Evotec Aktie: Portrait, Kurs und Geschäftsmodell
Evotec entwickelt keine eigenen Medikamente bis zur Marktreife. Das Hamburger Unternehmen arbeitet für andere – es übernimmt die frühe Wirkstoffforschung für Pharma- und Biotechkunden und beteiligt sich an einzelnen Projekten über Meilensteinzahlungen und spätere Lizenzerlöse.
Das Modell gerät seit einiger Zeit unter Druck. Das erste Halbjahr 2026 brachte einen Umsatzrückgang von 19,2 Prozent, ein negatives bereinigtes EBITDA und einen Nettoverlust von 168,6 Millionen Euro. Im Juli senkte das Unternehmen die Prognose per Ad-hoc-Mitteilung.
Unternehmensprofil
| Sitz | Hamburg |
| Gegründet | 8. Dezember 1993 |
| Vorstandsvorsitz | Dr. Christian Wojczewski |
| Finanzvorstand | Claire Hinshelwood |
| Mitarbeiter | durchschnittlich 4.461 (30. Juni 2026) |
| Branche | Wirkstoffforschung und -entwicklung |
| Index | SDAX, TecDAX und STOXX Europe 600 |
| ISIN | DE0005664809 |
| WKN | 566480 |
| Kürzel | EVT, an der Nasdaq EVO |
| Notierung | Frankfurt Prime Standard und Nasdaq New York |
Kursverlauf
Der Chart zeigt den Wochenverlauf der fünf Jahre. Kursdaten über TradingView.
Das Geschäftsmodell
Das Segment Discovery & Preclinical Development erbringt Forschungs- und Präklinikleistungen gegen Honorar und entwickelt daneben gemeinsam mit Partnern Wirkstoffe, aus denen Meilensteinzahlungen, Lizenzen und Royalties entstehen können. Im ersten Halbjahr 2026 kam das Segment auf 228,1 Millionen Euro Umsatz.
Das Segment Just – Evotec Biologics entwickelt und produziert Biologika. Hier kamen 72,3 Millionen Euro zusammen, deutlich weniger als die 102,2 Millionen im Vorjahr. Der Standort Toulouse wurde im Dezember 2025 an Sandoz verkauft, womit das Segment auf ein kapitalärmeres Modell umgestellt wird.
Ein wesentlicher Punkt für die Risikoeinschätzung: Die zehn größten Kunden standen 2025 für 61 Prozent des Umsatzes, nach 52 Prozent im Jahr zuvor. BMS und Sandoz lagen jeweils über 10 Prozent.
Die zuletzt gemeldeten Zahlen
Zahlen aus dem Halbjahresbericht vom 13. August 2026. CER steht für währungsbereinigt.
| Kennzahl | 1. Halbjahr 2026 | Vorjahr |
|---|---|---|
| Konzernumsatz | 300,1 Mio. € | 371,2 Mio. € |
| Bereinigtes Konzern-EBITDA | −42,7 Mio. € | −1,9 Mio. € |
| Operatives Ergebnis | −234,7 Mio. € | −47,8 Mio. € |
| Nettoergebnis | −168,6 Mio. € | −75,1 Mio. € |
| Ergebnis je Aktie | −0,95 € | −0,42 € |
| Forschungsaufwand | 20,3 Mio. € (6,8 % vom Umsatz) | 29,4 Mio. € |
| Liquidität | 465,6 Mio. € | Nettokassenposition |
Das operative Ergebnis von minus 234,7 Millionen Euro enthält Wertminderungen auf Vermögenswerte. Im zweiten Quartal allein lag der Umsatz bei 143,5 Millionen Euro nach 171,2 Millionen. Bemerkenswert: Der Umsatz im Segment Discovery & Preclinical Development ohne die strategischen Partnerschaften stieg im Halbjahr um rund 28 Prozent. Zum Vergleich das Geschäftsjahr 2025: 788,4 Millionen Euro Umsatz, 41,1 Millionen bereinigtes EBITDA, minus 103,5 Millionen Nettoergebnis.
Prognose für das laufende Geschäftsjahr
Evotec hat die Prognose am 14. Juli 2026 per Ad-hoc-Mitteilung gesenkt und am 13. August bestätigt. Erwartet werden nun 570 bis 610 Millionen Euro Konzernumsatz, währungsbereinigt 595 bis 635 Millionen. Zuvor hatte das Unternehmen 700 bis 780 Millionen genannt.
Beim bereinigten Konzern-EBITDA rechnet Evotec mit minus 70 bis minus 105 Millionen Euro, währungsbereinigt minus 60 bis minus 90 Millionen. Die vorherige Prognose lautete auf null bis plus 40 Millionen Euro.
Der Mittelfristrahmen wird laut Mitteilung überprüft. Das Kostenprogramm soll bis Ende 2027 eine jährliche Einsparung von 75 Millionen Euro erreichen, davon 20 bis 30 Prozent bereits 2026.
Dividende
Evotec zahlt keine Dividende. In den eingesehenen Berichten ist keine Ausschüttung ausgewiesen; das Unternehmen schreibt Nettoverluste. Eine ausdrückliche Dividendenpolitik ist in den Veröffentlichungen nicht formuliert.
Was das Geschäft antreibt
- Das Dienstleistungsgeschäft ohne strategische Partnerschaften. Es wuchs im ersten Halbjahr um rund 28 Prozent – die einzige klar positive Entwicklung in den Zahlen.
- Die Liquidität. Mit 465,6 Millionen Euro und einer Nettokassenposition hat Evotec Zeit, den Umbau umzusetzen.
- Das Kostenprogramm. 75 Millionen Euro jährliche Einsparung bis Ende 2027 sind gemessen an einem Umsatz von rund 600 Millionen ein erheblicher Hebel.
Welche Risiken das Unternehmen selbst nennt
- Schwache Nachfrage in der frühen Wirkstoffforschung. 30 bis 40 Prozent der Kunden im Hauptsegment haben laut Unternehmen Finanzierungsengpässe.
- Hohe Fixkosten bei anhaltender Unterauslastung im Hauptsegment.
- Steigende Kundenkonzentration: Die zehn größten Kunden stehen für 61 Prozent des Umsatzes nach 52 Prozent im Vorjahr.
- Angespanntes Finanzierungsumfeld für Biotechunternehmen und selektive Ausgaben der großen Pharmakonzerne.
- Wertminderungen auf Vermögenswerte, die das operative Ergebnis im ersten Halbjahr von minus 47,8 auf minus 234,7 Millionen Euro drückten.
Wettbewerb
Evotec nennt keine Wettbewerber namentlich und beschreibt das eigene Partnerschaftsmodell im Geschäftsbericht 2025 als einzigartig.
Termine
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 5. November 2026 | Zwischenmitteilung zu den ersten neun Monaten 2026 |
Fazit
Bei Evotec treffen zwei Entwicklungen aufeinander. Die eine ist zyklisch: Biotechunternehmen bekommen schwerer Geld, und wenn Kunden ihre Forschungsbudgets kürzen, trifft das zuerst die Auftragsforschung. Die andere ist strukturell: Evotec hat über Jahre Kapazitäten aufgebaut, die jetzt nicht ausgelastet sind, und trägt die Fixkosten dafür.
Dass das Dienstleistungsgeschäft ohne die strategischen Partnerschaften um 28 Prozent wuchs, ist dabei das wichtigste Detail in den Halbjahreszahlen. Es deutet darauf hin, dass das Grundgeschäft funktioniert, während die großen Partnerschaftsverträge und das Biologics-Geschäft die Zahlen belasten.
Die Prognosesenkung im Juli war deutlich: Beim bereinigten EBITDA wurde aus einer Spanne von null bis plus 40 Millionen Euro eine von minus 70 bis minus 105 Millionen. Ob das Kostenprogramm greift, wird sich an der Zwischenmitteilung im November und am Jahresabschluss ablesen lassen. Eine Prognose dazu lässt sich aus den veröffentlichten Unterlagen nicht ableiten.
Fragen und Antworten
Zahlt Evotec eine Dividende?
Nein. Das Unternehmen schreibt Verluste und schüttet nicht aus.
Wo ist die Aktie notiert?
In Frankfurt im Prime Standard unter dem Kürzel EVT und an der Nasdaq in New York unter EVO.
In welchen Indizes ist die Aktie?
Im SDAX, im TecDAX und im STOXX Europe 600.
Warum ist das operative Ergebnis so viel schlechter als das bereinigte EBITDA?
Weil das operative Ergebnis Wertminderungen auf Vermögenswerte enthält, die beim bereinigten EBITDA herausgerechnet werden.
Wann kommen die nächsten Zahlen?
Die Zwischenmitteilung zu den ersten neun Monaten erscheint am 5. November 2026.
Quellen
- Evotec SE – Investor Relations
- Evotec SE – Halbjahresbericht 2026
- Evotec SE – Integrierter Geschäftsbericht 2025
Stand der Daten: 14. Oktober 2026. Dieser Beitrag ist eine Einordnung öffentlich verfügbarer Unternehmensangaben und keine Anlageempfehlung.