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Delivery Hero Aktie: Portrait, Kurs und Geschäftsmodell
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Essenslieferant auf einem E-Bike in einer regnerischen Stadt bei Nacht, von hinten gesehen
Aktie im Porträt

Delivery Hero Aktie: Portrait, Kurs und Geschäftsmodell

Delivery Hero betreibt Lieferplattformen in rund 65 Ländern – unter Namen wie foodora, PedidosYa, Talabat, Glovo und Woowa. Das Berliner Unternehmen ist nach eigenen Angaben in 51 dieser Märkte Marktführer.

Seit Juli 2026 hält Uber zwischen 20 und 25 Prozent der Anteile. Das Geschäft wächst und ist beim bereinigten Ergebnis profitabel – unter dem Strich schreibt der Konzern weiter Verluste.

Unternehmensprofil

SitzBerlin
VorstandsvorsitzNiklas Östberg, Mitgründer, Übergabe bis 31. März 2027 angekündigt
Mitarbeiter54.721 (31. Dezember 2025)
BrancheOnline-Liefer- und Quick-Commerce-Plattformen
IndexMDAX
ISINDE000A2E4K43
WKNA2E4K4
KürzelDHER
GroßaktionäreUber Technologies 20 bis 25 Prozent, Naspers-Gruppe 15 bis 20 Prozent, Aspex Group 5 bis 10 Prozent
Geschäftsjahrendet am 31. Dezember

Kursverlauf

Der Chart zeigt den Wochenverlauf der fünf Jahre. Kursdaten über TradingView.

Das Geschäftsmodell

Delivery Hero betreibt lokale Liefer- und Alltags-Apps für Restaurantessen, Lebensmittel, Drogerieartikel und Einzelhandel. Dazu kommen eigene Lagerstandorte für Schnelllieferungen, sogenannte Dmarts, und ein Werbegeschäft.

Im Geschäftsjahr 2025 verteilte sich das Bruttowarenvolumen auf Asien mit 20.780 Millionen Euro, den Nahen Osten und Nordafrika mit 14.644 Millionen, Europa mit 9.693 Millionen, Amerika mit 4.080 Millionen und die integrierten Eigenmarken mit 3.432 Millionen Euro. Profitabel war vor allem der Nahe Osten mit einem bereinigten EBITDA von 546 Millionen Euro, während Europa mit minus 79 Millionen belastete.

Zwei Erlösquellen jenseits der klassischen Restaurantlieferung sind inzwischen erheblich: Der Schnellliefer-Bereich kam 2025 auf über 7,5 Milliarden Euro Bruttowarenvolumen bei 811 Lagerstandorten, das Werbegeschäft auf 1,5 Milliarden Euro Umsatz oder rund 3,0 Prozent des Bruttowarenvolumens. Das Unternehmen zählt über 60 Millionen monatlich aktive Nutzer und über eine Million Fahrer.

Die zuletzt gemeldeten Zahlen

Zahlen aus dem Halbjahresbericht vom 27. August 2026. Die Vorjahreswerte wurden an eine harmonisierte Darstellung angepasst. GMV steht für das Bruttowarenvolumen, also den Gesamtwert der vermittelten Bestellungen.

Kennzahl1. Halbjahr 2026Vorjahr
Bruttowarenvolumen (GMV)25.675,2 Mio. €24.615,9 Mio. €
Umsatz7.752,2 Mio. €6.879,5 Mio. €
Bereinigtes EBITDA426,7 Mio. €410,7 Mio. €
Bereinigtes EBITDA zum GMV1,7 %1,7 %
Operatives Ergebnis−160,1 Mio. €+3,1 Mio. €
Periodenergebnis−359,1 Mio. €−356,3 Mio. €
davon Anteil der Aktionäre−392,4 Mio. €−396,3 Mio. €
Ergebnis je Aktie−1,28 €−1,34 €

Nach Regionen entwickelte sich das Bruttowarenvolumen sehr unterschiedlich: Amerika plus 29,4 Prozent, die integrierten Eigenmarken plus 25,9 Prozent, der Nahe Osten plus 11,6 Prozent, Europa plus 6,2 Prozent – Asien dagegen minus 6,2 Prozent. Europa näherte sich der Gewinnschwelle, das bereinigte EBITDA verbesserte sich von minus 50,8 auf minus 18,6 Millionen Euro. Zum Vergleich das Geschäftsjahr 2025: 49,2 Milliarden Euro Bruttowarenvolumen, 14,1 Milliarden Euro Umsatz, ein bereinigtes EBITDA von 903 Millionen Euro und ein freier Cashflow vor Sondereffekten von 250 Millionen – das zweite positive Jahr in Folge.

Prognose für das laufende Geschäftsjahr

Delivery Hero hat die Prognose am 27. August 2026 angehoben. Erwartet werden nun 9 bis 11 Prozent Wachstum beim Bruttowarenvolumen auf vergleichbarer Basis nach zuvor 8 bis 10 Prozent, ein Umsatzwachstum von 17 bis 19 Prozent nach zuvor 14 bis 16 Prozent und ein bereinigtes EBITDA von 960 bis 1.000 Millionen Euro nach zuvor 910 bis 960 Millionen.

Der freie Cashflow vor Sondereffekten soll über 250 Millionen Euro liegen nach zuvor über 200 Millionen. Es war bereits die zweite Anhebung im laufenden Jahr.

Dividende

Delivery Hero zahlt keine Konzerndividende. In der Berichterstattung ist keine Ausschüttung der Delivery Hero SE ausgewiesen.

Lediglich die Tochtergesellschaft Talabat zahlte im Mai 2026 Halbjahresdividenden von 37,4 Millionen Euro an ihre Minderheitsgesellschafter.

Was das Geschäft antreibt

  • Das Werbegeschäft. 1,5 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2025 bei rund 3,0 Prozent des Bruttowarenvolumens – Werbeerlöse haben deutlich höhere Margen als die Liefervermittlung.
  • Der Nahe Osten. Die Region erzielte 2025 ein bereinigtes EBITDA von 546 Millionen Euro und ist damit der mit Abstand profitabelste Markt.
  • Amerika. Das Bruttowarenvolumen wuchs im ersten Halbjahr um 29,4 Prozent.
  • Europa nähert sich der Gewinnschwelle. Der Verlust beim bereinigten EBITDA schrumpfte von 50,8 auf 18,6 Millionen Euro.

Welche Risiken das Unternehmen selbst nennt

  • Rechts- und Regulierungsrisiken. Das Unternehmen weist Rückstellungen für Rechtsrisiken von 807,8 Millionen Euro aus und nennt zunehmende Verfahren unter anderem in Südkorea.
  • Bei der spanischen Tochter Glovoapp besteht laut Bericht eine wesentliche Unsicherheit zur Fortführung, weil die Einstufung der Kuriere als Selbstständige rechtlich angegriffen wird.
  • Liquiditätsrisiken aus Klauseln in Finanzierungsvereinbarungen, die bei einem Kontrollwechsel greifen. Zum Berichtsstichtag war kein solches Ereignis eingetreten – relevant ist dieser Punkt wegen der Uber-Beteiligung von 20 bis 25 Prozent.
  • Der Nahostkonflikt mit Auswirkungen auf Lieferketten, Logistik und Betriebskosten.
  • Das Bruttowarenvolumen in Asien, der größten Region, ging um 6,2 Prozent zurück.

Wettbewerb

Delivery Hero ist eines der wenigen Unternehmen, die ihre Wettbewerber in den eigenen Unterlagen namentlich nennen. In der Unternehmenspräsentation werden DoorDash einschließlich Wolt, Uber Eats, Grab, Just Eat Takeaway, Meituan, Zomato, Deliveroo und Jahez aufgeführt, im Werbegeschäft zusätzlich Instacart.

Termine

DatumEreignis
28. Oktober 2026Quartalsmitteilung zum dritten Quartal 2026

Fazit

Bei Delivery Hero muss man drei Ebenen auseinanderhalten. Das Bruttowarenvolumen ist der Gesamtwert aller bestellten Waren – davon sieht das Unternehmen nur einen Teil als Umsatz. Das bereinigte EBITDA ist mit 426,7 Millionen Euro im Halbjahr positiv. Unter dem Strich steht trotzdem ein Verlust von 392,4 Millionen Euro.

Die Differenz zwischen bereinigtem EBITDA und Nettoergebnis erklärt sich durch Abschreibungen auf Zukäufe, Finanzierungskosten und Sondereffekte. Für die Frage, ob das Geschäft trägt, ist der freie Cashflow aussagekräftiger – und der war 2025 mit 250 Millionen Euro vor Sondereffekten zum zweiten Mal in Folge positiv.

Zwei Punkte bestimmen die weitere Entwicklung. Erstens die Uber-Beteiligung: Was ein Wettbewerber mit einem Anteil von bis zu einem Viertel vorhat, lässt sich aus den Unterlagen nicht ableiten, die Finanzierungsklauseln zum Kontrollwechsel zeigen aber, dass das Thema relevant ist. Zweitens die Rechtsrisiken: 807,8 Millionen Euro Rückstellungen und die Unsicherheit bei der spanischen Tochter sind erhebliche Posten für ein Unternehmen, das gerade erst die Gewinnschwelle erreicht.

Fragen und Antworten

Zahlt Delivery Hero eine Dividende?

Nein. Nur die Tochter Talabat schüttet an ihre Minderheitsgesellschafter aus.

Was bedeutet GMV?

Gross Merchandise Value, also das Bruttowarenvolumen – der Gesamtwert aller über die Plattformen bestellten Waren. Als Umsatz bucht Delivery Hero davon nur den eigenen Anteil.

Wem gehört Delivery Hero?

Uber Technologies hält 20 bis 25 Prozent, die Naspers-Gruppe 15 bis 20 Prozent. Exakte Werte veröffentlicht das Unternehmen nicht, nur die Schwellenbänder aus den Stimmrechtsmitteilungen.

Warum schreibt das Unternehmen trotz positivem EBITDA Verluste?

Wegen Abschreibungen auf Zukäufe, Finanzierungskosten und Sondereffekten. Der freie Cashflow war 2025 mit 250 Millionen Euro vor Sondereffekten positiv.

Wann kommen die nächsten Zahlen?

Die Quartalsmitteilung erscheint am 28. Oktober 2026.

Quellen

Stand der Daten: 14. Oktober 2026. Dieser Beitrag ist eine Einordnung öffentlich verfügbarer Unternehmensangaben und keine Anlageempfehlung.