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Drägerwerk Aktie: Portrait, Kurs und Geschäftsmodell
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Intensivstation mit Monitor und Beatmungsgerät im sanften blauen Licht
Aktie im Porträt

Drägerwerk Aktie: Portrait, Kurs und Geschäftsmodell

Drägerwerk ist ein Familienunternehmen in fünfter Generation, gegründet 1889 in Lübeck. Das Geschäft besteht aus zwei Hälften, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben: Medizintechnik für Krankenhäuser und Sicherheitstechnik für Feuerwehren, Industrie und Verteidigung. Gemeinsam ist beiden das Thema Atmung und Gas.

Für Anleger ist die Aktienstruktur wichtig: An der Börse gehandelt wird überwiegend die Vorzugsaktie, die kein Stimmrecht hat. Die Stammaktien liegen zu 71,62 Prozent bei der Familie Dräger.

Unternehmensprofil

SitzLübeck
Gegründet1889
RechtsformKGaA, Komplementärin ist die Drägerwerk Verwaltungs AG
VorstandsvorsitzStefan Dräger
Mitarbeiter16.682 (30. Juni 2026)
BrancheMedizin- und Sicherheitstechnik
IndexSDAX und TecDAX (Vorzugsaktien)
ISIN VorzugsaktieDE0005550636
WKN555063
KürzelDRW3
AktionärsstrukturStammaktien zu 71,62 Prozent bei der Familie Dräger, Vorzüge vollständig im Streubesitz

Kursverlauf

Der Chart zeigt den Wochenverlauf der fünf Jahre. Kursdaten über TradingView.

Das Geschäftsmodell

Das Segment Medizintechnik erwirtschaftete im ersten Halbjahr 2026 einen Umsatz von 897,5 Millionen Euro. Dazu gehören Geräte und Systeme für die Akutmedizin: Beatmungsgeräte, Anästhesiearbeitsplätze, Patientenmonitoring und Wärmetherapie für Frühgeborene.

Das Segment Sicherheitstechnik kam auf 705,6 Millionen Euro. Hier geht es um Gasmesstechnik, Atemschutzgeräte und Gefahrenmanagement – Kunden sind Feuerwehren, die Industrie und der Verteidigungssektor.

Dräger ist in über 190 Ländern aktiv. Regional verteilte sich der Halbjahresumsatz auf Deutschland mit 381,9 Millionen Euro, EMEA ohne Deutschland mit 646,6 Millionen, Amerika mit 351,7 Millionen und Asien-Pazifik mit 223,0 Millionen Euro.

Die zuletzt gemeldeten Zahlen

Zahlen aus dem Halbjahresfinanzbericht vom 29. Juli 2026.

Kennzahl1. Halbjahr 2026Vorjahr
Auftragseingang1.747,3 Mio. €1.738,0 Mio. €
Umsatz1.603,2 Mio. €1.510,2 Mio. €
EBIT63,8 Mio. €20,4 Mio. €
Ergebnis nach Ertragsteuern40,2 Mio. €9,5 Mio. €
Ergebnis je Vorzugsaktie2,20 €0,51 €

Im zweiten Quartal allein stieg der Umsatz um 8,6 Prozent auf 847,3 Millionen Euro, das EBIT von 20,0 auf 45,9 Millionen Euro. Auffällig ist das Verhältnis von Auftragseingang und Umsatz: Während der Umsatz um 6,2 Prozent zulegte, wuchs der Auftragseingang nur um 0,5 Prozent. Zum Vergleich das Geschäftsjahr 2025: 3.481,9 Millionen Euro Umsatz, 233,4 Millionen EBIT, 7,48 Euro Ergebnis je Vorzugsaktie.

Prognose für das laufende Geschäftsjahr

Dräger hat die Ergebnisprognose 2026 zweimal angehoben. Zunächst wurde am 13. Juli die Untergrenze der EBIT-Marge von 5,0 auf 5,5 Prozent erhöht, Ende Juli folgte nach zusätzlichen Zollerstattungen die Anhebung auf eine Spanne von 6,0 bis 8,0 Prozent.

Beim währungsbereinigten Umsatzwachstum bleibt es bei 2,0 bis 6,0 Prozent. Bestätigt wurden außerdem eine Bruttomarge von 44,0 bis 46,0 Prozent, Forschungs- und Entwicklungskosten von 335 bis 355 Millionen Euro sowie Investitionen von 110 bis 130 Millionen Euro.

Dividende

Für das Geschäftsjahr 2025 zahlte Dräger 2,27 Euro je Vorzugsaktie nach 2,03 Euro im Vorjahr. Stammaktionäre erhielten 2,21 Euro nach 1,97 Euro. Beschlossen wurde die Ausschüttung auf der Hauptversammlung am 8. Mai 2026.

Dass die Vorzugsaktie eine höhere Dividende erhält als die Stammaktie, ist der Ausgleich für das fehlende Stimmrecht – bei Dräger beträgt der Vorzug sechs Cent.

Was das Geschäft antreibt

  • Zollerstattungen. Sie stützten das EBIT im ersten Halbjahr spürbar. Dräger hält weitere Erstattungen von rund 7 bis 9 Millionen Euro für möglich, nennt aber Zeitpunkt und Höhe als unsicher.
  • Die Sicherheitstechnik. Mit 705,6 Millionen Euro Halbjahresumsatz ist dieses Segment deutlich kleiner als die Medizintechnik, hat aber mit Feuerwehr, Industrie und Verteidigung andere Nachfragezyklen.
  • Das Servicegeschäft. Medizin- und Sicherheitsgeräte brauchen Wartung, Kalibrierung und Verbrauchsmaterial – Erlöse, die unabhängig vom Neugeschäft anfallen.

Welche Risiken das Unternehmen selbst nennt

  • Der schwache Auftragseingang. Mit plus 0,5 Prozent wuchs er deutlich langsamer als der Umsatz mit plus 6,2 Prozent. Das kann auf eine nachlassende Nachfrage hindeuten.
  • Preisdruck. Der Lagebericht 2025 nennt ausdrücklich, dass einzelne Produkte im globalen Wettbewerb austauschbarer werden und deshalb ein Preiskampf erwartet wird.
  • Unsicherheit über weitere Zollerstattungen, deren Höhe und Zeitpunkt das Unternehmen selbst nicht beziffern kann.
  • Der Halbjahresbericht verweist auf den Risikobericht des Geschäftsberichts 2025 und stellt fest, dass sich die Risiken nicht wesentlich verändert haben und keine bestandsgefährdenden Risiken erkennbar sind.

Wettbewerb

Dräger nennt keine Wettbewerber namentlich. Im Lagebericht 2025 beschreibt das Unternehmen den Wettbewerb über die zunehmende Austauschbarkeit einzelner Produkte und den daraus folgenden Preisdruck.

Termine

DatumEreignis
29. Oktober 2026Bericht zum dritten Quartal 2026 mit Telefonkonferenz
18. November 2026Kapitalmarkttag in Lübeck

Fazit

Die Ergebnisverbesserung im ersten Halbjahr 2026 ist auffällig: Das EBIT verdreifachte sich von 20,4 auf 63,8 Millionen Euro. Ein wesentlicher Teil davon stammt aus Zollerstattungen, also aus einem Sondereffekt. Dass Dräger die Margenprognose deshalb zweimal angehoben hat, ist konsequent – es sagt aber wenig über die operative Entwicklung.

Die operative Frage steckt im Auftragseingang. Wenn der Umsatz zwölfmal schneller wächst als die Bestellungen, arbeitet ein Unternehmen seinen Bestand ab. Ob sich daraus ein Trend entwickelt, werden die kommenden Quartale zeigen.

Für die Aktienauswahl relevant ist die Gattungsfrage: Die Vorzugsaktie ist das liquidere Papier, im SDAX und TecDAX notiert und mit einer leicht höheren Dividende ausgestattet, dafür ohne Stimmrecht. Wer Dräger kauft, kauft in der Regel die Vorzugsaktie.

Fragen und Antworten

Zahlt Drägerwerk eine Dividende?

Ja. Für 2025 waren es 2,27 Euro je Vorzugsaktie und 2,21 Euro je Stammaktie.

Was ist der Unterschied zwischen Stamm- und Vorzugsaktie?

Die Vorzugsaktie hat kein Stimmrecht, erhält dafür eine um sechs Cent höhere Dividende. Die Stammaktien liegen zu 71,62 Prozent bei der Familie Dräger, die Vorzüge sind vollständig im Streubesitz.

In welchen Indizes ist die Aktie?

Die Vorzugsaktie ist im SDAX und seit Mai 2025 auch im TecDAX gelistet.

Wann kommen die nächsten Zahlen?

Der Bericht zum dritten Quartal erscheint am 29. Oktober 2026.

Quellen

Stand der Daten: 14. Oktober 2026. Dieser Beitrag ist eine Einordnung öffentlich verfügbarer Unternehmensangaben und keine Anlageempfehlung.