17,0 bis 18,5 Milliarden Euro und 3,5 bis 5,0 Prozent.

Der normalisierte freie Cashflow soll 500 bis 700 Millionen Euro betragen nach zuvor 500 bis 800 Millionen. Die Investitionen sollen unter 5 Prozent vom Umsatz bleiben. Auslöser der Senkung war der Vergleich mit BMW.

Dividende

AUMOVIO zahlt für das Geschäftsjahr 2025 keine Dividende. Der Bilanzgewinn von 222,9 Millionen Euro wurde vollständig auf neue Rechnung vorgetragen; die Hauptversammlung fand am 13. Mai 2026 statt. Der Vorstand hatte für das erste Geschäftsjahr ausdrücklich keine Ausschüttung in Aussicht gestellt.

Was das Geschäft antreibt

  • Der Gehalt an Elektronik je Fahrzeug. Fahrerassistenz, Elektrifizierung und vernetzte Architekturen erhöhen den Wert der Elektronik in jedem Auto, unabhängig von der gebauten Stückzahl.
  • Neue BMW-Aufträge. Parallel zum Vergleich meldete AUMOVIO neue Aufträge dieses Kunden über mehr als eine Milliarde Euro.
  • Der Ankeraktionär. Die IHO Group, die Familienholding hinter Schaeffler, hält 45,98 Prozent.

Welche Risiken das Unternehmen selbst nennt

  • Der Vergleich mit BMW. Wegen eines Gewährleistungsfalls bei einem integrierten Bremssystem zahlt eine AUMOVIO-Tochter 350 Millionen Euro in zwei Tranchen im dritten und vierten Quartal 2026. Der Ergebniseffekt beträgt 302 Millionen Euro.
  • Ein erstinstanzliches Geschworenenurteil in den USA im dreistelligen Millionenbereich vom Juli 2026. Die richterliche Entscheidung steht aus; das Unternehmen hat Rückstellungen gebildet, der Schaden kann diese übersteigen.
  • Risiken aus gewerblichen Schutzrechten und standardessenziellen Patenten. Ein Kunde drohte im zweiten Quartal 2026 mit einem Verfahren, das Unternehmen bildete eine Rückstellung.
  • Höhere Rohstoff-, Elektronikkomponenten-, Logistik- und Speicherkosten sowie Unsicherheit in der Lieferkette.
  • Geopolitische Risiken, Handelsbeschränkungen und negative Währungseffekte – allein im ersten Quartal 2026 belief sich der Währungseffekt auf 150 Millionen Euro.

Wettbewerb

AUMOVIO nennt in den veröffentlichten Unterlagen keine Wettbewerber namentlich.

Termine

DatumEreignis
5. November 2026Quartalsmitteilung zum 30. September 2026 mit Analystencall

Fazit

Bei AUMOVIO klaffen bereinigtes und berichtetes Ergebnis weit auseinander, und das ist derzeit die wichtigste Beobachtung. Das bereinigte EBIT lag im ersten Halbjahr bei plus 157 Millionen Euro, das berichtete bei minus 469 Millionen. Die Differenz von gut 600 Millionen stammt überwiegend aus Rechtsfällen und Sondereffekten.

Solche Posten sind bei einem Zulieferer nicht per se außergewöhnlich – Gewährleistungsfälle gehören zum Geschäft. Auffällig ist die Häufung im ersten Jahr nach der Abspaltung: der BMW-Vergleich, das US-Urteil, ein weiterer drohender Kundenstreit. Ob das Altlasten aus der Continental-Zeit sind oder ein struktureller Punkt, lässt sich aus den Unterlagen nicht beantworten.

Operativ ist die Lage ebenfalls angespannt. Der Umsatz fiel um 9,4 Prozent, die bereinigte Marge von 2,7 auf 1,8 Prozent, und alle vier Geschäftsbereiche schreiben berichtet rote Zahlen. Die Mitarbeiterzahl sank binnen anderthalb Jahren von 92.745 auf 77.810. Wer die Aktie betrachtet, sollte die Prognose für 2026 als Prüfstein nehmen: 3,0 bis 4,0 Prozent bereinigte Marge gegenüber 1,8 Prozent im ersten Halbjahr verlangen eine deutliche Verbesserung in der zweiten Jahreshälfte.

Fragen und Antworten

Zahlt AUMOVIO eine Dividende?

Nein. Für das erste Geschäftsjahr 2025 wurde keine Ausschüttung beschlossen.

Was hat AUMOVIO mit Continental zu tun?

AUMOVIO ist der von Continental abgespaltene Elektronikbereich. Die Abspaltung erfolgte im November 2024, der Börsengang im September 2025.

Warum ist das berichtete Ergebnis so viel schlechter als das bereinigte?

Wegen Sondereffekten, vor allem aus Rechtsfällen. Der Vergleich mit BMW allein belastet mit 302 Millionen Euro.

Wem gehört AUMOVIO?

Die IHO Group, die Familienholding hinter Schaeffler, hält 45,98 Prozent. Der Rest ist Streubesitz.

Wann kommen die nächsten Zahlen?

Die Quartalsmitteilung erscheint am 5. November 2026.

Quellen

Stand der Daten: 14. Oktober 2026. Dieser Beitrag ist eine Einordnung öffentlich verfügbarer Unternehmensangaben und keine Anlageempfehlung.