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Knorr-Bremse Aktie
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Nahaufnahme von Zugrad und Bremsscheibe an einem Drehgestell
Aktie im Porträt

Knorr-Bremse Aktie: Analyse, Zahlen und Prognose

Die Knorr-Bremse AG aus München stellt sicherheitskritische Brems- und Subsysteme für zwei Endmärkte her: Schienenfahrzeuge und Nutzfahrzeuge. Das Unternehmen bezeichnet sich im Geschäftsbericht 2025 selbst als Weltmarkt- und Technologieführer für Bremssysteme in beiden Industrien. 2025 erwirtschafteten rund 30.900 Mitarbeitende einen Umsatz von 7,8 Milliarden Euro.

Das erste Halbjahr 2026 brachte operative Verbesserung auf breiter Front: Umsatz plus 3,1 Prozent, operatives EBIT plus 13,7 Prozent, Free Cashflow plus 82,9 Prozent und Margensteigerungen in beiden Divisionen. Die Jahresprognose wurde am 29. Juli 2026 angehoben.

Gleichzeitig läuft ein Umbau des Portfolios, und die Auftragseingänge der beiden Divisionen entwickeln sich gegenläufig. Dieses Portrait ordnet beides ein.

Unternehmensprofil

SitzMünchen, Moosacher Straße 80
Gegründet1905 durch Georg Knorr in Berlin
BrancheBrems- und Subsysteme für Schienen- und Nutzfahrzeuge
DivisionenSysteme für Schienenfahrzeuge (Rail), Systeme für Nutzfahrzeuge (Truck)
Mitarbeitende30.913 konzernweit (31.12.2025), davon Rail 17.546 und Truck 11.981
VorstandsvorsitzMarc Llistosella
ISINDE000KBX1006
WKNKBX100
IndexMDAX, Prime Standard; börsennotiert seit 12.10.2018
Geschäftsjahr1. Januar bis 31. Dezember
Aktien161.200.000 Aktien
GroßaktionärHeinz Hermann Thiele Familienstiftung mit 58,99 Prozent, übrige 41,01 Prozent institutionelle und private Anleger

Kursverlauf

Der Chart zeigt den Wochenverlauf der fünf Jahre. Kursdaten über TradingView.

Das Geschäftsmodell

Die Division Rail liefert Bremssysteme, Einstiegssysteme, Klimasysteme und Signaltechnik für Personenzüge, Metros, Trams, Güterzüge, Lokomotiven und Hochgeschwindigkeitszüge. Die Division Truck liefert vor allem an Lkw-Hersteller, daneben an Bus-, Trailer- und Landmaschinenhersteller. 2025 entfielen auf Rail 4.316 Millionen Euro und auf Truck 3.503 Millionen Euro Umsatz, bei einem Konzernumsatz von 7.817 Millionen Euro – also rund 55 zu 45 Prozent.

Für das Geschäftsmodell entscheidend ist der Aftermarket-Anteil, also das Geschäft mit Ersatzteilen und Service nach dem Erstverkauf. Konzernweit lag er 2025 bei 46,0 Prozent des Umsatzes, in der Rail-Division sogar bei 55,5 Prozent, in der Truck-Division bei 34,3 Prozent. Dieses Geschäft ist margenstärker und weniger zyklisch als das Erstausrüstungsgeschäft – ein wesentlicher Grund dafür, dass sich die Ergebnisse bei Knorr-Bremse stabiler entwickeln als die Produktionszahlen der Endmärkte.

Geografisch verteilte sich der Umsatz 2025 auf Europa und Afrika mit 48,1 Prozent, Asien-Pazifik mit 25,9 Prozent und Nord- und Südamerika mit 26,0 Prozent. Im ersten Halbjahr 2026 entfielen 2.075 Millionen Euro auf Europa und Afrika, 977 Millionen Euro auf Asien-Pazifik, 936 Millionen Euro auf Nordamerika und 92 Millionen Euro auf Südamerika.

Das Portfolio wird derzeit aktiv umgebaut. Am 7. Januar 2026 wurde der Kauf von duagon abgeschlossen, einem Anbieter von Rail-Elektronik. Am 28. Juli 2026 wurde der Verkauf des weltweiten Zug-Klimasystemgeschäfts unter der Marke Merak an OpenGate Capital vereinbart; der Vollzug wird zum Jahresende 2026 erwartet.

Die zuletzt gemeldeten Zahlen

Die folgenden Zahlen stammen aus dem Halbjahresfinanzbericht, den Knorr-Bremse am 29. Juli 2026 veröffentlicht hat.

KennzahlH1 2026 (Mio. Euro)H1 2025 (Mio. Euro)Veränderung
Umsatz4.0803.957+3,1 %
Operatives EBIT566498+13,7 %
Operative EBIT-Marge13,9 %12,6 %+1,3 Punkte
EBIT525432+21,6 %
Periodenergebnis343294+16,7 %
Ergebnis je Aktie2,03 Euro1,70 Euro+19,4 %
Operativer Cashflow399274+45,6 %
Free Cashflow294160+82,9 %
Nettoverschuldung (30.06.2026)1.218627 (31.12.2025)nahezu verdoppelt
Eigenkapitalquote34,8 %35,8 % (31.12.2025)−1,0 Punkte
Auftragsbestand7.8877.326+7,7 %

Nach Divisionen entwickelte sich das Halbjahr so: Rail mit 2.245 Millionen Euro Umsatz, plus 3,5 Prozent, bei einer operativen EBIT-Marge von 17,1 Prozent nach 16,0 Prozent; Truck mit 1.837 Millionen Euro, plus 2,7 Prozent, bei 11,7 Prozent nach 9,9 Prozent. Auffällig gegenläufig entwickelten sich die Auftragseingänge: Bei Rail sanken sie im Halbjahr um 7,7 Prozent auf 2.399 Millionen Euro, bei Truck stiegen sie um 7,5 Prozent auf 2.026 Millionen Euro – im zweiten Quartal allein um 29,5 Prozent. Erklärungsbedürftig ist die Nettoverschuldung, die sich gegenüber dem Jahresende nahezu verdoppelt hat. Im selben Zeitraum wurde die duagon-Übernahme vollzogen, und Knorr-Bremse weist die Prognose ausdrücklich einschließlich der Effekte aus dieser Akquisition aus. Eine detaillierte Aufgliederung des Verschuldungsanstiegs hat das Unternehmen nicht veröffentlicht.

Prognose für das laufende Geschäftsjahr

Knorr-Bremse hat die Prognose für 2026 am 29. Juli 2026 angehoben. Erwartet werden nun ein Umsatz von 8.100 bis 8.300 Millionen Euro statt zuvor 8.000 bis 8.300 Millionen Euro, eine operative EBIT-Marge von 14,0 bis 14,5 Prozent statt zuvor rund 14 Prozent sowie ein Free Cashflow von 750 bis 850 Millionen Euro.

Die Prognose basiert auf dem aktuellen Portfolio, berücksichtigt duagon und setzt voraus, dass sich die Krise im Nahen Osten einschließlich möglicher Lieferkettenunterbrechungen nicht verschärft oder länger andauert.

Zugleich startete Knorr-Bremse am selben Tag die Wachstumsoffensive Growth Beyond als Nachfolger des Programms BOOST. Als Mittelfristziele bis 2030 nennt das Unternehmen einen Konzernumsatz von rund zehn Milliarden Euro, eine operative EBIT-Marge von rund 16 Prozent, eine Cash Conversion Rate über 90 Prozent und einen ROCE über 25 Prozent.

Dividende

Für das Geschäftsjahr 2025 wurden 1,90 Euro je Aktie ausgeschüttet, insgesamt 306 Millionen Euro. Die Hauptversammlung beschloss die Erhöhung um neun Prozent am 30. April 2026. Im Vorjahr waren es 1,75 Euro je Aktie beziehungsweise 282 Millionen Euro gewesen.

Die Ausschüttungsquote lag 2025 bei rund 53 Prozent des Nettogewinns, nach rund 59 Prozent im Vorjahr. Die Dividendenpolitik des Unternehmens nennt als Zielkorridor 40 bis 50 Prozent des nach IFRS berechneten Nettogewinns; die tatsächliche Quote lag damit zuletzt über dem eigenen Zielband. Eine Aussetzung der Dividende hat es in der dokumentierten Historie seit 2019 nicht gegeben.

Was das Geschäft antreibt

  • Auftragsbestand: 7.887 Millionen Euro zum 30. Juni 2026, ein Plus von 7,7 Prozent gegenüber Vorjahr. Das deckt einen erheblichen Teil der Jahresprognose bereits vor.
  • Der Truck-Zyklus dreht: Der Auftragseingang der Truck-Division stieg im zweiten Quartal 2026 um 29,5 Prozent auf 1.062 Millionen Euro, die operative Marge der Division im Halbjahr von 9,9 auf 11,7 Prozent.
  • Aftermarket als Stabilisator: 46,0 Prozent des Konzernumsatzes 2025, bei Rail sogar 55,5 Prozent – margenstärkeres und weniger zyklisches Ersatzteil- und Servicegeschäft.
  • Margenprogramm: Die operative Konzern-EBIT-Marge stieg im Halbjahr um 1,3 Punkte auf 13,9 Prozent. Das Mittelfristziel für 2030 liegt bei rund 16 Prozent.
  • Portfolioumbau: Die duagon-Übernahme wurde am 7. Januar 2026 abgeschlossen, der Verkauf des Klimasystemgeschäfts an OpenGate Capital am 28. Juli 2026 vereinbart, mit erwartetem Vollzug Ende 2026.
  • Technologieaufwand: Die Forschungs- und Entwicklungsquote lag im Halbjahr bei 6,8 Prozent des Umsatzes, die Investitionen bei 132 Millionen Euro, ein Plus von 14,0 Prozent.

Welche Risiken das Unternehmen selbst nennt

  • Beschaffungsrisiken – Knorr-Bremse hat dieses Risiko im Halbjahresbericht innerhalb des mittleren Risikokorridors reduziert.
  • US-Zölle – als Risiko gegenüber dem Jahresende 2025 gesunken.
  • Preissteigerungen bei Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen – ebenfalls gesunken.
  • Risiken aus der Halbleiterkrise – gesunken.
  • Geopolitische Lieferkettenrisiken im Zusammenhang mit chinesischen Exportregelungen für Seltene Erden – gesunken.
  • Aus dem Beschaffungskapitel des Geschäftsberichts 2025 nennt das Unternehmen zusätzlich kurzfristige Lieferengpässe durch Zölle, Seltene Erden und den Ukraine-Krieg, Lieferanteninsolvenzen und Chip-Lieferbeschränkungen sowie generell intensiven internationalen Wettbewerb. Knorr-Bremse stellt fest, dass sich das Gesamtrisikoportfolio verringert hat und keine bestandsgefährdenden Risiken identifiziert wurden.

Wettbewerb

Knorr-Bremse nennt in den eigenen Publikationen keine Wettbewerber namentlich. Der Geschäftsbericht 2025 spricht allgemein von intensivem internationalem Wettbewerb und von Wettbewerbern der Divisionen Truck und Rail, ohne diese aufzuführen. Die Positionierung erfolgt stattdessen über beanspruchte Marktstellungen: Weltmarktführer für Schienen-Bremssysteme mit führenden Positionen bei Einstiegs- und Klimasystemen sowie Weltmarktführer für Scheibenbremsen und Druckluftbremsanlagen für Nutzfahrzeuge, mit führenden Positionen bei Bremssystemen, Fahrdynamik einschließlich Lenkung und Kraftstoffeffizienz.

Strategisch positioniert sich das Unternehmen über die Zwei-Säulen-Struktur aus Rail und Truck, den hohen Aftermarket-Anteil, die Technologieführerschaft mit einer Forschungsquote von 6,8 Prozent des Umsatzes sowie über Zukäufe in angrenzenden Feldern – 2024 das nordamerikanische Signaltechnikgeschäft von Alstom, 2026 duagon. Welche Marktanteile diesen Führungsansprüchen konkret zugrunde liegen, veröffentlicht Knorr-Bremse nicht.

Termine

DatumEreignis
29.10.2026Finanzergebnisse des dritten Quartals 2026, München
30.04.2026Hauptversammlung mit Dividendenbeschluss (bereits stattgefunden)

Fazit

Die Halbjahreszahlen zeigen operative Verbesserung auf breiter Front: Umsatz plus 3,1 Prozent, operatives EBIT plus 13,7 Prozent, Free Cashflow plus 82,9 Prozent und Margenanstieg in beiden Divisionen. Die Prognoseanhebung am 29. Juli 2026 betraf sowohl die Umsatzuntergrenze als auch die Margenspanne. Zugleich hat sich die Nettoverschuldung von 627 auf 1.218 Millionen Euro erhöht und die Eigenkapitalquote von 35,8 auf 34,8 Prozent verringert – im Zusammenhang mit der duagon-Übernahme, ohne dass das Unternehmen den Anstieg im Einzelnen aufgeschlüsselt hätte.

Offen bleibt, wie sich die gegenläufige Entwicklung der Auftragseingänge fortsetzt. Rail verlor im Halbjahr 7,7 Prozent, bei gleichzeitig wachsendem Auftragsbestand. Truck legte um 7,5 Prozent zu, mit einem sehr starken zweiten Quartal. Ist das bei Rail eine Normalisierung nach großen Vorjahresabrufen oder der Beginn eines flacheren Auftragszyklus? Und trägt die Truck-Erholung über 2026 hinaus? Zu beidem hat Knorr-Bremse keine eigene Einordnung veröffentlicht.

Ebenfalls offen ist der Beitrag des Portfolioumbaus. Der Verkauf des Klimasystemgeschäfts soll Ende 2026 vollzogen werden, duagon ist seit Januar 2026 konsolidiert. Wie sich beides auf Umsatzbasis, Marge und Verschuldung des Jahres 2027 auswirkt, hat das Unternehmen bislang nicht beziffert. Und wie realistisch der Sprung vom aktuellen Margenniveau von 13,9 Prozent auf die rund 16 Prozent des Ziels für 2030 ist, lässt sich aus einem Halbjahr noch nicht beurteilen. Die Quartalszahlen am 29. Oktober 2026 sind der nächste Datenpunkt.

Fragen und Antworten

In welchem Index ist die Knorr-Bremse Aktie gelistet?

Knorr-Bremse ist seit dem Börsengang am 12. Oktober 2018 im Prime Standard gelistet und im MDAX notiert. Die ISIN lautet DE000KBX1006, die WKN KBX100.

Wem gehört Knorr-Bremse?

Die Heinz Hermann Thiele Familienstiftung hält 58,99 Prozent und damit die klare Mehrheit. Die übrigen 41,01 Prozent verteilen sich auf institutionelle und private Anleger.

Was macht Knorr-Bremse?

Das Unternehmen stellt Brems- und Subsysteme für zwei Märkte her: Für Schienenfahrzeuge sind das Bremssysteme, Einstiegssysteme, Klimasysteme und Signaltechnik, für Nutzfahrzeuge vor allem Bremssysteme, Fahrdynamik und Lenkung. 2025 entfielen rund 55 Prozent des Umsatzes auf Rail und 45 Prozent auf Truck.

Warum gilt das Aftermarket-Geschäft als so wichtig?

Weil es margenstärker und weniger zyklisch ist als das Erstausrüstungsgeschäft. 2025 kamen 46,0 Prozent des Konzernumsatzes aus dem Aftermarket, in der Rail-Division sogar 55,5 Prozent. Das stabilisiert die Ergebnisse gegenüber Schwankungen der Fahrzeugproduktion.

Wie viel Dividende zahlt Knorr-Bremse?

Für 2025 waren es 1,90 Euro je Aktie, insgesamt 306 Millionen Euro – eine Erhöhung um neun Prozent gegenüber den 1,75 Euro für 2024. Die Ausschüttungsquote lag bei rund 53 Prozent und damit über dem eigenen Zielkorridor von 40 bis 50 Prozent.

Was ist Growth Beyond?

Die am 29. Juli 2026 gestartete Wachstumsoffensive als Nachfolger des Programms BOOST. Als Ziele bis 2030 nennt Knorr-Bremse rund zehn Milliarden Euro Konzernumsatz, eine operative EBIT-Marge von rund 16 Prozent, eine Cash Conversion Rate über 90 Prozent und einen ROCE über 25 Prozent.

Quellen

Stand der Daten: 14. Oktober 2026. Dieser Beitrag ist eine Einordnung öffentlich verfügbarer Unternehmensangaben und keine Anlageempfehlung.