Nordex Aktie: Portrait, Kurs und Geschäftsmodell
Nordex baut Windkraftanlagen an Land. Nach eigener Einschätzung gehört das Hamburger Unternehmen zu den fünf größten Herstellern außerhalb Chinas und ist in Europa das vierte Jahr in Folge die Nummer eins.
Die Zahlen des Jahres 2025 waren bemerkenswert: 863 Millionen Euro freier Cashflow bei 7,55 Milliarden Euro Umsatz und eine Nettoliquidität von 1,63 Milliarden. Eine Dividende gab es trotzdem nicht – das soll sich ab 2027 ändern.
Unternehmensprofil
| Sitz | Hamburg, Handelsregister Rostock |
| Vorstandsvorsitz | José Luis Blanco (seit 17. März 2017) |
| Finanzvorstand | Dr. Ilya Hartmann |
| Mitarbeiter | 11.525 (30. Juni 2026) |
| Branche | Onshore-Windenergieanlagen und Service |
| Index | TecDAX |
| ISIN | DE000A0D6554 |
| WKN | A0D655 |
| Kürzel | NDX1 |
| Aktien | 236.880.554 |
| Großaktionär | Acciona S.A. mit 47,0 Prozent |
Kursverlauf
Der Chart zeigt den Wochenverlauf der fünf Jahre. Kursdaten über TradingView.
Das Geschäftsmodell
Das Geschäft besteht aus zwei Teilen mit sehr unterschiedlichem Charakter. Das Projektgeschäft – Entwicklung, Fertigung und Errichtung der Turbinen – ist zyklisch und margenschwach. Das Servicegeschäft dagegen liefert planbare, wiederkehrende Erlöse: 863 Millionen Euro Umsatz im Geschäftsjahr 2025 bei einem Segment-EBIT von 156 Millionen und einer Marge von 18,1 Prozent.
Zum Vergleich: Die Konzern-EBIT-Marge lag 2025 bei 6,0 Prozent. Das Servicegeschäft verdient also pro Euro Umsatz dreimal so viel wie der Konzern im Durchschnitt – und sein Auftragsbestand von knapp 6 Milliarden Euro wächst mit jeder installierten Anlage.
Regional ist Nordex stark auf Europa konzentriert: 84 Prozent des Umsatzes 2025, dazu 9 Prozent Nordamerika und 7 Prozent übrige Welt. In den USA hat das Unternehmen 9,2 Gigawatt installiert.
Die zuletzt gemeldeten Zahlen
Zahlen aus dem Halbjahresbericht vom 29. Juli 2026.
| Kennzahl | 1. Halbjahr 2026 | Vorjahr |
|---|---|---|
| Umsatz | 3.766,5 Mio. € | 3.308,7 Mio. € |
| EBITDA | 354,5 Mio. € (9,4 % Marge) | 187,7 Mio. € (5,7 %) |
| EBIT | 264,5 Mio. € | 100,8 Mio. € |
| Konzernergebnis | 165,1 Mio. € | 38,8 Mio. € |
| Ergebnis je Aktie | 0,70 € | 0,16 € |
| Auftragseingang Projekte | 4.683,1 Mio. € / 4.923 MW | 4.134,2 Mio. € / 4.492 MW |
| Auftragsbestand Projekte | 11.577,6 Mio. € | 8.852,5 Mio. € |
| Auftragsbestand Service | 6.807,1 Mio. € | 5.473,1 Mio. € |
| Installationen | 2.323 MW | 3.004 MW |
| Freier Cashflow | 66,5 Mio. € | 149,1 Mio. € |
Der Auftragsbestand aus Projekt- und Servicegeschäft zusammen lag bei 18,4 Milliarden Euro. Im dritten Quartal 2026 meldete Nordex einen weiteren Auftragseingang von 2,8 Gigawatt, ein Plus von 29,5 Prozent. Zum Vergleich das Geschäftsjahr 2025: 7.554 Millionen Euro Umsatz, 631 Millionen EBITDA bei 8,4 Prozent Marge, 274 Millionen Konzernergebnis und 863 Millionen freier Cashflow.
Prognose für das laufende Geschäftsjahr
Nordex hat die Prognose am 29. Juli 2026 unverändert bestätigt: 8,2 bis 9,0 Milliarden Euro Umsatz, eine EBITDA-Marge von 8,0 bis 11,0 Prozent und Investitionen von rund 200 Millionen Euro. Die Working-Capital-Quote soll zum Jahresende unter minus 9 Prozent des Konzernumsatzes liegen.
Das Mittelfristziel bekräftigte das Unternehmen ebenfalls: eine EBITDA-Marge von 10,0 bis 12,0 Prozent.
Dividende
Für das Geschäftsjahr 2025 zahlte Nordex keine Dividende. Die Ausschüttungspolitik sieht eine Rückführung an die Aktionäre über Dividende oder Aktienrückkauf vor, abhängig vom ausschüttungsfähigen Gewinn, der Kapitalstruktur und den Wachstumsinvestitionen.
Ab 2027 strebt der Vorstand mindestens 50 Millionen Euro jährlich an – unter dem Vorbehalt der erforderlichen Genehmigungen, des Erreichens der eigenen Prognose, erzielter Nettogewinne und stabiler Marktbedingungen.
Was das Geschäft antreibt
- Der Auftragsbestand. 18,4 Milliarden Euro aus Projekt- und Servicegeschäft zum 30. Juni 2026 geben mehrjährige Sichtbarkeit.
- Das Servicegeschäft. Mit 18,1 Prozent EBIT-Marge stabilisiert es das Ergebnis, und sein Auftragsbestand wächst mit jeder neu errichteten Anlage.
- Der politische Rahmen. Nordex verweist auf erwartete Auktionsvolumina von rund 12 Gigawatt in Deutschland für 2026, auf US-Steuergutschriften und auf die durch Rechenzentren steigende Stromnachfrage.
Welche Risiken das Unternehmen selbst nennt
- Rückläufige Installationen: minus 22,7 Prozent im ersten Halbjahr 2026. Das Unternehmen erwartet unter anderem in Deutschland, Finnland, Kasachstan und Saudi-Arabien niedrigere Installationen und rechnet mit einer Installationsdelle um das Jahr 2030.
- Abhängigkeit vom Auktions- und Regulierungsrahmen. Wie viele Anlagen gebaut werden, entscheiden staatliche Ausschreibungen, nicht der Markt allein.
- Der freie Cashflow fiel im ersten Halbjahr um 55,4 Prozent.
- Die angestrebte Ausschüttung ab 2027 ist ausdrücklich an das Erreichen der Prognose und an stabile Marktbedingungen gekoppelt.
Wettbewerb
Nordex nennt keine Wettbewerber namentlich. In der Marktanteilsgrafik erscheinen sie nur als Peer 1 bis 4 und als sonstige Anbieter.
Termine
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 5. November 2026 | Quartalsmitteilung drittes Quartal 2026 mit Webcast um 14:00 Uhr |
Fazit
Nordex hat 2025 und 2026 eine Wende geschafft, die in der Windbranche nicht selbstverständlich ist: von einem Verlustbringer zu einem Unternehmen mit 1,6 Milliarden Euro Nettoliquidität. Das EBIT stieg im ersten Halbjahr 2026 von 100,8 auf 264,5 Millionen Euro.
Der Grund dafür ist nicht Wachstum, sondern Preisdisziplin. Die Installationen gingen um 22,7 Prozent zurück, der Umsatz stieg trotzdem um 13,8 Prozent – es werden weniger, aber besser bezahlte Anlagen gebaut. Die Margenverbesserung von 5,7 auf 9,4 Prozent bestätigt das.
Zwei Punkte für die weitere Beobachtung. Erstens der Auftragsbestand: 18,4 Milliarden Euro bei 7,55 Milliarden Jahresumsatz sind über zwei Jahresumsätze. Zweitens die erwartete Installationsdelle um 2030, die Nordex selbst nennt – ein Hinweis darauf, dass die aktuellen Auftragsbücher nicht automatisch in die nächste Dekade reichen.
Fragen und Antworten
Zahlt Nordex eine Dividende?
Für 2025 nicht. Ab 2027 strebt der Vorstand mindestens 50 Millionen Euro jährlich an, unter mehreren Vorbehalten.
Wem gehört Nordex?
Der spanische Konzern Acciona hält 47,0 Prozent der Anteile.
Baut Nordex auch Offshore-Anlagen?
Nein, das Unternehmen ist auf Windenergieanlagen an Land spezialisiert.
Warum ist das Servicegeschäft so wichtig?
Es erzielt mit 18,1 Prozent EBIT-Marge das Dreifache der Konzernmarge und liefert planbare Erlöse über die gesamte Laufzeit einer Anlage.
Wann kommen die nächsten Zahlen?
Die Quartalsmitteilung erscheint am 5. November 2026.
Quellen
Stand der Daten: 14. Oktober 2026. Dieser Beitrag ist eine Einordnung öffentlich verfügbarer Unternehmensangaben und keine Anlageempfehlung.